Sonntag, 25. September 2016

Ab zu Anne!

Bald verabschiede ich mich in die Bretagne und begebe mich auf die Spuren von Anne.
Anne de Bretagne, letzte Regentin über ein unabhängiges Herzogtum. 
Herzogin im Alter von 11 Jahren, zweimal Königin von Frankreich. 
Nachdem ihr erster königlicher Gatte auf Schloß Amboise nicht aufgepasst hat und vor einen Türsturz gerannt ist, was ihn das Leben gekostet hat, hat sie gleich seinen Nachfolger geheiratet.
Alles, um ihr Erbe, die Bretagne, für ihre Nachkommen zu sichern.
Apropos Nachkommen: Ihrer Tochter Claude, "Reine Claude", verdanken wir den Namen einer Apfelsorte.

Ich freue mich, meinen Gästen fantastische Landschaften mit einer abwechslungsreichen Küstenlinie und vielen Altertümern, bis hin zu prähistorischen Steinkreisen zeigen zu dürfen.
                                             
Und vor allem geht es dann wieder los mit einem meiner Lieblingsthemen: Babies und Kinder auf dem Thron, Hochzeiten im Alter von 3 Jahren und viele geisteskranke, manipulierbare Könige!

Auf nach Frankreich - auf zu den Bretonen.



Henry VII Tudor, St. Davids und die kaputte Scheibe

Auch hier wieder eine kleine Entwarnung vorweg: Man kann beruhigt die Kathedrale von St. Davids besuchen, alle Scheiben dort sind heile. Und dennoch hängen die Kathedrale und eine kaputte Scheibe eng zusammen, und besonders der Geburtsort des Tudor-Königs Heinrich VII spielt hier eine entscheidende Rolle. Aber auch der hatte keine kaputte Scheibe in seinem Palast. In "Pembroke Palace", den wir heute besuchen, gibt es ja gar keine mehr, und damit sind wir erst einmal beim heutigen Ausflug angelangt.

Verwirrend? Dann hier schön der Reihe nach:

Es geht nämlich zunächst nach Pembroke, zusammen mit unserem Reiseleiter David, aber er ist nicht der Schutzpatron von Wales, denn der liegt ja ewig schon in Frieden in der Kathedrale von St. Davids in Süd-Wales.
Unser David, das sei am Rande bemerkt, entspricht übrigens nicht dem Bild eines typischen Walisers, wie es mir in der seit Jahrzehnten laufenden TV-Sendung "English for Beginners" lustig eingetrichtert wurde. Nämlich als rustikaler, bäuerlicher Typ, Tweed-Jacke an, Hut auf und Schaf unterm Arm und eine Sprache sprechend, die niemand versteht.

Wir sind also in Pembroke und erfahren von dem historisch bedeutenden Moment, als ein kleiner Junge im dortigen Palast das Licht der Welt erblickt. Es ist wieder einmal ein Henry, und er ist ein Royal. Er wird als Nr. 7 König von England, aber das allein ist es ja nicht.
Er ist vielmehr noch der Begründer einer neuen Dynastie, der Tudors, die wir alle kennen, wenngleich auch eher durch seinen Sohn, fantasievollerweise noch ein Henry, Nr. 8 (der mit den sechs Frauen). 

In Pembroke zeigt uns Wales seine Fähigkeit, vielfältiges Wetter zu produzieren. Es regnet, fieselt zunächst, so daß einige von uns sich mit David zu einer Innenbesichtigung in die Burg flüchten. Innenbesichtigung als Wetterschutz ist nun auch wieder hilfreich bei einer Burg ohne Dach!
        
Mit den anderen mache ich einen Spaziergang um die Burg herum. Das bietet einen wirklich schönen Anblick, und was soll schon das bisschen Regen? Wir sind nicht aus Zucker und erfahrene Reisende mit immer passender Kleidung im Gepäck.
Doch da! Ein Farbklecks in der Ferne! Einer, der uns richtig viel Freude macht und als besonderes Ereignis in unsere Fahrtengeschichte eingeht.
Ein Hund im BVB-Trikot!
                                 
Dieser Scotch-Terrier hat auch die passende Kleidung für das Wetter, und wir kommen darüber mit seinem Herrchen ins Gespräch. Der, man mag es kaum glauben, kennt unsere Heimatstadt Dortmund. Nun ja, denken wir eingebildet, bei dem Fußballclub!?
Er war allerdings in der Kaserne in Dortmund-Brackel stationiert und erzählte uns begeistert von "Bi One", der B1' die die Stadt durchschneidet, von seinem Sohn, der dort geboren wurde, etc. p.p.
Die Welt ist klein.
Und dann muß ihm Achim leider mitteilen, und er entschuldigt sich auch echt britisch mehrfach dafür, daß die "Napier Barracks" leider nicht mehr existieren. Abriß! 
Der Waliser ist daraufhin höchst enttäuscht, entschuldigt sich seinerseits für das Wetter, durch das wir durch müssen und geht mit seinem BVB-Hund des Weges.

Wir gehen schnurstracks, um nicht völlig aufzuweichen, in ein Café auf ein paar leckere Scones. Nicht, daß wir gerade erst gefrühstückt hätten, aber Scones gehen immer.
     
Zurück im Bus, in unserem gemütlichen Wohnzimmer, geht es weiter nach St. Davids. 
Und dann passiert es: Ein Baugerüst an einer Hausecke ragt zu weit in die Straße hinein, unser Busfahrer sieht's zwar noch rechtzeitig, bremst ab, wodurch der Bus etwas nach links schaukelt und exakt die übelste spitze Ecke des Gerüstes berührt. Ein lauter Knall, die Scheibe platzt in tausend kleine Mosaike und wabert als wackelige Masse am Bus herum.
       
Hier schon nach der notdürftigen, aber haltbaren Reparatur, "selfmade by Marek". So haben wir dann auch einen walisischen Baumarkt kennengelernt. 

St. Davids kann ordnungsgemäß besichtigt werden.
      
Es ist ein traumschönes Fleckchen Erde. 
Wie oft habe ich in Reiseführern und Romanen gelesen, daß besonders die gotischen Kathedralen eine Riesenlast durch das Dachgewölbe tragen mussten und sich dadurch manchmal die Pfeiler im Kirchenschiff verbogen, doch bis auf eine leichte Neigung in der Salibury Kathedrale habe ich es noch nie so offensichtlich gesehen. 
Hier in Saint Davids ist alles krumm und schief, und ich hoffe, daß nicht gerade heute .....
                      
Der/die Kundige bemerkt natürlich, in der Kirche sind die Säulen romanisch, aber dennoch gibt es schon viele große Fenster, die die Masse der Mauern auflösen, wodurch das Gewicht des Gewölbes nicht so einfach zu halten ist. 
Wir sind hier, durch lange Bauzeit, viele Veränderungen und Wiederaufbau an der Schwelle zur Gotik, wie man außen an der Kathedrale schön erkennen kann.

Während meine Gäste noch weiter besichtigen, mache ich mich auf die Suche nach einem "Hardware Store", um Panzerband für das Abdichten unserer kaputten Scheibe zu organisieren.
Ich bekomme eine Wegbeschreibung von einem Anwohner, der mir einige Straßennamen nennt.
                                         
Wie gut, daß die Beschilderung zweisprachig ist, so daß ich einiges, was er mir genannt hat, auch finde.
Ich muß an dieser Stelle einmal erwähnen, daß St. Davids die kleinste "City" Großbritanniens ist, wo ergo ein Verlaufen eigentlich unmöglich sein sollte.
Ich lerne dann, daß Panzerband in Großbritannien "Gorillaband" heißt und tatsächlich in dem kleinen "Hardware Store" ein Pfund preiswerter ist als im großen Baumarkt, und kaufe gleich alles auf.
Der Verkäufer ist wirklich sehr verwundert - und glücklich!
      
Ein abendlicher Abschiedsblick über Tenby, unsere letzte Station in Wales, das Wetter hat sich wieder gefangen. Alles ist schön. 



















Samstag, 24. September 2016

Reiseerlebnis Linienbus (Ich will nicht schwarz fahren)

Vorweg gesagt, dies soll kein "Shitstorm" auf die Dortmunder Stadtwerke werden. Nein, ich möchte ebenfalls vorweg anmerken, daß die von mir genutzten Verbindungen exzellent waren und ich mir durchaus vorstellen könnte, irgendwann einmal aufs "Öffeln" umzusteigen.

Aber von vorn und zum Thema:
                                    
Seit sehr wahrscheinlich fast 30 Jahren bin ich schon nicht mehr Linienbus gefahren, sondern gehöre zu den Mega-Bequemies, die für alles und jedes das Auto nutzen. Nun ja, dafür hat man es ja auch gekauft.
Will aber damit sagen, daß ich mich mit dem "Öffeln" halt nicht mehr auskenne. 
Aber nun ist es soweit: Für einige Monate habe ich kein Auto und, halt, ich habe weder meinen Führerschein abgeben müssen, noch mein Wägelchen zu Schrott gefahren. Jemand anderes braucht es gerade mal dringender.
Also, ab in den Linienbus.
                                   
DSW21 wirbt sehr für's Online-Ticket, und für sowas bin ich immer zu haben. Schnell die App heruntergeladen und erstmal für den Anfang ein 10-er-Ticket gekauft. 
Es ist von äußerster Wichtigkeit zu erwähnen, daß es für ein 10-er-Ticket keine andere Kaufmöglichkeit als online in Form eines Handytickets gibt.
Mit wohl ausreichend technischen Fähigkeiten und der nötigen Intelligenz ausgestattet habe ich es dann natürlich geschafft, solch ein Ticket auf mein Handy zu laden.
                                  
Die Fahrplanauskunft in der App ist hervorragend, und ich stelle fest, wie einfach ich zwischen Büro und Wohnung hin- und herpendeln kann.
Dann geht's endlich auf zur ersten Fahrt, und ich zeige lässig dem Busfahrer mein Ticket und frage, wo denn das Gerät ist, vor das ich den Barcode halten muß.
                                   
So etwas gibt es allerdings nicht, noch nicht, wie mir der Busfahrer erklärt. Erst im Dezember würden die Busse damit wohl aufgerüstet. Es genüge, wenn ich ihm das zeige.
Auf meine Frage hin, auf welch myteriösem Wege denn durch sein Angucken allein eines von 10 Tickets wohl heruntergezählt würde, konnte er mir nur den Hinweis geben, daß die Kontrolleure, falls welche kämen, das einscannen und sehen könnten, ob das Ticket gültig ist.
Na ja, habe ich nicht wirklich verstanden und setze mich, in dem festen Glauben, ganz sicher jetzt schwarz zu fahren in die Linie 438 nach Wellinghofen. 
In meinen Handynotizblock notiere ich sicherheitshalber, in welcher Busnummer man mir um 9:51 h diese Auskunft gegeben hat, weil ich einen Beweis haben will. Ich komme mir etwas seltsam vor.

Kurzes, nettes Intermezzo:
Ich komme kurz vor knapp bei meiner Physiotherapie an und entschuldige mich damit, daß ich jetzt mit dem Bus gekommen bin. Das löst bei meiner Therapeutin ein merkwürdiges Stirnrunzeln und Verwirrung aus, denn draußen auf dem Parkplatz steht ja kein Bus!
Ich bin halt schon abgestempelt als diejenige, die immer mit dem Bus unterwegs ist, aber natürlich als Reiseleiterin mit dem Reisebus, und sie dachte nun, ich wäre mit diesem Bus gekommen. Ich, eine Memme beim Autofahren, auch noch am Lemkrad eines Reisebusses?!
Das kann ich doch wirklich niemandem antun! (Übrigens ein Grund mehr, auf Öffentliche umzusteigen)

Aber zurück zu meinem Handyticket. Ich experimentiere mit der App, denn ich will es einfach nicht hinnehmen, daß ohne Barcode-Ablesung einfach so die Tickets abgefahren werden können.
Ich entdecke die Option "10-er Ticket kaufen/abrufen" und klicke sie hoffnungsvoll an. Die sich öffnende Seite droht mir dann an, wenn ich jetzt "ok" klicke, gäbe es kein Zurück mehr und das Ticket wäre gekauft. Mach ich einfach mal und bin ab da in dem Glauben, ich hätte jetzt eines von den 10 Tickets heruntergeladen, denn ich bekomme die Meldung "Ticket 90 Minuten gültig ab jetzt".
Und dennoch, klicke ich die Option "gekaufte Tickets" an, steht dort nichts.
Mich beschleicht der Verdacht, daß ich vielleicht jetzt schon wieder ein komplett neues 10-erTicket erworben habe und sehe sicherheitshalber auf meiner Kreditkartenabrechnung nach, aber es ist alles in Ordnung.
Am nächsten Tag erwische ich beim Warten auf den Bus einen Mann mit einem DSW21-Schild am Hemd, und er wird Opfer meiner Forschungsfragen. 
Was soll ich sagen, er kann es mir nicht erklären, wie das mit dem Handyticket und/oder Ticketabruf funktioniert. Wäre alles neu, und eigentlich genüge es, wenn ich die PDF-Datei mit dem Barcode einfach dabei hätte. Solange mich der Busfahrer damit einsteigen lässt, ist alles gut. Der hätte Hausrecht, meinte er, und entscheidet wen er mitnimmt und wen nicht.
Also fahre ich munter weiter, immer noch mit dem komischen Gefühl, am Ende doch schwarz unterwegs zu sein.
Und heute endlich stand auf meinem Programm ein Ausflug in die Innenstadt, und siehe da, an der Haltestelle Kampstraße ist ein DSW21-Kundencenter! Jippieh!!
Die müssen es wissen, doch der erste Kollege holt schon gleich einen zweiten hinzu.
Ich demonstriere mein Vorgehen mit dem 10-er-Ticket-Abruf, will aber nicht über das "Wenn-Sie-jetzt-ok-drücken-kein-Zuück-Droh-Feld" hinaus, denn ich brauche ja gerade kein Ticket.
Der Kundenberater drängt allerdings, ich solle das mal tun, also mache ich das und habe ein Ticket gekauft, obwohl ich jetzt gar keines will! 
Ich will es wieder gutgeschrieben haben, aber das kann er nicht machen .
Und ich will jetzt endlich wissen, über welche Funktion ich mal abfragen kann, wieviele Tickets von Zehnen ich bereits verschleudert habe oder auch nicht.
Diese Option finden die beiden Herren auch nicht. Sie sind hilflos, wie ich.
Ich müsste normalerweise bei jedem Abruf ein neues Barcode-Ticket angezeigt bekommen! 
Kriege ich aber nicht, und beide stellen fest, daß es wirklich nicht funktioniert und ich vermutlich trotz "Kauf mich oder ruf mich ab" nie wirklich ein Ticket gekauft habe.

Ich weiß, jetzt könnte es für Uneingeweihte unübersichtlich werden, daher beschließe ich die ganze Sache mit dem Hinweis der Mitarbeiter, daß man sie leider nicht für diese Handytickets geschult hätte, was eine Schande ist, liebe DSW-Direktion, und die im Kundencenter hätten auch keine Ahnung (ich dachte aber, ich wäre im Kundencenter, denn das Wort stand doch draußen an der Tür).

Ich bekam eine Telefonnummer, unter der mir möglicherweise geholfen werden kann, und den Hinweis, ich könne ganz beruhigt auch wieder einfach so zurück fahren, denn innerhalb der nächsten zwei Stunden wären auf meiner Linie keine Kontrolleure unterwegs.
Aber HALLO, in zwei Stunden wieder zurück? 
Geht gar nicht, denn ich will shoppen. Da müssen die beiden DSW-Berater allerdings neben der Handyticket-Schulung auch noch lernen, daß eine Frau mit zwei Stunden in der Stadt doch niemals auskommt.

Was ich durch ein paar Tage Linienbus fahren auch noch gelernt habe ist, was sich alles in so vielen Jahren geändert hat. Man darf nur noch vorn einsteigen und hinten aus.
Vorbei also die Zeiten, wo man sich wie damals nach Schulschluß noch in die hintere Bustür eingeklemmt hat, um nicht nochmal eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten zu müssen?
Vorbei die Zeiten, in denen man dann am Zielort auch nicht mehr aus dem Bus rauskam, weil man mittlerweile irgendwo in der Mitte eingequetscht war?
Und die Fahrgäste halten dem Fahrer artig ihre Fahrausweise vor die Nase. Dazu wäre zu meiner Schulzeit gar kein Platz gewesen!
Und mittlerweile grüßen einige den Busfahrer sogar, doch fehlt immer noch das I-Tüpfelchen, das in England Gang und Gäbe ist, nämlich sich beim Busfahrer zu bedanken, daß man mitfahren durfte.

Ich werde genau das nächste Woche einmal tun, in der Hoffnung, daß für den Fall, daß ich doch gerade mal wieder schwarz gefahren sein sollte, ich mich wenigstens ordentlich für die Freifahrt bedankt habe.


Sonntag, 18. September 2016

Plas Newydd - Liebe, Lust und Leidenschaft

Zunächst einmal der Hinweis, daß "Liebe, Lust und Leidenschaft" nicht die Übersetzung für "Plas Newydd" ist. Der walisische Begriff bedeutet vielmehr "neuer Palast".
Aber die Auswirkungen dieses herrlichen Fleckchens Erde sind außergewöhnliche Menschen und Liebe, Lust und Leidenschaft. 
Und das ist es, das Anwesen der Markgrafen von Anglesey, auf der gleichnamigen Insel im äußersten Nordwesten der Region gelegen. Erste Reaktion wie immer: Wie kriegen die den Rasen so schön, dicht und grün hin? Das ist ohnehin die meist gestellte Frage bei allen Besuchen der britischen Inseln.
Das Geheimnis muß unter anderem, oder sogar hauptsächlich im Golfstrom liegen, der sich freundlicherweise entlang der britischen Küsten schlängelt. Ein netter Strom, unsichtbar, aber sehr erfolgreich für die Garten- und Parklandschaften. Pflanzen und Bäume lieben ihn und wachsen wie verrückt. 
Verpflanzt man diese, wie ich zum Beispiel seinerzeit eine Fuchsie und eine schottische Rose, nach Deutschland, in dem Glauben, daß es bei uns doch wärmer ist und die Pflänzchen sich wuchernd und freudig bedanken, macht sich schnell Frust breit, weil sie eben nicht so tun wie befohlen, sondern meist eingehen. Britische Insulaner lassen sich eben nicht einfach so auf den Kontinent verpflanzen, denn das Herz bleibt wohl immer in der Heimat.
Doch zurück zu den Auswirkungen des Palastes und Gartens von Plas Newydd. Ich versprach außergewöhnliche Menschen, und die gab es hier zuhauf.
Der erste Markgraf von Anglesey war ein Held in der Schlacht bei Waterloo, verlor ein Bein, ließ sich die Reste ohne Narkose entfernen, huuhh! Ein Hartgesottener! Seine Prothese kann man sich im Haus ansehen. Und mit einem Bein scheint man immer noch agil genug zu sein, 10 Kinder zu zeugen.
Liegt's auch an der frischen Luft, die vom Menai Strait aus um das Anwesen bläst?
Einen anderen Markgrafen inspirierte sein Umfeld so sehr, daß er sich zu theaterlichen Höchstleistungen antreiben ließ. Er frönte der Schauspielerei, liebte Juwelen und ausgefallene Kostüme. Leider ging er durch diese Leidenschaft pleite.
Eine weitere Dame der Familie war so fit, daß sie im Alter von 80 Jahren noch das Treppengeländer herunter rutschte. 
Und der vom Markgrafen engagierte Maler Rex Whistler malte sich hier um Kopf und Kragen, verliebte sich - unerwidert - in die Tochter des Hauses und verewigte auch sie mehrfach auf Leinwand.

  
Ein Riesengemälde im Speisezimmer, über die gesamte Raumlänge ist sein Meisterwerk und versetzt den Betrachter während des Essens ans Mittelmeer. Mich faszinierte allerdings besonders ein Bildteil mit zwei niedlichen französischen Bulldoggen. 
Gute Leute, diese Angleseys! Guter Hundegeschmack, meine Hochachtung!






Portmeirion - Eines Mannes Traum

Ich denke, jeder meiner Gäste hatte sich ein wenig vorbereitet auf die Orte, die wir in Wales besuchen. Und auch Bilder im Reiseführer gesehen. Aber wie bunt und außergewöhnlich Portmeirion wirklich ist, das kann man nur live erleben.
Da fährt man gemächlich durch den Snowdonia Nationalpark, dampft per historischer Eisenbahn über Stock und Stein, bzw. Berg und Tal, und sieht all das wie man sich Wales vorgestellt hat: Viel Grün, Berge, rustikale Dörfer aus Granit und Schiefer, und Schafe, Schafe, Schafe!

         
         
So war Wales in unserer Fantasie, und so sieht es in der Tat aus. Aber dann nähert man sich Portmeirion, und man weiß schon vom Hörensagen und Lesen, daß hier ein Waliser Selfmade-Architekt seine kühnsten Träume verwirklicht hat. Man fährt und fährt, an Feldern vorbei, durch einen Wald, vorbei an einem Feld mit Müllmassen, die aber nicht die Regel sind, sondern die unangenehmen, üblichen Reste eines Festivals, das hier stattfand.
Auf dem Busparkplatz ist auch noch nichts zu erahnen. Ein Organisator kommt auf mich zu und erzählt mir etwas in einer Sprache, die definitiv nicht Walisisch ist, denn ich verstehe einige Bruchstücke. Es ist aber auch nicht Englisch, denn dann müsste ich mehr verstehen. Aber walisischer Dialekt ist es wohl, du meine Güte, das war eine Erfahrung der außerirdischen Art! Da verstehe ich ja jeden Ur-Schotten besser. Davon ausgehend, daß er uns lediglich willkommen geheißen hat, starten wir los.
Und sehen das:



        
Ein schriller, poppiger Ort, bunt und unkonventionell. Alles Anfang des 20. Jahrhunderts neu gebaut und dennoch auf alt gemacht. Und hier lebt eigentlich niemand, vielleicht maximal die Leute, die hier arbeiten. Portmeirion ist in der Hauptsache zum Anschauen oder aber Ferien machen, denn es gibt ein Hotel und Ferienappartments. 
In diesem Hotel würde ich gern einmal wohnen, denn es locken ein herrlicher Blick auf das Meer (komischerweise hatten wir immer Ebbe, egal wohin wir fuhren), viele niedliche Details und eine angenehme Atmosphäre beim Afternoon Tea.

Ok, eigentlich gehört hier ein "Welsh cake" verspeist und kein Scone, aber an diesem kann ich einfach nicht vorbei gehen. Fluffig, "plain", also ohne Rosinen, mit Marmelade und "clotted cream", wobei ich beim Teilen der Marmelade mit anderen sehr großzügig bin, die "clotted cream" jedoch bis aufs Blut verteidige. 
Clough William Ellis, Deine Idee "Mittelmeeratmosphäre in Wales - Neues mit der Natur im Einklang" ist überaus gelungen und gehört ins Pflichtprogramm einer jeden Walesreise.









Samstag, 17. September 2016

Edward, Edward, überall!

Wenn er das gewusst hätte! Vielleicht hat er es immerhin gehofft?
Der Geist König Edwards I ist überall in Wales zu spüren. Er hat ganze Arbeit geleistet, damit man ihn auch im 21. Jahrhundert nicht vergisst. Burgen überall, als Ruinen, oder noch gut bis sehr gut erhalten, und viele, viele Geschichten über sein Vorgehen gegen die Waliser. 
Für den Unbedarften sei hier erwähnt, daß ich vom Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts spreche.
Und da nicht jeder weiß, wie er aussah, hier ein Bild von ihm, aufgehängt als geisterhafte Metallsilhouette in Conwy Castle. 

Für ein etwas griffigeres Bild von ihm schaue man den Film "Braveheart", denn der Schauspieler kommt ihm darin schon recht nah, oder aber man wälze tatsächlich die Geschichtsbücher. Oder man lässt es einfach, denn seien wir mal ehrlich: Gebaut hat er die Burgen ja sowieso nicht selbst, sondern sein Baumeister James of St. George. Der wird natürlich auch allenthalben erwähnt, doch geht es in erster Linie halt immer um Edward, Edward, überall!

Nun aber zu seinen Werken und Taten.
Caernarfon Castle, Conwy Castle, Beaumaris, Harlech, um nur einige zu nennen. Und das sind im Wesentlichen die, die wir auch besucht haben. Wobei sich das Anfahren an Harlech etwas kompliziert gestaltet hat, und wir am Ende aufgeben mussten, auch wenn sich unser Chauffeur noch so sehr durch die engen Gassen gequetscht hat. Unsere 12-m-Länge und 3,70-Höhe passten einfach nicht vor Harlechs Eingangstor!
Und wir sind ja gewohnt: Ganz nah ran oder gar nicht.


     
Caernarfon, dank Margrets morgendlicher Wanderung hier ganz im Blick (vielen Dank). Man beachte das extrem gute Wetter, und das, wo es doch in Großbritannien immer regnet 😉. 
Aber es ist in der Tat passiert, daß uns später wirklich noch ein Regentag erwischt hat. Aber 8 trockene und meist sonnige Tage von 9 sind ja wohl eine gute Ausbeute.
Ich will aber nun nicht das britische Klischee füllen und hier weiter vom Wetter schreiben, sondern über unsere Burgenausbeute berichten.

     
Caernarfon war furchtbar teuer. Man mutmaßt nach heutigen Kosten und 700 Jahren Inflation etwa 3 Millionen Pfund pro Turm und Gesamtkosten von etwa 30 Millionen Pfund. Das entsprach damals einem Jahreseinkommen des Königs (damals gemutmaßte 27.000 Pfund). Wie gut, daß man Bürger hatte, die dem König mit höheren Steuern unter die Arme griffen - mehr oder weniger gern.
In der Burg ist nicht alles fertig geworden, und es gibt heute keine eingerichteten Gemächer mehr zu bewundern. Bedeutet demnach auch: Nein, Prinz Charles wohnt hier nicht, auch nicht nur manchmal, wenn er als "Prince of Wales" in "sein" Land reist. Auch wenn er sicherlich ökologisch denkt und mit der Umwelt eins sein möchte, eine Burg ganz ohne Bett und dachlos ist sicher nichts für ihn.
       
Conwy Castle (danke, Achim, bei mir wollte die Fahne nicht wehen) bietet da schon noch etwas mehr "Wohnbereich". Auch nicht mehr überdacht und nicht mehr möbliert, kann man aber noch innerhalb der Mauern zwei Bereiche erkennen, des Königs Bereich und der der normalen Burgbewohner. 
In der großen Halle beispielsweise kann man sich noch sehr gut vorstellen, wieviel Platz zum Feiern und Essen war. Drei große Kamine sind noch zu erkennen und auch  Reste der Kapelle für die Ritter. Ein Turm beherbergte das Gefängnis, und wir haben interessiert vernommen, daß man damals per Lösegeldzahlung eine "bevorzugte" Behandlung im Knast ergattern konnte, und dieser Vorzug war, daß man nicht einfach von oben herab ins Verlies geschmissen, sondern langsam und bedächtig herabgelassen wurde. So lange das Lösegeld dann floß, gab es auch Wasser und Brot.
Also wirklich, für mich dann doch lieber die Variante "runterklatschen und weg".                                     
                                        
Der König hatte selbstverständlich seine eigene Kapelle und folgte dem Gottesdienst sozusagen aus dem Hinterhalt, durch ein kleines Fenster von einer Empore aus. 
Die drei neu angefertigten Fenster beinhalten jeweils ein ganz fantastisches Detail: Kinder aus Conwy wurden gebeten, zu überlegen, was aus unserer modernen Zeit wichtig ist und für die Zukunft und Ewigkeit als Besonderheit in diesen Fenstern festgehalten werden sollte.
Heraus kamen ein Fahrrad, ein Handy und die Familienkatze. Schaut das obere Bild einmal genau an und findet eines dieser Details.

     
Genau hinschauen musste auch unser Chauffeur, der durch Conwys Stadttore fuhr, die wirklich kaum einen Zentimeter rechts und links Platz ließen. Daran hat Edward I also nicht gedacht. 
Schande über ihn!
     
Mit Beaumaris gibt es dann endlich auch eine Variante, nämlich ein Wasserschloß. Ebenfalls nicht ganz fertig gestellt und durch seine geringere Höhe dann auch eher romantisch als bedrohlich.

Letzte Impressionen nun von einem wunderbaren Tag:
   



  


















Donnerstag, 15. September 2016

Chester - ein Traum in schwarz-weiß

Mit dem Motto "Let's go Wales" hat mein voriger Post unsere Wales-Rundreise angekündigt, aber nun kommt mir vorher Chester in die Quere.
Wer vom nordenglischen Hull aus westwärts nach Nordwales anreist und Chester links liegen lässt, sollte eigentlich nochmal zurückgeschickt werden zum Zwangs-Gucken.
Die Stadt ist allerdings auch eine ganz eigene Reise wert.
Es fachwerkelt tudormäßig hier, und dazu gesellen sich Häuser und eine Kathedrale aus rotem Sandstein, aus den Steinbrüchen der Region.
Und ein guter Einstieg für Wales ist es allemal, befindet man sich doch zum einen unmittelbar an der englisch-walisischen Grenze, zum anderen ist die Geschichte Chesters mit den Geschehnissen in und um Wales im Mittelalter eng verwoben.
Auch in Chester wurden Waliser früher zumindest zum Abend hin aus der Stadt herauskomplemeniert. Man schlief dann friedlich unter Engländern, innerhalb von englischen Mauern.
Doch auch hier wagten sich dann und wann walisische Rebellen vor und zu einer Gelegenheit mit solcher Macht, daß die Engländer außer ihrem roten Sandstein auch sonst noch rot sahen und unter Einsatz der "Minstrels" die Waliser mit viel Getöse und Lärm verjagten.
Diese "Minstrels" waren Musikanten und Chorsänger, die dermaßen laut sangen und ihre Instrumente schwangen, daß es die Waliser mit der Angst zu tun bekamen. 
Wie gut, daß wir in Dortmund recht viele Chöre haben, da kann uns eigentlich nichts passieren (und ich spreche hier völlig wertfrei einfach nur von "singen", ohne einen qualitätsbewertenden Unterton). 
Warum auch immer ich die Kathedrale nicht von außen fotografiert habe, das entzieht sich meiner Kenntnis, also bitte ich meine Mitreisenden um Bildmaterial.
Im Bild oben ist jedenfalls ein sehr interessanter schmaler Gang zwischen der äußeren Wand und der ersten Säulenreihe des Langhauses zu sehen. Hier befinden sich einige Gräber. Ich habe das in der Art noch nicht gesehen.
Im Langhaus dann einige fantastische Mosaike an den Wänden. 

  
Eine Besonderheit hat uns alle angezogen, und zwar das Projekt "Kathedrale aus LEGO". 
Die anglikanische Kirche lässt sich ja so manches einfallen, um an Geld für den Unterhalt ihrer Gotteshäuser zu kommen, und muß das auch, denn es gibt keine Kirchensteuer.
Vom Krypta-Café bis zum Souvenir- und Buchverkauf in der Seitenkapelle gibt es viele Einnahmequellen. Und in Chester ist es nun die Kathedrale aus LEGO. 

Man erwirbt einen Baustein für 1 Pfund und darf ihn sofort einbauen. Unsere Steinchen, so versicherte man uns, werden in einem Strebebogen an der Stelle sitzen, wo momentan die LEGO-Männchen auf der Leiter stehen und bauen.
Das Ganze kann man online nachverfolgen, und glaubt mir, das werde ich tun.
Es wird mit einer Bauzeit von 3 Jahren gerechnet.  
Nachfolgend noch ein paar Impressionen aus Chester:





                       





Sonntag, 11. September 2016

Croeso y Cymru - Willkommen in Wales

Endlich! Wales! 
                        
Eine Region irgendwie am Ende von England. Ein Teil von England? Ein Teil des Vereinigten Königreichs? Beides kann man mit "ja" beantworten. 
Schon Ende des 13. Jahrhunderts wurde es England angegliedert. Das hört sich so einfach und friedlich an, ist es aber nicht. Nach bereits lange schwelenden "Beziehungsproblemen" machte König Edward I endlich Schluß mit dem Geplänkel seiner Vorgänger und fiel gnadenlos in Wales ein.
Warum er gerade den Beinamen "Schottenhammer" bekam, wo er doch die Waliser sogar noch mehr unter den Hammer nahm, ist eine gute Frage.
Daß er nicht einfach nur mal kurz vorbeischauen wollte, demonstrierte er eindeutig mit dem Bau mehrerer Burgen rund um Wales, und zwar aus Stein. Etwas Endgültiges also, so endgültig, daß wir heute wenigstens noch Historisches anzuschauen haben, denn diese Burgen sind in der Tat teilweise fantastisch erhalten.
Was für uns heute ein Augenschmaus ist, war für die Waliser damals ein Graus, wurden sie doch in ihrem eigenen Land fortan maximal geduldet, und zwar bitte schön nicht in ihren alten Städten und Dörfern, sondern irgendwo abgeschoben im Nationalpark Snowdonia.
Überflüssig zu erwähnen, daß es dort heute - da geschützter und gehegter Nationalpark  - fantastisch ist, aber damals sicher eher nicht.
Die Städte wurden mit Engländern angefüllt, der Titel "Prince of Wales" für einen "eingeborenen" Waliser war futsch, und etliche aufständische Führungspersönlichkeiten gaben sich erfolglos die Klinke in die Hand.
Wales gehörte fortan zu England, und da das schon vor der Gründung des Vereinigten Königreiches geschah, darf ihr roter Drache noch nicht einmal im britischen Union Jack sitzen.
So sitzt er aber nun in unserem Reisebus, festgekrallt und unter dem Schutz unseres alten Schweden Björn Olof Lasse und reist mit uns durch das Land seiner Vorfahren.
                                           
Let' go Wales!!!!


Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...