Mittwoch, 26. Juli 2017

OMG! Mein Highgrove-Erlebnis

Für alle, die nicht so sehr mit den im Trend liegenden Abkürzungen vertraut sind: "OMG" seht für "Oh my God!" Ich denke, übersetzen muß ich das nun aber nicht.
OMG, ich war bei Prinz Charles in Highgrove! Es ist sein privates Heim. Sein Rückzugsort, sein biologisches, entgiftetes Refugium.
Absolutes Fotoverbot, aber die erworbene Broschüre darf man ja wohl abfotografieren, um zu zeigen, wie toll es dort ist.
       
Zugegeben, er war sehr wahrscheinlich nicht zu Hause als wir seinen Garten besichtigen durften, dabei hatte ich mir so große Mühe mit meinen Haaren gegeben, damit ich, im Urlaub eher der Föhnmuffel, vernünftig  aussehe.
Aber der Reihe nach. Und es wird jetzt eine umfassende Geschichte, so daß ich all denjenigen, deren Lese-Atem nicht lang genug ist, um meinem Abenteuer bis zum Schluß zu folgen, empfehle, hier abzubrechen. Ich verstehe gut, daß es nicht jedermanns Sache ist, sich für einen Mann zu interessieren, der vor lauter Warterei auf den Thron dem Gärtnern und Malen verfallen ist.

Wer aber Lust hat, sich auf eine Gedankenreise nach Highgrove zu begeben, der sollte jetzt die Augen schließen und sich anhand meiner Schilderung vorstellen, wie es im Garten des Prinzen von Wales aussieht.
Doch halt, da habe ich nicht richtig mitgedacht, denn Ihr sollt ja lesen. Ach herrjeh, also Augen auf und trotzdem die Gedanken auf eine Traumreise schicken.
       
Mein großes Glück kaum fassen könnend, daß gerade an dem einen Tag, an dem wir im Urlaub in der Nähe von Tetbury weilten, eine Gartenbesichtigung in Highgrove möglich war, feuerte ich meinen alten Laptop an, so schnell wie möglich hochzufahren, damit ich reservieren konnte.
Ich mutmaßte, daß ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die einzige sein würde, die an diesem royalen, biologischen Heiligtum interessiert war.
Ich reservierte also zwei Tickets für das Arrangement "Garden tour & supper", will heißen, erst die Bioprodukte angucken, dann essen.
Aus einem Zeitungsbericht war mir bereits bewusst, daß das Betreten von Highgrove nur mit vorheriger Buchung gestattet ist, inklusive Ausweis- und Gesichtskontrolle am Eingangstor, bewaffneter Polizei mit MG im Anschlag und striktem Handy-, Fotografier- und Fernglasverbot.
Und tatsächlich empfängt uns ein schwer Bewaffneter. Ich weiß nicht recht, ob es mir Angst oder Sicherheit einflößen soll.
Und ehe es jetzt einen Aufschrei ob des oben schon eingefügten Fotos gibt: "Die hat das Fotografierverbot ignoriert!  Ab in den Tower und Kopf ab!" - Alle hier verwendeten Fotos stammen aus dem höchst offiziell erworbenen Buch über das Anwesen, nicht-fachmännisch mit dem Ipad abfotografiert. Diese Freiheit nehme ich mir! 
Davon abgesehen wäre ich überhaupt nicht prominent genug, um die Ehre einer Exekution im Tower zu genießen. So etwas stand einst nur royalen Persönlichkeiten zu, wie z.B. Anne Boleyn, der zweiten Frau Heinrichs VIII.
Mir würde lediglich Erhängen in einer unbedeutenden Straße zuteil, mit anschließendem Aufspießen meines Hauptes auf einem Pfeiler der London-Bridge. Aber ich schweife ab und kehre rasch zurück nach Highgrove, dem kleinen, friedlichen Paradies in den Cotswolds.
Diesen Begriff erkläre ich nun nicht auch noch. Fahrt einfach im Oktober 2018 mit dorthin, dann seid Ihr im Bilde.

"Very well organized" wuseln also nach Ankunft einige emsige Personen um uns herum, um die Tickets zu kontrollieren, uns auf das Freundlichste willkommen zu heißen, einen Parkplatz zuzuweisen und uns zum "Orchard Room", einem Restaurant und Ballsaal zu begleiten.
Unser Wohnmobil ist zu groß für die geschotterten Parkbuchten, also dürfen wir auf dem heiligen Rasen parken. Es tut fast ein wenig weh, darin fette Reifenspuren zu hinterlassen.
        
Dann geht es endlich richtig los. Die Gartenführung beginnt, und damit auch schon mein zwei Stunden andauerndes Bedauern, daß wir hier nicht fotografieren dürfen. Ich hätte meine Smartphonekamera definitiv an ihre Grenzen gebracht. 
Um es also gleich vorweg zu nehmen: Highgrove hat den schönsten Garten und Park, den ich je gesehen habe.
1981 hat Prinz Charles, bzw. das Herzogtum Cornwall, das Anwesen gekauft, denn der Thronfolger ist praktischerweise auch noch der Herzog von Cornwall. 
Am Rande erwähnt, war doch 1981 das schicksalhafte Jahr, in dem er Lady Diana den damals noch lang ersehnten Märchenprinzen dargeboten hat.
Man zog also dort ein und betrachtete Highgrove fortan als privaten Familienwohnsitz.
Charles stand vor einem Umfeld, das flach, unaufgeräumt und langweilig, aber mit Potential war und fing an zu gärtnern und seine Visionen in die Tat umzusetzen.
Unsere sehr nette Gartenführerin Debbie, genannt "Debbs", erzählt interessant und kurzweilig, welche Träume, zumindest die gärtnerischen, ihr Boss hat, daß er absolut verrückt nach Bäumen ist, eine extrem sentimentale Ader hat und nichts wegwerfen kann.
Man sollte nun aber nicht an eine Art Messie denken, sondern an jemanden, der alles was an Pflanzlichem stirbt, nicht entsorgt, sondern noch irgend einem anderen Zweck zuführt. So wie es einst die Viktorianer getan haben, wenn sie alte Baumstümpfe in einen Gartenbereich einarbeiteten und mit Farn überwuchern ließen. Über eine solche "Stumpery" verfügt auch Highgrove.
      
Je mehr ich mir Seine Königliche Hoheit anschaue, desto mehr glaube ich an diese sentimentale Gartenader, denn nur mit ausgesprochener Liebe zu Pflanzen und gestalterischen Details entsteht ein solches Wunderwerk. Auch meine Tante pflegt mit Blumen zu sprechen - und sie antworten ihr mit dankbarer Üppigkeit.
In einer Dokumentation hörte ich einst, daß der Prinz sehr wohl darum weiß, wie er von vielen Menschen belächelt wird als eine Art "Kompostprinz", der mit den Pflanzen spricht und einen übermäßigen ökologischen Fimmel hat.
Der Mann hat aber bewiesen, daß man ein üppig gedeihendes Pflanzenparadies, eine kleine grüne Hölle und hervorragend reines, gesundes Gemüse anbauen kann, ohne chemische Mittel, Dünger oder irgend eine Art von Manipulation. Nicht von ungefähr "warnt" ein Hinweisschild vor dem Parkplatz, daß man nun ein "old fashioned estate", ein altmodisches Anwesen betritt, das dekontaminiert und frei von jeglicher Chemie ist.
Natürlich verfügt der Prinz über die entsprechenden finanziellen Mittel, ein solches Projekt überhaupt erst einmal in Gang zu bekommen.
Er kann es sich leisten, die besten Gartenarchitekten zu beschäftigen und hat in seinem Freundeskreis die entsprechenden Menschen, die ihn mit wertvollen Tipps versorgen können. So zum Beispiel die Herzogin von Devonshire oder die Markgräfin von Salisbury. Allesamt Hochkaliber der Gartenkunst, alle mit eigenen herrschaftlichen Anwesen, auf denen sie sich bereits seit vielen Jahren austoben konnten. Ich empfehle hier auch einen Besuch von "Hatfield House", nur ein Stück nördlich von London oder aber "Chatsworth House" im Peak District.
Sorry allerdings, daß deren Gärten zwar absolut sehenswert sind, doch hinter Highgrove ein wenig verblassen.
      
Allein der Hintereingang des Hauses beweist es schon: Hier danken Baum und Blume dem Hausherren mit prachtvollem Wuchs die äußerst weise und liebevolle Betreuung.

Wir kamen also auch sehr nah ran an die königlichen Privatgemächer, und den einen oder anderen Blick auf Vorhänge und Sofas konnte man schon erhaschen. Von den Royals aber leider keine Spur hinter den Fenstern. Ich hatte es ja so sehr gehofft....
Aber kein Charles in dem schönen cremefarbenen Sofa mit roten Blütenblättern und grünem Efeugeranke, hineingeflezt in die wirklich dicken, gemütlichen Kissen. Keine Camilla hinter dem dazu passenden Vorhang. 
Dabei hätte sich ein Blick der beiden in den Garten heute mehr als gelohnt, war doch mein Anorak in derselben pinken Knallfarbe wie viele der gerade aufgegangenen Blüten.
Überhaupt dominieren pink, rosa, flieder, lila und blau. Neuerdings, so berichtet Debbs, kommt auch viel Gelb hinzu, denn das hat man sich bei der "Chelsea-Flowershow" abgeguckt und probiert es jetzt als schönen Kontrast auch hier aus. Überflüssig zu erwähnen, daß ich in meinem Garten gern dieselbe Farbenpracht hätte.
Aber verflixt nochmal, ich habe keine Ahnung, was der verdammte Golfstrom mit diesem Land anstellt. Nur weil er draußen im offenen Meer irgendwo im tiefsten Grunde um das Land herum vor sich hin fließt, wächst dort alles wie verrückt? Ich werde das nie verstehen.
Ich will auch einen Golfstrom um Dortmund-Berghofen herum, damit es endlich mal abgeht mit dem Pflanzenwachstum. Aber bei uns wabert nur der Phönixsee vor sich hin, und der tut für meinen Garten absolut gar nichts.
       
Diese Aussicht genießt das zukünftige Königspaar von England beim Blick aus der Hintertür. Eine lange Allee wird von Eibengebilden gesäumt, in deren Zwischenräumen wiederum zwanzig verschiedene Thymianarten wachsen. Es ist ein wunderbarer Duft, der einem hier leicht um die Nase weht. Unser Besuch findet am frühen Abend statt, und da bringt ein leichter Wind bekanntermaßen die Düfte eines Gartens besonders gut zur Geltung.
Diese eigenwillig geformten Eibenbüsche oder -hecken sind das einzige, was noch aus der Zeit geblieben ist, als der Prinz von Wales Highgrove gekauft hat. Da stand er damals und schaute auf eine Vielzahl kugeliger Gebilde, die er als nichts anders als komische Puddings bezeichnete und seinen Gärtner um Rat fragte, was man damit wohl anstellen sollte.
Die Reaktion des Gärtners: "Alles weg!" Zwei Wörter, die in den doch recht großen Ohren des Prinzen grundsätzlich nicht gut klingen. Wie bereits oben erwähnt, kann er es nicht übers Herz bringen, irgend etwas, was sich bereits über Jahrhunderte auf dem Anwesen wie zu Hause eingerichtet hat, zu entsorgen. 
Und Highgrove gibt es immerhin schon seit etwa 1796 und gehörte zunächst der Familie Macmillan, die übrigens einen britischen Premierminister hervorgebracht hat. Wahrscheinlich waren sie einfach in Politik besser als im Gartendesign. Highgrove jedenfalls war sehr vernachlässigt als Charles es übernahm. Es gab nichts als ein paar hohle Eichen, Feld, Wiesen und eben diese Puddings.
Die Lösung zur Rettung dieser Gebilde war so einfach wie wunderbar: Jeder der angestellten Gärtner durfte die Heckenschere nach seinem Gutdünken schwenken und einen der Puddings so zurecht schneiden, wie er/sie es schön fand. 
Heraus kamen Kronen, Hochzeitstorten und verschiedene Hüte.
Debbs erwähnt übrigens immer wieder, daß der Prinz keinesfalls immer nur anordnet, was er haben möchte und schön findet. Er ist nicht nur Ideengeber, sondern legt Hand an und gärtnert mit. Kein manikürter Royal also, der sich nur an dem erfreut, was andere für ihn erledigen.
       
Ein Highlight des immerhin zweistündigen Rundgangs ist auch der Küchengarten. Leider hat man nicht den Helikopterblick, der einem auch hier ein besonderes Gestaltungsmerkmal eröffnet, nämlich die vier Felder, in denen man die zwei nationalen Kreuzformen Englands und Schottlands erkennt: Das Georgs-Kreuz und das Andreaskreuz.
Im Hintergrund liegt das Wohnhaus, und alle englischen Teilnehmer der Gruppe nicken wissend, als Debbs uns eröffnet, daß es für ein "Country House" extrem klein ist. Nun ja, das ist Ansichtssache. Selbstverständlich leben Charles und Camilla nicht in einem beengten Zweizimmer-Appartment, aber in der Tat, zieht man Quellen zu Rate, die "English Country Houses" zum Thema haben, kommt man tatsächlich zu dem Schluß, daß es hier wirklich familiär klein zugeht.
Es gibt keinen Ballsaal im Haus - "what a pity" - aber dafür gibt es den "Orchard Room", in dem wir zum Abschluß der Führung dinieren dürfen. Hier feiern also auch Prinzens, schwingen das Tanzbein, lassen sich Köstlichkeiten servieren, trinken einen hier produzierten Whisky und genießen ein Glas "Claret", ein samtener Rotwein.
Doch bevor wir gleich dort sitzen werden, womöglich sogar auf einem Stuhl, der schon den einen oder anderen königlichen Hintern gespürt hat, geht es noch in einen anderen "Gartenraum", der nicht immer geöffnet ist.
Ein wenig hatte ich es schon vermisst: Rosen! Es gab so tolle Pflanzen überall, aber kaum Rosen. Doch dann hat der Prinz von einer der letzten Chelsea-Blumenschauen in London gleich ein ganzes Arrangement hierher bringen lassen. Es nennt sich nun "Teppichgarten", denn wertvolle Mosaike zieren den Boden. Und hier kann ich wieder einmal blaß werden, denn meine Rosen im Garten sollten sich einmal eine Scheibe von den Highgrove-Schönheiten abschneiden.
Golfstrom, ja, ich weiß! Und dann noch der königliche grüne Daumen, die ökologischen Gehirnwindungen etc. p.p,. Fehlt mir alles.
       
Unsere Garten-Fach-Fee Debbs verabschiedet uns mit einer echt britischen Entschuldigung: "Sorry für die teilweise matschigen Wege auf dem Rundgang". Sie kann ja auch nichts dafür, daß es einige Tage geregnet hat, entschuldigt aber sicherheitshalber die Umstände, die uns das bereitet haben könnte.
Sie beklagt, daß nun wieder die Schnecken wie verrückt in den Gärten wüten werden, aber die werden auch nicht mit der Chemiekeule eins übergebraten bekommen.
Und sie erwähnt noch die Hasen, die auch die Highgrove-Gärtner mit ihrer Löcherbuddelei zur Weißglut treiben und wünscht sich, falls wir zum Essen etwas auswählen könnten, doch bitte Kaninchen zu bestellen. Der passende Thymian dazu wächst ja ausreichend in der Allee hinter dem Haus.

Das Abendessen ist gerichtet, mein Mann bekommt allerdings eines der königlichen Hühnchen, von denen wir eben noch einige auf der Wiese haben laufen sehen - seufz. Ich bevorzuge die vegetarische Option, ein Auberginen-Irgendwas. Genauso hat es die Kellnerin auch genannt und meinte, sie könnte den Namen des Gerichtes ohnehin nie richtig aussprechen.
Alles schmeckt hervorragend, was wir auch gehofft hatten. Immerhin kann die Prinzen-Farm ja nicht damit werben "organic" zu sein und uns dann ein aufgepimptes Hühnchen und genmanipulierte Auberginen auftischen.
Der "Orchard Room" bietet einen sehr schönen Rahmen. Ringsherum sind die Mitglieder der "Firma", wie die Queen ihre Familie nennt auf Leinwand gebannt. Möglicherweise von Charles gemalt, denn das ist ja eines seiner Hobbies. Wenn mich seine Landschaftsbilder, viele davon Aquarelle, sehr fasziniert haben, so muß ich sagen, wenn die Portraits von seinem Pinsel entstanden sind, müsste er noch ein wenig üben. Vielleicht ist es aber auch einfach eine bestimmte Stilrichtung und so gewollt.
Aus der Ferne betrachtet deutete ich zum Bespiel auf einem Bild Prinzessin Diana mit einem Baby in üppigem Taufkleid auf dem Arm. Beim näheren Betrachten stellte sich aber heraus, daß die Diana im Wirklichkeit Prinz William war, der an einer Bar stand, und im Hintergrund seine Uroma, die Queen-Mum, im weißen Mantelkleid. Blindfisch lässt grüßen!

Da natürlich auch im Restaurant Fotoverbot herrschte, habe ich mich jetzt auch einmal unter die Maler gewagt und präsentiere zum Abschluß ein Gemälde unseres Tisches mit dem Blick aus zwei Fenstern und dazwischen einem großen Bild eben der oben geschilderten Persönlichkeiten.
Und wieso komme ich überhaupt auf Diana? Sie wird natürlich im Herzen ihrer Söhne unvergessen bleiben, hat aber hier auf dem Anwesen keinen Platz mehr. 
                                     













Sonntag, 23. Juli 2017

Schuhe shoppen in Trier

Trier ist unsere älteste Stadt. Sie hat eine gut intakte Römerbrücke, ein mächtiges Stadttor, eine Basilika, Kaiserthermen und ein Amphitheater. Alles schon fast 2000 Jahre alt. 
Neben dieser Dichte an Römerrelikten hat Trier aber auch eine hohe Anzahl an Schuhgeschäften. Möglicherweise mit 35 reinen Schuhläden und weiteren 25, die alle Tretervarianten als Nebenprodukt vertreiben, die meisten in ganz Deutschland. Zumindest verglichen mit Städten gleicher Grössenordnung. 
Die UNESCO hat diese allerdings trotzdem noch nicht zum Welterbe erklärt. 
Sie sollte darüber nachdenken, denn Schuhe sind, zumindest für uns Frauen ein wichtiges Gut. Auch wenn vielleicht Mariah Carey, die als schuhsüchtig gilt, noch nicht Trier für sich entdeckt hat, so kommt allerdings doch die eine oder andere Prominenz auch aus Luxemburg  und Frankreich zum Shoppen über die Grenze.
Ich habe festgestellt, daß Silber, mit und ohne Blingbling seit einiger Zeit in Mode ist, was mit drei Frauen unserer Gruppe hier einwandfrei zu beweisen ist. 


Aus Grün mach Weiß

Wie bekomme ich etwas Grünes innerhalb von etwa 30 Minuten weiß?
Kochwäsche? Entfärber? Fleckenteufel?
Alles falsch, die Lösung lautet: Vom grünen norwegischen Tal einfach schnell mal eine halbe Stunde bergauf fahren und ein strahlendes Weiß um sich haben. 
Fangen wir mal ganz langsam an:
Satte grüne Wiesen an einem Fjord bei Loen in Norwegen. 
Ziegen geniessen das frische Gras. So lässt es sich leben. 
Eine Kuh schaut vorbei und wundert sich, wohin wir wohl wollen. 
Nur ein paar Wasserfälle weiter und ein paar Meter höher, und das Grün ist weggewaschen, bzw. zugeschneit. 
Man glaubt es kaum, aber so geht es einem in Norwegen! 




Frühstücksgespräche im Hotel

Wenn man morgens mal nicht so früh abfährt, bleibt Zeit für ein Frühstück in aller Ruhe. 
So geschehen im Vienna House Hotel in Trier an einem schönen Sommerwochenende. Um 9:30 h saß nur noch eine Handvoll Gäste an den Tischen, und die Geräuschkulisse war so moderat, dass man hier und da ein paar Diskussionen aufschnappen konnte. 
Eine Unterhaltung von ein paar jungen Müttern nahm ich mit Interesse auf. Sie waren ganz sicher auf einem Mädelsausflug übers Wochenende und konnten richtig abschalten und entspannen. Und entspannen, so habe ich mal gelesen, kann man auch, wenn man mal so richtig ablästert über Gott und die Welt. 
Hier war nun die eigene Kinderrasselbande das Frühstücksthema, im Besonderen deren Unwille, ihr Zimmer aufzuräumen. Alles liegt rum, und sie räumen einfach nichts auf, haben das Wort "Ordnung" einfach nicht in ihrem Wortschatz. "Und dann bin ich aber ins Zimmer rein und hab' den ganzen Krempel im Schrank verstaut, weil das so schrecklich aussah!" Na also, geht doch. Ist die Mutter am Ende doch richtig erzogen worden! 
Ich kann mir ja als Kinderlose nicht anmaßen, zu beurteilen, ob das als Mutter selbst alles aufräumen richtig ist. 
Eine weitere interessante Idee war, dass die Kinder sich mal so richtig langweilen sollen. Man muss die gar nicht immer beschäftigen, denn dann lernen sie, sich selbst was auszudenken was sie machen können. 
Dann wurde das Thema gewechselt, und es drangen nur noch Wortfetzen zu mir herüber. Von dem Ehemann, der irgendwas nicht mehr will, weil er schon 52 ist. Nun, ich denke hier mal nicht weiter und schnappe lieber links von mir auf, dass ein Hotelier auf den Malediven irgend einen Gast rausgeschmissen hat. Wo soll der dann eigentlich hin, wenn er das Hotel nicht mehr betreten darf? 
Schwierige Situation. Rings um ihn herum ist doch nur Meer, da pro Insel nur ein Hotel. 
Dagegen verblasst wirklich die Entschuldigung eines anderen Gastes, dass er seine Hose selbst gebügelt und weil er eben dieses nicht kann, zwei Bügelfalten an einem Hosenbein eingebaut hat. 
Mein Müesli ist alle, die Abfahrt naht. Schade. 

Sonntag, 16. Juli 2017

Bei Charles und Camilla im Garten: Highgrove

Noch muß ich meine eigene Teetasse fotografieren, um diesen Post bildlich zu untermalen. 
    
Aber bald schon sitzen wir beim Tee in Highrove, dem Landsitz von Prince Charles und Camilla. 
Das hört sich jetzt nach einer privaten Einladung an, was es natürlich leider nicht ist, denn diese exklusive Sonderbehandlung kommt in bürgerlichen Kreisen maximal einem Journalisten der BBC zu Gute. 
Dank Ulla und Axel wurde ich auf einen Bericht über Highgrove aufmerksam und habe mich natürlich sofort darin festgebissen und mich auf die Internetseite des Anwesens gestürzt. Obwohl großer Englandfan und sicherlich auch mit ausreichend Wissen darüber ausgestattet, war mir bislang nicht bewusst, daß man dieses private Heiligtum tatsächlich besichtigen darf.
Ist aber so. Mit einigen Hürden selbstverständlich, aber die schrecken mich doch nicht ab.
Selbstverständlich möchte Charles nicht, daß man einfach mal so vorbeischaut, im Englischen lässig und locker "to pop in" genannt. Es ist verpflichtend, sich vorher anzumelden und Tickets zu erwerben. Der Preis ist kein Schnäppchen, aber wenn ich schon 18 Pfund für den Eintritt in die St. Paul´s Kathedrale in London berappen muß, dann sind 23 Pfund für einen Garten, an den seine königliche Hoheit selbst die ökologische Hand angelegt doch akzeptabel. 
Kaum zu glauben, wie begrenzt der Zutritt zu diesem Elysium doch ist. An äußerst wenigen Tagen im Jahr und mit nur ganz wenigen Leuten darf man hinein.
Und doch trifft mich das Glück, denn an dem einzigen Tag in den Sommerferien 2017, an dem man Tickets buchen könnte, sind wir tatsächlich in der Umgebung.
Also wird mein Mann, der auch im Urlaub gern Kapitän der Landstraße ist, genötigt, einen einstündigen Umweg zu fahren, damit ich eventuell einen Blick auf Charles werfen kann.
Auf seinen Garten natürlich!!! Mir ist durchaus bewusst, daß man die Öffnungstage so gewählt hat, daß der Prinz sicher gerade irgendwo in Sachen Verpflichtung im Königreich unterwegs ist.
Allerdings steht sein traditioneller Urlaub im schottischen Balmoral erst im August an, die Wetteraussichten für die Cotswolds, wo sich Highgrove befindet, sind fantastisch für die nächsten Wochen, also könnte er sich doch durchaus ein wenig auf seinem Anwesen draußen sonnen.
Die englische Haut verträgt ja bekanntlich viel und steckt locker jeden harten Sonnenbrand weg.

Ich bin sehr gespannt und werde bald darüber berichten, warum Highgrove zum Herzogtum Cornwall gehört, wie wundervoll die Gärten sind und ob man dort tatsächlich keine Fotos machen darf.
Gern hätte ich hier schon eines eingefügt, aber selbst beim kostenfreien Download auf Pixabay findet sich kein einziges unter dem Stichwort "Highgrove".
Damit der Post aber nicht ganz nüchtern zu Ende geht, hier wenigstens eine Foto aus meinem persönlichen "Berg-Grove" (Berghofen liegt auch "high" über Dortmund).
                                       






Samstag, 1. Juli 2017

Eine neue Perle im Mittelmeer: Schiffstaufe live

Heute abend ist Livestreamgucken angesagt. Für die einen bedeutet das Fußball, für mich die Taufe der AIDA-perla. In Palma de Mallorca knallt gleich die Flasche ans Schiff. Und neben der noch manövrierenden perla ist die kleine Mini-AIDAaura der Anfangszeiten geparkt. Wie winzig die ist. Und damals waren wir alle fasziniert, wie gross die schon war.
Jetzt packt die Reederei nochmal etliche Hundert mehr Gäste drauf. Ist das nicht doch mittlerweile etwas zu groß? Ich liebe grosse Schiffe, aber das hier???? Es nennt sich "Generationenschiff", für alle Altersstufen, Familien, Einzelne, Paare. Es gibt eine Restaurantauswahl zum Umfallen, einen SPA-Bereich zum Verlaufen und durchsichtige Wasserrutschen, bei denen ich beobachten kann, wie anderen die Badehosen wegflutschen.
Nun ja, ich will mal nicht den Eindruck erwecken, ich wäre ein Voyeur (oder wie ist die weibliche Form davon?), aber es gibt schon viel zu gucken auf solch einem Riesenschiff.
Vielleicht mal eine Kurztour zum Schnuppern? Unsere Kunden testen's ja schon auf der AIDAprima. 
Hier mein "Live-Foto". Gabi ganz nah dran 😀
Ich befinde mich allerdings leider nicht auf Mallorca am Brennpunkt des Geschehens, sondern vor meinem Fernseher, den ich im Bild mal ordentlich wegretuschiert habe. 
Der Moderator des Taufabends fragt sich und die Zuschauer mehrmals, was wohl gerade in der Taufpatin vorgeht. Das ist das Topmodel Lena Gerke. Ob sie wohl nochmal den Taufspruch durchgeht, überlegt er. Nun  ja, so lang und schwierig ist der nun auch nicht, und sie ist doch Profi.
Es geht alles sehr schnell und ohne viel Tam-Tam, zumindest was die Inszenierung des Taufspruchs angeht. Und dann buzzert Lena Gerke die Flasche los und sie geht nicht kaputt (die Flasche).
Für einen Moment denke ich, das ist vielleicht heute so bei den modernen Apparaturen. Der Schampusbehälter soll vielleicht nur symbolisch gen Schiff fliegen, so daß die Taufpatin am Ende noch was vom Champagner hat.
Aber es war ein echter Fehl"wurf".
Flasche heile, kein Feuerwerk, und das Schiff hat keinen Namen. Oder zumindest gilt der dann noch nicht richtig.
Nach kurzen Überlegungen kehrt Lena Gerke zurück, den Kapitän Boris Becker im Schlepptau. Das ist aber ein Boris Becker, der noch Geld verdient und sich bestimmt auch in ruhigerem Fahrwasser bewegt als zur Zeit sein berühmter Namensvetter.
Gemeinsam buzzern die beiden nun endlich erfolgreich das Schiff zu seinem Namen.
So stelle ich mir übrigens einen echten Seebären vor. Hat er nicht auch etwas von Pippi Langstrumpfs Vater? Allzeit gute Fahrt ist ihm und seinem Team zu wünschen, und darum geht es auch immer im Taufspruch, der meiner Meinung nach bei all den großen Schiffstaufen der vergangenen Jahre gleich war. Oder vielleicht ist er es sogar schon, solange es Schiffe gibt.
Ganz besonders allerdings ist mir die persönliche und ausgefallene Note in Erinnerung, die Ina Müller dem TUI-Schiff "Mein Schiff" vor Jahren mit auf den Weg gab. 
Sie taufte auf Plattdeutsch! Wie cool war das denn?
Nachdem sie den Geschäftsführer Richard Vogel quasi an die Wand gequatscht hatte, ging es dann endlich los mit dem plattdeutschen Abend. 
Es hörte sich so toll an, passte zum Taufort Hamburg und zur Reederei. Das Schiff verstand jedes Wort und strahlte vor Freude.
Ich bin so frei, den Text aus den TUI-Cruises-Internetarchiven hier einzukopieren:

Taufspruch: "Du scheunes Schipp; Ick wünsch Di, all de Jungs un Deerns, de up dat Schipp Arbeet doot, un all de Gäste, aalle Tied gode Fohrt, dat jü jümmer gesun un heel wedder no huus henkoomt, un jümmer ne Handbreet Woter ünnern Kiel. Ick düpp Di up denn Nomen 
Mein Schiff 1".

Sehr besonders und sehr bodenständig, im Gegensatz zu Helene Fischer, Taufpatin der "Mein Schiff 3". Helene baumelte akrobatisch an einem Heißluftballon vor dem Megaliner hin und her, um dann irgendwann nach dem dritten Salto den Spruch aufzusagen. 
Ich weiß nicht recht.... ich fand's kitschig.
Die "Mein Schiff 6" übrigens hat als Taufpatin ein Gebäude, nämlich die Elbphilharmonie. Eine sehr komische Idee, wie ich finde. Verteten durch die dortige Titularorganistin, die den Taufspruch ein wenig emotionslos rübergebracht hat.
Ich würde dabei auf jeden Fall heulen, so ergreifend finde ich ein solches Event. Und Heulsusen brauchen die da nicht, also werde ich nie dran kommen.

Ich mache also meinen eigenen Sekt auf, erlebe weiterhin Schiffstaufen am Fernseher und freue mich des Lebens. Aber in 2018, da will ich vielleicht doch live dabei sein, sofern die AIDAnova dann nicht in Timbuktu getauft wird.
Prost, und auch von mir gibt es gedanklich ein Eimerchen Wasser unter den Kiel.










Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...