Donnerstag, 12. Juli 2018

Total Tolles Tallinn

Mein Favorit im Baltikum ist und bleibt Tallinn.
2005 hatte ich das auf meiner ersten Tour durch die baltischen Staaten so für mich entschieden, und 13 Jahre später sehe ich es immer noch genauso.
Kommt man von Helsinki aus über die Ostsee (die Esten bezeichnen sie übrigens als Westsee), ist der erste Anblick von Tallinn schon sehr reizvoll, sieht man doch eine wunderbare Silhouette aus Stadtmauer, Türmen und der Alexander-Newski-Kathedrale auf dem Stadthügel.
Als Fan von mittelalterlichen Bauten komme ich hier voll auf meine Kosten. Zunächst einmal ein Tipp für alle Kreuzfahrer: Die Altstadt lässt sich sehr bequem in wenigen hundert Metern vom Hafen aus zu Fuß erreichen. Natürlich gibt ein geführter Stadtrundgang mit Erklärungen immer was her, weil man einen geschichtlichen Überblick und Infos über die Sehenswürdigkeiten bekommt. Wer jedoch gern allein unterwegs ist und sich selbst etwas anliest oder einfach nur schlendern will, der kann das ganz einfach tun und wird sicherlich sein Schiff nicht verpassen, weil er sich verirrt und die Stadt zu groß ist.
Tallinn ist überschaubar, und Orientierungsschwache wandern einfach auf den Berg zur orthodoxen Kathedrale und verschaffen sich einen Überblick über die Stadt. Den Blick Richtung Ostsee wenden und schon ist der Weg zurück angepeilt und schnell gefunden.
Oben auf dem Berg lohnen zwei Blicke in zwei unterschiedliche Kirchen: Die russisch-orthodoxe und die Domkirche. 
Größer könnte der Unterschied nicht sein. Der gotische Dom, mit ein bisschen Barockausstattung erweitert, besitzt eine schöne Orgel und eine Menge Grabplatten mit Wappen deutsch-baltischer Adelsfamilien. Dazu interessante Familienlogen aus Holz. So hoch, daß man als kleiner Mensch darin sitzend nicht wirklich viel vom Gottesdienst sehen, sondern einfach nur zuhören kann. Dafür friert man im Winter aber nicht so sehr, denn diese Logen stehen ein wenig erhöht und haben auch einen Holzfußboden. Was hätte ich bei den Weihnachtskonzerten meines Orchesters darum gegeben, in einer solchen Holzloge zu sitzen, denn regelmäßig sind mir da die Hände abgefroren! Ich gebe allerdings zu, daß es aber doch ein wenig blöd ausgesehen hätte, mit der Gitarre so verschanzt hinter Holzwänden....
Die russisch-orthodoxe Kathedrale lässt mit ihrer prunkvollen, überladenen Ausstattung die Domkirche nüchtern erscheinen. Überall schimmert es golden, durchsetzt mit kräftigem Blau.
Ein Gottesdienst findet gerade statt, und einen solchen habe ich noch nirgendwo miterlebt. Für meine Ohren geht es hier sehr ungewöhnlich zu und lässt sich schlecht in Worte fassen. Zumal ich natürlich die Worte des Geistlichen auch nicht verstehe. Sie sind auf jeden Fall so monoton, irgendwie anklagend-bedrohlich, und trotzdem kann ich mich gar nicht abwenden und warte lange ab, ob sich seine Stimme nicht irgendwann doch einmal verändert, im Tonfall nach oben oder unten geht. Aber nein. Es bleibt monoton. Das muß man auch erstmal können!
„Sind die Esten katholisch, protestantisch oder orthodox“, fragen meine Gäste die Stadtführerin. Diese meint schmunzelnd, daß sie eher alle Heiden sind. Es sind tatsächlich einige mystische Bräuche, an denen man hier traditionell festhält.  
Hexentanz in der Walpurgisnacht wird gefeiert und zum Johannisfest verschwinden die Mädchen im Wald, um Wildblumen zu pflücken, die in dieser Nacht magische Kräfte besitzen und die Liebe des Lebens heraufbeschwören sollen. 
Dazu muß man sie unter das Kopfkissen legen, dann erscheint einem der Traummann im Schlaf. Bleibt zu hoffen, daß er sich bis dahin nicht die Füße verbrannt hat, denn bei den Jungs gilt die Mutprobe, barfuß über ein Feuer zu springen.

Auf dem Tallinner Domberg geht es an diesem Montag beschaulich-ruhig zu. Obwohl einige Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen, sind wenig Menschen mit uns hier oben. Gut gewählt scheint also der Nachmittag zur Besichtigung. 
Hier oben wohnt dann auch der estnische Präsident und einige Botschafter. Der niederländische hat dann gleich mal ein orangenes Fahrrad in seinem Garten abgestellt. Wie passend!
Unten in der Stadt wird man vollends vom Mittelalter eingeholt, denn auch Restaurants und Tavernen reiten auf dieser Welle. Das Servicepersonal steht in Magd- oder Knechtkleidung vor der Tür mit Handkarren, bietet gebrannte (mittelalterliche) Mandeln an und lockt die Touristen. Dann läuft da noch einer mit einer Pestmaske vorbei! Im Schlepptau einen Gefangenen. 
Es ist aber gar nicht übel, sich hier zu einem Essen anwerben zu lassen, denn die Atmosphäre ist für meine Begriffe gut gezaubert.
Es ist nur alles nicht sehr preiswert in Tallinn, und man merkt, daß man sich hier schon lange am Nachbarn Finnland orientiert. Ohnehin erinnern viele Dinge an  Estlands skandinavische Nachbarn, einmal abgesehen von der mittelalterlichen Atmosphäre, die z.B. Helsinki als wesentlich spätere Stadtgründung überhaupt nicht aufweisen kann. 
Im Kontrast zum mittelalterlichen Erbe scheint Tallinn alles in Allem auf der Überholspur zu sein. Das erkennt man zum einen an der erstklassigen Digitalisierung. Jeder Este hat das Recht auf einen kostenfreien Internetanschluß. Zum anderen an den neuen Bauten außerhalb der Stadt. Hier eine modern designte Glas-Stahlkonstruktion, dort der Umbau einer alten Fabrik, der man mehrere Glasetagen aufgesetzt hat, mit dem Penthouse des Architekten als krönenden Abschluß.

Die Hotellerie ist vielfältig, und es gibt für jeden das Passende, wenn auch eher weniger zum Schnäppchenpreis. 
Unser Hotel „Palace Tallinn“ ist eine erstklassige Wahl. Selten gebe ich im Internet ein Feedback, aber hier hat mich eine Email des Hotels dazu ermuntert, denn man wollte von mir wissen, ob man mit den erbrachten Leistungen das Land Estland gut repräsentiert hat.
Das haben sie - bestens!

Die Zimmer sind sehr modern ausgestattet und haben tolle Bäder. Per Tablet kann man sich über viele Annehmlichkeiten informieren.
Das Personal ist klasse! Freundlich, kompetent und hilfsbereit. Das Frühstück ist wie selten gesehen. Es gibt sogar Rippchen zum Frühstück. Muß man natürlich nicht haben und ist für mich als Vegetarier uninteressant, aber dennoch als Besonderheit erwähnenswert. 
Man braucht tatsächlich bis zum Abend nichts mehr essen. Vielleicht sogar bis zum nächsten Morgen.

Last, but not least ist die Lage fantastisch, denn man springt nur über die Straße und rennt schon vor die Stadtmauer.
Mit einem Lächeln erinnere ich mich an die Gesichter meiner Kunden, als wir am Hotel vorfahren. Ein grauer Bunker, dunkel von außen und mit dem Charme eines sowjetischen Einheitsstils. Na, das kann ja was werden, wird sich mancher gedacht haben.
Doch dann kam die Wende beim Betreten des Gebäudes! 

Ein letzter Ausflug noch ins Mittelalter und absolutes Muß, wenn man hier ist: Die Ratsapotheke am Marktplatz, auf dem es sich übrigens auch sehr hübsch in einem Café sitzen lässt.
Sie verfügt über ein kleines Museum im Nebenraum, und da wird einem ganz schaurig zumute. Da werden mittelalterliche Heilmittel präsentiert, von denen ich denke, daß wenn einen die Pest nicht dahingerafft hat, haben es diese Mittelchen dann bestimmt geschafft.
Eingelegter Igel zum Beispiel oder eine eingelegte Hand! 
Wozu sollte das denn gut sein? Wer hat sich denn dazu hinreißen lassen, das Innere einer Hand auszulutschen, um irgend eine Krankheit zu heilen?
Ich möchte es mir nicht vorstellen, beende diesen Bericht und vermute, nun den einen oder anderen mit Bildern im Kopf zurückzulassen.














Donnerstag, 17. Mai 2018

In England ist grad´ richtig was los

Was man im Moment alles aus England vermeldet bekommt, ist schon sehr abwechslungsreich und interessant.
Und weil Blogbeiträge bekanntermaßen mit Bildern unterlegt sind, damit man auch genügend Aufmerksamkeit bekommt, müsste ich hier einige royale Schnappschüsse einbauen. Kann ich aber nicht, weil ich niemanden von denen kenne, der mir ein Fotoalbum zur Verfügung stellen würde.
Selbstverständlich werde ich mich hüten, auch nur irgend ein Foto der Queen, des neuen königlichen Geburts-Porzellans oder ähnliche offizielle Bilder von fremden Quellen zu fischen, daher muß ich mal wieder selbst tätig werden und meine Hände zu einem malerischen Kunstwerk motivieren.

Und das kommt dabei raus:
Bestimmt hat auch der letzte nicht sonderlich am britischen Königshaus Interessierte mitbekommen, daß es wieder royalen Nachwuchs gibt. 
Der Kleine reiht sich in die Thronfolge an fünfter Stelle ein.
Während Kate in den Wehen liegt, so schreiben einige Magazine, gehen die Queen und Kate‘s Schwester Pippa doch tatsächlich ihrem ganz normalen Alltag nach! Das ist ja unglaublich. Pippa im Fitness-Studio und die Queen beim Ausritt durch den Park von Schloß Windsor. Und das bitte schön mit 92!
Unsereins plagt sich mit Bandscheibenvorfällen schon ab 50 herum, und Elizabeth galoppiert durch den Park.
Glücklicherweise leben wir im Handyzeitalter, so daß man auch der Pflicht nachkommen kann, die Königin als allererstes über  die Geburt zu informieren.

Nun ist er also da: Prinz Louis Arthur Charles.
Sofort wird extra eine spezielle Geburtsporzellanserie auf den Markt geworfen, und ich muß sagen: Niedlich haben sie das gemacht, ein Babylöwe ist drauf, mit Krone, und ein süßes Baby-Einhorn.
Als Empfängerin dem Buckingham-Newsletters bekomme ich natürlich sofort Nachricht über das Erscheinen dieser Sonderauflage. 
Ich wurde übrigens extra angeschrieben, ob man mir auch weiterhin diesen Newsletter schicken darf, wo ich doch aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung dafür erst mein Einverständnis geben muß. 
Da ist der Palast sehr ordnungsgemäß vorgegangen und mir um einiges voraus, denn ich habe das auf meiner Internetseite glatt verpasst , wofür ich -vielen Dank an ein mir unbekanntes Büro - eine Abmahnung bekommen habe.
Allerdings bekommen meine Leser und auch Kunden meines Reisebüros gar keine Newsletter per Mail, aber egal.

Zurück nach England.
Das Porzellan ist niedlich und erfreut mich sehr, vor allem nach der Geschirrserie anlässlich der Hochzeit von Prinz Harry, auf dem die Initialen H&M (Harry&Meghan) prangen. Das finde ich ein bisschen gewöhnungsbedürftig, könnten meine Kaffeegäste vielleicht denken, ich hätte ein Werbepräsent eines bekannten Modekaufhauses bekommen.

Bei Prince William und Kate (offiziell: Catherine) hat man die Initialen in der Reihenfolge „CW“ gewählt und damit aus Gründen des besseren Wirkens die Bedeutungsreihenfolge verändert. 

Und jetzt ist also Prince Louis da, dem ich in der Aussprache sofort ein scharfes „S“ angehängt habe, ehe ich gelernt habe, daß man ihn auch in England französisch ausspricht und demnach das „S“ am Ende unausgesprochen lässt.
Das finde ich nicht schön, denn nun hat der kleine George einen „Brother Loui“, was mich immer an „Modern Talking“ erinnern wird. 
Ich kann dann auch nur hoffen, daß in ferner Zukunft an der Reihenfolge der Thronfolger nichts geändert wird und jeder, der vorgesehen ist, auch dran kommt, denn sonst würde ich noch erleben, daß ein „King Loui“ auf dem englischen Thron sitzt. Der lebt in meiner Erinnerung aber prinzipiell im Dschungel und ist orange.

Nun widme ich mich also am Samstag der königlichen Hochzeit, bevor ich zum Friseur gehe. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Einen Life-Stream wird es im Internet hoffentlich geben, denn ganz nebenbei sind ein paar Reisen im Büro einzubuchen, so daß ich nicht fernsehen kann.

Wird dann der Blumenschmuck in der kommenden Woche auf der Chelsea Flower Show zu bewundern sein? Eine solche Weiterverwertung wäre sicher ganz im ökologischen Sinne von Prince Charles.
Wir werden sehen. 







Donnerstag, 19. April 2018

Ein schönes Schiff - Erwartungen erfüllt

Hatte ich überhaupt Erwartungen, als ich mich zur Besichtigung der MSC Magnifica angemeldet habe?
Na klar, hat man immer, auch wenn man sie nicht unbedingt in Worte kleiden kann und einem irgendwas vorschwebt, wie es da wohl aussehen könnte. Meine Erwartungen waren gefärbt von den Bewertungen, bei denen das Essen nicht immer gut abgeschnitten hat und von der Zögerlichkeit mancher Kreuzfahrtinteressenten, die ein Sprachproblem befürchten, weil MSC eine internationale Reederei ist, bei der die Bordsprache nicht ausschließlich Deutsch ist.
Ich freue mich wirklich, all denen, die einen längeren Leseatem haben, meine Einschätzung kundzutun, aber für alle anderen vorweg mein Fazit:
Ja, MSC fahren geht absolut klar. Kommt vorbei, ich buche Euch weg.

Nach den ersten 15 Minuten Spaziergang über das Schiff fällt sofort auf: Hier ist alles unwahrscheinlich sauber und gepflegt. Unser Schiffsguide erklärt, daß das ja auch so sein soll. Stimmt natürlich, aber es klappt auch nicht immer und überall. Auf diesem Schiff schon.
Und es gibt enorm viel an Chrom und Messing zu polieren. In der Tat sieht man auch immer irgendwo jemanden, der am Geländer angewachsen scheint und wienert.
Das Schiff ist auch erst im achten Kreuzfahrtjahr, also noch ein Jungtier und daher auch noch so frisch.

Auf den ersten Blick scheint es endlos lang zu sein. Es hat eine ähnliche Passagierkapazität wie einige AIDA-Schiffe, kommt mir aber noch viel länger vor. Glücklicherweise weiß Wikipedia alles und bestätigt meine Vermutung. 2500 Passagiere etwa können sich bei 293 m um 40 m mehr austoben als 2600 Menschen z. B. auf AIDAsol.
Und jetzt kommen wieder diejenigen ins Spiel, denen das ja viel zu viele Leute sind, und deswegen bevorzugen sie kleinere Schiffe.
Jedem das Seine. Die vielen Menschen verteilen sich aber auf eine Menge Deckfläche, Restaurants und Freizeitbereiche.

Mein erster Eindruck ist jedenfalls, daß die Magnifica in ihrem weißen Kleid sehr beeindruckt und im Innern eleganter ist als ich dachte.
Was dachte ich denn? Das weiß ich eigentlich auch nicht, aber irgendwie lässiger, bunter, ja sogar moderner.
Aber sie strahlt unaufdringliche Eleganz aus. Manche Bereiche, Lounges und Räumchen können durchaus mithalten mit der von mir vor einiger Zeit beschrieben Queen Victoria von Cunard.
Die „Tiger-Bar“ finde ich unglaublich genial gestaltet, die „Amethyst-Lounge“ hat eine Hinguckerfarbe und das „Royal Theater“ strahlt in seinem Grün enorm viel Hoffnung auf professionelle Unterhaltung aus.


Nun gut, die Bibliothek der Victoria hat einen Buchbestand, der an die Dortmunder Uni heranreicht, die Magnifica beherbergt vielleicht nur 50 Stück Lesestoff. Doch habe ich tatsächlich ein solches Bildungsbedürfnis im Urlaub? Entscheidet selbst.

Die Kabinen sind wirklich schön. Meine Kollegen sprechen von Platzangst in den Innenkabinen, was ich für Unsinn halte. Wie groß soll sie denn sein? Vor allem bei den wirklich akzeptablen Preisen? Muß ich darin tanzen oder eine private Veranstaltung machen? Muß ich nicht.
Andere Reedereien bieten im Schnitt auch nicht mehr Platz. Letztens auf besagter Victoria erst hautnah erlebt.
Es ist alles da, was man braucht, und das Design ist hübsch und angenehm. Geschickt gesetzte Spiegel erweitern den Horizont, allerdings nicht den geistigen, sondern den räumlichen. Obwohl, wenn ich es recht überlege, kann das meinen persönlichen geistigen Horizont doch insofern erweitern, als daß mir deutlich bewusst wird, wo die Zuviel-Kilos sitzen, und mir den Lerneffekt verschaffen, daß Kreuzfahrten dick machen können.
In den Balkonkabinen habe ich mehr Platz. Es gibt dazu noch ein Sofa. Da kann man dann mal sitzen!!! Was ich dann da sitzenderweise mache, außer den angefutterten Kalorien die Ruhe zum Ausbreiten zu gönnen, muß auch noch geklärt werden. 
Ich glaube, auf meiner letzten Tour mit AIDAsol saß ich kein einziges Mal dort, sondern war an Deck oder an Land.
Doch auch hier hat jeder andere Bedürfnisse, und das ist auch gut so. Ich kann ja mehr ausgeben und großzügiger wohnen.
Das (für mich) Schöne am MSC-Konzept ist, daß ich wählen kann, wieviel Komfort, Raum, Privatsphäre, Essen, Trinken und Wohlergehen ich haben möchte.
Bella-preiswerte Kabinen, Fantastica-auch-noch-günstige Kabinen in besserer Lage, Aurea-All-Inclusive oder Yachtclub-noch-mehr-all-inclusive mit Suiten, Privatdeck und Butler. Der steht dann stundenlang vor meiner Kabinentür und liest mir jeden Wunsch von den Augen ab (Butler! Mach, daß sich das gute Essen nicht auf die Hüften legt).  

Hier hat man also quasi ein Schiff im Schiff. Etwa 140 Mann im kleinen Schiff auf Deck 16, hoch über dem großen 2000-Leute-Schiff.
Heißt im Prinzip: Ich wohne im Vorort, in meiner kleinen Gemeinde, und kann aber mal einen Ausflug in die Großstadt machen, um ins Kino, Theater oder Buffetrestaurant zu gehen.

Und damit bin ich beim Essen angelangt.
Wir werden ins A-la-carte-Restaurant geladen, wo man aus einer Speisekarte auswählen und sich bedienen lassen kann. Und wenn einem der Hauptgang schmeckt, darf man ihn sogar nochmal bestellen. Wenn das nichts ist für große Esser!?
Nebenbei bemerkt wirft mir auch hier ein Kellner die Serviette auf den Schoß. Gibtˋs also nicht nur auf Queen Victoria.

Ein Highlight ist für mich, daß es im A-la-carte-Restaurant auch noch ein kleines Buffet gibt, an dem sich der Selbstabholer versorgen kann.
Das würde Euch auch gefallen. Man kann aktiv oder faul sein. Wunderbar!

Alles, was ich probiere, schmeckt mir sehr gut, die Auswahl ist für die Mittagszeit mehr als gut, der freundliche Kellner stellt sich mit Namen vor.
Den habe ich nun nicht behalten. Er war zu lang und klang asiatisch.
Was soll ich sagen? Natürlich arbeiten auch bei dieser Reederei im Service- und Gastrobereich hauptsächlich, möglicherweise sogar ausnahmslos, Asiaten. Diese freundlichen Menschen scheinen die seetauglichsten zu sein. Und wahrscheinlich preiswerter zu beschäftigen als Europäer.

Damit komme ich zu den Sprachen an Bord.
Das Personal spricht und versteht vornehmlich Englisch. Doch der deutsche Gast, der im Schnitt mit 21% an Bord der MSC-Schiffe vertreten ist, findet an der Rezeption 24 Stunden lang jemanden, den er auf Deutsch ausfragen kann.
Speisekarten sind auch auf Deutsch, Durchsagen in mehreren Sprachen, unter anderem Deutsch.
Du meine Güte, da wartet man halt mal etwas ab, bis die für uns verständliche Durchsage erschallt, daß das Schiff jetzt ablegt. Außerdem, wer hätte das gedacht, merkt man es ganz automatisch.

Auf manchen Bewertungsportalen ist die Rede von ständigen Durchsagen in tausend Sprachen. Das ist total übertrieben, denn es wird hier wahrlich nicht alles angekündigt, wie in manchem Ferienclub, wo mich der Animateur zwischendurch immer wieder mal beschallt, daß jetzt Volleyball gespielt wird oder der Batik-Kurs beginnt.

Ich kann auch nicht anders als darauf hinweisen, daß auf den mit Bordsprache Deutsch beworbenen TUIcruises-Schiffen oder AIDAs besonders im Gastrobereich dieselben Nationen beschäftigt sind wie oben genannt. Und die müssen auch nicht vor der Vertragsunterzeichnung ihr Deutsch-Diplom ablegen.
Selbe Situation also. Alle sind bemüht, auch die Deutschsprachigen zu verstehen und lernen und verstehen selbstverständlich die essentiellen Dinge, wenn ich eine Gabel, ein Messer oder einen Teller brauche. Auch Weiß- oder Rotwein versteht man auf Deutsch und lernt ganz gern dazu, denn dafür ist man ja mit verschiedenen Nationen unterwegs und weltoffen.

Ich finde auf der Magnifica viele ruhige Ecken, wo ich es mir gemütlich machen kann, vorzugsweise an Deck in der Mittelmeersonne, wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, daß diese auch im Nordland recht schön leuchten kann.



Und wenn ich richtig viel Volk um mich herum haben möchte, dann gehe ich aufs Pooldeck, und das vorzugsweise auf einer Mittelmeerreise an einem Seetag auf einer Tour in den Sommerferien. 
Dann tummeln sich die Familien mit Kindern an Deck. Familien sind grundsätzlich gut aufgehoben bei dieser Reederei. Die Ermäßigungen für Kids und Teens sind sehr gut. Selbst die sich schon so erwachsen fühlenden, da fast volljährigen 17-jährigen müssen es sich gefallen lassen, als Kinder durchzugehen, sehr zur Freude ihrer den Spaß bezahlenden Eltern.

Last, but not least, räume ich noch mit dem Kritikpunkt auf, daß bei MSC nur auf Plastik serviert wird.
Im Restaurant gibt es normales Porzellan, im Buffetrestaurant in der Tat unkaputtbares Geschirr, das ein bisschen so ist wie mein Campinggeschirr.
Man merkt erst beim Anfassen, daß es kein Porzellan ist.
Das Buffetrestaurant hat direkten Anschluß an den Poolbereich. Ich darf auch draußen essen, und wenn ich mir vorstelle, daß hier Glas oder Porzellan zu Bruch geht, dann ist das Geschrei aber groß, wenn einer in die Scherben latscht.

Fazit für alle, die bis hierhin durchgehalten haben und auch diese Art von Reisen lieben:
Schaut Euch bei uns im Reisebüro einfach mal die Routen dieser Reederei an. Es ist was für Euch dabei, da bin ich sicher.
Und das Riesenschiff von MSC sehe ich mir in Hamburg beizeiten auch nochmal an. Wer Interesse hat, darf gern mitkommen.

Ahoi, Ihr Lieben.

P. S.: Trotz reichhaltigem Mittagessen musste ich nachmittags noch einen Abstecher ins Buffetrestaurant machen. Aus puren Forschungszwecken natürlich. Schließlich gab es auf der Cunard-Victoria hier einen unfassbaren Unterschied zum Bedienrestaurant. In erster Linie bei der Kleiderordnung der Passagiere, die hier auf Teufel komm raus den legeren Stil überinterpretiert und in den Abgrund zelebriert haben.
Daher habe ich mich auf der Magnifica noch für ein Stück Pizza geopfert.
Auch das hat geschmeckt, und das schnelle Abscannen der Menschen, die hier essen gehen, hat ergeben, daß hier alles im grünen Wohlfühlbereich läuft.



Schiffsbesichtigung: Ein Tag auf MSC Magnifica

„Verkaufen Sie denn auch aktiv MSC Kreuzfahrten?“ fragte mich vor einiger Zeit die Verkaufsleiterin der Reederei.
Nun ja, bei der Übermacht von AIDA und TUIcruises ist es ein bisschen schwierig, muß ich zugeben.
Und wenn man selbst noch nicht auf einem MSC-Dampfer war, findet man nicht sofort besondere Argumente dafür.
Das werde ich nun ändern und buche eine Schiffsbesichtigung in Amsterdam.
Die Anreise erfolgt glücklicherweise mit meinem Lieblingsverkehrsmittel, dem Reisebus, der rasch ein paar Dortmunder, Essener und Duisburger einsammelt, und los geht‘s. 
Am Vortag hat sich die gute Gelegenheit ergeben, sich nochmal ein wenig mit MSC zu befassen, da meine Mitarbeiterin einen Auftrag von Freunden für eine Familienkreuzfahrt hatte, und siehe da, MSC ist unser Kandidat!
Familienkabinen gibt es, viel Action für Kids aller Altersstufen und rasant gute Ermässigungen für die Racker.
Aber natürlich auch Unterhaltung und Abwechslung für alle, um sich die Abende, Nächte oder Seetage an Bord zu verschönern.
Und das sehe ich mir jetzt mal an.

Eigentlich wollte ich es niemals tun, aber ich schaue nach, was meine Mitbürger auf Holidaycheck, dem „Berwertungspapst“ unter den Kritikpredigerportalen darüber schreiben. Es lässt sich ja heute kaum noch etwas verkaufen, was dort mit weniger als 80% bewertet wurde, auch wenn meine langjährigen Kunden über dasselbe nur Gutes berichten. Und den Bewertungen meiner Kunden schenke ich weitaus mehr Glauben als einem Internetportal.
Hinzu kommen meine eigenen langjährigen Erfahrungen, die jetzt noch um noch ein  weiteres Schiff vergrößert werden.
Da lese ich, daß die Magnifica mit 65% weiterempfohlen wird. Das ist ein Prozentsatz, der die meisten Gäste abschreckt, aber wir werden ja sehen.
Der eine preist das Essen in den höchsten Tönen, der nächste schon hat überhaupt nichts für sich gefunden, findet das Essen schrecklich.
Und es gab immer dasselbe - ein gern genommener Satz im Bewertungsfeuerwerk.
Hierzu habe ich schon lange meine ganz eigene Meinung, und die lautet: Wenn ich essens- oder geschmackstechnisch eingeschränkt bin und bestimmte Speisen einfach nicht ausprobiere, dann habe ich eben schlechte Karten.
Als Vegetarierin esse ich morgens seit Jahren Brot mit Käse. Wenn ich das im Urlaub auch tue und niemals Marmeladen ausprobiere, oder Honig, oder sonstige Brotaufstriche, weil ich die nicht mag, und wenn ich halt die Wurstsorten nicht essen kann, dann darf ich einfach nicht behaupten, es gäbe immer dasselbe.
Ich ESSE immer dasselbe. Das ist es. Da kann niemand was dafür.

Hier muß ich kurz noch das Erlebnis einer Kundin ausplaudern, die sich an einen Mitreisenden gewandt hatte weil der bemeckerte, das Essen auf AIDA wäre auch nicht mehr was es einmal war. Sie fragte ihn, was er konkret meinte, und erhielt die Antwort, daß es früher zum Frühstück 10 Käsesorten gab und jetzt nur noch acht. Wenn man sonst keine Probleme hat, dann geht´s ja.

Selbstverständlich weiß auch ich, daß sich beim Essen die Geister scheiden, egal wo, und daß manchmal auch wirklich nicht gut gekocht oder präsentiert wird, aber dann muß ich vielleicht auch mal in Relation setzen, was ich bezahlt habe.
Preis-/Leistungsverhältnis werde ich also auch unter die Lupe nehmen. 

Oh je, jetzt komme ich gerade rüber wie der allerwerteste Schiffstester. Das bin ich natürlich nicht. Ich schau einfach mal und halte die Augen und Geschmacksnerven auf Empfang. 
Die Kabinen sind jedenfalls alle schonmal super bewertet.

Die Sicherheitsvorkehrungen hat man uns bereits im Bus ausgehändigt. Da geht es um Notfallsignale, allgemeine und bei Feuer.
Ein Signal für den Fall, daß es mir nicht schmeckt oder meine Kabine nicht sauber ist, gibt es nicht, also wird schon alles gut sein.
Ich melde mich wieder mit Infos und Fotos, sobald ich das Schiff geentert habe.


Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...