Sonntag, 29. Oktober 2017

KURZ mal nach LANGeoog


Was habe ich in Europa nicht alles schon gesehen!?
Aber ich war - außer einem Tagesausflug nach Norderney - noch nie auf einer deutschen Nordseeinsel. Das wird sich Zug um Zug ändern, und ich fange mit den ostfriesischen Inseln an. Ein kurzer Trip nach Langeoog begeistert mich trotz Wind und Wetter so sehr (oder gerade deswegen), daß dieser Beitrag mal wieder ein wenig länger wird.
Von Bensersiel aus nimmt man die Fähre. Die Insel ist autofrei, also lassen wir unseren Wagen auf dem Festland stehen, nachdem wir den Hafen endlich gefunden haben. Da kann man mal so richtig lachen, denn wir mussten tatsächlich erst die Ablegestelle suchen in dem kleinen Bensersiel. 
Durch den Mega-Hafen Rotterdam finden wir in Windeseile den Liegeplatz jeder Fähre, doch nicht so im beschaulichen Nordseedörfchen.
Gepäck im Schlepptau gehen wir Tickets kaufen. Die Koffer kann man am Schalter gegen ein geringes Entgelt aufgeben, so daß sie einem bis ins Hotel gebracht werden. Das ist ein toller Service.
Ich frage den Mann am Gepäckschalter, wie es dann auf der Insel weiter geht. Ich hätte von einer Inselbahn gelesen oder einer Pferdekutsche?
Da sagt der doch tatsächlich zu mir: "Zu Fuß!" Es sind aber doch immerhin noch 3,5 km vom Bahnhof Langeoog zum Hotel, und ich habe keine Lust, die im Dunkeln zu gehen. Immerhin habe ich noch mein Bordcase an der Hand.
Auf der Insel angekommen, stellt sich heraus, es gibt natürlich eine Inselbahn. Komischer ostfriesischer Humor. Der hat sich wohl gedacht, er schockt mal ganz dröge diese unwissende Touristin.
Danach geht es aber wirklich noch ein Stück zu Fuß zum Hotel. Die Luft ist super, ich fühle mich pudelwohl schon auf den ersten Metern, obwohl die Wetteraussichten nichts Gutes versprechen. 
Die erste und einzige Aktion des verbleibenden Abends ist ein leckeres Abendessen im Hotel "Mittenmang".
Hier sind wir wirklich "mittenmang", also mittendrin im Ort. Das Hotel ist ein 3-Sterne-Haus mit sehr schönen Zimmern und einem überaus aufmerksamen Service. Wir fühlen uns willkommen und gut empfangen.
Ein wenig aufgesessen bin ich allerdings den Fotos im Reisekatalog, die ausschließlich modern renovierte Zimmer mit teppichfreiem Fußboden zeigten. Wir bekamen jedoch eines mit Teppichboden, was mir immer ein wenig Unbehagen bereitet. Und so ganz schön modern fand ich´s halt auch nicht, aber vielleicht bin ich zu pingelig.
Als ordentlicher Tourist erkundige ich mich nach einem anderen Zimmer, obwohl man mit dem angebotenen, das muß ich betonen, durchaus zufrieden sein kann.
Es gibt nur noch eine Suite, und wir gönnen uns diese gegen einen nicht zu hohen Aufpreis.
Hier finden wir nun einen total gemütlichen, frischen Mix aus Moderne und Landhausstil.
Salz- und Pfefferstreuer als Krabben getarnt schauen uns über den Teller, während wir ein richtig schmackhaftes Abendessen genießen. Dem Koch kann man gratulieren, er versteht sein Handwerk. Alles schmeckt super. Wir nehmen uns vor, soviel Fisch zu essen bis uns Flossen wachsen.
Der nächste Morgen ist dann tatsächlich so wie vom Wetterbericht versprochen: Bedeckt, stürmisch und regnerisch. Wir machen trotzdem einen ersten Spaziergang zum Strand. Nachdem uns dort das erste Kilo Sand zwischen die Zähne geflogen ist und das Sandmännchen im wahrsten Sinne des Wortes schon am Vormittag in unseren Augen wütet, kehren wir um und bummeln durch die Geschäfte. Man kann einfach so durch den Ort schlafwandeln ohne groß aufzupassen. Es gibt keine Autos, nur Fahrräder, Fußgänger und dann und wann einmal ein Gepäckmobilchen.
Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum Langeoog als die "Kinderinsel" beworben wird. Unterhaltung für die Kleinen gibt es auch allerorts, wobei ein Urlaub hier nur Eltern ansprechen sollte, die auch mit ihren Kindern zusammen etwas erleben und entdecken wollen, ohne All-Inclusive-Paket und Kinderclub im Hotel.
Es macht Spaß, das Inselzentrum inmitten der schönen Häuser - natürlich alle in typisch nordischer Backsteinmanier - zu erforschen. Alles ist fein angelegt, und vor allem gibt es unwahrscheinlich viele Restaurants. Wer hier verhungert ist selber Schuld.
Aufgrund des nicht so prickelnden Wetters übergehe ich den heutigen Tag, wir widmen uns wieder dem Fisch essen und schlafen in den nächsten Tag hinein, der uns aufgrund der Zeitumstellung eine Stunde mehr gönnt.
Dieser Tag ist schön sonnig, aber noch windiger. Orkanböen sind angekündigt, und vorsichtshalber fragen wir unseren Hotelmanager, wie es sich denn so mit den Fähren verhält. Ob wir eventuell Gefahr laufen, für eine nicht absehbare Zeit zum Insulaner zu werden, weil wir nicht zurück zum Festland kommen.
Er zeigt uns ein Foto vom überfluteten Hafen. Schock! Zumindest für uns Landratten. Für einen Ostfrieseninsulaner ist das aber wohl noch keineswegs bedrohlich. Auch online lese ich Kommentare zu den Orkanwarnungen: "Windgeschwindigkeiten von 110 km/h sind für uns kein Orkan, das ist eine steife Brise". Nun gut. 
Ich bin seinerzeit wegen der isländischen Aschewolke von Mallorca umständlich weg gekommen, dann werde ich es wohl auch von Langeoog wieder nach Hause schaffen.

Die Seehundbänke im Nordosten der Insel wollten wir eigentlich mit dem Fahrrad erradeln, aber bei dem Wind kippen wir sicherlich um.
Ein Insulaner warnt uns, nicht auf die Sandbänke zu gehen. Das hatten wir so direkt natürlich gar nicht vor, denn man kann sich denken, daß das lebensgefährlich sein kann, im Watt und bei Sturm so ganz allein. Es muß aber immer wieder Menschen geben, die zu wagemutig sind, erwähnte doch der uns Warnende, daß er soeben noch von einer Familie gehört hat, die vor ihrer Abreise mit den Kindern nochmal eben auf die Sandbank wollte.
Ich begnüge mich mit einem Foto von Seehundmodellen. Nicht ganz so schön wie die Originale, dafür aber bunt.
Wir versuchen es erneut mit einem Strandgang und sind jetzt besser vorbereitet. Mit Schal vorm Mund, Sonnenbrille als Augenschutz und tief in die Augen gezogener Mütze bleibt uns ein Sehschlitz, um uns zurecht zu finden.
Es ist ganz schön was los auf der Strandmeile. Eine kleine Völkerwanderung eröffnet sich uns durch unser Guckloch. Es sind immerhin noch Herbstferien, das hatte ich ganz verdrängt, und mir wird mal wieder klar, wie viele Menschen doch Urlaub an unseren eigenen Küsten machen. Und wie viele dieser Gäste gehen mit ihren Buchungen an uns Reisebüros vorbei, wo wir doch auch deutsche Unterkünfte zu denselben Konditionen oder sogar oft günstiger anbieten können.
Das wissen einfach viel zu wenige.

Es ist ein toller Tag, und wenn man erst einmal seinen Weg durch die Dünen bis zu Wasserkante geschafft hat, dann beißt man auch nicht mehr auf Sand. 
Der Wind ist heftig, aber nicht scharf und vor allem gar nicht kalt. Schöne Ausblicke und eine herrliche Weite liegen vor uns. Wir atmen durch und erleben schon bald die Auswirkungen der gnadenlosen Frischluftzufuhr: MÜDIGKEIT!!!
Zurück im Hotel meint mein Mann, er würde auch gern an der Küste leben. Das wäre einen Gedanken wert für das Rentenalter. Wenn dann die Prognose einer Langeooger Verkäuferin noch etwas auf sich warten lässt, dann verschwindet die Insel noch nicht so rasch, sondern erst zu Zeiten unserer Ur-Ur-Ur-Enkel. 
Doch wenn man als älterer Mensch mal krank wird, so gibt es auf der Insel kein Krankenhaus. Dazu müsste man aufs Festland. Auf meine Frage an unseren Hotelier, ob er schon immer Insulaner war und gar auf Langeoog geboren wurde, entgegnet er, daß er einmal auf dem Festland war, als er geboren wurde (es gab ja kein Krankenhaus auf der Insel), und einmal war er in Jever ein Bier trinken.
Nun ja, wenn man sich mal das folgende Schild ansieht, wird einem ja auch Angst und bange ob der enormen Entfernungen. Da igelt man sich lieber auf seiner Insel ein. Das schlechteste ist es nicht.
















Mittwoch, 25. Oktober 2017

Villandry - Hier herrscht Ordnung im Beet

Bislang galt meine Liebe den englischen Landschaftsgärten und -parks.
Alle Pflanzen sind zwar nach einem Grundschema angepflanzt, sehen aber so aus als würden sie ganz zufällig dort stehen und dürfen dann im Wesentlichen so austreiben wie ihnen das Blatt gewachsen ist. Ein bisschen Rückschnitt, aber ohne sie in eine bestimmte Form zu pressen.
Nicht so der französische Garten, für den ich mich neuerdings begeistern kann.
        
Hier herrscht gnadenlose Ordnung im Beet. Ich glaube, manchmal ist mein Wohnzimmer nicht so aufgeräumt wie der Garten von Schloß Villandry, und ich weiß nicht, ob mein kleiner Garten sich manchmal auch wünscht, ich gäbe ihm ein wenig vor, wie er zu wuchern hat.
Aber aus Buchs Kugeln schneiden ist einfach nicht mein Ding. Außerdem wütet doch sowieso gerade die Raupe Nimmersatt, der elende Buchsbaumkiller.
In Villandry kümmern sich neun Gärtner um saubere, astreine Beete, kugeln und kegeln Buchsbäume oder spitzen diese an.
Versucht Unkraut hier sein Unwesen zu treiben, wird es mühsam von Hand ausgezupft. Bei einem derart großen Besitz möchte man vorschlagen, eine Maschine einzusetzen, aber die fantastischen Pflanzenzimmer gestatten nur vorsichtige Handarbeit.
                                    
Die Pflanzen bekommen einen glasklaren Befehl: "Du wächst in Herzform, Du wie ein Pfeil und Du bitte schön in Form zerbrochener Herzen." Denn es sollen verschiedene Form von Liebe dargestellt werden. Die brennende und die leidenschaftlich zum Beispiel.
Es klappt. Die machen das!
Und am Ende steht man als Betrachter vor einem bunten Teppich, einem Pflanzenmosaik und weiß gar nicht, wo man die Kamera hinhalten soll.
Da wächst der Kohl und bildet schöne weiße Tupfen. Aus der Ferne denkt man an eine Wiese mit Riesenchampignons.
                                 
An anderer Stelle hat man sich auf ein sattes Lila eingeschossen. Vor dem Hellgrün irgend einer Salatsorte funkelt es wie Seerosen auf einem Teich. Brave Kohlköpfe! Alles richtig gemacht und ordnungsgemäß hochgeschossen. 
                                 
Alles ist zu schade zum aufessen, und dennoch passiert genau das. Die Familie des Besitzers teilt die Ernte unter ihren Angehörigen und Angestellten auf. Ist sie besonders reichhaltig ausgefallen, bekommen die Besucher auch etwas ab.
Schloß Villandry befindet sich in Privatbesitz. Monsieur Carvallo ist ursprünglich ein Wissenschaftler, und für mich ist das an der Gartengestaltung ganz klar zu erkennen, denn ein gnadenlos romantisch denkender Mensch kann Pflanzen doch so nicht "erziehen". Es braucht schon eine gehörige Portion Planung und Tüftelei, solch ein Riesengelände in Form zu trimmen. 
Halt eine echte Wissenschaft für sich.
                                       











König François I unter die Lupe genommen

Da ist er also: Der Ritterkönig, der zwischen 1,80 und 1,90 m grosse Renaissance-Souverän von Frankreich.                
Ein wahrer Riese für seine Zeit. Die Menschen müssen schon allein deswegen ehrfürchtig gewesen sein. Noch dazu kommt sein legendärer Sieg bei Marignano in Italien, mit dem er Frankreich den lange gehegten Wunschbesitz des Herzogtums Mailand erfüllte.
                                    
Direkt danach zog er sich an die Loire zurück und gab sich dem Bauwahn hin. Und auch seiner ihm angetrauten Bretonen-Ehefrau Claude de France, wobei eben letzterer sicher nicht immer so gern.
Elf Schlösser ließ er bauen. Und wofür? 
Er ist viel gereist, war rastlos und unternehmungshungrig. Als König musste man selbstverständlich immer im Land unterwegs sein, damit alle Untertanen einen auch sehen und wissen, von wem sie regiert werden.
Dafür haben wir ja heute Fernsehen und Internet. Und dennoch reist auch im 21. Jahrhundert so mancher Monarch durch die ganze Welt, um seine Anhänger, Untertanen und dem Land verbundene Völker zu besuchen.
Für François gab es dann noch zusätzlich die Rivalen, die er mit Pracht und Prunk übertrumpfen musste. 
Man stelle sich einmal vor, so wäre das heute noch. Queen Elizabeth II baut ein Riesenschloß, nur um  Schwedenkönig Carl Gustav auszustechen!
Dann kommt der ein einziges Mal zu Besuch, staunt eine Runde, und das war's. Elizabeth schließt hinter ihm ab, verzieht sich auf ein anderes Schloß und überlässt das neue sich selbst.

So geschehen im 16. Jahrhundert mit Schloss Chambord. François betrachtet sich als Favorit in der Bestechungsschlacht um die Kaiserkrone. Sein Mitstreiter: Karl von Habsburg, König von Spanien, der am Ende die besseren Karten hatte, oder einfach mehr Geld zum Bestechen der Kurfürsten, die den Kaiser wählten.
Wenigstens dem Konkurrenten dann einmal das Prunkschloss zeigen, für das er sich finanziell so verausgabt und extra ein Sumpfland hat trocknen lassen, muß sich François gedacht haben und lud Karl nach Chambord ein.
      
So in etwa muß der Anblick auch damals schon gewesen sein (Dank an Gisela für die Frontalansicht) als Karl ankam und sicherlich gar nicht erst anfing, die ganzen Türmchen zu zählen. Und wer bis dahin nicht begriffen hatte, daß das Wappentier von François ein Salamander war, der wurde bei einem flüchtigen Blick auf die Kassettendecken aufgeklärt.
                                   
Karl von Habsburg muß vor lauter F's überall sicherlich schwindelig geworden sein. Und wenn dadurch noch nicht, dann ganz sicher beim Aufstieg in der ausgeklügelten Wendeltreppe. 
                       
Zu dumm, daß alle, oder zumindest die meisten Baupläne von Chambord verloren gegangen sind, so daß sich heute die Wissenschaftler die Zähne ausbeißen müssen, um das Rätsel von Chambord zu lösen. 
Wollte François seine Besucher mit der Treppe nicht nur beeindrucken, sondern auch in die Irre führen?
Es gibt zwei Aufgänge, man sieht sich ab und an, begegnet sich aber nie. Erst oben auf der Terrasse trifft man aufeinander, doch dann geht die Verwirrung schon weiter, weil man vor lauter Türmen und Kaminen - selbstverständlich auch wieder durchdekoriert mit Salamandern und F's - nicht mehr klar denken kann.
Hat bei der Konstruktion Leonardo da Vinci seine technisch versierten Hände im Spiel gehabt? Es ist fast undenkbar, daß ein solches Genie seiner Zeit, das extra aus Italien an den französischen Hof importiert wurde, hier nicht mitgewirkt hat.
Last, but not least, gilt es zu entschlüssseln, warum die Zahl 8 so oft dort auftaucht. Sogar einige Salamander haben ihre Schwänze zu einer 8 gerollt.
Chambord ist ein Schloß zum Staunen, so ein Märchending, ein Prinzessinnentraum.
  
Wir stehen auf dem Dach, bewundern den seit dem Frühling wieder aufgebauten Renaissancegarten, für den ein millionenschwerer US-Bürger ca. 3,5 Mio. locker gemacht hat und fragen uns, auf wessen Seite wir uns schlagen sollen: Auf die der Wiederaufbauer, die uns als Touristen soviel Schönes bescheren, oder auf die Seite des Bürgermeisters von Chambord-village, der ob des ganzen royalen Getöses wie ein HB-Männchen an die Decke geht, weil die Übernachtungsgäste künftig alle in den an das Schloß gehefteten Hotels übernachten und nicht in seinem Dorf?
Er meint jedenfalls, daß das ganze "royal, royal" ihm auf die Nerven geht. Schließlich ist Frankreich doch eine Republik, n'est-ce pas? Oder lauert da doch schon wieder ein François oder Louis in der Ecke, um nochmal so richtig an den Schlössern herumzudekorieren?
Wildschweine und Hirsche für die Jagd sind im Chambord immer noch vorhanden, die Räume zum Wohnen allerdings eher leer, aber das Schloß war ja auch nicht unbedingt zum Wohnen gebaut worden, sondern zum Protzen.
Der gute François hat sich, hier scheiden sich die Geister, nur zwischen 40 und 60 Tagen dort aufgehalten. Und das bitte schön noch nicht einmal am Stück!
Das genügt noch nicht einmal zum Salamander zählen.
                                
Wohnen im Schloß von Blois ist da schon angenehmer, aber dazu schreibe ich in einem anderen Post.
Bonne journée.













   





Sonntag, 1. Oktober 2017

Insel Mainau: So muß ein Herbsttag aussehen

Da gibt es eine Frau, die ist annähernd mein Jahrgang und besitzt eine Insel. Und ich gönne sie ihr, denn es ist eine Blumeninsel, die - wäre sie in meinem Besitz - keine einzige blühende Pflanze mehr hätte, da ich alles andere als einen grünen Daumen habe.
Unsere Gemeinsamkeit ist, daß wir etwas mit Tourismus zu tun haben. 
Bettina, Gräfin Bernadotte, hat Tourismuswirtschaft studiert. Sie organisiert auf 45 ha Fläche eine Parklandschaft für Touristen, die Entschleunigung in der Natur der Insel Mainau suchen, und ich organisiere auf einer etwas geringeren Fläche von 45 qm ein Reisebüro, wo Touristen die schönsten Wochen des Jahres buchen.
Barocke Pracht im Bernadotte-Schloss
Die Insel Mainau ist die drittgrößte im Bodensee. Da musste ich direkt einmal auf Google Maps nachschauen, was da sonst noch auf dem See schwimmt. Es war mir bislang überhaupt nicht bewusst, daß es noch weitere gibt. Aber Lindau ist ja auch eine, das fällt gar nicht mehr richtig auf wenn man mit dem Auto ankommt, und bei Konstanz gibt es noch Reichenau, und dann noch eine Vogelinsel. Wie der Name schon andeutet, ein Vogelschutzgebiet.
Prächtige Farben auf Mainau
In dieser prächtigen Landschaft residieren die Bernadottes schon seit langer Zeit. 
In grauer Vorzeit lebten hier Menschen in Pfahlbauten. Diese Wohnkultur kann man eindrucksvoll im Pfahldorfmuseum Unteruhldingen besichtigen. Alles was man schon immer über die Steinzeit wissen wollte, wird hier erklärt.

Nach Römern, Alemannen und den Mönchen der Benediktinerabtei Reichenau ließ sich hier der Deutsche Orden nieder. Er bekam die Insel geschenkt und musste dafür die Söhne des Verwalters aufnehmen. Was für eine schmale Gegenleistung für eine Trauminsel!?
Im 17. Jahrhundert wird es interessant, denn die Schweden nehmen die Insel ein. Schweden, Bernadotte, Carl Gustav und "unsere" Sylvia... Dämmert was?
Es dauert allerdings noch dreihundert Jahre bis die Schweden die Insel ihr Eigen nennen können. Nach dem Westfälischen Frieden jedenfalls ziehen sie erst einmal ab, da die Territorien neu verteilt werden. Auf Mainau kann man wohl zu Gunsten großer Landstriche im heutigen Norddeutschland leichten Herzens verzichten. Aber verwüsten tun sie die Insel dann doch noch rasch - wäre doch blöd, wenn die Nachfolger sich in ein schön gemachtes Bett setzten.
Das sogenannte "Schwedenkreuz", eine bronzene Kreuzigungsgruppe, haben sie allerdings dort gelassen. Zu schwer für den Transport.
Last, but not least, kommt Mainau 1928 wieder in schwedischen Besitz. Wie das geht? Verflochtene Verbandelungen der Adelshäuser innerhalb Europas. Man verheiratet Mädels ja gern mal in andere Dynastien. So geschehen bei der Schwester des Baden-Herzogs Friedrich. Sie wurde Königin von Schweden, die gute Viktoria. Guck mal an! Die Bernadotte-Könige hatten schon damals eine Vorliebe für deutsche Frauen. 
Vererb, vererb, vererb... Bis hin zum Grafen Lennart Bernadotte, der die Ärmel hochkrempelte, Ordnung auf Mainau schaffte und einen durchdachten Park anlegte. Barocke Kirche dazu, Wintergärten mit exotischen Pflanzen, und fertig ist die Touristenattraktion. Ihr Aussehen verdankt Mainau ihm, dem das gute Inselklima ein hohes Alter von 95 Jahren beschert hat.
Ich möchte daran erinnern, daß das landschaftliche Chaos auf der Insel die  17.-Jahrhundert-Schweden verschuldet haben - nur für den Fall, daß Bernadotte sich hätte beschweren wollen.
Als mein Grüppchen an diesem herrlichen Tag über die Insel spaziert, ist Schlossfest. Eine seltene Gelegenheit, den Palast auch einmal von innen zu besichtigen. Überall im Park flanieren Menschen und beschwören in prachtvollen Kleidern, Uniformen und schnittigem Frack mit Zylinder alte Zeiten herauf.
Nur die lässig gekleideten Touristen bringen einen auf den Boden der Tatsachen zurück, daß wir uns hier tatsächlich im 21. Jahrhundert befinden.
Und gerade in diesem Moment erinnere ich mich daran, daß ich als Kind einmal ein Puzzle besaß mit der Insel Mainau als Motiv. Tausend Teile, voll mit Blumen, Blättern und rot-lila-blauen Schattierungen. Eine Arbeit für Verrückte, daraus ein vernünftiges Bild zu bauen. 
Vielleicht haben es Pflanzen deshalb heute so schwer bei mir.
Mein Reisegrüppchen genießt einen schönen Tag bei herrlichem Wetter. Draußen strahlt die Sonne, drinnen in der Inselkirche das Gold des Barockschmucks und in den Gewächshäusern kratzen die Palmen schon an der Decke vor lauter Wachstumslust.
 
Ein Hoch auf Bettina, Gräfin Bernadotte und ihre vier Geschwister. Ja, der Graf Lennart ist nicht nur sehr alt geworden, sondern war auch nachwuchstechnisch aktiv. Jetzt muß ich doch wirklich einmal nachrechnen: Er ist tatsächlich der Vater der jetzigen Gräfin, die 1974 geboren wurde. Er ist Jahrgang 1909. Das erste Mal Vater mit 65. Respekt!!!
Oder sollte ich das nochmal genau recherchieren? Nein, ich lasse es mal so stehen, denn mit dem Rechnen klappt es trotz schlechter Mathe-Noten noch leidlich gut.

Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...