Dienstag, 29. August 2017

Mit dem Zug nach Paris - oder wie meine Gäste unseren Bus vermissten

Eine Erinnerung an eine Reise im vergangenen Jahr holt mich gerade ein, weil ich heute eine Anfrage von Kunden hatte, die gern mit dem Zug nach Paris reisen wollten.
Ich gebe zu, als eiserner Verfechter von Rund- und Städtereisen mit dem Reisebus kann ich nicht anders als kurz vorschlagen, ob denn nicht eventuell eine Busreise....
Doch da fällt man mir schon ins Wort.
"Nach Paris? Mit dem Bus? Um Gottes Willen!!!!" Ich müsste, um den Ton des Entsetzens richtig wiederzugeben, noch einige Ausrufezeichen mehr setzen.
Sicher Busreisen - der Fahrer macht das schon.
Das trifft mein Busreiseleiterherz nun ganz gewaltig, aber ich muß es akzeptieren, Geschmäcker sind verschieden. Und dennoch: Für mich ist der Bus DAS Gefährt schlechthin, wenn es um Besichtigungstouren geht.
Auf jeden Fall aber kam von meinen Kunden postwendend das Gegenargument für die Bahn: "Da kann man mal aufstehen und rumlaufen".
Wie oft habe ich das schon gehört??? Und es stimmt natürlich. Wenn man das dann wirklich macht, ist es in Ordnung. 
Im Reisebus fesseln wir übrigens auch nicht unsere Leute an den Sitzen. Während der regelmässigen Pausen unterwegs dürfen die sogar auch aussteigen und sich die Beine vertreten.

An dieser Stelle also meine Geschichte über eine Kleingruppentour mit der Bahn nach Paris.
Es war im letzten Jahr. All meine Reisen ausverkauft, bis auf die Paris-Tour. Sie schwächelte ein wenig, und ich wollte meine Gäste nicht mit einer Absage enttäuschen, rechnete kurz durch und kam zu dem Schluß, mit meiner 13-er Gang mit dem Zug nach Paris zu fahren.
Ab Dortmund haben wir doch nun diese wunderbare Verbindung mit dem Thalys. In 4 1/2 Stunden am "Gare du Nord". Eine fantastische Vorstellung astreiner Hochgeschwindigkeit. Man wird quasi ruck zuck nach Paris gebeamt.
Wir trafen uns also am  Hauptbahnhof, unser Gepäck im Anschlag, denn um den Transport mussten wir uns natürlich selbst kümmern. Alles in die Gepäckablage geastet, ich hatte nur einen etwas überdimensionalen Rucksack und tat mich damit schon schwer, den oben in die Gepäckablage zu bugsieren. 
Die Gepäckablagen am Ende der Zugabteile nutzen, so ganz unbewacht, das möchte ich dann doch lieber nicht.
Wir kommen pünktlich am Pariser Nordbahnhof an. Meinen Schock über den Preis für einen Kaffee an Bord des Zuges habe ich eigentlich noch nicht verwunden und trauere noch ein wenig dem viel besser schmeckenden und nur einen Bruchteil davon kostenden Kaffee in unserem Reisebus nach.
Übrigens ist die ganze Zeit während der Fahrt niemand aufgestanden, um mal ein wenig rumzulaufen, was man ja in der Bahn so wunderbar kann. Außer dem obligatorischen Gang zur Toilette sah ich keinerlei Bewegung.
Eine aufregende Métrostation Nähe Palais Royal
Jetzt geht es ab in die Métro. Sie ist bekanntermaßen DAS Transportmittel in Paris. Etwa alle 500 m eine Station, man kommt überall hin, zum günstigen Preis - wenn man ein 10-er "Carnet" oder ein "Paris-Visite-Ticket" hat.
Die Station im Nordbahnhof hat sogar eine Rolltreppe. "Quel confort!" Wir schweben in den Untergrund und warten auf den nächsten Zug. Der ist leider total voll, und ich rate meinen Gästen dringend ab, noch schnell die letzte Quetsch-Ecke in der Métro zu ergattern, da oftmals diese Enge von Dieben inszeniert sein kann, die den Neuankömmling (und leider nicht nur den) dann gleich um einige wertvolle Dinge erleichtern.
Irgendwann kommt auch ein Zug, der entspannt viel Platz für uns "wilde 13" hat, und los geht´s.
Selbstverständlich kommt man vom Nordbahnhof nicht nonstop direkt zu unserem Hotel - zu den wenigsten Hotels, muß dazu gesagt werden, es sei denn, man bucht halt direkt am Nordbahnhof ein.
Unser Hotel, mein geliebtes "Magellan" in einem ruhigen Wohnbezirk, erreicht man mit zweimal Umsteigen.
Und nun macht sich auch schon ein wenig Gegrummel Luft: Die Pariser Métro ist beileibe nichts für Menschen mit Gepäck. Es ist nicht einfach, einen Koffer durch diese Schranken zu schieben. Schlimmer noch die Stationen, an denen man durch so eine Art Klapptüren muß. Die gehen dann entweder hinter mir direkt wieder zu und lassen meinen Koffer dahinter, oder aber mich, wenn ich meinen Koffer vor mir her schiebe.
Es ist alles sehr schwer zu beschreiben, und ich kann noch nicht einmal empfehlen, es selbst auszuprobieren, um es zu begreifen.
Wir klettern Treppen rauf und runter, denn die Wege im Untergrund sind manchmal endlos. Wer einen Koffer mit Rollen hat, hat´s gut, sollte man meinen. Aber nur so lange, bis die nächste Treppe kommt. Und wir erleben viele davon.
Meine Leute sind schon fix und fertig, und der erste fragt, ob uns nicht Marek mit seinem Bus hier irgendwo auflesen kann, aber der ist ja nunmal weit weg in Paderborn. Wir müssen jetzt da durch und nehmen gleich nochmal die nächste Treppe, bevor wir wieder umsteigen.
In Schweiß gebadet am Hotel angekommen, nehme ich nach dem Einchecken mal die Uhrzeit: 
Ich habe von meiner Wohnung aus 7 Stunden gebraucht! 
Mit unserem Bus hätte es vielleicht noch eine Stunde länger gedauert, aber man wäre entspannt angekommen, ohne Gepäckschlepperei, ohne endlose Treppen und Gänge unter Tage.
Und mit einem leckeren Kaffee und einem kleinen Piccolöchen macht man sich richtig gute Laune auf ein paar schöne, erlebnisreiche Tage in Paris - oder sonstwo in Europa.
L´Arc de Triomphe
Und ich weiß schon, jetzt werden womöglich die Stimmen laut, man könnte das alles schneller haben, wenn man fliegt.
Ganz genau, eine sehr gute Idee, die ich auch schon ausprobiert habe. Ich fasse mal rasch zusammen:
1/2 Stunde Fahrt zum Dortmunder Hauptbahnhof, 50 Minuten mit dem RE nach Düsseldorf zum Flughafen, 1 1/2 Stunden vor dem Abflug einchecken. Sicherheitshalber, damit auch nichts schief geht, ist man mal 2-2,5 Stunden vorher am Flughafen. Dann fliegt man, zugegebenermaßen, recht kurz und findet sich wieder im nicht sehr übersichtlichen Flughafen "Charles de Gaulle", sucht den Ausgang und vor allem die Bushaltestelle der Air-France-Busse, die einen dann in die Innenstadt fahren. Wenn das alles ohne Verzögerungen geht, ist man in einer guten Stunde am Air-Terminal am Invalidendom. Dann geht es in die Métro, und ich spare mir jetzt die Szenerie mit dem Gepäck etc.
Eventuell noch ein- oder zweimal umsteigen, und das Hotel ist erreicht.
Ich denke, auch hier kann ich 6,5 bis 7 Stunden ansetzen. Ein wahrer Gewinn!!!
Und so geht es einem mit vielen Zielen in Europa.
Gerade kürzlich bekam ich noch einen Bericht von einer Freundin, die eine Cornwall-Rundreise mit Studiosus bei mir gebucht hatte. Die Anreise erfolgte per Flug nach London.
Ihr Bericht (die Reise an sich war sehr schön) sprach mir, was die Anreise anbetrifft, voll aus dem Herzen, denn sie war natürlich mit Anreise zum Flughafen, einchecken, Sicherheitsschleuse, warten, fliegen, auf Gepäck warten, auf die anderen Teilnehmer warten und dann noch bis Salisbury fahren, fast endlos unterwegs. In nicht viel mehr Zeit schaffen wir das mit unserem Reisebus, ganz bequem, schnell mal von Calais durch den Tunnel nach Folkestone (35 Minuten), immer hübsch bewirtet und versorgt unterwegs. Wieder das schon erwähnte Piccolöchen auf dem Tischchen vor mir und mit Beine vertreten während der kleinen Pausen.
Als meine Freundin dann diese Rechnung während der Rundreise bei einigen Mitreisenden präsentiert, erntet sie das blanke Entsetzen!
"Mit dem Bus nach Cornwall? - Nein, das kommt für uns gar nicht in Frage."
Es wäre jetzt einmal interessant zu wissen, wie die so erschüttert reagierenden Passagiere denn eigentlich die Rundreise vor Ort durchgeführt haben.
Wurden sie von Studiosus durch die Lande gebeamt oder saßen sie gar am Ende ab und bis London Airport in einem Reisebus? 
In einem Reisebus, der sie an den Sitz fesselt und nicht mehr raus lässt?
Dreimal "sorry" für diese böse Schlußbemerkung, sagt Euer Verfechter von Bussen und Reisen - Euer Freund der Busreise-Weisen....
Maskottchen Björn-Ole entspannt am Schloß Läckö



 





Sonntag, 27. August 2017

Der Motor ist in 675!

Ich liebe Schiffe. Egal ob Fähren oder Kreuzfahrtschiffe. Wobei letztere natürlich noch viel mehr.
Der Beginn einer Urlaubsreise per entspannter Nachtfähre ist für mich immer ein Vergnügen. 
Ok, es kann mal schaukeln und schwanken, man ist ja schließlich auch nicht auf festem Boden. Macht aber nichts, wenn man seefest ist oder sich eines der berühmten "Seebänder" um den Arm gewickelt hat (wirkt laut Aussage meiner Kunden perfekt).

Aber seit dem Ende meiner letzten Urlaubsreise, die, das möchte ich nochmal betonen, wunderschön war, gibt es für mich eine Zahl des Grauens: 675!
Das ist die letzte Kabine auf Deck 6 auf der "King Seaways". Die letze, was die Reihenfolge anbetrifft, und auch das Letzte, was die Geräuschkulisse anbetrifft.
Wenn das Schiff seinen Motor irgendwo hinten hat, dann befindet er sich definitiv in der Kabine  
675 
und zwar direkt unter der Koje oder zumindest in der Dusche! Die ganze Nacht habe ich gegrübelt, wie ich das Los dieser Kabine bei einer meiner nächsten Touren umgehen kann.
Es gibt allerdings bei der Vergabe der Kabinen einen Zufallsgenerator, der sich nicht austricksen lässt. Bestechung des Kapitäns scheint ebenfalls unmöglich.
Die Lösung heißt: Commodore-Kabine buchen. Es gibt 16 Stück davon, und der Aufpreis dafür ist es allemal wert.
Oder die Variante mit dem günstigeren Aufpreis: Die Massagesessel auf Deck 9. Ein paar Münzen opfern, sich ordentlich durchkneten lassen und dabei langsam wegnicken.

Ansonsten heißt es auch das nächste Mal: Wieder anziehen, ab in die Bar und ein Guinness nach dem anderen heben. Ist ja auch Medizin und hilft definitiv beim Einschlafen.

Samstag, 5. August 2017

Fürst Albert, Prinz Edward und ich: Military Tattoo

Endlich, endlich, endlich! Ich habe Karten für das Military Tattoo in Edinburgh!
Dieses Mal werde ich sie nicht abgeben wie schon einige Male zuvor, denn bei jeder Gruppenreise nach Schottland, bei der dieses Spektakel auf dem Programm stand, hatte ich immer kurzfristig noch ein paar Anmeldungen und gab meine letzten beiden Karten an Kunden. Geschäft ist Geschäft, da muß Privates hinten anstehen. Und wenn ich alle dann habe schwärmen hören als ich sie dort oben vom Burgberg wieder abgeholt habe, dann habe ich es immer ein wenig bereut.
Aber jetzt kriegt sie niemand, die zwei Karten für 'Section 5, T 1 und 2'.
Eigentlich wollte ich mal so richtig zupacken, was die Sitzkategorie anbetrifft und war bereit, ein für meine Begriffe kleines Vermögen für zwei der besten Plätze, vor allem im überdachten Sektor mit vollem Panoramablick auszugeben. Ich wollte sogar ein komplettes Arrangement buchen, mit Abendessen, Whisky-Tasting und einem Schotten im Kilt als persönlichen Begleiter zum Burgeingang. 
Doch in Nullkommanix waren die eben noch mit 30 bezifferten Karten ausgebucht. Zwischen meiner Entscheidungsfindung und dem Buchungsklick, was nicht sehr lange gedauert hat, sollten auf einmal alle Plätze für das Dinner ausverkauft sein.
Mittlerweile weiß ich auch, warum.
Fürst Albert von Monaco hat sie mir weggeschnappt 😬. Und Prinz Edward samt Familie. 
Zumindest Edward, Graf von Wessex, hatte sich wohl recht kurzfristig entschlossen, das royale Traditionsspektakel mit seiner Anwesenheit zu schmücken, so entnahm ich es der Zeitung am nächsten Morgen. 
Erst überrascht er einen Darsteller im Rahmen des "Edinburgh Fringe Festival" mit einem Auftritt als Freiwilliger in dessen Standup-Show, weil sich auf Nachfrage des Künstlers niemand zur Verfügung stellen wollte, und dann schnappt er noch vier Plätze in der guten Sitzkategorie beim Military Tattoo weg. 
Ich muß nachsichtig sein, schließlich stehen ihm ja einige Wochen Urlaub mit Muttern auf Schloß Balmoral bevor.
Fürst Albert hingegen hatte sehr wahrscheinlich seine Einladung viel früher, war doch sein Militärorchester für einen Auftritt geladen. Selbstverständlich bucht so ein Fürst gleich eine Riesenanzahl Plätze für Freunde und Bodyguards. Das war's dann mit dem Panoramablick.
Aber auch unser Abschnitt 5 ist absolut empfehlenswert.                                 
Es wird in mehreren Episoden die Geschichte Großbritanniens erzählt, mit Schwerpunkt Schottland selbstverständlich. Von den Wikingereinfällen, über Jakobiteraufstände, Schlacht von Culloden, die "auld alliance" mit dem befreundeten Frankreich (dorthin hat man aus Schottland schon immer gern Königstöchter zur Erziehung geschickt und Königssöhne zum Asyl suchen) bis zum gemeinsamen britischen Militär und dem Empire. Zu Gast ist dabei ein fantastisch farbenfrohes Ensemble aus Indien.
Zu Beginn begrüßt der, ich nenne ihn einfach mal "Stadionsprecher", alle Zuschauer und fragt ab, aus welchen Ländern sie kommen. Riesen-Applaus-Getöse bei Amerikanern, Kanadiern, Deutschen und Österreichern. Franzosen ein bisschen weniger, Schweizer auch, ein paar Inder und natürlich immens viele Schotten. 
Und dann fragt er tatsächlich, ob Leute aus Monaco anwesend sind. Ich finde das witzig, denn es wäre doch ein Zufall, wenn aus dem minikleinen Ländle gerade auch noch die Hälfte hier in der Burgesplanade weilt. Es klatscht keiner, also keiner aus Monaco da.
Doch weit gefehlt. Es wird höchst offiziell "His Serene Highness" begrüßt, ich kriege es gerade noch so mit, während ich mich noch frage, warum wir alle aufstehen und die monegassische Hymne hören sollen. 
Fürst Albert unterstützt mit viel Salutieren und Applaus sein kleines Orchester.
Da sitzt er also, mit Prinz Edward an seiner Seite, in meinem Wunschabschnitt, und genießt das Spektakel. 
Und während wir am Ende der Show im Gewühl ein Taxi suchen, das uns zu unserem Campingplatz raus fährt, schlummert der Monegassenprinz wahrscheinlich schon in seiner Suite im Nobelhotel "Balmoral" an der "Princes Street".
Gute Nacht Schottland.



Mittwoch, 2. August 2017

Der Warden-Collie

Wer braucht noch einen Border-Collie, wenn man einen Warden-Collie hat?
Ist es eine neue Hunderasse? Nun ja, wie man's nimmt, es ist auf jeden Fall ein Lebewesen mit Hütehund-Ambitionen.
Wir lernten ihn kennen, als wir auf unserem vorreservierten Campingplatz im Westen Schottlands zu spät ankamen. Sprich, als das Büro des "Warden" (Platzwart) schon geschlossen war.
       
Ordnungsgemäß rufe ich natürlich vorher an, um unsere Verspätung zu melden, doch ich erreiche nur den 'Auto-Warden', also seinen Anrufbeantworter.
Au weia, eine mit rollenden R's, I's, die sich wie E anhören, und langen O's gespickte schottische Ansprache (nooo one is therrre, the office es cloooosed) überrollt mich. Aber ich komme klar und spreche mein Sätzchen in Oxford-Englisch auf Band, nicht vergessend, mich für die Verspätung dreimal zu entschuldigen.
In der Regel wohnen diese 'Wardens' in der Saison auf den Campingplätzen oder ganz nah dran und kommen auch zum Einchecken noch zu späterer Stunde raus, und darauf hoffe ich.
Es ist Licht im Büro, die Hoffnung steigt. Ein weiterers Pärchen parkt hinter uns und will auch noch einchecken. Wir rufen abwechselnd den 'Warden' an, doch ohne Erfolg, und beschließen auf meine mutige Initiative hin, uns selbständig einen freien Platz zu suchen.
Wir möchten natürlich nicht die Planung des Platzwartes durcheinander bringen, aber was soll man schon machen? Die Nacht vor dem Campingplatz verschimmeln? Auf die wunderbare Aussicht aufs Meer verzichten?
       
Die Lage des Platzes ist wirklich einmalig. Und sämtliche Stellplätze sind durch die Neigung des Terrains zur Küste hin mit Meerblick belohnt. Das Meer vor Augen, die Berge rollen im Hintergrund vor sich in der Dämmerung hin.
       

Wir finden ein traumhaftes Plätzchen und parken ein. Neben uns ein französisches Paar, das es sich schon draussen auf den Campingstühlen in der Sonne mit einem Whisky vor der Nase gemütlich gemacht hat. Ja, wir haben tatsächlich auch mal Sonne.

Ich frage sie, ob neben ihnen der Stellplatz vielleicht schon von jemandem belegt ist, der nur noch nicht von seinem Ausflug zurückgekehrt ist, aber nein, die beiden sind auch erst 5 Minuten da und haben sich genauso eingeschlichen wie wir.

Ich bin voller Bewunderung, wie man schon 5 Minuten nach dem Einparken das gesamte Sitzmobiliar aufgestellt, sich darin installiert und schon einen Drink in der Hand haben kann.

Wir unterhalten uns ein wenig und kommen überein, daß wir eventuell den Platz morgen wieder räumen müssen, falls eine andere Stelle für uns eingeplant war.


Und dann kommt er! In seinem grünen Landrover! 

      
Ich glaube, in Schottland fahren alle, die einen Job auf irgend einem Anwesen haben, sei es Campingplatz oder Schloß, einen grünen Landrover.

Der Platzwart ist da und fährt die Stellplatzreihen auf und ab, um Falschparker und Platz-Selbstaussucher ausfindig zu machen.

Er findet uns, seine entlaufenen Schafe, und stellt uns zur Rede.

       

Ich gestehe, daß uns bewusst war, daß dieser Platz vielleicht nicht der für uns geplante war und wir uns nicht selbständig machen durften, mache ihm jedoch deutlich, aber unter den üblichen mehrfachen 'sorrys' , klar, daß wir keine andere Wahl hatten und unser Bestes gegeben haben, ihn auffindig zu machen.

Ich soll zu seiner Frau ins Büro gehen, sie wäre jetzt dort. Ich gehorche sofort und mache mich mit meiner Kreditkarte bewaffnet auf den Weg. 

In der Zwischenzeit hält der 'Warden Collie' meinen Mann samt Wohnmobil und auch den Franzosen in Schach.

Dann werden wir eingewiesen. Und wir waren bei der Wahl gar nicht schlecht, parkten wir doch nur 3 Plätze von dem uns verordneten entfernt.

Abstellen, Sonnenuntergang genießen und den aus den Cotswolds mitgebrachten Whisky genießen. Wir sind nicht ganz so schnell wie die Franzosen, aber in der Ruhe liegt die Kraft.

Wir genießen die Aussicht auf den dahin dämmernden Himmel über einem ruhigen Meer und auch auf die Nachbarwohnmobile und -wagen, von denen es einige aber wirklich wissen wollen. Voll geflaggt, mit Diskobeleuchtung und bunt blinkenden, hoch in die Luft ragenden Leuchtstäben setzen sie ihre ganz persönliche Note in die Landschaft. Wir haben sowas nicht (wollen wir auch nicht). Wir haben noch nicht mal mehr einen Hund, der sich voller Freude auf einem Musterbeispiel an mit der Nagelschere gestutzten englischen Rasen lümmelt (und beides hätten wir gern, den Hund und solch einen Rasen).


Guten Morgen Schottland.

      

An der herrlichen Luft lässt es sich prima schlafen, und wir sind entspannt.

Bis ER kommt, der 'Waren Collie". Langsam rollt sein Landrover wieder durch die Reihen auf der Suche nach Sündern. Und wir sind es wohl wieder, weil wir doch endlich bezahlen sollen.

Das wollte ich gestern schon, aber "the offece was offeshially clooosed".

Ich renne also was das Zeug hält zu seiner Frau und regle die Bezahlung für drei Nächte. Jetzt kann es richtig gemütlich werden.


Jeden Tag sehen wir ihn, auf und ab fahrend, auf der Suche nach wild parkenden Wohnmobilschafen und sich selbständig machenden Wohnwagenböcken.

Seine Gute-Nacht-Runde hat er jetzt erledigt, und ich verabschiede mich in die nächste schottische Frischluftnacht am Meer.






Dienstag, 1. August 2017

Karrierestart im Bett der königlichen Mätresse: Die Churchills

Ich würde mich freuen, wenn es noch Menschen gibt, die mit dem Namen "Churchill" auch nur den Politiker verbinden.
So ging es mir nämlich recht lang, bis ich mich eingehender mit dieser "Sippe" beschäftigt habe, weil die Besichtigung von "Blenheim Palace" anstand.
      *
Kurze Info: Der Palast liegt in der Nähe von Oxford bei dem kleinen Dörfchen "Woodstock". Auch hier dachte ich immer, das hätte was mit dem legendären Musikfestival zu tun, bis mich ein älterer Mitreisender aufklärte, daß dieses allerdings ein Woodstock in Amerika ist.
Nun ja, ich bin halt ein Anfang-60-er-Jahrgang und war 1969 gerade mal eingeschult, daher war die Hippie-LSD-Peace-Festival-Zeit nicht meine, und Woodstock für mich kein Begriff (es sei denn, Status Quo hätten dort bereits gerockt :-).
Wir unternehmen also eine Führung durch die Geschichte des Palastes mit dem Geist der Magd der ersten Herzogin. Und die erzählt einfach Unglaubliches, Skandalöses!
                        
Zu der Zeit, als der vorletzte der Stuart-Könige, James II, seine letzten Jahre auf dem britischen Thron genießen konnte, schaffte es ein junger Mann namens John Churchill ins Bett der königlichen Mätresse Barbara. Und was soll ich sagen? Er wurde von seiner Majestät erwischt! 
Der Geist der Magd schweigt über das, was sich dann an Disputen und möglicherweise Handgreiflichkeiten im Schlafzimmer abgespielt hat, kommt aber zu dem Schluß, daß der König seinem Untertan verziehen hat. Du meine Güte, was hatte vor allem die gute Barbara für ein Glück?! 
Zu Zeiten Heinrichs VIII, wäre ihr Kopf schon so gut wie ab gewesen.

John Churchill bekommt die Chance, seinen ohnehin schon bereits guten militärischen Ruf noch weiter auszubauen und kämpft für seinen König. 
Wie vielleicht allgemein bekannt ist, waren die katholischen Stuart-Könige ob Ihrer Religion eigentlich nicht mehr auf dem britischen Thron erwünscht, denn man wollte nur noch Protestanten, hatte aber gerade keine mehr zur Verfügung, da unpassenderweise nur zwei Töchter überlebt hatten. Wie auch später noch einige Male, ging man also im Ausland suchen und fand Wilhelm von Oranien als Ehemann für die Königstochter Mary. 
Was schert mich die Verwandtschaft, dachte der, und zog gegen Schwiegerpapa James in den Krieg. Als dieser letztlich chancenlos sein Staatssiegel in die Themse wirft und nach Frankreich flüchtet, werden Wilhelm und Mary gleichberechtigte Monarchen. Staatssiegel wegwerfen wird ohne große Diskussion als Abdankung angesehen. 
Und was macht Churchill? Hängt sein Fähnchen anders herum und kämpft auf Seiten des protestantischen Wilhelms. Der dankt ihm das mit dem Titel "Earl of Marlborough". Man beachte: Bis zum Duke/Herzog ist es noch ein weiterer Schritt auf der Wichtigkeitsskala, aber kein Problem für John, dessen steile Karriere jetzt so richtig in Fahrt kommt.
Drei Könige hat er durch, als er letztlich unter Queen Anne für seine militärischen Erfolge Land geschenkt bekommt und sie ihm später "Blenheim House" baut.
Aus dem "House" wird später ein "Palace", denn es wird heftig und teuer erweitert.
       
Ein wahrer Held wird Churchill am Ende durch die Schlacht von Blenheim, ein Ort in Bayern, mit dem Originalnamen "Blindheim".
Wer hätte das gedacht, daß ein englischer Palast mal den Namen eines bayrischen Dorfes tragen würde, zumindest in Abwandlung?
Und warum eigentlich eine Schlacht in Bayern? Die Begründung ist in der langjährigen Feindschaft zwischen Engländern und Frankreich zu finden, war doch Bayern mit den Franzosen verbündet, und es drohte eine Machtverschiebung zu Gunsten Frankreichs gegen die Engländer.
Genau das hat Churchill letztlich verhindert, und noch sein späterer Nachkomme, Sir Winston Churchill, urteilte einst, daß die Welt anders aussehen würde, hätte John nicht für England die Schlacht in Blenheim gewonnen.
Wie wahr, wie wahr! Wäre am Ende noch Ludwig XIV auf den englischen Thron gekommen und hätte das Land wieder einmal zum französisch sprechen verdonnert? Das hatten wir doch schon einmal im 11. Jahrhundert. Und nachdem man endlich die Schotten untergebuttert und die Stuartkönige mit Queen Anne in ihre letzte Runde geschickt hatte, die Franzosen auf der Insel? Never ever!

Verheiratet war John übrigens auch zwischenzeitlich. Seine Frau Sarah stand sich sehr gut mit Königin Anne, zumindest für einige Jahre. Durch wirre Ereignisse fielen sie und John jedoch irgendwann in Ungnade, und die Königin stoppte alle weiteren Zahlungen für die Erweiterung von Blenheim Palace.
Ja, richtig gehört. John hat hier nicht selbst in seine Brieftasche gegriffen, sondern sich seine Heldentaten wirklich gut versilbern lassen.
Sein Fall war dann dementsprechend dramatisch. Familie Churchill floh ins Exil und kam erst nach dem Tod von Königin Anne zurück. 
Welch ein Glück, der verantwortliche Architekt war noch da, die Bauarbeiter auch, aber Mrs. Churchill war zu pingelig und vergraulte das seinerzeit hochgelobte Baugenie Vanbrugh.
Noch dazu wollte der mittlerweile den Herzogstitel tragende John auch nicht noch weiter auf die Zahlungen aus dem Königshaus verzichten, stellte die Gehaltszahlungen ein und erreichte dadurch, daß auch die letzten Bauarbeiter sein Anwesen im Stich ließen.
Man muß dann schonmal selbst in die Tasche greifen. Auch damals schon waren wohl Preisvergleiche in Mode, und Churchill fand, ganz ohne Internet, einen Ersatz, der für weniger Geld arbeitete.
Den Wert von Blenheim Palace nach heutigem Geld schätzt man auf etwa 25 Millionen Pfund.
Nicht ganz so billig zu haben war für einen der späteren Herzöge von Marlborough sicherlich der Gartenpapst des 18. Jahrhunderts: Lancelot "Capability" Brown. Er erschuf die Pläne für das gesamte Parkgelände, das heute aussieht wie zufällig dahingewachsen. Allerdings ist die Position eines jeden Baumes und jedes noch so zufällig dahingeworfenen Strauches durchgeplant.
      
Das ist heute das Prinzip eines englischen Landschaftsgartens.

Und wer sind die Churchills heute? Der 12. Herzog heißt Charles und trägt für meine Begriffe ein wenig die runden Züge des so bekannten Politikers Winston Churchill. Eine Frau, drei Kinder und zwei Hunde gehören zu ihm, und sein Anwesen ist mittlerweile Weltkulturerbe der UNESCO.
Einen winzigen Teil zum Erhalt seines Riesenanwesens haben wir auch geleistet, indem wir unsere 24 Pfund für eine Übernachtung auf dem herzöglichen Campingplatz bezahlt und dann noch den Eintritt in den Palast bezahlt haben, allerdings stark ermäßigt für die Campingplatzbewohner. Danke dafür, "Your Grace".

Zum Schluß sei noch erwähnt, daß die Spencer-Churchills sehr gut aufpassen müssen, daß sie ihr Anwesen nicht an Elizabeth II verlieren.
Wieso übrigens dieser Doppelname? Nun, die Spencers hatten recht früh schon in diesen Clan eingeheiratet. Was soll ich sagen? Es fehlte mal wieder ein männlicher Erbe. Es ist doch immer dasselbe Spiel mit den Frauen! Kriegen es einfach nicht immer gebacken, daß das Erstgeborene ein Junge ist. Da hat schon der 1. Herzog keinen überlebenden Sohn und muß die Würde an seine Tochter Henrietta übergeben, und deren männliche Nachkommen sterben auch alle vor ihr weg.
Da ihre Schwester wesentlich produktiver in Sachen Jungs-Geburten war, fiel der Herzogstitel an Henriettas Neffen Charles Spencer.
Beim Namen "Spencer" müsste eigentlich auch wieder bei jedem, der sich ein wenig in den Adelshäusern auskennt, die Glocken klingeln: In der Tat, Lady Diana Spencer stammt in einer Nebenlinie aus dem Churchill-Clan.
Doch ich möchte schließlich noch das Geheimnis lüften, warum der 12. Herzog sein Gedächtnis immer auf der Höhe haben muß:
Es gibt eine Tradition, daß die Besitzrechte an Blenheim Palace an eine sehr eigentümliche Bedingung geknüpft sind. Jedes Jahr muss der amtierende Herzog eine nachgebildete Fahne der besiegten französischen Truppen an den Monarchen schicken. Vergisst er es, verliert er sein Heim.
Nun denn, Herzog Charles, ein 1955-er Jahrgang, sollte noch fit genug sein, daran zu denken.
Die vielen feinen Details, an denen er möglicherweise tagtäglich vorbei läuft, werden es ihn niemals vergessen lassen, daß sein Vorfahre gegen die Franzosen siegreich war.
                                 
Schon im großen Ehrenhof genügt ein Blick auf die riesige Skulptur eines englischen Löwen, der in seinen Klauen das Nationalsymbol der Franzosen, den gallischen Hahn, einquetscht.
Und direkt gegenüber steht Minerva, die Göttin der Weisheit, und dominiert zwei angekettete französische Gefangene. Warum diese nackt sind, das entzieht sich meiner Kenntnis. Aber in früheren Jahrhunderten war dies wohl das Leid sämtlicher, noch dazu draußen stehender, Büsten und Statuen.

* Da das Wetter für schöne Fotos leider nicht so grandios war, nehme ich wieder einmal das erworbene Buch zum "Estate" zu Hilfe und fotografiere ab. 




Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...