Samstag, 22. August 2015

Nix los in Anmer

Wahrscheinlich fragt Ihr euch jetzt, was oder wo Anmer ist.
Anmer ist ein winziges Dorf in der Grafschaft Norfolk, eine gute Autostunde von unserem 
Feriendomizil entfernt. Und in Anmer wohnen William und Kate. Jetzt wird's klar, nicht wahr? Da muß ich natürlich hin! Und glaubt jetzt nicht, ich wäre so dermaßen naiv, zu glauben, mir würden die da irgendwo im Supermarkt oder im Pub über den Weg laufen. Das ginge auch überhaupt nicht, denn Anmer hat überhaupt keinen Supermarkt. Anmer hat auch keinen Pub, nur einen 'social club', was immer dort auch passiert. Anmer hat auch keinen Kiosk, nur ein paar Höuser, wirklich schöne und herausgeputzte. Alles hier im Umfeld sieht super gepflegt aus. Irgendwie noch gepflegter als in den Nachbarorten. Die Felder sehen total gebürstet aus, das Gras noch einen Tacken grüner gepinselt als anderswo und Pferde, Stallungen und Mäuerchen sehen besonders gestriegelt aus.
Ich bin reingefallen auf eine dieser Zeitschriften, die ich im Bus auf meinen Reisen immer für die Gäste auslege. Da waren Bilder drin von Anmer, die zeigten einen urigen Pub und kleine, niedliche Geschäfte. Wenn ich den Autoren erwische! Der war doch niemals dort!!! Hat wahrscheinlich irgend einen schönen Pub in seinen Bericht hineinfotografiert, der Schuft.
Oder sind wir am Ende so schnell durch das Örtchen gefahren, daß wir das alles verpasst haben? Ich glaube nicht. 
Weit und breit kein Schild zu irgend einem 'Estate'. Zum Sandringham Anwesen soll Anmer Hall gehören, wo die beiden wohnen. Und sie haben extra noch weitere Bäume anpflanzen lassen, um mehr Privatsphäre zu haben. Kann man ja verstehen, aber so einen klitzekleinen Blick auf royale Mauern hätte ich schon gern erhascht. Außer einem hochglanzpolierten schwarzen Landrover, der mit zwei Anzug-Krawatten-Männern besetzt einen kleinen Weg von der Hauptstraße abzweigend bewachte, also in der Tat Bodyguards, war nicht zu bemerken, daß hier Jung-Royals leben.
Schade irgendwie, und weil in Anmer nix los war und wir suchend immer weiter gefahren sind, gibt's davon auch kein Foto. Noch nicht einmal das Ortseingangsschild habe ich geknipst, ganz in der Erwartung, da käme noch viel Knipsenswerteres. Aber Fehlanzeige.
Und heute gerade an der Tankstelle sehe ich die fette Überschrift in der Boulevardpresse "Kate, the invisible princess", Kate, die unsichtbare Prinzessin.
Ach was!?! 
Prinzessin Buffy, alles andere als unsichtbar, am Kanal in den Norfolk Broads

 


Freitag, 21. August 2015

Britisches Understatement - verzweifelt gesucht!

Da sitze ich nun in meiner Brook Lodge in Essex, mit schmunzelndem Gesicht und vielen Gedanken im Kopf.
Da wir irgendwie ständig essen gehen anstatt selbst zu kochen (das Pub-Food ist so lecker, nein, wir sind zu faul, oder halt beides), hatte ich viele Gelegenheiten, die Leute um mich herum zu beobachten und auch mal hinzuhören.
Da geht ein Mann zur Theke im 'Swan Inn' (großes Lob hier übrigens für die Fischplatte und die Pizza mit marinierten Zwiebeln, die Ente, usw., wir haben fast alles durch) und bestellt sich beim Kellner Salz. Man hat ja hier und da gehört, daß in England so gut wie gar nichts gewürzt wird, was ich bis auf das Gemüse nicht grundsätzlich bestätigen möchte. Auf jeden Fall braucht er wohl für irgend etwas Salz. Der Kellner verspricht, ihm welches zu bringen, und jetzt geht es los mit der Dankes-Hudelei, die ich so sehr mag, aber selbst nie fertig bringe.
"You are very helpful, thank you. Thank you so much, brilliant, cheers!'
Wörtlich übersetzt (nicht übersetzerfachmännisch, aber lustiger und einprägsamer):
"Sie sind so hilfsbereit, danke schön. Danke Ihnen so sehr, brilliant, Prost!"
Und das alles für etwas Salz!!! 
Nun gut, ich weiß natürlich auch, daß das saloppe CHEERS vieles heißen kann, u.a. auch nochmal 'Danke', aber auch 'Tschüss'.
Nur der Gedanke, daß der ein 'Prost' an seine Dankeshymne gehängt hat, bringt mir ein Grinsen ins Gesicht. Prost Mahlzeit dann auch!
Als die Kellnerin unsere leergeputzten Teller abräumt, fragt sie, ob wir es genossen haben (enjoy).
Nein. Halt, sie fragt erst, ob wir zu Ende gegessen haben (finished)! Na klar, haben wir gefinished, ist ja nichts mehr auf dem Teller.
Ob es uns geschmeckt hat beantworte ich mit 'perfect' und komme mir unglaublich englisch vor, so sehr habe ich das Essen gelobt, wo ich doch zu Hause maximal ein 'gut, danke' herausbekommen hätte.
Und das Essen war fantastisch, aber ich glaube wirklich, wir Deutschen können das nicht so beweihräuchern, nicht so übertrieben bejubeln. 
Mein Mann hatte gerade noch am Vorabend das Thema angeschnitten, ob die Briten das wohl auch immer so ehrlich meinen, es höre sich immer so wahnsinnig übertrieben an. Auch bei meiner Brieffreundin aus Schottland ist er sich nicht sicher, ob ihr 'fantastic, gorgeous, brilliant, splendid, marvellous etc.. pp.' ihre wahre Meinung ist.
Ja, ich denke, das ist schon so.
Aber wo bleibt denn da das viel gerühmte britische Understatement, die Untertreibung?
Es wird doch hier um so vieles ein extremer Hype gemacht, und ich will doch gar nicht bezweifeln, daß das 'Be-Hypte' auch gut ist, aber ist es denn wirklich brilliant, wenn einem einer Salz bringt?
So vieles ist 'award winning', also preisgekrönt. Essen, Strände, Bier, gar Toiletten auch! Alles schon gesehen.
Für alles mögliche bedankt man sich nicht nur einfach, sondern fällt quasi mit Worten der Dankbarkeit auf die Knie.
Als Beispiel hier eine Situation beim Einchecken auf einem Campingplatz vor einigen Jahren.
Ich stehe an, ganz ordentlich in einer korrekten Schlange, der Kopf der Schlange direkt vor mir. Und der Schlangenkopf bekommt gerade auf einem Plan eingezeichnet, wo auf dem Areal sein Stellplatz zu finden ist. 
Statt aber einfach mit einem 'thank you' den Zettel zu greifen und sein Wohnmobil dorthin zu manövrieren, folgt eine Dankes-Arie sondergleichen. "My darling, you are so very kind. Thank you very much indeed, this was a great help". Übersetzt: "Mein Liebling, Du bist so nett. Also wirklich meinen allerbesten Dank, das war eine große Hilfe für mich". 
Mal ehrlich, die Platzwartin hat ein Kreuz auf ein DIN-A-4-Blatt gemalt, und der Camper bedankt sich, als hätte sie ihm eben sein Leben gerettet.
Wo bleibt denn hier das Understatement?
Und doch, man findet es, es existiert wirklich!
Letztens auf einem Flug mit British airways nach London musste das Flugzeug von der Startbahn wieder zurückkehren, weil irgend etwas defekt war. Der Pilot klärte uns auf, daß eine Tür nicht richtig verschlossen wäre und er hätte grad nicht den passenden 16er Schlüssel in der Jackentasche. 
Der Techniker, der daraufhin das Flugzeug betrat, hatte allerdings auffallend viel Werkzeug dabei. Mit einem 16er Schlüssel wäre es sicher nicht getan gewesen. Das war Understatement zur Beruhigung, um die Lage zu entdramatisieren. Gelungen, na ja, so einigermaßen.

Auch passend zu diesem Thema die Situation auf P&O Ferries (siehe mein Post zur Irlandreise im Juli), als wir in Rotterdam extrem lange auf das Andocken warten mussten und die Leute doch schon entweder in Heimfahrstimmung waren oder aber ihre wertvolle Zeit auf dem Minitrip nach Amsterdam schrumpfen sahen. Wir dümpelten und dümpelten, weil sich angeblich ein Öltanker auf unseren Liegeplatz geschlichen hatte. Daraufhin kochte der Kapitän die unangenehme Verspätung mit den Worten herunter, es wäre doch so schönes Wetter, die Sonne scheint, gehen Sie doch an Deck und genießen die Verspätung. Understatement gepaart mit britischem Humor nenne ich das. 
Ich glaube allerdings, der Kapitän war Holländer, doch färbt hier der britische Arbeitgeber ganz deutlich ab.
Das Understatement tritt auch zu Tage, wenn es um das Wetter geht. Draußen gießt es in Strömen seit Stunden, und der Kommentar meiner Brieffreundin lautet: "The weather is not too bad", das Wetter ist nicht so schlecht. 

Ich bedanke mich für soviel Aufmunterung mit einem "thank heaven for this wonderful, refreshing, skin renewing soft weather" (dem Himmel sei Dank für dieses wundervolle, erfrischende, die Haut erneuernde seichte Wetter).
Na also, geht doch!



Donnerstag, 13. August 2015

Destillen contra Castles contra Brücken

My Dears von der Schottlandfahrt, ich fasse mal zusammen:
Destillen 
- Gesehen: ungefähr 7
- Getestet: 1 (Glenfiddich)

Castles 
- Gesehen, relativ nah: ungefähr 7
- Gesehen, aus der Ferne: ungefähr 5
- Verstecktes: 1, Balmoral  hinter dem Wald und im August von der Queen besetzt
- Ganz freiwillig angeschaut: 1, Edinburgh, das den echten Krönungsstein hat - oder nicht

Brücken
- Gesehen: unzählige 
- Befahren: ganz viele
- Davon "mega coole": 1

Somit ist festzustellen, daß alle Whiskyfans, Burgfräuleins und Brückenfanatiker schon auf ihre Kosten gekommen sind.

Es war eine tolle Fahrt mit einer super harmonischen Gruppe. "I was amused, you were GREAT".
Lasst uns wirklich in 2017 noch einmal dorthin. Es gibt noch so vieles (ABERFELDY!!!!!) zu gucken.


Überwiegend sogar schönes Wetter. Regen? Wer hatte den denn? In meiner Erinnerung bleibt der sonnige Tag in Edinburgh, meine Brieffreundin Roberta im Schlepptau über die Royal Mile. 
Auch für einen Shoppingbummel in der Neustadt blieb noch Zeit, und ein Edinburgher Pub hat ein Herz für alle boutique-verachtenden, entnervt auf ihre Frauen wartenden Männer:

Die fantastische Rosslynkapelle, in der wir sogar die Wachkatze William persönlich kennenlernen durften. Wir wissen jetzt auch, daß wir nicht mit rotem Sandstein bauen sollten, sonst wird's nach ein paar Jahren feucht in der Hütte.

Das gigantische Schiffshebewerk bei Falkirk. Eine irre Konstruktion und ein Highlight für Freizeitkapitäne.
Auf Skye begeisterte eine Zeile aus bunten Häusern. So farbenfroh, daß man doch die gerade aufziehenden Wolken ignorieren kann.

Whiskytasting bei brilliantem Wetter. 

Glenfiddich Distillery in Dufftown, Hauptstadt des "Lebenswassers".

In Cullen kamen wir kaum über die Wiese oberhalb des Ortes raus, weil das Wetter einfach fantatisch  zum sonnend-rumliegen war.

War das denn alles reserviert für.....?
 
Ok, auch der Regen hat uns mal eingegolt, aber allen war klar, daß man damit in Schottland auch mal rechnen muß. Und mal ehrlich, schottischer Regen ist soft ud gut für die Haut. Schaut nur hier, wie gesund man dann aussehen kann:

Selbst der für Mareks 50. Geburtstag bestellte Bagpiper blies auch bei Regen frisch den Sack.

Apropos Bagpipes. Beim Blair Castle (hatte ich das in meiner Statistik oben eigentlich berücksichtigt?) trat eine Dudelsackkapelle aus Malaysia auf. Sehr interessant mit ihren landestypischen Kostümen, gepaart mit schottischen Karoschals und Turban. Ich erfuhr, daß man in Malaysia, OF COURSE, auch Dudelsack spielt und, OF COURSE, auch Highland games veranstaltet, aber ohne Baumstammweitwurf. Haben die nicht genug Bäume oder finden sie's einfach blöd? Wir werden es nie erfahren. Wenn ich mir die zierlichen Männer der Kapelle so ansehe und mit so manchem schottischen muskulösen Braveheart vergleiche, kommt mir der Gedanke, die Baumstämme könnten auch einfach zu schwer sein. Aber klasse sackgepfiffen haben sie, und zwar eine ganze Menge klassische Stücke.

Die letzte schottische Nacht verbrachten wir in Schottlands ältestem Inn in Kenmore. Charmante Gemütlichkeit mit großer Tradition. Und wieder einmal ein sehr schmackhaftes Abendessen, das wir für diesen Abend schon 2 Tage vorher aussuchen mussten und uns tatsächlich noch merken konnten bei all den neuen Eindrücken.

Schlafen direkt am See, Frühstück und Abendessen mit Blick auf den See, Enten und anderes Fluggetier. Romantik pur. Und die Aberfeldy Destille soooo nah, doch unerreicht.
Das nächste Mal, in 2017, packen wir sie uns! Versprochen.

Rückkunft in Ijmuiden bei 34 Grad Hitze. Wer braucht denn das? Ich will zurück nach Schottland. Wer kommt mit?














Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...