Dienstag, 29. November 2016

Stilbruch

Die Bamberger Kneipen sind Klasse. Viele sind oder waren Brauereien. So auch das "Fässla". Gastlichkeit bei einem guten Bier. 
Und dann kommen die Dortmunder, eigentlich ja auch Biertrinker, und fragen nach Wein. Es gibt eine Sorte, Silvaner. Eigentlich wollte ich einen Tee und keinen Alkohol mehr, aber Tee gibt es hier nicht, es war etwas peinlich.
Der Wein war die Notlösung -Stilbruch. Es tur mir leid.  


Freitag, 18. November 2016

Clotted Cream über alles

Ja, das ist ein Scone. Mein englisches Lieblingsgebäck. Und ja, der ist riesig, fast unwirklich. Aber er ist echt, die darin aufgetürmte 'clotted cream' auch. 
Und ein letztes ja, den habe ich vertilgt. Über die Folgen schweige ich mit reiseleiterischem Stolz und empfehle all meinen Gästen diese Köstlichkeit.
Muss ja nicht gleich so ein Turm sein. 
Guten Appetit. 

Freitag, 11. November 2016

Fully booked

Also, ich hatte ja schon einmal darüber berichtet als wir in London waren auf der Suche nach einem Lokal für den Abend.
Überall daselbe Schicksal: SORRY, FULLY BOOKED. Heisst: ausgebucht. 
Jetzt sind wir im tiefsten schottischen Hochland, es ist Freitag, o. k. ein Freitag, also kurz vor dem Wochenende, aber in dieser gottverlassenen Gegend ist einfach niemand. Man sieht kein Haus, niemand ist auf den Straßen.
Schon seit einigen Tagen hatten wir uns vorgenommen, einmal in das Restaurant des Hotels 'Ramsay Arms' zu gehen. 
Das liegt in Fettercairn, wo auch unser Ferienhaus ist. 
Dieses Mal sind wir einfach davon ausgegangen, dass wir nicht reservieren müssen, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass noch viele andere Menschen dasselbe vorhaben wie wir. 
Vor dem Lokal angekommen, erfasste uns doch kurzfristig der Gedanke, was wohl wäre, wenn uns gleich unser Lieblingssatz 'Fully booked' entgegengeschmettert würde. 
Nein, das kann nicht sein. Alle Tische sind frei, nur ein paar Leute sitzen an der Theke.
Und dann fragt uns die Kellnerin tatsächlich, ob wir vorreserviert hätten. 
Ich war einem Anfall nahe!!! 
Ok, ich gehe zu Hause selten essen, aber trotzdem. Ich habe hier wirklich irgendwas nicht mitgekriegt. 
Auf jeden Fall hatten wir Glück, den letzten herrenlosen, unreservierten Tisch zu bekommen.  
Wenn wir irgendwann einmal in Grönland Urlaub machen, dann werde ich jetzt schon einen Tisch in einem örtlichen Lokal reservieren - nur zur Sicherheit. 


Sonntag, 30. Oktober 2016

Indian Summer in den Cotswolds

'Indian Summer' übersetzt das Wörterbuch mit 'Altweibersommer'.
Das klingt für mich nicht schön genug, verbindet man doch gerade mit dem Wort 'Indian Summer' ein fantastisches Gold-Rot-Gelb an Herbstfarben, wie sie geballt und unter strahlend blauem Himmel nur in Neuengland/USA vorkommen.
Nur in Neuengland? Nein, ich weite das Phänomen einfach mal auf die Cotswolds aus, denn was wir hier an Farbenpracht erlebt haben, ist einfach fantastisch. Der strahlend blaue Himmel war zwar nicht immer gegeben, aber sonst wäre es auch kaum auszuhalten gewesen.
Passenderweise zu unserer Reise Ende Oktober haben wir ins im 'October Cottage' in Chalford einquartiert         
                     
Und wo sind nun überhaupt die Cotswolds? Ein Name, der vielleicht ein bisschen merkwürdig klingt und vor allem bei Deutschsprachigen eher an eine Magenverstimmung erinnert.
Um es ganz einfach zu machen, geht man mit dem Finger auf der Landkarte von London nordwestwärts auf Oxford zu und dann noch etwas weiter nach links. 'Cirencester' liest man dort und ist mittendrin, in den schönen Cotswolds. Good old England, wie wir es uns in unseren Träumen vorstellen, wie es zu Shakespeares Zeiten auch schon ausgesehen haben muß.
                                
Viele Häuser sind dort teilweise bis komplett bewachsen mit allerlei Wucherndem, das idyllisch aussieht. Oft muß man schon genau hinsehen, um genau den Eingang oder gar Fenster zu erkennen.
Noch dazu hebt sich das Baumaterial, gelblicher Sandstein, kaum vom hügeligen Hinterland ab, wodurch eine mystische Einheit aus Haus und Umgebung entsteht.
                    
Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in der Arlington Row in Bibury, übrigens eine bekannte Filmkulisse. Der Film 'Der Sternenwanderer' (Stardust) spielte unter anderem hier. 
Um einen Film zu drehen, der seine Handlung mehrere Jahrhunderte zurück hat, brauchen die Filmemacher kaum etwas Modernes aus dem Weg zu räumen. Vielleicht maximal ein bisschen Lehm auf die gepflasterten Straßen kippen und das war's dann.
So auch geschehen in Castle Combe, ebenfalls eine Kulisse für den Sternenwanderer und auch den Film 'Warhorse'. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Selbst in den Toiletten eines der ansässigen Pubs ist die Keramik anscheinend so wie man es zu Queen Victorias Zeiten gern hatte.
                       
Ganz bestimmt hat jede Jahreszeit in den Cotswolds ihren Reiz. Im Frühling wird man es lieben, die Blumenpracht in Prince Charles' Garten von Highgrove zu bewundern. Ja, er hat seinen Landsitz hier und kümmert sich seit 35 Jahren um das Aussehen und den ökologischen Aspekt des gesamten Anwesens. Der soll jetzt genauso sein, wei er und Camilla sich das erträumt haben. Was auch bedeutet, daß er so einiges nach der Scheidung von Diana verändert hat.
Und man wird die Pracht des Rokokogartens bei Painswick bewundern. 
Im Sommer wird man es genießen, einfach auf einem der Aussichtspunkte den Blick in die Täler zu genießen, bei einem Picknick mit kühlen Getränken und frischem Obst. Dann ein bisschen wandern über den landschaftlichen 'Cotswold Way'.
Aber der Herbst ist etwas ganz Besonderes, und zwar genau dann, wenn sich die Blätter allmählich verfärben. Wenn man dann noch ein paar milde, trockene Tage erwischt, was ja nicht selten ist, dann erlebt man ein Feuerwerk an Farben. 
Die Herbstfarben der Bäume, Hecken und Büsche harmonieren auf das Allerfeinste mit dem gelben, aber auch manchmal weiß-grauen  Sandstein der Häuser.
Man kann sich nicht satt sehen. Ein Ort toppt den nächsten, ein Haus hat eine schönere Fassade als das nächste, nein, das übernächste ist noch viel schöner. 
                        
Dabei wetteifern die reetgedeckten Häuser mit denen, die derart alte, verwitterte Schindeldächer haben, daß man das Klischee förmlich schon ahnen kann, daß in alten englischen Häusern immer Zugluft herscht, oh sorry, der Engländer nennt es ja 'some fresh air'.
'Fresh air' ist wirklich im Herbst draußen in der fantastischen Landschaft zu genießen und einzusaugen.
Man hüpft wie ein Eichhörnchen von Baum zu Baum, fotografiertechnisch zumindest, denn die mit den grüngelben Blättern sind so schön, aber die mit den ganz gelben auch, ach was, die knallroten sind die besten.
Herbst in den Cotswolds, ein Tip für Herbst-, Landschafts- und/oder Englandfans. 
                      
                      



                            



















  

Samstag, 22. Oktober 2016

Auch in Dortmund ist es schön

Die Reisesaison ist fast zu Ende, daher wird es nicht mehr viele Posts von mir aus europäischen Zielen geben, außer dass ich Euch wahrscheinlich mit dem 100. Post über Schottland beglücke, denn dort geht es bald für uns in den Urlaub hin - wieder einmal.
Und wenn man dann tatsächlich einmal mehrere Tage zu Hause ist, auch am Wochenende, und am Samstag nach der Arbeit so durch seine Stadt vor sich hin läuft, dann hat man die Augen auf einmal offen für Dinge, die um einen herum passieren. 
Und man stellt fest, auch hier kann man Schönes erleben.
Da ist zum Beispiel die Ausstellung der Kaninchenzüchter. Die existieren tatsächlich in einem Verein und veranstalten wirklich eine Schau. Bislang tauchten die immer nur bei mir im Büro auf, um eine Anzeige für ihr Vereinsheft abzustauben, und ich dachte, das wäre ein Scherz. 
Irgendwie habe ich immer gedacht, solch einen Verein könnte es gar nicht wirklich geben.
Aber für was gibt es in Deutschland eigentlich keinen Verein?
An der nächsten Ecke ein Aufruf des Heimatvereins, alte Fotos aus unserem Vorort zur Verfügung zu stellen. Das Wort 'Heimatverein' finde ich auch irgendwie merkwürdig. Ein Verein für die Heimat? Ich habe keine alten Fotos, also kann ich da auch nicht hin. 
Gibt es Menschen, die in keinem Verein sind? Ich kann es mir gar nicht vorstellen, bin ich doch selber in einem. Aber wir züchten nichts, wir tragen vor. Musik. Hier übrigens eine Hörprobe:
Ich war kurz versucht, einfach mal in diese Kneipe mit der Kaninchenzüchterschau zu gehen. Nur so aus Langeweile und ein bisschen auch aus Neugier auf Pott-Kultur.
Dann aber überkam mich eine Erinnerung, und Bilder schwirrten in meinem Gehirn herum, die mich davon abgehalten haben. 
Der Verein der Dackelzüchter tauchte in meinem Kopf auf. Fast 40 Jahre ist es her, dass ich dort mit unserem ersten Dackel zur Ausstellung war. Ich fand ihn so schön und wollte das so gern auch von einem Fachmann bestätigt bekommen. Dieser sah sich den Hund an und meinte, er wäre nicht zuchttauglich, weil er einen Knick in der Rute hatte. "Wer weiß, wie das bei dir aussieht", dachte ich damals in meinem jugendlichen Leichtsinn und war schwer beleidigt.
An der nächsten Ecke hängt ein Plakat mit Werbung für den Zirkus des Horrors. Aber halt, das war schon vor einem Monat.
Nun, ich stelle fest, dass im Spätherbst, kurz vor dem Winter, doch nicht so richtig Tolles für mich dabei ist. Es bleibt also, auf die Adventszeit zu warten, aber da sind wir dann schon wieder weg.

 
 




Mittwoch, 12. Oktober 2016

Die Sache mit dem Zucker

Dieser Post ist eigentlich besonders, oder vielleicht sogar ausschließlich interessant für Insider, sprich, die Reisefreunde die mit in der Bretagne waren und die Aktion "Zuckerklau" unterstützt haben.
In meinem Post zu  unserem Ausflug nach Stonehenge habe ich ja seinerzeit den Titel verfasst "Skandal: Reiseleiterin lässt Touristen Steine schleppen", aber ganz ehrlich, für diese Aktion "Zuckerklau"  bin ich nicht verantwortlich.
Um das Ganze schlüssig zu erklären, muss ich erwähnen, dass bei unseren Reisegästen sehr selten jemand im Bus Zucker zum Kaffee nimmt. Auf dieser Fahrt waren es allerdings zwei, und die mussten sich schon am zweiten Tag um die verbliebenen drei Stückchen Zucker bei mir bewerben.
Am Abend habe ich aus dem Restaurant vier Tütchen Zucker mitgenommen, wohl gemerkt allerdings der Zucker, den wir ohnehin zum bestellten Espresso bekommen, aber nicht benutzt hatten. Damit sollte ich ein wenig weiterkommen, in der Hoffnung, dass meine Zucker-Kandidaten einfach nicht jeden Tag Kaffee bestellen.
Aber wovon träume ich eigentlich? Ich weiß doch, dass alle meine Gäste immer sehr gern an Bord verzehren, weil sie auch unseren guten Service schätzen.
Selbstverständlich haben alle schnell gemerkt, dass Zucker Mangelware blieb und wurden tätig.
Das wurde hinterher schon richtig lustig, denn jeden Morgen berichtete mir mein Mann, wer auch noch neu in den Zuckerklau eingestiegen war.
Ich habe doch wirklich treue und solidarische Kunden und bedanke mich noch im Nachhinein recht herzlich, denn wir werden sicherlich für die ganze nächste Saison keinen Zucker mehr kaufen müssen.

Bretonische Küsten, Tiere und Essen

An den schönen bretonischen Küsten kann man sich einfach nicht satt sehen. Das geht einem genauso an der Westseite der Region, zum Beispiel an der "Côte Sauvage", der "wilden Küste" auf der Halbinsel "Quibéron".
Hier haben wir ein wahres Kontrastprogramm erlebt, denn die der Biskaya zugewandten Seite ist wirklich sehr wild.
Aus einem kleinen Fotostop ist ein recht langer Aufenthalt geworden, denn wir konnten uns einfach nicht von diesem herrlichen Panorama trennen. 
Da kam gerade eine so schöne Welle an, aber halt, die nächste war noch viel schöner, und nein, die nächste, die war ja noch viel besser, wie sie so ganz imposant an sie Felsen klatschte. 
Und die Sonne hat es wieder besonders gut mit uns gemeint und schien ganz wunderbar über unseren Köpfen. 
Die dem Festland zugewandte Seite in dieser Halbinsel ist flach und sandig, also ideal für einen sommerlichen Strandurlaub. Das nutzen die Franzosen auch gehörig aus, und um alle Urlaubsgäste aufzunehmen, wurden viele Hotels und Ferienhäuser in die Landschaft gezimmert. 
Besonders am Südzipfel der Halbinsel ist es dann nicht wirklich mehr so schön, finden wir.
Ein ganz wunderbares Städtchen ist auch Concarneau mit seiner ummauerten Altstadt. Sie erwacht gerade, als wir ankommen, denn es ist noch vor 10:00 Uhr, und die Geschäfte öffnen erst ganz allmählich. Mit so ganz, ganz wenigen Touristen und geschlossenen Geschäften wirkt es dann doch ein wenig ausgestorben. 
Ein Bummel über die Stadtmauer eröffnet einige recht schöne Ausblicke in die Landschaft. 
Bretonische Tiere habe ich im Titel des Posts erwähnt. Die drei oben abgebildeten sind natürlich nicht typisch bretonisch, aber besonders schön. Ein Dank wieder einmal an Margret, die mit ihrer tollen Kamera diese Möwe eingefangen hat. Das kleine Kätzchen hat es sich in einem Blumenkübel gemütlich gemacht, und dieser Hund gehörte zu einem Geschäft in Concarneau und schien der gesamten Nachbarschaft bekannt zu sein, denn er hüpfte jedes Mal vor Freude, wenn er jemanden auf der Straße erkannte. Uns kannte er nicht, kam aber trotzdem schwanzwedelnd auf uns zu, als wir an der Kasse standen und etwas gekauft haben. Wahrscheinlich, weil wir etwas gekauft haben.
Last, but not least ein paar Impressionen zum Thema Essen. Artischocken wachsen zuhauf in der Bretagne. Der Süßkram ist einfach unwiderstehlich, die Bilder sprechen für sich.


Das Haus

Es ist möglicherweise das am meisten fotografierte Objekt an der bretonischen Nordküste: DAS HAUS.  
Es liegt ganz in der Nähe des kleinen Dorfes Plougrescant. Und wer jetzt ganz gute Augen hat und genau hinschaut, der sieht, dass die schöne Idylle durch zwei Autos ein wenig getrübt wird, aber für mich macht das überhaupt nichts, denn diese beiden Autos haben eine ganz besondere Bedeutung.
Ich habe nämlich gelesen, dass die Besitzerin des Hauses es endgültig leid ist, dass ständig Fotografen vor Ihrer Haustür herumlungern, nur um fantastische Fotos zu machen und sie dann unter Umständen im Internet und den Reiseführern zu vermarkten. 
Auch von Touristen, die auf die Felsen direkt beim Haus klettern und sogar auf das Dach, habe ich gehört. 
Im Prinzip kann man das wirklich gut verstehen, denn irgendwann wird einem das lästig. Aus diesem Grunde parken jetzt immer ein bis zwei Autos davor, damit das Bild für die Fotografen nicht mehr so schön ist.
Dass jeder Bretagne-Reisende dieses unwirklich wirkende, eingeklemmte Haus gerne als Foto mit nach Hause nehmen möchte , kann man natürlich genauso gut verstehen. 
Wir haben das aus angemessener Entfernung getan, und es gab an diesem Küstenabschnitt ja auch noch genügend andere fantastische Motive. 
Auch das kleine Örtchen Plougrescant selbst hat etwas Interessantes zu bieten. Eine Kirche mit schiefen Turm.
Das mag es sicherlich bei manch anderer Kirche auch geben, aber hier hat man extra dafür gesorgt, dass das auch so bleibt, und man plant keine Anstalten, diesen Turm zu begradigen. Man hat ihn einfach nur abgesichert. 

Freitag, 7. Oktober 2016

Mein "blauster" Himmel: Mont Saint Michel

Ganz ehrlich, es war fast nicht auszuhalten. Dieses Blau über dem Klosterberg von Mont Saint Michel! Der am meisten gefallene Staun-Satz war der über den wahnsinnigen, unglaublichen, blauen, wolkenlosen Schönwetterhimmel an diesem Tag.
Es ist der zweite Oktober. Und ein Hinweis an alle "Im-Oktober-ist-doch-schon-zu-spät-Besserwisser", daß man in der Nachsaison einfach fantastisch reisen kann. Diese Zeit ist ideal für Rundreisen, wandert man doch ungern ächzend und schwitzend durch Gluthitze, unter der der Besuch jedes noch so schönen Bauwerks zur Qual werden kann.
Ich will es daher auch nur ganz leise sagen, daß mir dieser Tag in der Sonne sogar schon fast wieder zu heiß war. 
Den Weg hoch zum Kloster möchte ich jedenfalls nicht zweimal machen und bin daher froh, daß niemand verloren gegangen ist und von mir wieder in die richtige Richtung gelenkt werden musste. 
Es gibt ja auch nur eine in Mont Saint Michel, nämlich bergauf.
Wir feuern uns gegenseitig an und machen ausreichend Pausen auf perfekt dafür gemachten Treppenstufen.
Und dann ist es geschafft! Man fühlt sich oben ein wenig wie ein Pilger, der echtes geleistet hat, und genießt die Aussicht.
Ein riesiges Wattenmeerfeld breitet sich unter uns aus. Das Meer ist wieder einmal weg, sprich: Es ist Ebbe, wie wir es oft genug auf der Reise hatten. Entweder es stimmt tatsächlich, daß die Gezeiten hier in der Bucht extreme Unterschiede aufweisen (bis etwa 13/14 m), oder aber die Bretonen haben gar kein Meer 😉.
Was sage ich denn da? Der Mont Saint Michel liegt in der Normandie, darauf legt man dort Wert, und ich nenne die Bewohner dort einfach Bretonen!? PARDON vielmals!!!
Die Normannen haben also genau wie die Bretonen nebenan kein Meer!
Und sie teilen sich diesen Wahnsinns-Himmel. Schon wieder dasselbe Thema! 
Unten im Wattenmeer laufen Gruppen umher, geführt hoffentlich, denn es ist nicht ratsam, hier unwissend als Fremdling allein zu gehen. Zu groß ist die Gefahr, daß man die kommende Flut unterschätzt und plötzlich belehrt wird, daß es hier doch ein Meer gibt. Und mit welcher Intensität es dann an die Küste prallt, das möchte man nicht wirklich erleben wenn einem dann gerade die Füße im Schlick stecken bleiben.
Eine Pferdekarawane zieht auch daher. Wattwanderung hoch zu Ross, auch sehr schön. Und auch so mancher Wauzi darf sich im Matsch austoben. Dann kommt er mit Herrchen ans feste Land und schüttelt sich mal so richtig kräftig aus. Wie hoch dann Matsche fliegen kann, und wie schön der Liebling danach aussieht, das erfährt dann der hoffentlich hart gesottene Hundehalter.
Oben auf dem Klosterberg habe ich eine Führung bestellt, und die Wahl des Nachmittags hat sich wieder einmal als vorteilhaft erwiesen, denn die meisten Touristen waren schon weg.

Der Kreuzgang wird als 'la merveille' (das Wunder) bezeichnet, doch ist für mich das ganze Bauwerk ein Wunder. Schon allein, weil die Entstehungsgeschichte so wunderbar ist.
Vor einer wahren Ewigkeit ist dem Abt von Avranches der Erzengel Michael erschienen und hat ihn ermahnt, er möge doch bitte auf dem nahe gelegenen Felsen ein Kloster errichten. Der Abt hat den Erzengel ignoriert, sogar auch noch ein zweites Mal, aber beim dritten Mal wurde der Erzengel sehr energisch und bohrte dem Abt seinen Zeigefinger in den Schädel. Man darf wohl davon ausgehen, daß das so weh getan hat, dass er deswegen den Auftrag nicht mehr ignorieren konnte und sich an die Arbeit machte.
Und somit haben wir heute dieses fantastische Gebilde zu besichtigen.
Ein Highlight in der Region. 






Hinter dicken Mauern: Saint-Malo

Das nenne ich mal eine tolle Stadt!
Saint-Malo ist super. Starker Festungscharakter von außen und dennoch irgendwie heimelig "intra muros", innerhalb der dicken Stadtmauern. So befestigt stellt man sich tatsächlich eine ehemalige Korsarenhochburg vor, eine Stadt, die ihre eigenen Gesetze hatte, ihre "eigenen" Leute, die sich weder als Franzosen, noch als Bretonen bezeichnen, denn sie waren und sind "Malouinen".
Und wer als Tourist mittendrin sein möchte, der erstrebt natürlich auch ein Hotel "intra muros", so wie wir mit unserem "Hotel de l'Univers".
Ich muß es vorweg nehmen, diese Unterkunft ist sehr zu empfehlen. Die Atmosphäre ist charmant, mit einem ganz kleinen bisschen angestaubtem Altertum, aber sehr netten Zimmern, überaus freundlichem Service und einer tollen Bar. Zum angeschlossenen Restaurant unter gleicher Leitung komme ich später.
Man reißt also die Fenster auf, und für alle ist der abendliche Ausblick ähnlich.       

Niemand kann sagen, mein Zimmer geht nach hinten raus, ich blicke auf Mauern oder ähnliches, denn alle blicken auf Mauern.
In Saint-Malo wurden die Häuser hoch gebaut. Fünf bis sechs Etagen können es manchmal sein. Und selbst wenn man ganz oben wohnt, verbaut einem die Stadtmauer meistens die Sicht.
So ist auch das erste Aufwachen am nächsten Morgen ein merkwürdiges Gefühl, denn es ist um 7:00Uhr noch viel dunkler als bei uns um 7:00h. Die Mauern nehmen das Sonnenlicht weg, und man kann verstehen, daß unsere Stadtführerin uns erzählt, daß sie deswegen nun außerhalb der Stadtmauern wohnt. Mehr Dunkelheit als anderswo und ständig in den fünften Stock ohne Aufzug - es macht dich entweder furchtbar fit oder kaputt.
Zum Glück verfügt unser Hotel über einen Aufzug, wenngleich es für mich der kleinste der Welt zu sein scheint.
Er fördert jedenfalls den Erfindungsgeist, denn man hat die Wahl: Eine Person und ein Koffer, oder erst alle Koffer und einer rennt nebenher die Treppe hoch, um sie in Empfang zu nehmen.
Es wird ohnehin mal wieder Zeit, den Körper etwas zu stählen, daher gehe ich vier Tage lang zu Fuß rauf und wieder runter. Das Leben ist schön! 
Und die fantastische Stimmung des Ortes am Abend lockt mich dann sogar immer wieder aus dem Zimmer die ganzen vielen Treppen herunter.
Der Ort lebt auch von seinem Meer, wenn es denn mal da ist. Inselchen erscheinen und verschwinden, je nach Gezeitenstand. Bei einer Bootsfahrt durch die Bucht von Saint Malo entdeckt man noch viele Felsen mehr und staunt nicht schlecht über die Kunst der Seeleute, dort wie über einen Highway durchmanövrieren. An diesen Tücken vor der Küste sind einst die Engländer gescheitert. Nun ja, heute haben sie es aber auch raus, denn immerhin fährt Confor Ferries von hier regelmäßig zu den Kanalinseln. 
Ach, wieviel mehr schöne Bilder sind da noch in meinem Kopf!?  Es ist eine Stadt zum Staunen. 
Und empfehlen möchte ich auch das Restaurant 'Jacques Cartier', das zu unserem Hotel gehört. Zum einen hat das Essen fantastisch geschmeckt (die können schon Fisch zubereiten, die Bretonen), zum anderen ergab sich daraus der angeberische Satz "Wir waren jeden Abend bei Cartier". 

Montag, 3. Oktober 2016

Partner mit Riesenkathedrale

Amiens ist Dortmunds Partnerstadt. Wir haben die Reinoldikirche, die haben die Kathedrale Notre Dame. Der Unterschied? Gewaltig! Ist doch Notre Dame das größte sakrale Bauwerk Frankreichs.
Und das anzuschauen ist ein absolutes Muß.
Was die Stadt selbst anbetrifft, so bleibe ich eigentlich lieber in Dortmund. Warum? Da habe ich nicht wirklich eine Ahnung, ist so ein Gefühl.
Wenn ich nun sage, Amiens ist mir zu modern, dann trifft das auf Dortmund ebenfalls zu.
Man merkt vielleicht schon, daß mir ein wenig der Stoff fehlt, um diesen Post zu einem interessanten Ende zu führen. Also, raus mit der Sprache: Amiens hat mir einfach nicht so sehr gut gefallen.
Städte an Flüssen haben meist ein besonderes Flair, das fehlte mir hier auch.
Wenn auch das alte Viertel Saint Leu am Fluß ein paar schöne bunte Häuser hat, so ist aber auch viel bruchreifes Material dabei, also einfach nicht mein Ding.
Und mir geht es ja in erster Linie um touristisch Interessantes, und das fokussiert sich in Amiens alles auf die Kathedrale. 
Die ist allerdings wirklich imposant! Man verliert sich im riesigen Innenraum, der vor gotischen Höhenmetern nur so strotzt. Man spürt geradezu den Wettstreit um den höchsten Innenraum zwischen den Kathedralstädten von Amiens und dem nicht weit entfernten Beauvais. 
In letzterer hat dieser Kampf ein Ende genommen, indem etliches vom Gotteshaus einstürzte und es unvollendet blieb. 1:0 also für Amiens.
Ein besonders schönes Detail befindet sich auf dem Fußboden vor dem Chor. Das Labyrinth. Für alle, die früher den Pilgerweg nach Jerusalem nicht gehen konnten, weil ihnen die finanziellen Mittel dazu fehlten. Und das waren ja sicher die meisten. Um aber dennoch den Sündenablass zu bekommen, mussten sie das Labyrinth abschreiten. Wie oft, das entzieht sich meiner Kenntnis.
Ich habe es einmal gemacht und frage mich seitdem, was da speziell von mir abgefallen sein könnte. Sünden? Ach was!!!
Die Erinnerung an die Schlachten des ersten Weltkrieges sind übrigens hier überall präsent. Plakate, Bücher über die an Menschen höchst verlustreiche Somme-Schlacht und ein kleines Engelchen in der Kathedrale, das quasi zum Liebling der Soldaten geworden war. Es sitzt hinter dem Chor in der Kathedrale und weint, ein Ärmchen auf einer Sanduhr aufgestützt, als Symbol dafür, wie vergänglich die Zeit ist. Das andere Ärmchen lehnt auf einem Totenschädel. Und das Engelchen weint.
Postkarten hielten diese Szene massenhaft fest, und die Soldaten kauften sie, um einen Gruß in die Heimat zu senden.


Sonntag, 25. September 2016

Ab zu Anne!

Bald verabschiede ich mich in die Bretagne und begebe mich auf die Spuren von Anne.
Anne de Bretagne, letzte Regentin über ein unabhängiges Herzogtum. 
Herzogin im Alter von 11 Jahren, zweimal Königin von Frankreich. 
Nachdem ihr erster königlicher Gatte auf Schloß Amboise nicht aufgepasst hat und vor einen Türsturz gerannt ist, was ihn das Leben gekostet hat, hat sie gleich seinen Nachfolger geheiratet.
Alles, um ihr Erbe, die Bretagne, für ihre Nachkommen zu sichern.
Apropos Nachkommen: Ihrer Tochter Claude, "Reine Claude", verdanken wir den Namen einer Apfelsorte.

Ich freue mich, meinen Gästen fantastische Landschaften mit einer abwechslungsreichen Küstenlinie und vielen Altertümern, bis hin zu prähistorischen Steinkreisen zeigen zu dürfen.
                                             
Und vor allem geht es dann wieder los mit einem meiner Lieblingsthemen: Babies und Kinder auf dem Thron, Hochzeiten im Alter von 3 Jahren und viele geisteskranke, manipulierbare Könige!

Auf nach Frankreich - auf zu den Bretonen.



Henry VII Tudor, St. Davids und die kaputte Scheibe

Auch hier wieder eine kleine Entwarnung vorweg: Man kann beruhigt die Kathedrale von St. Davids besuchen, alle Scheiben dort sind heile. Und dennoch hängen die Kathedrale und eine kaputte Scheibe eng zusammen, und besonders der Geburtsort des Tudor-Königs Heinrich VII spielt hier eine entscheidende Rolle. Aber auch der hatte keine kaputte Scheibe in seinem Palast. In "Pembroke Palace", den wir heute besuchen, gibt es ja gar keine mehr, und damit sind wir erst einmal beim heutigen Ausflug angelangt.

Verwirrend? Dann hier schön der Reihe nach:

Es geht nämlich zunächst nach Pembroke, zusammen mit unserem Reiseleiter David, aber er ist nicht der Schutzpatron von Wales, denn der liegt ja ewig schon in Frieden in der Kathedrale von St. Davids in Süd-Wales.
Unser David, das sei am Rande bemerkt, entspricht übrigens nicht dem Bild eines typischen Walisers, wie es mir in der seit Jahrzehnten laufenden TV-Sendung "English for Beginners" lustig eingetrichtert wurde. Nämlich als rustikaler, bäuerlicher Typ, Tweed-Jacke an, Hut auf und Schaf unterm Arm und eine Sprache sprechend, die niemand versteht.

Wir sind also in Pembroke und erfahren von dem historisch bedeutenden Moment, als ein kleiner Junge im dortigen Palast das Licht der Welt erblickt. Es ist wieder einmal ein Henry, und er ist ein Royal. Er wird als Nr. 7 König von England, aber das allein ist es ja nicht.
Er ist vielmehr noch der Begründer einer neuen Dynastie, der Tudors, die wir alle kennen, wenngleich auch eher durch seinen Sohn, fantasievollerweise noch ein Henry, Nr. 8 (der mit den sechs Frauen). 

In Pembroke zeigt uns Wales seine Fähigkeit, vielfältiges Wetter zu produzieren. Es regnet, fieselt zunächst, so daß einige von uns sich mit David zu einer Innenbesichtigung in die Burg flüchten. Innenbesichtigung als Wetterschutz ist nun auch wieder hilfreich bei einer Burg ohne Dach!
        
Mit den anderen mache ich einen Spaziergang um die Burg herum. Das bietet einen wirklich schönen Anblick, und was soll schon das bisschen Regen? Wir sind nicht aus Zucker und erfahrene Reisende mit immer passender Kleidung im Gepäck.
Doch da! Ein Farbklecks in der Ferne! Einer, der uns richtig viel Freude macht und als besonderes Ereignis in unsere Fahrtengeschichte eingeht.
Ein Hund im BVB-Trikot!
                                 
Dieser Scotch-Terrier hat auch die passende Kleidung für das Wetter, und wir kommen darüber mit seinem Herrchen ins Gespräch. Der, man mag es kaum glauben, kennt unsere Heimatstadt Dortmund. Nun ja, denken wir eingebildet, bei dem Fußballclub!?
Er war allerdings in der Kaserne in Dortmund-Brackel stationiert und erzählte uns begeistert von "Bi One", der B1' die die Stadt durchschneidet, von seinem Sohn, der dort geboren wurde, etc. p.p.
Die Welt ist klein.
Und dann muß ihm Achim leider mitteilen, und er entschuldigt sich auch echt britisch mehrfach dafür, daß die "Napier Barracks" leider nicht mehr existieren. Abriß! 
Der Waliser ist daraufhin höchst enttäuscht, entschuldigt sich seinerseits für das Wetter, durch das wir durch müssen und geht mit seinem BVB-Hund des Weges.

Wir gehen schnurstracks, um nicht völlig aufzuweichen, in ein Café auf ein paar leckere Scones. Nicht, daß wir gerade erst gefrühstückt hätten, aber Scones gehen immer.
     
Zurück im Bus, in unserem gemütlichen Wohnzimmer, geht es weiter nach St. Davids. 
Und dann passiert es: Ein Baugerüst an einer Hausecke ragt zu weit in die Straße hinein, unser Busfahrer sieht's zwar noch rechtzeitig, bremst ab, wodurch der Bus etwas nach links schaukelt und exakt die übelste spitze Ecke des Gerüstes berührt. Ein lauter Knall, die Scheibe platzt in tausend kleine Mosaike und wabert als wackelige Masse am Bus herum.
       
Hier schon nach der notdürftigen, aber haltbaren Reparatur, "selfmade by Marek". So haben wir dann auch einen walisischen Baumarkt kennengelernt. 

St. Davids kann ordnungsgemäß besichtigt werden.
      
Es ist ein traumschönes Fleckchen Erde. 
Wie oft habe ich in Reiseführern und Romanen gelesen, daß besonders die gotischen Kathedralen eine Riesenlast durch das Dachgewölbe tragen mussten und sich dadurch manchmal die Pfeiler im Kirchenschiff verbogen, doch bis auf eine leichte Neigung in der Salibury Kathedrale habe ich es noch nie so offensichtlich gesehen. 
Hier in Saint Davids ist alles krumm und schief, und ich hoffe, daß nicht gerade heute .....
                      
Der/die Kundige bemerkt natürlich, in der Kirche sind die Säulen romanisch, aber dennoch gibt es schon viele große Fenster, die die Masse der Mauern auflösen, wodurch das Gewicht des Gewölbes nicht so einfach zu halten ist. 
Wir sind hier, durch lange Bauzeit, viele Veränderungen und Wiederaufbau an der Schwelle zur Gotik, wie man außen an der Kathedrale schön erkennen kann.

Während meine Gäste noch weiter besichtigen, mache ich mich auf die Suche nach einem "Hardware Store", um Panzerband für das Abdichten unserer kaputten Scheibe zu organisieren.
Ich bekomme eine Wegbeschreibung von einem Anwohner, der mir einige Straßennamen nennt.
                                         
Wie gut, daß die Beschilderung zweisprachig ist, so daß ich einiges, was er mir genannt hat, auch finde.
Ich muß an dieser Stelle einmal erwähnen, daß St. Davids die kleinste "City" Großbritanniens ist, wo ergo ein Verlaufen eigentlich unmöglich sein sollte.
Ich lerne dann, daß Panzerband in Großbritannien "Gorillaband" heißt und tatsächlich in dem kleinen "Hardware Store" ein Pfund preiswerter ist als im großen Baumarkt, und kaufe gleich alles auf.
Der Verkäufer ist wirklich sehr verwundert - und glücklich!
      
Ein abendlicher Abschiedsblick über Tenby, unsere letzte Station in Wales, das Wetter hat sich wieder gefangen. Alles ist schön. 



















Samstag, 24. September 2016

Reiseerlebnis Linienbus (Ich will nicht schwarz fahren)

Vorweg gesagt, dies soll kein "Shitstorm" auf die Dortmunder Stadtwerke werden. Nein, ich möchte ebenfalls vorweg anmerken, daß die von mir genutzten Verbindungen exzellent waren und ich mir durchaus vorstellen könnte, irgendwann einmal aufs "Öffeln" umzusteigen.

Aber von vorn und zum Thema:
                                    
Seit sehr wahrscheinlich fast 30 Jahren bin ich schon nicht mehr Linienbus gefahren, sondern gehöre zu den Mega-Bequemies, die für alles und jedes das Auto nutzen. Nun ja, dafür hat man es ja auch gekauft.
Will aber damit sagen, daß ich mich mit dem "Öffeln" halt nicht mehr auskenne. 
Aber nun ist es soweit: Für einige Monate habe ich kein Auto und, halt, ich habe weder meinen Führerschein abgeben müssen, noch mein Wägelchen zu Schrott gefahren. Jemand anderes braucht es gerade mal dringender.
Also, ab in den Linienbus.
                                   
DSW21 wirbt sehr für's Online-Ticket, und für sowas bin ich immer zu haben. Schnell die App heruntergeladen und erstmal für den Anfang ein 10-er-Ticket gekauft. 
Es ist von äußerster Wichtigkeit zu erwähnen, daß es für ein 10-er-Ticket keine andere Kaufmöglichkeit als online in Form eines Handytickets gibt.
Mit wohl ausreichend technischen Fähigkeiten und der nötigen Intelligenz ausgestattet habe ich es dann natürlich geschafft, solch ein Ticket auf mein Handy zu laden.
                                  
Die Fahrplanauskunft in der App ist hervorragend, und ich stelle fest, wie einfach ich zwischen Büro und Wohnung hin- und herpendeln kann.
Dann geht's endlich auf zur ersten Fahrt, und ich zeige lässig dem Busfahrer mein Ticket und frage, wo denn das Gerät ist, vor das ich den Barcode halten muß.
                                   
So etwas gibt es allerdings nicht, noch nicht, wie mir der Busfahrer erklärt. Erst im Dezember würden die Busse damit wohl aufgerüstet. Es genüge, wenn ich ihm das zeige.
Auf meine Frage hin, auf welch myteriösem Wege denn durch sein Angucken allein eines von 10 Tickets wohl heruntergezählt würde, konnte er mir nur den Hinweis geben, daß die Kontrolleure, falls welche kämen, das einscannen und sehen könnten, ob das Ticket gültig ist.
Na ja, habe ich nicht wirklich verstanden und setze mich, in dem festen Glauben, ganz sicher jetzt schwarz zu fahren in die Linie 438 nach Wellinghofen. 
In meinen Handynotizblock notiere ich sicherheitshalber, in welcher Busnummer man mir um 9:51 h diese Auskunft gegeben hat, weil ich einen Beweis haben will. Ich komme mir etwas seltsam vor.

Kurzes, nettes Intermezzo:
Ich komme kurz vor knapp bei meiner Physiotherapie an und entschuldige mich damit, daß ich jetzt mit dem Bus gekommen bin. Das löst bei meiner Therapeutin ein merkwürdiges Stirnrunzeln und Verwirrung aus, denn draußen auf dem Parkplatz steht ja kein Bus!
Ich bin halt schon abgestempelt als diejenige, die immer mit dem Bus unterwegs ist, aber natürlich als Reiseleiterin mit dem Reisebus, und sie dachte nun, ich wäre mit diesem Bus gekommen. Ich, eine Memme beim Autofahren, auch noch am Lemkrad eines Reisebusses?!
Das kann ich doch wirklich niemandem antun! (Übrigens ein Grund mehr, auf Öffentliche umzusteigen)

Aber zurück zu meinem Handyticket. Ich experimentiere mit der App, denn ich will es einfach nicht hinnehmen, daß ohne Barcode-Ablesung einfach so die Tickets abgefahren werden können.
Ich entdecke die Option "10-er Ticket kaufen/abrufen" und klicke sie hoffnungsvoll an. Die sich öffnende Seite droht mir dann an, wenn ich jetzt "ok" klicke, gäbe es kein Zurück mehr und das Ticket wäre gekauft. Mach ich einfach mal und bin ab da in dem Glauben, ich hätte jetzt eines von den 10 Tickets heruntergeladen, denn ich bekomme die Meldung "Ticket 90 Minuten gültig ab jetzt".
Und dennoch, klicke ich die Option "gekaufte Tickets" an, steht dort nichts.
Mich beschleicht der Verdacht, daß ich vielleicht jetzt schon wieder ein komplett neues 10-erTicket erworben habe und sehe sicherheitshalber auf meiner Kreditkartenabrechnung nach, aber es ist alles in Ordnung.
Am nächsten Tag erwische ich beim Warten auf den Bus einen Mann mit einem DSW21-Schild am Hemd, und er wird Opfer meiner Forschungsfragen. 
Was soll ich sagen, er kann es mir nicht erklären, wie das mit dem Handyticket und/oder Ticketabruf funktioniert. Wäre alles neu, und eigentlich genüge es, wenn ich die PDF-Datei mit dem Barcode einfach dabei hätte. Solange mich der Busfahrer damit einsteigen lässt, ist alles gut. Der hätte Hausrecht, meinte er, und entscheidet wen er mitnimmt und wen nicht.
Also fahre ich munter weiter, immer noch mit dem komischen Gefühl, am Ende doch schwarz unterwegs zu sein.
Und heute endlich stand auf meinem Programm ein Ausflug in die Innenstadt, und siehe da, an der Haltestelle Kampstraße ist ein DSW21-Kundencenter! Jippieh!!
Die müssen es wissen, doch der erste Kollege holt schon gleich einen zweiten hinzu.
Ich demonstriere mein Vorgehen mit dem 10-er-Ticket-Abruf, will aber nicht über das "Wenn-Sie-jetzt-ok-drücken-kein-Zuück-Droh-Feld" hinaus, denn ich brauche ja gerade kein Ticket.
Der Kundenberater drängt allerdings, ich solle das mal tun, also mache ich das und habe ein Ticket gekauft, obwohl ich jetzt gar keines will! 
Ich will es wieder gutgeschrieben haben, aber das kann er nicht machen .
Und ich will jetzt endlich wissen, über welche Funktion ich mal abfragen kann, wieviele Tickets von Zehnen ich bereits verschleudert habe oder auch nicht.
Diese Option finden die beiden Herren auch nicht. Sie sind hilflos, wie ich.
Ich müsste normalerweise bei jedem Abruf ein neues Barcode-Ticket angezeigt bekommen! 
Kriege ich aber nicht, und beide stellen fest, daß es wirklich nicht funktioniert und ich vermutlich trotz "Kauf mich oder ruf mich ab" nie wirklich ein Ticket gekauft habe.

Ich weiß, jetzt könnte es für Uneingeweihte unübersichtlich werden, daher beschließe ich die ganze Sache mit dem Hinweis der Mitarbeiter, daß man sie leider nicht für diese Handytickets geschult hätte, was eine Schande ist, liebe DSW-Direktion, und die im Kundencenter hätten auch keine Ahnung (ich dachte aber, ich wäre im Kundencenter, denn das Wort stand doch draußen an der Tür).

Ich bekam eine Telefonnummer, unter der mir möglicherweise geholfen werden kann, und den Hinweis, ich könne ganz beruhigt auch wieder einfach so zurück fahren, denn innerhalb der nächsten zwei Stunden wären auf meiner Linie keine Kontrolleure unterwegs.
Aber HALLO, in zwei Stunden wieder zurück? 
Geht gar nicht, denn ich will shoppen. Da müssen die beiden DSW-Berater allerdings neben der Handyticket-Schulung auch noch lernen, daß eine Frau mit zwei Stunden in der Stadt doch niemals auskommt.

Was ich durch ein paar Tage Linienbus fahren auch noch gelernt habe ist, was sich alles in so vielen Jahren geändert hat. Man darf nur noch vorn einsteigen und hinten aus.
Vorbei also die Zeiten, wo man sich wie damals nach Schulschluß noch in die hintere Bustür eingeklemmt hat, um nicht nochmal eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten zu müssen?
Vorbei die Zeiten, in denen man dann am Zielort auch nicht mehr aus dem Bus rauskam, weil man mittlerweile irgendwo in der Mitte eingequetscht war?
Und die Fahrgäste halten dem Fahrer artig ihre Fahrausweise vor die Nase. Dazu wäre zu meiner Schulzeit gar kein Platz gewesen!
Und mittlerweile grüßen einige den Busfahrer sogar, doch fehlt immer noch das I-Tüpfelchen, das in England Gang und Gäbe ist, nämlich sich beim Busfahrer zu bedanken, daß man mitfahren durfte.

Ich werde genau das nächste Woche einmal tun, in der Hoffnung, daß für den Fall, daß ich doch gerade mal wieder schwarz gefahren sein sollte, ich mich wenigstens ordentlich für die Freifahrt bedankt habe.


Sonntag, 18. September 2016

Plas Newydd - Liebe, Lust und Leidenschaft

Zunächst einmal der Hinweis, daß "Liebe, Lust und Leidenschaft" nicht die Übersetzung für "Plas Newydd" ist. Der walisische Begriff bedeutet vielmehr "neuer Palast".
Aber die Auswirkungen dieses herrlichen Fleckchens Erde sind außergewöhnliche Menschen und Liebe, Lust und Leidenschaft. 
Und das ist es, das Anwesen der Markgrafen von Anglesey, auf der gleichnamigen Insel im äußersten Nordwesten der Region gelegen. Erste Reaktion wie immer: Wie kriegen die den Rasen so schön, dicht und grün hin? Das ist ohnehin die meist gestellte Frage bei allen Besuchen der britischen Inseln.
Das Geheimnis muß unter anderem, oder sogar hauptsächlich im Golfstrom liegen, der sich freundlicherweise entlang der britischen Küsten schlängelt. Ein netter Strom, unsichtbar, aber sehr erfolgreich für die Garten- und Parklandschaften. Pflanzen und Bäume lieben ihn und wachsen wie verrückt. 
Verpflanzt man diese, wie ich zum Beispiel seinerzeit eine Fuchsie und eine schottische Rose, nach Deutschland, in dem Glauben, daß es bei uns doch wärmer ist und die Pflänzchen sich wuchernd und freudig bedanken, macht sich schnell Frust breit, weil sie eben nicht so tun wie befohlen, sondern meist eingehen. Britische Insulaner lassen sich eben nicht einfach so auf den Kontinent verpflanzen, denn das Herz bleibt wohl immer in der Heimat.
Doch zurück zu den Auswirkungen des Palastes und Gartens von Plas Newydd. Ich versprach außergewöhnliche Menschen, und die gab es hier zuhauf.
Der erste Markgraf von Anglesey war ein Held in der Schlacht bei Waterloo, verlor ein Bein, ließ sich die Reste ohne Narkose entfernen, huuhh! Ein Hartgesottener! Seine Prothese kann man sich im Haus ansehen. Und mit einem Bein scheint man immer noch agil genug zu sein, 10 Kinder zu zeugen.
Liegt's auch an der frischen Luft, die vom Menai Strait aus um das Anwesen bläst?
Einen anderen Markgrafen inspirierte sein Umfeld so sehr, daß er sich zu theaterlichen Höchstleistungen antreiben ließ. Er frönte der Schauspielerei, liebte Juwelen und ausgefallene Kostüme. Leider ging er durch diese Leidenschaft pleite.
Eine weitere Dame der Familie war so fit, daß sie im Alter von 80 Jahren noch das Treppengeländer herunter rutschte. 
Und der vom Markgrafen engagierte Maler Rex Whistler malte sich hier um Kopf und Kragen, verliebte sich - unerwidert - in die Tochter des Hauses und verewigte auch sie mehrfach auf Leinwand.

  
Ein Riesengemälde im Speisezimmer, über die gesamte Raumlänge ist sein Meisterwerk und versetzt den Betrachter während des Essens ans Mittelmeer. Mich faszinierte allerdings besonders ein Bildteil mit zwei niedlichen französischen Bulldoggen. 
Gute Leute, diese Angleseys! Guter Hundegeschmack, meine Hochachtung!






Portmeirion - Eines Mannes Traum

Ich denke, jeder meiner Gäste hatte sich ein wenig vorbereitet auf die Orte, die wir in Wales besuchen. Und auch Bilder im Reiseführer gesehen. Aber wie bunt und außergewöhnlich Portmeirion wirklich ist, das kann man nur live erleben.
Da fährt man gemächlich durch den Snowdonia Nationalpark, dampft per historischer Eisenbahn über Stock und Stein, bzw. Berg und Tal, und sieht all das wie man sich Wales vorgestellt hat: Viel Grün, Berge, rustikale Dörfer aus Granit und Schiefer, und Schafe, Schafe, Schafe!

         
         
So war Wales in unserer Fantasie, und so sieht es in der Tat aus. Aber dann nähert man sich Portmeirion, und man weiß schon vom Hörensagen und Lesen, daß hier ein Waliser Selfmade-Architekt seine kühnsten Träume verwirklicht hat. Man fährt und fährt, an Feldern vorbei, durch einen Wald, vorbei an einem Feld mit Müllmassen, die aber nicht die Regel sind, sondern die unangenehmen, üblichen Reste eines Festivals, das hier stattfand.
Auf dem Busparkplatz ist auch noch nichts zu erahnen. Ein Organisator kommt auf mich zu und erzählt mir etwas in einer Sprache, die definitiv nicht Walisisch ist, denn ich verstehe einige Bruchstücke. Es ist aber auch nicht Englisch, denn dann müsste ich mehr verstehen. Aber walisischer Dialekt ist es wohl, du meine Güte, das war eine Erfahrung der außerirdischen Art! Da verstehe ich ja jeden Ur-Schotten besser. Davon ausgehend, daß er uns lediglich willkommen geheißen hat, starten wir los.
Und sehen das:



        
Ein schriller, poppiger Ort, bunt und unkonventionell. Alles Anfang des 20. Jahrhunderts neu gebaut und dennoch auf alt gemacht. Und hier lebt eigentlich niemand, vielleicht maximal die Leute, die hier arbeiten. Portmeirion ist in der Hauptsache zum Anschauen oder aber Ferien machen, denn es gibt ein Hotel und Ferienappartments. 
In diesem Hotel würde ich gern einmal wohnen, denn es locken ein herrlicher Blick auf das Meer (komischerweise hatten wir immer Ebbe, egal wohin wir fuhren), viele niedliche Details und eine angenehme Atmosphäre beim Afternoon Tea.

Ok, eigentlich gehört hier ein "Welsh cake" verspeist und kein Scone, aber an diesem kann ich einfach nicht vorbei gehen. Fluffig, "plain", also ohne Rosinen, mit Marmelade und "clotted cream", wobei ich beim Teilen der Marmelade mit anderen sehr großzügig bin, die "clotted cream" jedoch bis aufs Blut verteidige. 
Clough William Ellis, Deine Idee "Mittelmeeratmosphäre in Wales - Neues mit der Natur im Einklang" ist überaus gelungen und gehört ins Pflichtprogramm einer jeden Walesreise.









Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...