Dienstag, 19. Dezember 2017

Edinburgh Christmas Market

Im Dezember 2018 machen wir wieder eine Kleingruppentour, und die geht nach Edinburgh  Etwa 15 Großbritannienfreaks machen sich alljährlich auf, zu entdecken, was man dort unter "German Christmas Market" versteht. 
Und damit ich weiß, was meine kleine "Herde" erwartet, fährt das Mutterschaf schonmal vorweg, sich das angucken.
Da ich ohnehin bis Edinburgh geflogen bin, um meine Freundin zum 80. zu besuchen, trennt mich nur eine halbe Stunde von der Innenstadt mit Burg, Royal Mile und Newtown. 
Mit meinem Leihwagen schnell über die neue Brücke "Queensferry Crossing", was ich hier mit einem Foto dokumentieren möchte, da es mich doch etwas herausgefordert hat, auf der rechten Seite hinter dem Lenkrad zu sitzen. Darüber hinaus war an diesem Wagen wirklich alles automatisch, nicht nur das Getriebe.
Ich bekam einen Schlüssel ohne Schlüssel ausgehändigt und schaute recht blöd drein. Nirgendwo ein Zündschloß zu sehen, aber eben auch kein Schlüssel für selbiges.
Nun bin ich ja nicht so hinter dem Mond, um nicht zu wissen, daß es Autos mit einem Knopf zum ein- und ausschalten gibt. Das sei hier erwähnt, ehe der Shitstorm "typisch Frau am Steuer" über mich hereinbricht.
Dennoch musste ich erstmal alle Gehirnzellen mobilisieren, was im Urlaubsmodus nicht immer ganz einfach ist, und das Knöpfli suchen. Da ich generell ablehne, irgendwelche Gebrauchsanweisungen zu lesen, musste ich halt ausprobieren, in welcher Kombination aus Knopf drücken und noch was anderes drücken oder treten, der Ford zum starten bewegt werden konnte.
Knopf und Bremse zusammen war die Lösung! ..... dann fuhr sie Ford(t) und kam nie wieder.....

Nach meinem Kurzbesuch in Freuchie gebe ich jetzt das Auto wieder am Flughafen ab. Der gemeine Schotte wird sich insgeheim bestimmt jedes Mal freuen, daß die Mehrzahl der Engländer das "CH" (wie im deutschen Ach) nicht aussprechen kann und diesen Ort in "Freukie" umbenennt.

Mit der Tram fahre ich in die City. Selbst die Tramstation kündigt bereits an, daß Weihnachten kurz vorm Ausbrechen ist.
Und was mich sehr fasziniert ist das Angebot, die Feiernden in der Silvesternacht kostenlos heim zu befördern. Gibt's das bei uns auch? Da ich die letzten Jahre Silvester nicht zu Hause war, bin ich nicht auf dem Laufenden.
Eine Fahrt haben die Hauptstadtschotten aber jetzt für die Silvester-Gratis-Aktion schon wieder raus, denn ich habe mein Ticket doppelt bezahlt. 
Direkt nach meiner Ankunft am Freitag kommt mir die scheinbar geniale Idee, schon ein Ticket an der Flughafenstation zu kaufen und weise direkt darauf hin, daß ich erst am nächsten Tag fahren möchte.
Angeblich kein Problem. Voller Vertrauen in die ehrbaren Schotten stecke ich ohne Prüfung den Fahrschein ein und bemerke erst am Nutzungstag, daß diese Fahrkarten-Trulla mir verschwiegen hat, daß man innerhalb von 30 Minuten nach Ticketkauf seine Fahrt angetreten haben muß. Ich beschwere mich bei einer Kollegin, die natürlich nichts machen kann.
Wie der Name der von mir bemeckerten, sehr unfairen Kollegin sei, möchte sie wissen.
Mal im Ernst, wer merkt sich denn den Namen eines Fahrkartenverkäufers? "Oh, vielen Dank für das schöne Ticket. Möchten Sie mir freundlicherweise noch Ihren Namen verraten, damit ich ihn mir zur Erinnerung notieren kann? Sehr gern wende ich mich dann bei künftigen Ticketkäufen wieder direkt an Sie."
ICH BIN SAUER!!! Das sind £ 8,50 ein zweites Mal!! 
In der Tat habe ich die Stadt Edinburgh schon einige Male finanziell unterstützt. Zweimal durch Parksünden, dabei einmal mit Mahnkosten und -zinsen wegen Zahlungsunwilligkeit, einmal durch Einwerfen von £ 2,- in einen Parkautomaten, der daraufhin die Münze ohne Herausgabe eines Parktickets verschluckt hat und nun durch eine Fahrt in die Stadt zum Preis von zweien.

Dennoch ist es eine schöne Stadt, in die ich auch noch weitere Male reisen werde. Die schönen Gebäude können ja nichts für doofe Parkautomaten oder daß man nicht einfach ohne zu bezahlen vor ihnen stehen bleiben darf. Wir sind halt nicht mehr in Bravehearts Zeiten, wo man seinen Gaul einfach irgendwo nach Belieben abstellen konnte. Dafür wird man heute für seine Vergehen aber auch nicht mehr gevierteilt, sondern nur mit Geldbuße belegt. Jede Zeit hat also ihre Vorteile.

In Windeseile, ich habe nur anderthalb Stunden Zeit bis zum Rückflug, flitze ich über den Weihnachtsmarkt und überrenne als erstes einen Stand mit "German Bratwurst" von einem "German Farmshop".
In den Princes Street Gardens erstrecken sich viele Buden inmitten von einem Tannenwald. Sieht alles sehr schön aus, mit der imposanten Burg als Kulisse, zwischen Royal Mile und Scott-Monument.
Noch viele Attraktionen beschreibt das Fremdenverkehrsamt auf seiner Internetseite, aber dafür reicht meine Zeit nicht. Was ich mir als Pflichtprogramm zum unbedingt schaffen verordnet hatte, ist aber das Eisskulpturenmuseum, und das ist allemal seine £ 10,- Eintritt wert. Hier trifft sich alles was schottischen Rang und Namen hat, vom Hochlandrind, über Nessie, einem Dudelsackspieler, bis hin zu Braveheart in Person, sorry, in Eis. Alles lebensgroß.
Man schweift bei gemütlichen -10 Grad durch einen Tannenwald und macht einen Streifzug durch die schottische Geschichte. Zum Aufwärmen geht es dann ab an die Eisbar zum Kakao-mit-Shackleton-Whisky-Schlürfen.
         
Zurück am Flughafen wandele ich dann vom "Ice Adventure" inspiriert durch die Whiskyabteilung des Duty-Free-Shops und ergattere einen "Loch Lomond" für meinen Liebsten. Hier hätte ich so viele Sorten probieren können, daß ich in Southampton, wo wir aufeinander treffen sollten zwecks folgenden Urlaubs, wahrscheinlich nicht mehr den Flughafenausgang gefunden hätte. 

Ein schöner Minitrip war das, und nun suche ich mein Abfluggate nach Southampton, mein Blick fällt auf den schicken Heckflügel einer British-Airways-Maschine. 
 
Aber ich fliege ja "low cost", Schmalspur also, Holzklasse nennen wir das auch, mit Flybe in einem Propellermobil. 
Da ist ser auch schon, der kleine Hüpfer, und wartet auf ein paar Flugwillige, die sich in 1,5 Stunden von den schottischen Highlands in den englischen Süden, quasi an die Riviera schießen lassen wollen.
       
Der Flug ist laut, aber gut. Der Captain hat eine schöne Stimme, ich fühle mich sicher. Es ist übrigens auch nicht das erste Mal, daß ich mich Flybe anvertraue. 
In Southampton tapert das Passagiergeschwader dann einfach so über das Rollfeld zum Gate. Natürlich ist das Maschinchen zu klein, um an einer Gangway anzudocken. Geführt von gelben Männchen, die wie eine Art Schülerlotsen aussehen, kommen wir sicher ins Gebäude.
Kurzabenteuer beendet, Urlaub fängt an.


©️ Gabi Quiatek






    



Sonntag, 17. Dezember 2017

Flucht aus Plymouth

Sorry, Plymouth, ich habe heute kein Foto für Dich....
Plymouth lohnt sich nicht, sagte meine Mitarbeiterin, die während ihrer Studienzeit mit dieser Stadt wohl eine etwas fragwürdige Begegnung hatte.
Mir jedoch fehlte es in meiner Sammlung. So oft war ich bereits in Devon und Cornwall, zwei Grafschaften, die beim deutschen ZDF-Stammzuschauer auf jeden Fall als "Rosamunde-Pilcher-Land" bekannt sind. Aber niemals war ich in Plymouth, und wenn ich an die Pilcherfilme denke, so muss einiges auch dort gedreht worden sein. Ich oute mich ja auch als Fan. Selbstverständlich gehöre auch ich zu denjenigen, welche die Filme allein wegen der Landschaft gucken. 
Was anders sollte daran auch sonst interessant sein? Sie kriegen sich am Ende nach etlichen Irrungen und Wirrungen doch immer, und die Kamera bleibt bei den sich anbahnenden Sex-Szenen immer schön brav vor der Schlafzimmertür. Alles also, bis auf die Landschaft, völlig unspektakulär.

Zwei Nächte möchte ich dort verbringen und habe, trotz mitreisendem Wohnmobil, ein Hotel reserviert, überhaupt nicht beachtend, daß der in der Hotelbeschreibung angepriesene Parkplatz möglicherweise nicht für 7 Meter lange Wohnmobile geeignet sein könnte.
Zunächst einmal erscheint mir Plymouth unübersichtlich, und mein Mann meint, er hätte es sich überhaupt nicht so groß vorgestellt. Das kann ich bestätigen, wenn ich die idyllischen Pilcher-Szenen aus meinem Gehirn abrufe. 
Da steht nämlich dann ein Pärchen in inniger Umarmung oberhalb des Meeres bei einer Art Kurpavillon, eine gartenähnliche Anlage fällt zum Wasser hin ab, und der Blick schweift über recht viel Grün, und ein malerischer Leuchtturm ist auch da.
Das muß die Promenade "The Hoe" sein, die hier auch auf den Straßenschildern ausgeschildert ist.

Um nicht vollends verloren zu gehen, halten wir erst einmal vor dem Hotel, damit ich fragen kann, wo wir einen Parkplatz finden. Ehe der Rezeptionist überhaupt auf meine Frage eingeht, weist er mich darauf hin, daß wir bitte sofort von der roten Spur runter fahren, denn das sei eine Busspur. 
Daß es kein roter Teppich für unsere geschätzte Ankunft ist, habe ich mir natürlich schon gedacht.
Immer wenn wir mit unserem Reisebus unterwegs sind, parken und halten PKW auf den Busspuren und -parkplätzen, ohne Rücksicht auf Verluste, somit dürfen wir an dieser Stelle doch wohl mal zurückschlagen!?

Man erklärt mir, daß der nächst gelegene Parkplatz eine Höhenbeschränkung hat, aber der hinter dem riesigen Shoppingcenter wäre geeignet. Also nichts wie hin, runter von der Busspur, denn in der Tat möchten wir uns nicht mit dem nächsten "bus driver" anlegen. Auch wenn mein Mann tausendmal ein Kollege sein mag, da gibt es sicher keine Gnade. 
Geldbußen sind in Großbritannien wesentlich höher als bei uns, was mein Geldbeutel schon einige Male schmerzvoll erfahren musste. 

Nachdem wir einige Kreisverkehre hinter uns gebracht haben, verliert auch mein Mann die Lust an dieser Rotiererei, obwohl er bei unseren Reisegästen bekannt dafür ist, gern einmal die eine oder andere Extrarunde im "Roundabout" zu drehen und kurz bevor jemandem übel wird, wieder den normalen Weg einzuschlagen.
Jetzt reicht es ihm, und als wir vor dem Parkplatz stehen, der ebenfalls  eine Höhenbeschränkung von 2,10 m hat, bin ich sauer auf den Rezeptionisten. Was denkt der denn wohl, wie hoch so ein Wohnmobil ist?
Es klappt mit unserem 3,05 m hohen Gefährt natürlich nicht, und just in diesem Moment steht die Frage im Raum, wer von uns überhaupt nach Plymouth wollte. 
Nachdem wir das ausdiskutiert haben und uns einig waren, daß wir es beide wollten, aber jetzt wie vom Blitz getroffen gar nicht mehr, wird rechts ran gefahren, sorry, natürlich links, und geguckt, ob unsere Hotelbuchung noch kostenfrei stornierbar ist.
Sie ist! Ich habe dafür noch genau 16 Minuten Zeit. Es geht nur telefonisch über unsere Reisebürohotline, aber Gott sei Dank habe ich eine Flatrate für Telefonate im Ausland und kann mir also entspannt die Taktik anhören, mit der große Konzerne mittlerweile die Kunden bei Laune zu halten versuchen während sie warten.
Drücken Sie die Taste 1, dann die 3, dann bitte warten, und wenn Sie Lust haben, hören Sie sich doch mit Drücken der Rautetaste die ganze Chose nochmal von vorne an. Egal welche Ziffer man auch drückt, man kommt nie in eine bestimmte Fachabteilung und muß sowieso trotz angeblicher Vorauswahl dem Sachbearbeiter alles erzählen was man will.
Ich bekomme jedenfalls mein Geld für das nicht genutzte Zimmer wieder, wobei man mich zweimal darauf hinweist, daß das 7-10 Tage dauern kann. Das ist mir doch herzlich egal, Hauptsache, ich muß hier nicht übernachten.
Mittlerweile ist es schon ziemlich dunkel geworden, aber mein Mann, der routinierte Berufsfahrer, ist dennoch auch mit weiteren 30 Kilometern nicht klein zu kriegen und nimmt wieder Fahrt auf Richtung South Brent, wo ich fix ein neues Hotel anvisiert und reserviert habe.
Und da das ein echter Volltreffer ist, muß auch dieses Mal überhaupt nicht diskutiert werden, wer das ausgesucht hat. Ich natürlich!
Das kleine, süße, niedliche, luxuriöse, ruhige, abgelegene Glazebrook House entspricht genau unseren Wünschen, und vor allem gibt es sehr gutes Essen. Das ist umso wichtiger, als daß es in dieser gottverlassenen Gegend kein weiteres Haus gibt, geschweige denn ein Restaurant oder einen Pub.
Wir speisen ganz vorzüglich, wie eigentlich jedes Mal in England, und ehe ich es vergesse, in Schottland natürlich auch. 
Es gibt in diesem "great small hotel" unglaublich viel zu sehen. Bei der Dekoration scheint eines nicht zum anderen zu passen, man mixt munter alt und modern, aber genau das macht den unglaublichen Charme des Hauses aus. Hier eine Büste der Queen aus Gips, da ein Zimmer mit Vitrinen voller Whiskysorten, eine Straßenschildersammmlung an der einen Wand, Teller und Trommeln an der anderen. All das zur Zeit natürlich angereichert mit weiß-silbernen Weihnachtsbäumen, Deko-Rentieren und Mistelzweigen das ganz Geländer rauf bis zu den Zimmern. Sich da drunter küssen, wie es die Tradition vorsieht, geht nicht, man müsste sich schon auf die Treppe legen, und wir denken uns, daß wir diese beziehungsfördernde Wirkung nicht brauchen und machen erst gar nicht den Versuch.
Allerdings unternimmt mein Mann den Versuch, Plymouth für ein anderes Mal wieder in Angriff zu nehmen, doch ich winke ab. Einmal verloren - sieht mich nicht wieder. Plymouth ist abgehakt. Vielleicht verpasse ich die Stadt meines Lebens, aber damit kann ich leben.










Freitag, 15. Dezember 2017

The story of a surprise -Teil 2

Nun bin ich in Edinburgh gelandet. Geflogen unter Eurowings Flugnummer saß ich allerdings in einer Maschine von Czech Airlines. Hier gab es sogar Getränke und ein Sandwich gratis! Daß ich das für den schmalen Euro, den der Flug gekostet hat, noch erleben durfte!
                          
Und die machen sogar die Flugzeugtüren vorne und hinten auf. Das Aussteigen geht also schnell.
Nun beginnt mein Abenteuer "Mietwagen".
Links fahren ist kein Problem, aber es ist ein britischer Wagen mit dem Lenkrad auf der falschen Seite. Das sehen die Briten zwar nicht so, aber ich. Doch es funktioniert super, vor allem für mich als 
Linkshänderin.
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Ich wühle mich aus dem Flughafengelände raus und ab auf die M90 Richtung Norden.
Durch verlässliche, geheime Quellen weiß ich längst, daß meine Freundin in einem nahe gelegenen Hotel zum Mittagessen einen Tisch für sich und eine Nachbarin gebucht hat. Ich fahre also genau dort hin.

Zu meiner großen Freude stelle ich fest, daß die neue Brücke über den Forth-Fjord fertig ist. Ich genieße meine ganz persönliche Überquerungspremiere und fahre kurz ab, um an einem Aussichtspunkt ein Foto zu machen.     
                       
Da stehen sie nun, zwei alte Ladies und eine brandneue. Die rostrote berühmte Eisenbahnbrücke, eines der Wahrzeichen Edinburghs, die alte Straßenbrücke und das neue, weiß-silbern glitzernde  Wunder.
Auf der alten Brücke fährt keiner mehr, also kann man zumindest momentan zu Fuß drauf. Vielleicht wird sie instand gesetzt? Eine Brücke, die jahrelang gute Dienste getan hat, einfach wegschmeißen? Das wäre absolut unbritisch und vor allem auch komplett gegen die sparsame schottische Natur.
Warten wir's ab, denn nächsten September haben wir wieder eine Gruppenreise nach Schottland, dann finde ich raus, was hier Sache ist.

Balbirnie House ist ein schönes Anwesen, ein 4-Sterne-Hotel mit einem Restaurant und einer Brasserie. Das Ambiente stammt aus dem  18. Jahrhundert. Gediegener georgianischer Stil. 
Der eine oder andere mag vielleicht wissen, daß man die Architekturstile in Großbritannien nach den zur jeweiligen Zeit herrschenden Königen benennt. Im 18. Jahrhundert ehrte man damit gleich vier Könige namens George. Und das, obwohl die aus Hannover kamen und kaum Englisch sprachen, oder sogar kein einziges Wort, wie der erste dieser Sorte. Dafür, daß sich die deutschen Georgs eher weniger um die Kultur des Landes scherten, dessen Thron sie nun bewachen mussten, ist das sehr beachtlich. Hätten die Briten damals schon gewusst, daß in nicht allzu ferner Zeit die beliebte,  langlebige Victoria auf den Thron folgen sollte, hätte man vielleicht schon vom prä-viktorianischen Stil gesprochen. Aber ach, die hatte doch auch ein Faible für alles Deutsche, und als wäre das nicht schon schlimm genug, auch noch für Schottland, aber lassen wir das jetzt.
Womit ich aber am Ende dieses Exkurses dann doch wieder die Kurve nach Schottland geschafft habe.
                                
An der Rezeption werde ich gleich abgefangen. Wahrscheinlich, weil ich suchend gucke. Das britische "Can-I-help-you-Syndrom" läßt mich nicht ungefragt entkommen.
Na gut, dann texte ich die eben zu mit meiner Überraschungsgeschichte und frage, wo Mrs. Wilson denn ihren Tisch reserviert hat. Aber es gibt keine Reservierung auf diesen Namen.
Nun muß ich etwas ausholen, warum ich überhaupt weiß, daß sie heite hier zum Essen geht, denn sie hat es mir ja nicht gesagt.
In einer komplizierten Aktion, Google sei Dank, habe ich herausgefunden, daß ihr Lieblingsrestaurant in Cupar (Kingdom of Fife) ist, denn dorthin wollte ich sie zum Dinner einladen. 
Erfahren hatte ich nur, in welchem Ort es ist, daß es klein ist und von einem Ehepaar schon über 30 Jahre geleitet wird. All diese Hinweise schluckt Google bereitwillig und schmeißt Ergebnisse aus. 
Sogar 29.600 Stück. Glücklicherweise ist ausgeschlossen, daß es in einem Ministädtchen wie Cupar so viele Restaurants gibt, somit bin ich schnell fündig geworden. "Ostlers Close" heißt es, und ich darf vorwegnehmen: Wann immer es euch möglicherweise einmal in diese Gegend verschlägt, geht dorthin. Es ist einmalig. Absolut köstliches Essen in familiärem Ambiente und netter Smalltalk mit der Inhaberin Amanda. Sie war es auch, die ich angefunkt habe, ob sie meine Freundin kennt und ihr Restaurant damit als das gesuchte offenbarte. 

Wir waren "partner in crime", wie sie es später bezeichnete, denn sie fand für mich heraus, was meine Freundin an ihrem Geburtstag unter Umständen vor hat, und das war eben ein Mittagessen im Balbirnie House.
     
Da ist es also jetzt, das herrliche Anwesen. Schottland ist voll von diesen wunderbaren Residenzen, in denen man sofort auf die Idee kommt, hier mal einen Urlaub zu verbringen. Die obligatorischen Hirsche im Landschaftspark sind auch da, fehlt nur der einsame "Piper" am Eingang oder irgendwo in der von Heide überwucherten Pampa.
Was will man mehr?
Ich will meine Freundin finden, aber auf ihren Namen ist hier nichts reserviert. Ob der Tisch auf einen anderen Namen gebucht wurde, will die Rezeptionistin mir helfen. Jetzt wird es schwierig. Ich teste einige Namen durch, die ich in Gesprächen schon einmal habe fallen hören: Margret, Rae, Isabel.
Treffer! Es ist Isabel, deren Nachnamen ich nicht kenne, aber wieviele Isabels können für heute hier schon einen Tisch reserviert haben?
Man geleitet mich in die Brasserie im Untergeschoß. Dort ist es gemütlich düster, was mir sehr entgegen kommt, denn dann sieht sie mich nicht sofort.
Ich finde sie mit den Rücken zu mir sitzend und nähere mich, total aufgeregt, denn ich will sie ja nicht erschrecken, daß sie am Ende noch ohnmmächtig wird. Ich tippe sachte auf ihre Schulter, und sie wendet sich mir zu, irgendwie komisch milde lächelnd, mit deutlichen Fragezeichen im Gesicht. 
Ganz eindeutig erkennt sie mich nicht auf den ersten Blick, denn zum einen trete ich etwas vermummt auf mit dickem Mantel und doppelt bis zur Unterlippe gewickeltem Schal, zum anderen ist es düster. Vor allem aber rechnet sie doch nicht mit mir, hier, einfach so, an einem Ort, den ich eigentlich gar nicht kennen dürfte und vor allem nicht wissen kann, daß sie jetzt gerade dort speist.
Sie überlegt, ob ich eventuell eine ehemalige Schülerin sein könnte. Sie war Lehrerin.
All das dauert natürlich nur einige Sekunden, bis sich dann ihr Gesicht spontan versteinert, weil sie nicht glauben kann, wen sie da sieht.
Sie springt vom Stuhl auf und vollbringt einen seltsamen Freudentanz, sehr zur Verwunderung der anderen Gäste. Ihre Freundin Isabel versteht überhaupt nichts mehr, doch in Nullkommanix klärt sich alles auf.
Ich bin heilfroh, daß sie den Schock überlebt hat. Obwohl sie sich bester Gesundheit erfreut, hatte ich meine Bedenken. Aber die schottische Luft und Lebensart konservieren die Menschen anscheinend auf wundersame Weise. Ihre Nachbarin hatte erst im Alter von 92 das Zeitliche gesegnet.
Es sind also nicht nur die Queen und Prince Philipp, die ein extrem hohes Alter erreichen. Bei beiden müssen wohl auch die sommerlichen Aufenthalte im schottischen Balmoral ein lebensverlängerndes Elixir sein. 
Bei einem leckeren Karotten-Kürbissüppchen erzähle ich meine ganze Geschichte, von den Anfängen der Planung bis zu diesem Moment und habe einen Volltreffer an Überraschung gelandet. Zwischendurch muß ich sie immer wieder beruhigen, daß wir jetzt Zeit haben, denn das Paket, dessen Lieferung durch UPS ich für den Zeitraum zwischen 15 und 18 Uhr angekündigt hatte, gibt es ja nicht wirklich. Es war nur ein Mittel zum Zweck, sie im Haus zu halten, damit sie mir nicht entkommt.
Daß ich sie nun hier vorher abfangen konnte, hat alles noch ein wenig spannender gemacht.

Daß ich ab da in der schottischen Nachbarschaft wie eine außergewöhnliche Showeinlage gehandelt wurde, die extra aus Germany eingeflogen kam, erzähle ich in einer weiteren Folge.




Geburtstagsreise nach Edinburgh - The story of a surprise

Ich sitze am Flughafen Düsseldorf und warte auf meine Eurowings nach Edinburgh.


Im Handgepäck habe ich ein selbst gebasteltes Fotoalbum mit dem Titel "The story of a surprise". 
Warum ein englischer Titel"? Die "Geschichte einer Überraschung" ist für meine Freundin in Schottland, die heute 80 Jahre alt wird und nicht im geringsten ahnt, daß ich sie an ihrem sehr besonderen Geburtstag besuchen werde.
In einer wirklich interessanten konspirativen Aktion habe ich den heutigen Tag geplant, aber dazu später mehr.
Die Sicherheitsschleuse habe ich passiert, es ist unheimlich voll hier am Airport. Die Kontrolle war sehr genau. Taschen leeren, Jacke aus (na klar), Gürtel ab (ok), Stiefel aus (oh je). 
Die komischen, mannshohen Schleusenboxen sind neu für mich, aber ich bin auch lange nicht geflogen. Man muß darin an einer bestimmten Stelle auf aufgemalten Füßen stehen und ein paar Verrenkungen machen. Dann darf man wieder raus.
Glücklicherweise piept's bei mir nicht. Ok, ich meine jetzt natürlich das Piep-Geräusch. Es kann schon sein, daß es grundsätzlich manchmal bei mir piept. Bei wem nicht?

Wo ich hinfliege will man wissen, was ich da mache usw. Nebenan fragt einer von Kötter Security, ob es in Mailand schön ist. Das Mädchen antwortet, sie fliegt zum ersten Mal dorthin und weiß es nicht.
Warum auch immer sie dann mich ansieht und fragt, ob ich schon mal da war, ich antworte lässig rüber, daß es dort schön ist. Gelogen, ich finde Mailand gar nicht so toll.
Vielleicht habe ich echt schon so eine Art Reiseleitergesicht.

Bis zum Gate A70 muß ich laufen und habe dort noch soviel Zeit, daß ich mir einen Schnäppchenkaffee für € 4,- und ein Brötchen gönne. 
Es gibt hier so unglaublich schöne Geschäfte, so tolle Koffer und Taschen, aber hey, 419,- für einen mittelgroßen Rucksack von Eugène de la Irgendwas! Echt teuer. Alles nur Nobelgeschäfte hier. Nun ja, ich könnte mir hier aber auch wirklich keine Filiale von kik oder Ernsting's Family vorstellen.

Gerade wird zum gefühlt zehnten Mal der Eurowingsflug nach Rom aufgerufen. Dringend. Zum letzten Mal. Zum allerletzen Mal. Zum aller-allerletzten Mal. Schließlich zum ultimativ endgültig letzen Mal. Eindringlichst, mit Namensnennung. 
Im Ernst, denke ich mir, dann fliegt doch jetzt endlich ab. Wo sind denn diese Leute eigentlich immer?
Gehen die zwischen dem Bordkarteneinleser am Gate-Eingang und dem Flugzeug irgendwo verloren? Oder kaufen die so lange die teuren Pullover und Taschen und können sich nicht trennen? Vielleicht haben sie auch zu Hause den Herd nicht ausgestellt und sind kurz mal zuück. 

Und wenn ich jetzt weiter tippe, dann werde ich auch noch aufgerufen, weil man mich vermisst. 
Obwohl, der Gedanke, daß der Eurowingspilot MICH vermisst und namentlich aufruft, das wäre doch einen Versuch wert. Aber nur, wenn er nett aussieht, und das gehe ich mir jetzt mal ansehen.
 
Dann will ich mal los, muß noch durch die Passkontrolle. Fliege ja ins Brexit-Gebiet!
Wir sehen uns im Teil 2 im Flieger und dann in Schottland.




Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ernstes Reisegeschnatter: Niki-Pleite

Ohne Fotountermalung, einfach nur Text, viel Text, denn es muß mal raus: Meine Wut über das, was in letzter Zeit vom Flughimmel hart auf dem Boden gelandet ist. Erst die Air-Berlin-Pleite, jetzt Niki. "Grounding" nennt man das in der Flugsprache. Hört sich auch besser an als "Pleite".

Da kauft die Air Berlin vor Jahren die auch schon pleite gegangene LTU auf, und ich frage mich, wie man es schafft, ein hoch verschuldetes Unternehmen wieder in gewinnbringende Höhen zu bringen.
Dann macht man eine Drehung um 360 Grad und mutiert zur Billig-Airline. 
Ich verkaufe den ersten Flug für schlappe € 50,- nach Rom. Hin und zurück. Nicht normal, aber schön für den Kunden.
Ein Air-Berlin-Vertreter besucht uns und lobt, daß wir soviele "Paxe" verkauft haben. Das ist in der Touristik die Bezeichnung für "Personen". 
Leider nur kann ich mir von "Paxen" allein kein Bütterchen kaufen kann, wenn ich netto mit 'nem schmalen Euro aus der Buchung rausgehe.
Wie die Fluggesellschaft bei der Preispolitik in die Gewinnzone kommen will ist mir schleierhaft.
Nichtsdestotrotz avanciert sie zur zweitgrößten Airline unseres Landes.
Nummer 2, aber nichts dahinter. Viele Fugzeuge, viele Paxe und viele Slots, aber keine Kohle, wie sich mir allmählich darstellt.

Dann nimmt man uns die ohnehin mageren Provisionen weg, da man sparen muß, die Passagiere bekommen kein Futter mehr gratis, bezahlen dann, wenn sie einen bestimmten Sitzplatz möchten, für die Exitplätze sogar einen noch höheren Aufpreis. Komisch, vor nicht allzu langer Zeit wurden wir noch angewiesen, den Kunden klarzumachen, daß man Exitplätze KEINESFALLS vorher reservieren kann, weil das Bodenpersonal sehen muß, ob der Gast befähigt ist, im Notfall zu helfen. In dem Moment, wo man aber eine Verdienstquelle sieht, kriegt man auch die Plätze ohne Probleme.
Na klar, wir im Reisebüro müssten einem Gast mit Gehbehinderung eine solche Reservierung natürlich verweigern, aber das ist leichter gesagt als getan.

Dann auf einmal bietet Air Berlin Flugpreise an, bei denen man meint, die wollen nun gar nicht mehr gebucht werden. Unattraktiv teuer. Warum nicht einfach mal ein solides Mittelmaß?
Anbandelung mit Etihad, usw. usw.
Der Rest ist Geschichte.

Aber glücklicherweise ist ja die Air-Berlin-Tochter NIKI von der Pleite ÜBERHAUPT nicht betroffen! Sowohl Air Berlin propagiert das, als auch die Reiseveranstalter. Jeder tutet in dasselbe Horn, so natürlich auch wir, obwohl ich mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen kann, wie ein Teil eines Konzerns hell strahlend und grundsolide da stehen kann, wo die Konzern-Mama komplett kaputt ist.
Hätte NIKI doch mal Geld reinpumpen können, wenn es denen doch so klasse geht. In einer Familie hilft man sich doch eigentlich!?

Ich bekomme also so meine Zweifel, ob das mit NIKI tatsächlich alles gut geht, aber was soll ich meinen Kunden schon erzählen?
Ein Familienvater, der Flüge nach Ibiza gebucht hat, erkundigt sich, ob denn durch die Air-Berlin-Pleite seine Flüge am Ende gefährdet sein können.
Und ich antworte ihm natürlich, daß er sich keine Sorgen machen muß, da bei NIKI ja alles super ist. Ob ich das selber zu dem Zeitpunkt glaube, kann ich einfach nicht beantworten.
Aber soll ich ihm denn sagen, er soll mal vorsorglich neue Flüge buchen? Die kosten jetzt zwar bestimmt das Doppelte, aber hey, das macht jeder doch gern freiwillig. Zur Sicherheit.
Nein, ich muß in dasselbe Horn tuten und ihm genau die Infos geben, die wir auch täglich von unterschiedlichen Quellen bekommen. Es gibt keine andere Möglichkeit.

Vor einer knappen Woche sendet uns auf einmal Neckermann eine Email mit der Ankündigung, daß alle Neckermann-Gäste, die bis 30.4.2018 mit NIKI reisen, vorsorglich auf andere Flüge umgebucht werden. HÄÄÄÄ! Wieso das denn jetzt? Da ist doch was im Busch!
Es ist genau das im Busch, was ich mir schon die ganze Zeit über gedacht habe: Gar nichts ist in Ordnung bei NIKI.
Man wird nur schön hingehalten. Wer weiß, wie lange die schon intern den Sinkflug eingeläutet haben.

Nun kann man nur mal hoffen, daß der Firmengründer Niki Lauda wieder einsteigt und irgendwie das Ruder herum reißt. Er scheint sich zumindest Gedanken um die vielen Arbeitsplätze zu machen, die verloren gehen. 

Das Geld meiner netten Kundenfamilie ist futsch, davon gehe ich zumindest aus. Und die Tickets vieler anderer sind ebenfalls wertlos.
Es ist ein Drama, und es nervt. 

Und ich frage mich mal wieder, wann unsere Regierung endlich ein Gesetz schafft, daß auch Fluggesellschaften verpflichtet, die Gelder der Passagiere gegen Insolvenz abzusichern. 
Jeder Reiseveranstalter muß das seit Jahren, sonst darf er keine Zahlung kassieren. Selbst für uns Reisebüros denkt sich die EU immer neue Hürden aus, was auch wir alles noch absichern müssen. Das zu erklären, würde zu weit führen und bringt mich nur unnötig in Rage. 
Nur die heiligen Airlines dürfen weiter Tickets verkaufen und sofort komplett kassieren. Ist ja auch normal, daß ich meinen Australienflug für € 2000,- sofort voll berappe, auch wenn ich erst in 10 Monaten abfliege. Die einzigen, die dafür bisher gearbeitet und Leistung in Form von Beratung und Abwicklung erbracht haben, sind wir Reisebüros. Die Airline hat meinen Kunden noch nicht einmal annähernd in der Nähe des Fliegers und will schon das ganze Geld, ohne Absicherung. 
Das ist für den Kunden ein Netz ohne Boden. Und für mich eine totale Frechheit. Wenn ich eine Flug für € 100,- buche, ist die Komplettzahlung ja noch zu erklären, aber auch nur bedingt.

So, das musste mal raus, Ihr Lieben. 

Und ab Januar geht's wieder richtig rund. Wir buchen für Euch mit Condor. Eurowings, Germania, TUIfly und weltweit renommierten Airlines. Und bitte, bitte: Entscheidet Euch, wenn möglich, für eine Pauschalreise.
Warum man damit auf der sicheren Seite ist, erklärt Euch gern mein Team ganz genau.
Besucht uns in Dortmund-Hörde.

Gute Nacht und frohe Weihnachten.





Mittwoch, 13. Dezember 2017

Meine Reise zum Friseur - tiefsinnige Gespräche inklusive

Hier sitze ich nun, bei meinem Friseur. Strähnen auffrischen. Schliesslich will man ja über die Feiertage wieder adrett aussehen und nicht so halb ergraut.
Ich bin in Alufolie eingepackt und habe locker eine Stunde Zeit, einfach den Gesprächen zu lauschen. 
Ein recht gesprächiger Mann im BVB-Jogginganzug hat gerade Platz genommen. Ja, es gibt sie wirklich, Männer, die intensiv mit der Friseurin small talk über Gott und die Welt zelebrieren. 
Das erste Thema ist natürlich das Wetter. Da sage nochmal einer, das wäre ein typisches Thema der Briten. Wir sind in der Angelegenheit auch nicht schlecht, wobei der gemeine Brite auch miesem Wetter noch etwas Positives abringen kann, der gemeine Deutsche hingegen über jedes Wetter nörgelt. 
Heute ist es natürlich die undefinierbare Mischung aus Schnee und Regen. „Also nee, dat is ja ma gar nix. Wenn schon, dann richtich, aber nich sooo! Echt jetzt, bei dem Wetter geht doch kein Schwein raus."
Danke, denke ich, das Schwein, das auch rausgegangen ist bei dem Wetter - aber er nun mal auch.

"Na ja, noch so gut zwei Wochen, dann is ja alles wieder vorbei. Dann is alles wieder normal.“
Die Friseurin bejaht, daß dann alles vorbei ist, und ich frage mich, was denn in 2 Wochen alles vorbei ist. Das Wetter? Haben wir dann keines mehr? Oder ist er gar ein Wahrsager und weiß, daß der Regen um die Jahreswende aufhören wird? Ich gebe zu, ich bin verwirrt.
Was er wahrscheinlich aber meint, ist, daß dann Weihnachten vorbei ist. Und dann ist alles wieder normal. Also, ich fühle mich momentan eigentlich ziemlich normal, auch wenn das Bild oben das nicht zu bestätigen scheint. Von Weihnachtsstress spüre ich nicht wirklich etwas, aber genau diesen meint der gute Mann.
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Baum aussuchen, Geschenke aussuchen, all der ganze Stress, das ist nichts mehr für ihn. Er ist froh, wenn dann alles vorbei ist. Na ja, man muß es ja nicht zwangsläufig mitmachen. Er scheint mir auch nicht mehr in dem Alter zu sein, wo er die Tradition für seine Kinder pflegen müsste.
Da kommt der Paketbote in den Laden. "Ja, die haben jetzt auch ganz schön zu tun. Ich lass´mir ja auch schon lange alles liefern. Bestelle im Internet. Da kriegse doch alles, echt alles, und das ist sowieso alles extrem viel billiger. Ich mach nix mehr in irgend einem Laden."
Genau, ich überlege schon einmal, demnächst meinen Kopf in den PC zu stecken und mir vom Internet die Haare färben zu lassen.

Dann wird das Thema gewechselt. "Ich hab´ja gestern bei der Kollegin diesen Termin gemacht. Man muß einen Termin beim Friseur machen, ohne geht ja gar nicht!" 
Das glaube ich auch. Besonders beim Männerhaarschnitt. Das dauert!!! Meiner macht da was falsch. Geht einfach mal zwischendurch in den Salon, wartet kurz, Igel noch weiter auf 6 mm rasiert und fertig.
Ich bin wirklich überrascht, was dieser Mann in die 15 Minuten, die sein Haarschnitt dauert, alles reinpackt, bzw. auspackt. Dagegen ist mein Geschnatter harmloses Geplänkel.
Es ist einfach nur witzig und interessant.
Ein anderer Mann kommt rein. Man scheint sich zu kennen. "Tach!" - "Tach auch. Und? Wie is?"
"Muß! Und selber? - "Ja nee, geht so. Hab´nen Termin hier gemacht, sonst geht ja gar nichts."
" Was? Bei dem Wetter? Da geht ja kein Schwein raus." Willkommen im Club, denke ich mir. Lauter Schweine hier. 

Meine Strähnen sind fertig, ich werde ausgepackt und gestylt. 
Jetzt kommt ein junger Mann rein. Ohne Termin. Na, das geht doch mal gar nicht. Er sagt, er kann warten. Spricht´s und sitzt dort und sagt..... kein einziges Wort mehr.
Jetzt ist wieder alles normal, ne?


Dienstag, 12. Dezember 2017

Alle meine Busfahrer

Ja, ich ahne schon, was dieser Titel für Assoziationen auslöst. Schnattert die jetzt über alle Busfahrer, mit denen sie was hatte? Aber nicht doch! Ich habe mir heute einfach nur ein paar Gedanken darüber gemacht, mit welch unterschiedlichen Busfahrern ich in über 30 Jahren unterwegs war. Deren Charakter, ihre Macken und ihre Art, mit Gästen umzugehen oder auch nicht umzugehen.
Mein mir Angetrauter brachte mich auf die Idee.
Grundsätzlich verstanden alle ihr Handwerk, sprich: Sie konnten alle gut fahren und die Gäste sicher ans Ziel bringen. Manche waren absolut kollegial und haben mit uns Reiseleitern freundschaftlich zusammen gearbeitet, andere wiederum fuhren einfach nur, weil das ihr Auftrag war.
An manche Eigenarten denke ich noch heute - hauptsächlich mit einem lachenden Auge - zurück.

Da gab es einen Fahrdienstleiter, Chef-Fahrer oder wie immer man dieses Urgestein des Unternehmens auch bezeichnen mochte.
Jeder warnte mich vor ihm, daß er sehr pingelig und es nicht einfach mit ihm wäre. Und dann hatte ich mit dem gleich 14 Tage Russland vor der Brust. Dazu kam, daß er schon ein paar Mal dort war, ich aber nicht. Wir bekamen einen russischen Reiseleiter vor Ort dazu, von daher war meine Aufgabe eher organisatorischer Art, und ich war für den Bordservice zuständig.
Mein Fahrerkollege sollte also der pingeligste, reinlichste, penibelste, konservativste und gefürchtetste Busfahrer auf Erden sein.
HILFE! Ich war nicht gerade "amused", diese Reise anzutreten.
Und das erste Mißgeschick an Bord war auch schnell passiert: Jeder Gast bekam eine Verzehrkarte, auf der ich dann die servierten Getränk mit einem Strich notierte. Bei einem Ehepaar blieb ich hängen und unterhielt mich eine Weile sehr nett. Währenddessen hielt ich mich, den Kugelschreiber Richtung Decke zeigend, an der Gepäckablage fest. Auf den schlechten polnischen Straßen (natürlich fuhren wir ja quer durch Polen) ruckelte und wackelte es, da konnte auch der Chef-Fahrer nichts retten.
Und während der ganzen Rüttelei malte ich unwissentlich mit dem Kugelschreiber die Verkleidung an der Busdecke voll. Schöne viele blaue Strichlein!
Der Schock saß tief. Ich hatte seinen heiligen Bus entstellt! Welche Strafe sollte mir drohen?
Ich ging sofort beichten und versprach, mit Scheibenreiniger zu versuchen, alles wieder gut zu machen. 
Gar nicht mal so furchtbar sauer sagte er in seinem witzigen kölschen Dialekt nur: "Ach Jabi!"
Und ich gab mir Mühe und setzte die Busdecke tatsächlich wieder auf ihre "Werkseinstellung" zurück.
Gleich an der nächsten Raststätte beim Tanken vergaß mein Busfahrer dann, daß ich ihm eben eine Tasse Kaffee gebracht hatte. Die stand auf der Ablage seiner Seitentür, und nach einem Sprung aus dem Bus raus und einem noch kräftigeren Tür zuschlagen, schwappte der Kaffe aber mal so richtig gehörig über und ruinierte die Stoffverkleidung des Cockpits.
Ich konnte mir ein "Ach Paul!" nicht verkneifen und hatte für ihn einen Tipp parat, wie man ganz schnell die Kaffeeflecken wieder raus kriegt.
Wir schmunzelten beide und waren von da an das beste Team.
In Moskau, während die Gäste sich eine Vorstellung im Staatszirkus anschauten, kam ich zum Bus zurück, weil ich wegen meiner Pferdeallergie nicht im Zelt bleiben konnte und lehnte mich sehr weit aus dem Fenster als ich anbot, mit ihm zusammen den Bus zu polieren.
Wir waren im Hochsommer unterwegs, der Teer auf den russischen Straßen schmolz und flog während der Fahrt in Fetzen ans Heck.
Was ein Busfahrer durch und durch ist, der kann seinem Bus so eine Mißhandlung nicht antun und muß ihn sofort von den unschönen schwarzen Pickeln befreien.
Und ich bot an, mitzuhelfen. Wie bescheuert, denn es war echt eine Arbeit für Blöde, noch dazu bei der brütenden Hitze im Sommer des Jahres 1988.
Aber ab da war ich wohl sein Liebling. "Dat Jabi" poliert den Bus mit. Wahnsinn!! Und ich war fix und fertig.

Andere Firma, andere Reise: Busfahrer Horst, ebenfalls gefürchteter Pingel, hatte die Angewohnheit, auf die blitzsauberen Aufnehmer auf der Treppe zusätzlich noch die Papp-Böden der Getränkepaletten zu legen und damit den Aufnehmer zu schützen. Ich war bis dato im Glauben, Aufnehmer seien dazu da, den Teppichboden vor schmutzigen Schuhabdrücken zu schützen. Jetzte lernte ich, daß man dann zur Sicherheit den Aufnehmer noch durch ein Pappviereck vor Schmutz schützen musste. Sicher ist sicher.
Dummerweise hatte ich, bevor ich das kapiert hatte, die Pappe weggeschmissen, weil ich dachte, er hätte die beim Auspacken der Getränke verloren.
Du meine Güte, was gab das für ein Theater! Aber ich hab´s überlebt, doch war es die einzige Tour, die ich je mit ihm machte, und das war auch gut so.
Er war in der Tat berüchtigt dafür, schon etliche Reiseleiter weg geekelt zu haben. Einen sauberen Bus zu haben, ist eine Wohltat, und jeder Gast schätzt das, doch ist es wirklich nötig, jeden Tag die Rillen der Alu-Kanten im Gang mit der Zahnbürste zu reinigen? 

Selbe Firma, anderer Busfahrer: Busfahrer Rolf (1) und Kollege Udo hatten auf einer Reise, bei der wir zwischendurch drei freie Tage hatten (das muß zur Ehrenrettung hier wirklich deutlich betont werden), einen Abend soviel Lumumba getankt, daß sie in voller Montur ins spanische Mittelmeer trabten und nach Afrika schwimmen wollten. No comment!

Busfahrer Rolf (2) wusste alles, wirklich ALLES!!! Er wusste soviel, daß er eigentlich schon 100 Jahre gelebt haben musste. Berechtigterweise nannte ich ihn ab da den Hundertjährigen.

Firmenwechsel. Reisebusfirma aus dem Ostharz, Busfahrer Otto: Ich suchte eine Würstchenzange, seine Küche war nicht wirklich gut ausgestattet. Er suchte ebenfalls und wurde fündig: Im Werkzeugkasten irgendwo zwischen ölverschmierten Zangen. Ich bin fast ausgeflippt! Der war ja mal so richtig serviceorientiert.

Ebenfalls Firma im Ostharz, Busfahrer Michael: Berühmt-berüchtig wegen seiner vielen Krawatten. Bislang wusste ich nur von Prinzessinen und Königinnen, daß sie keinesfalles ein Kleid zweimal trugen, doch dieser Fahrer konnte sich mit seinen Krawatten tatsächlich in deren Kreise einreihen, denn ich hatte das Gefühl, es war wirklich jeden Tag eine andere.

Eine sehr interessante Servicevariante gab es auch bei einem Busfahrer, bei dem ich auf Reisen Richtung Süden grundsätzlich erst Kaffee bei den Hopfenfeldern machen durfte. Wenn ihr jetzt mal ganz genau nachrechnet: Die Hopfenfelder befinden sich in der süddeutschen Hallertau. Bis dahin hatten wir schon eine stundenlange Fahrt, und den Gästen hing schon die nach Kaffee lechzende Zunge aus dem Hals. So kann man auch Umsatz abwehren, dachte ich damals.

Dortmunder Traditionsfirma, Busfahrer Karl: Als begeisterter Fan französischer Autos (und französischer Frauen, wie ich später herausfand) sammelte er auf jeder Frankreichfahrt bestimmtes Zubehör. Auf unserer Reise durch die Normandie sah er dann beim Hotel eine Ente stehen, die anscheindend sehr besondere Schmutzfänger hatte. "Geh doch mal hin und frag, woher der die tollen Schmutzfänger hat. Du kannst doch französisch." Klar, kann ich, aber was bitte sind überhaupt Schmutzfänger, wo am Auto befinden die sich und wenn ich das dann weiß, bin ich immer noch kein technischer Übersetzer..... sie heißen übrigens "bavettes", das muß ich an dieser Stelle unbedingt anführen, da ich das Wort mein Leben lang nicht vergessen werde.

Und dann war da noch der Busfahrer, der in einem englischen Hotel den Hosenbügler so toll fand, daß er ihn unbedingt mit nach Hause nehmen wollte.  Ich glaube, sowas kannte man bei uns damals noch gar nicht. Nun konnte er den ja schlecht durch die Hotelhalle tragen, also wollte er ihn aus dem Fenster abseilen, und ich sollte Schmiere stehen. Also wirklich, nein danke, ich habe keine kriminelle Ader. 
Ob er es dann wirklich gemacht hat, konnte ich nie in Erfahrung bringen, wäre aber gern mal zu ihm nach Hause eingeladen worden, um das dann neugierig zu überprüfen.

Viele, viele Busfahrer sind sehr engagiert, besonders diejenigen, die man immer so gern als "die alte Garde" bezeichnet. Sie wissen, wie man mit Gästen umgeht und sie motiviert, auch die nächste Reise wieder bei ihrem Brötchengeber zu buchen. Sie sind sicherlich das Wertvollste was ein Reiseunternehmen hat, schlechthin dessen Aushängeschild und beste Werbeträger. 
Und ihr eigener Schaden soll es ja auch nicht sein, nett und serviceorientiert den Gästen zu begegnen, denn die honorieren das am Ende mit einem guten Trinkgeld.

Es gibt allerdings auch diejenigen, die das noch nicht erkannt haben und auch möglicherweise nie begreifen werden. Natürlich ist ihre Aufgabe, die Gäste sicher von A nach B zu bringen, aber so ein bisschen zusätzliches Engagement ist doch nicht so schwer. 
Da kommt es doch sicherlich sehr gut an, wenn man in seiner Pause, auch wenn diese wertvoll und vorgeschrieben ist, mit den Gästen mal ein Wort zu wechselt, statt als erstes an das Anzünden seiner Fluppe zu denken. Bei denen wird dann das Schild "Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen" gleich in der Pause mit nach draußen genommen.

Auch hier erinnere ich mich an einen Fahrer, der tatsächlich den ganzen Tag kein einziges Wort gesprochen hat, so daß mich die Gäste nach der ersten Tagesetappe ernsthaft gefragt haben, ob der Fahrer denn überhaupt sprechen kann.

Und seit nunmehr 16 Jahren habe ich jemanden gefunden, der mit zweitem Vornamen "Fürsorge" heißen könnte, denn er legt sich so dermaßen ins Zeug, daß er schon heute plant, was unsere Gäste auf einer Reise, die erst in zwei Jahren stattfindet, zu Essen bekommen sollen.
Da habe ich dann doch ganz andere Sorgen, denn ich muß ja erstmal überlegen, wohin es in zwei Jahren überhaupt gehen soll.
Aber allen, die mit uns in 2019 nach Kroatien fahren, sei bereits verraten, es gibt wieder den leckersten Kartoffelsalat nach Geheimrezept.




Samstag, 9. Dezember 2017

Salzburg: musik-geschwängert und mit Adventsgefühl angefüllt

Es war eine der besten Adventstouren, die ich je gemacht habe. Salzburg als Reiseziel macht es einem aber auch wirklich leicht, denn es zaubert eine schöne Stimmung ins Herz. 
Und nicht nur die Stadt selbst, sondern auch das Umfeld, wie zum Beispiel die Orte am Wolfgangsee.

Unter Notenpapier-Engel-Schutz, begleitet vom Nikolaus und seiner Rentier-Band starten wir in festlich geschmückten Busreihen Richtung Salzburger Land.
                          
750 Kilometer sind es immerhin von Dortmund aus, doch ich kann Euch versichern, daß sich jeder, aber auch jeder einzelne Kilometer gelohnt hat.
Schnee ist vorausgesagt, und viele Reisegäste sind in freudiger Erwartung, ob wir nochmal wieder solch eine verschneite Landschaft erleben dürfen wie vor Jahren im Harz.
Während unseres Stadtrundgangs am nächsten Morgen gibt sich der Himmel redlich Mühe, den leichten Fieselregen in Schneeflocken umzuwandeln, und ab abends klappt das dann auch.
                         
Aber das bisschen Gefiesel schockt uns doch nicht. Es gibt ja auch keine Wahl: Im Regen mit der Gruppe tanzen oder von Salzburg gar nichts mitkriegen. Und das wäre wirklich sehr schade.

Mal abgesehen von weihnachtlicher Dekoration gilt das Hauptaugenmerk hier der Musik. Und auch abgesehen von der Tatsache, daß für mich ein Frühstück ohne Kaffee tatsächlich zu überleben ist, kommt der Spruch unten wirklich ganz gut.
         
Salzburg ohne Musik kann man sich kaum vorstellen. Allen voran Mozart auf Schritt und Tritt. Unsere Stadtführerin erzählt uns, was für ein Rebell der war. Ich kann es kaum glauben. Obwohl ich gar nicht viel über Mozart weiß, außer einigen Namen seiner Opern und die berühmte Nachtmusik, habe ich Bilder im Kopf, die ein kleines Kind zeigen, das mit verbundenen Augen Klavier spielt, weil der Papa es toll findet, das Talent seines Sohnes so zu vermarkten. So ein nettes kleines Kind halt. Und dann zeigen Google und auch einige Plattencover ihn als Erwachsenen doch immer eher brav, wobei es sicher manchen Revoluzzer gibt, der auch nicht revoluzzermäßig aussieht. Ich weiß, das wirft das Diskussionsthema auf, wie man am Aussehen einen Rebellen erkennen kann. Egal. Für mich sieht Mozart brav aus. Wer Musik macht, ist eigentlich immer brav, oder schließe ich hier fälschlicherweise von mir auf alle anderen 😂?
                       
In unserem Hotel "Goldenes Theaterhotel", das übrigens hervorragend liegt, sehr schön ausgestattet ist und ein leckeres Frühstück bietet, umrahmt von einer super Gastfreundlichkeit des Personals, mache ich dann eine Reise durch die Opernwelt, denn jedes Zimmer trägt den Namen einer Oper oder Operette, und ich bin froh, bei Don Giovanni zu übernachten und nicht bei Maria Stuart. Das hätte böse Träume geben können. Wer weiß, ob ich nicht ganz kopflos aufgewacht wäre?
Don Giovanni verspricht da eher angenehme Träume. Wenn mich nicht alles täuscht, geht's bei ihm um Lust und Leidenschaft.
                                      
Selbstverständlich kommt auch auf diesem Stadtrundgang die Frage auf, wem denn der gute Mozart nun gehört, den Deutschen oder den Österreichern. Dazu muss man sich erstmal vergegenwärtigen, wie zu seinen Lebzeiten die Grenzen waren. Fakt ist: Sein Geburtshaus steht in Salzburg. Seine Kugeln (sorry, falls das jetzt anzüglich klingt), werden sowohl in Salzburg als auch im deutschen Bad Reichenhall verkauft. Ich meine die Mozartkugeln, Schokolade, nicht wahr?
In Salzburg silber-blau verhüllt, und in Reichenhall rot-gold. Ich soll einer Freundin jedenfalls die silber-blaue Variante mitbringen, da das die echten sein sollen.
                                  
Mozarts Geburtshaus ist leicht zu erkennen. Es ist gelb. Aber nein, das oben ist es nicht, obwohl das "M" durchaus für den Komponisten stehen könnte. Hier jedoch werden Burgervariationen komponiert und keine Klaviersonaten. Dies ist die berühmte amerikanische Botschaft, deren Werbung hier glücklicherweise nicht das schöne Gesamtbild der Getreidegasse zerstört.
                                  
Das hier ist die Geburtsstätte des Wunderkindes. Wie praktisch, daß sich im Erdgeschoß eine Spar-Filiale befindet. Da hatte man doch gleich Milch, Windeln und Babyöl in greifbarer Nähe. Sehr gut durchdacht, Familie Mozart!
Ich lausche an dieser Stelle dem Stadtführer einer amerikanischen Gruppe, der neben dem historisch wertvollen Inhalt des gelben Hauses auch über die europäischen Supermarktketten erzählt, weil die Frage aufkommt, was "Spar" bedeutet. Die Amerikaner werden angewiesen, ruhig dort einzukaufen, es wäre gut und günstig. Da bin ich aber froh, denn ich bin dann doch nicht die einzige Reiseleiterin, die solch praktische Informationen in die ganze Historie und Architektur einfließen lässt. Ich werbe in Großbritannien auch immer für meine Lieblingssupermarktkette "Tesco". Blöd nur, daß ich dafür noch nie mal ein Sixpack Guinness oder so umsonst bekommen habe.

Zum Thema Musik hat auch der Dom etwas beizutragen. Während manche Kathedralen sich mit einer Orgel begnügen, um ihre göttlichen Hallen zu beschallen, gibt es hier gleich vier, in jeder Ecke eine. Und um es vollständig zu machen: Noch eine fünfte im Hauptschiff.
      
Ich bin kein Orgelspezialist, daher frage ich mich, wie das gehen soll mit vier Orgeln. Haben die vier Organisten? Und wenn ja, wer darf welche Orgel wann spielen? Alle gleichzeitig als eine Art Or(gel)chester? Vielleicht gibt es auch nur einen Organisten, der dann die volle Auswahl hat und sich aussuchen kann: Frühmesse mit der Orgel links hinten, Abendmesse mit der Orgel rechts vorne.
So muß es wohl sein in einer Musikstadt. 
Ich lasse die hohe Kunst der Musik nach dem Stadtrundgang mal beiseite und widme mich den profanen Dingen: Kaffee und Kuchen.
                                     
Neben einem Wunderkind bringt Salzburg nämlich auch Wunderbackwaren zustande. Und da jeder weiß, daß Weihnachtskalorien überhaupt nicht mitzählen, gibt's gleich noch das zweite Stück hinterher. Was kommt die Kellnerin auch dreist nochmal mit diesem tollen Teller vorbei??? Die drängen einem das hier förmlich auf.
Jetzt warte ich auf Schnee und kann schon verraten: Morgen wird es weiß. Ganz sicher.
Bis dahin hier noch ein paar Impressionen vom Weihnachtsmarkt und den festlich dekorierten Geschäften.
                           







 













Sonntag, 19. November 2017

Reise in die Hallo-Galerie

Die Überschrift dieses Posts beinhaltet absichtlich das Wort "Reise", denn immerhin heißt mein Blog ja "Reisegeschnatter". Und irgendwie war es auch eine Reise, die ich da letzten Mittwoch unternommen habe: Eine Reise in die Hallo-Galerie.
Wo die ist? Prinzipiell wahrscheinlich in jeder deutschen Stadt, hier jedoch geht es um die Thier-Galerie in Dortmund.
Ich habe kein passendes Foto, und da es um Shopping geht: SCHUHE!
Es hat mich mal wieder dort hingezogen, nach langer Zeit, obwohl ich mich dort ständig verlaufe bei dieser merkwürdigen abgerundeten Dreiecksform. Aber darum geht es nicht.
Ich laufe so versonnen vor mich hin, will nichts Besonderes, einfach nur shoppen. Shoppen, das heißt für uns Frauen nicht unbedingt "kaufen", sondern in erster Linie mal "anfassen,gucken,schön finden, überlegen wofür man es braucht, herausfinden, daß man es nicht braucht" und so weiter.
In mich gekehrt, da ich ja für so etwas keine Verkäuferin brauche, bin ich meinem Umfeld entrückt und bekomme kaum etwas mit.
Da plötzlich überfällt mich schallend ein "Haaaallò"! Irgendwo aus dem Hinterhalt, hinter einem Ständer mit Klamotten. Eine Verkäuferin grüßt. Nun ja, das ist ja nicht schlecht, werdet Ihr sagen, immerhin ist es angenehm, nachdem man doch Deutschland immer als Servicewüste bezeichnet hat. Oder tut man es gar immer noch?
Ganz bewusst habe ich das Wort "Haaaallò!" mit drei "A´s" geschrieben und einem "accent grave" auf dem "O", um die besondere Art und Weise dieser Begrüßungsformel zu beschreiben. Das "H" hört man kaum, das "A" lang gestreckt und das "O" dann extrem kurz. Insgesamt dann hört sich das Ganze auch noch ziemlich nasal an.
So, nun hat hoffentlich jeder eine Vorstellung davon. Dann kann es jetzt mit der eigentlichen Geschichte weiter gehen.
Ich antworte mit einem kurzen "Guten Tag", wohl wissend, daß ich selbst die meisten meiner Kunden auch mit "Hallo" im Reisebüro begrüße, aber meine, das gute alte "Guten Tag" verdient endlich wieder mehr Beachtung.

Am T-Shirt-Tisch erwischt mich eine zweite Verkäuferin. "Haaaallò!" Ok, "Guten Tag".
Und noch eine, die gerade aus dem Lager kommt. "Haaaallò!". Ich sag´nichts mehr.

Auf zum nächsten Laden, ein Schuhgeschäft. Mein Gesicht steckt gerade halb im unteren Regal bei den Winterstiefeln, da überfällt mich eine Verkäuferin von hinten: "Haaaallò!" Ich weiß gar nicht, ob sie überhaupt mich meint.
Ich merke, sie sagt nur "Haaaallò!", will mir gar nichts aufdrängen, schon gar nicht ihren Service, aber man hat sie halt geschult, "Haaaallò!" zu sagen. Jedem Kunden, der reinkommt. 
Aber es klingt wie ein Tonband, so wie eine automatische Ansage. Sobald eine bestimmte Stelle im Geschäft überschritten wird, geht sie an: "Haaaallò!" Immer in demselben Tonfall.

Was soll ich sagen? Egal, wohin ich auch gehe, ob Schuhgeschäft, Jeans-Shop oder Buchhandlung. Überall dieselbe Tonlage. Überall immer "Haaaallò!" Nicht ein einziges Mal "Guten Tag".
Wenigstens in der Buchhandlung hätte ich das erwartet (warum auch immer....).

Es wird Abend, und ich bin immer noch auf meiner Shopping-Reise. Auch bei fortgeschrittener Tageszeit ändert sich die Begrüßungsformel nicht. "Haaaallò!" - egal wo oder wann man einen Laden betritt.
Ich vermute, es gibt eine allgemeine Thier-Galerie-Vorschrift, inklusive einer Schulung, an der alle Verkäufer teilnehmen und wie bei einer Chorprobe die Hallo-Version proben.

Ich bin fern davon, mich hier über Freundlichkeit zu beschweren. Sie ist schön, aber antrainiert und irgendwie nicht überzeugend. 
Nun ja, was erwarte ich auch? Eine Einladung zum Kaffee nach der Begüßungsformel?
Ein aufmunterndes Gespräch zum Thema "Kampf den Rückenschmerzen"? 
Nein, ich habe einfach nur darauf gehofft, jemanden zu finden, der noch andere Begrüßungswörter kennt als "Haaaallò!"

In diesem Sinne: "Guten Abend!"

Freitag, 10. November 2017

So war Reisen in den 90ern - Ein bisschen Wehmut

Heute hätte ich im Reisebüro am liebsten einen Wutanfall bekommen, als sich mal wieder die Flugpreise im Minutentakt änderten, als die Gäste wieder einmal etwas extra zahlen mussten, weil TUIfly nur 15 kg Gepäck erlaubt oder als ich keine logische Erklärung dafür hatte, warum man für einen Sitzplatz vorne im Flieger bei gleicher Beinfreiheit mehr zahlen soll als weiter hinten. 
Und als ich schließlich am liebsten einen der Reisekataloge an die Wand geklatscht hätte, weil die Preise darin mit den aktuellen Preisen mal wieder nicht übereinstimmten, da  kamen plötzlich die Erinnerungen an die Zeit vor über 25 Jahren.
Viele, die meine Berichte lesen, werden damals vielleicht noch in die Windeln gemacht haben und von all den Dingen nichts verstehen, aber viele wiederum werden sich auch erinnern und bestimmt genauso wehmütig werden wie ich.

In den 90ern gab es eine Fluggesellschaft mit schönen roten Flugzeugen. Darauf stand fett geschrieben: LTU.
Es war unsere Charterfluggesellschaft Nr. 1. Heimatflughafen Düsseldorf. Die Mehrheit meiner Kunden brach völlig zusammen, wenn ich Ihnen eine Pauschalreise anbot, bei welcher der Flug nicht mit LTU war. Ja, da haben sich Szenen im Reisebüro abgespielt!
Man hatte Mühe, die Gäste von Germania, Aero Lloyd, Air Europa oder Hapag Lloyd zu überzeugen.
Condor ging ja noch, ist ja schließlich auch heute noch Lufthansa-Tochter, also vom Mutterhaus aus schon solide und vertrauenswürdig.
Aber LTU, das war unsere NRW-Welt. Urlaub fing mit LTU in Düsseldorf an. Man stieg ein, bekam nach dem Start einen Sekt spendiert, es gab ein richtiges Frühstück oder ein richtiges Mittagessen. Kaffee und Getränke mehrmals während der Reise. Für Kinder gab es Malbücher inklusive Stiften und auch mal ein aufblasbares Flugzeug. Eine gute Idee, denn schließlich schwammen die dann im Mittelmeer für die LTU Werbung.
Mein allererster Flug, nach Recife in Brasilien, ging mit LTU, und man bekam ständig Essen und Getränke, eine Schlafmaske für den Nachtflug und witzige Pantoffeln für die Gemütlichkeit.
Kissen und Decken - na klar. Auch das war vorrätig.
Auf vielen Fernstrecken durfte man zwei Gepäckstücke à 32 kg mitnehmen, das Bodenpersonal war so kulant und ließ zwei Koffer zusammen wiegen. Hatte der eine mehr, der andere weniger, war es absolut in Ordnung. Heute habe ich schon Menschen am Flughafen mit offenen Koffern gesehen, die ihre Klamotten umpacken mussten, damit beide Koffer nicht über 20 kg bzw. 15 kg haben.
Das ist alles etwas kleinkariert.
Bei Übergepäck wurden ziemlich viele Augen zugedrückt, und man wurde freundlich gefragt, wo man denn wohl sitzen möchte: Fenster, Gang, Mitte. Familien und Paare, wenn sie nicht gerade kurz vor Toresschluß am Schalter ankamen, hatten keine Sorge, zusammensitzen zu können.
Heute platzieren die Fluggesellschaften die Gäste knallhart getrennt wenn sie nicht schon vorher, am besten natürlich gegen Aufpreis, Plätze reserviert oder online eingecheckt haben.

Gebucht wurde damals bei Veranstaltern wie Transair, Tjaereborg, Touropa, Sharnow, Hummel, Air Marin, Fischer Reisen oder Jet Reisen.
Gibt´s alle so nicht mehr. Nun gut, das passiert in jeder Branche. Firmen kommen und gehen.
Aber es waren tolle Reiseveranstalter, bei denen kompetente Menschen saßen, die ihre Programme haargenau kannten.
Wie sehr vermisse ich das rollende "R" in der Stimme der netten Jahn-Reisen-Mitarbeiter aus München: "Jahn Rrrrreisen, grrrrüß Gott". 
Transair, das war für mich eines der besten Preis-/Leistungsverhältnisse der schillernden Urlaubswelt. 
Bei Jet Reisen gab es tolle Fernreisen, Air Marin hatte ein mega USA-Programm, wo eigentlich alles an Kombinationen möglich war.

Kataloge gab es zweimal im Jahr. Wir wurden quasi zugeschüttet mit Tonnen von Papier. Ja, das ist nicht umweltfreundlich, aber die Nachfrage an gedrucktem Material war auch überirdisch, denn es gab kein Internet mit Bildmaterial.
Wenn im Dezember die Sommerkataloge kamen, konnten wir die Massen gar nicht so schnell auspacken wie unsere Kunden sie haben wollten.
Man hatte verlässliche Preislisten, die stabil waren, ob ich früher oder später buchte. Die einzige Gefahr, die lauerte, war, daß das Wunschhotel ausgebucht war.

Die Kunden kamen mit Katalogen ins Büro, die mit Spickzettelchen übersäht waren. Für den Fall, daß ein Hotel ausgebucht war, gab es gleich den Alternativwunsch Nr. 2,3 oder 4.

Dann merkten die Veranstalter, daß sie oftmals zu viele Kapazitäten eingekauft hatten, die man nicht los wurde, und so erfand man "LAST MINUTE".  Der Kunde wurde regelrecht darauf getrimmt, erhoffte er sich doch von nun an immer und für jedes Wunschhotel einen billigeren Preis.
Abwarten, ob das Hotel nicht noch günstiger wurde, war an der Tagesordnung. Ein nicht sehr einfaches Los für den Reiseverkäufer, zumal ein Last-Minute-Schnäppchen natürlich große Flexibilität vom Urlaubshungrigen verlangte - was bei weitem auf die wenigsten zutraf.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir Angebot um Angebot vorstellten, der Preis dem Kunden nicht gefiel und er daraufhin fragte: "Und wenn Sie nochmal bei Last Minute gucken?"
Als wäre das ein extra Veranstalter für Schnäppchen. Das englische Wort, das lediglich "auf die letzte Minute" bedeutete, wurde nicht so ganz richtig interpretiert.
Heute schulen die Reiseveranstalter die Kunden wieder um, oder versuchen es zumindest, denn wer spät bucht, tut seinem Portmonnaie meistens richtig weh.

In den 90ern blieb man noch 3 oder 4 Wochen im Urlaub. Das brachte echte Erholung. Bis heute hat sich die durchschnittliche Urlaubszeit der Menschen auf 8-12 Tage heruntergeschraubt, erwiesenermaßen zu kurz, um tatsächlich Entspannung zu spüren.

Wir sortierten und verglichen Preise, damit der Gast auch den günstigsten Anbieter bekam. Das ist auch heute noch so, doch arbeiten wir längst mit Preisvergleichssystemen, sogenannten Buchungsmaschinen im Internet.

Internet, das gab es auch nicht. Wie man gebucht hat? TELEFON!!! Der Klassiker: Anrufen, Plätze abfragen, nicht frei, auflegen. In dem Moment fiel dem Gast eine Alternative ein. Anrufen, Plätze abfragen, ja, geht, auflegen, mit dem Kunden durchsprechen, er will, ok, wieder anrufen, jetzt Platz leider weg, auflegen, Alternativen anhören und das Ganze von vorn.
Das ist heute natürlich viel einfacher. Wenn nur die Preise sich nicht im Minutentakt nach oben schrauben würden und man den Eindruck gewinnt, die machen das extra.

Irgendwann bekam ich das erste BTX-Gerät (Bildschirmtext). Ein komischer Kasten, so eine Art Telefon-/Bildschirm-Mix, ein beigefarbener Klotz mit Minibildschirm und Hörer oben drauf, auf dem man sich erst umständlich in eine eigentlich noch unheimliche Welt einwählen musste. Es piepste, wenn man eine Verbindung hatte.
Ich erinnere mich noch genau, daß ein Aufrufen des Internets mit enormen Kosten verbunden sein konnte. Flatrates kannte man nicht.
Somit hatte ich natürlich entsprechende Panik beim ersten Herstellen einer Leitung und dachte wahrscheinlich, daß meine Telefonrechnung mich gleich in die Pleite reiten würde, wenn ich nur einmal zu lange die BTX-Verbindung halten würde.
Der Bildschirm war sehr klein und schwarz-weiß. Heute, auf eine Lesebrille angewiesen, würde ich überhaupt nichts mehr darauf erkennen.
Nach der Kundenberatung wurde dann dieser Kasten in Nullkommanix wieder abgeschaltet. Man weiß ja nie, wie die Kosten explodieren, wenn man sich nicht sofort wieder abkabelt.

Dann war der Traumurlaub gebucht und die Reiseunterlagen kamen ins Büro. Manchmal gab es einen Reiseführer dazu, zumindest aber ein kleines Infoheft mit Tips zu Ausflügen vor Ort, einer kleinen Übersichtskarte des Urlaubslandes, sowie wichtige Hinweise über Wochenmärkte, Essen, Trinken, etc.
Flugtickets gab es noch so richtig zum anfassen und rausreißen durch das Bodenpersonal. 
Im heutigen Onlinezeitalter braucht man allerdings wirklich keine Coupons mehr als Abrechnungsmittel. 
Nur wollen uns einige Reiseveranstalter weismachen, der Kunde wünsche das so. Schliesslich hätte das eine Umfrage eindeutig ergeben. 
Nun, meine Kunden hat man hier nicht gefragt und die von vielen Kollegen, wo man auch hin hört, auch nicht. 
Wo sitzen also all die Fans solcher nichtssagenden billigen Zettel?
Die Reiseunterlagen sind langweilig und einfältig geworden. Man reist mit einem DIN-A-4-Blatt, bei dem nicht soviel Reisefieber aufkommt wie bei den damaligen bunten Heften oder Dokumentenmappen. Von Kofferanhängern gar nicht zu reden. Gibt´s so gut wie nicht mehr.

Der Vorteil, kein Flugticket mehr zum Herausreißen zu haben, ist jedoch der, daß bei Verlust ein solches Dokument heute einfach nochmal ausgedruckt werden kann.
Ich erinnere mich noch an verzweifelte Kunden, denen ihr Flugticket aus unerklärlichen Gründen hinter die Wohnzimmerschrankwand gefallen war, womit sich eigentlich die Teilnahme an der Flugreise erledigt hatte, es sei denn, man forderte ein neues Ticket an und zahlte eine Gebühr dafür.
Flugticket weg brachte einen in echte Not.

Im Hotel angekommen, freute man sich auf Sonne, Strand und Meer ..... und Frühstück oder Halbpension.
All inclusive gab es nicht, und ich hätte mir niemals träumen lassen, daß das einmal ein solcher Renner würde, an dem niemand vorbei kommt. Ob man es nun gut findet oder nicht - Europa und auch etliche Länder der restlichen Welt schwimmen auf der Welle, die Gäste rundum zu verpflegen. 
Ein Konzept, das gedacht war, um dem Gast einen festen Reisepreis zu bieten und ihn seine Nebenkosten besser einschätzen zu lassen, hat sich dazu entwickelt, daß viele Gäste ihre Hotelanlage nicht mehr verlassen, um einmal ein örtliches Restaurant zu besuchen und einheimisch zu essen.
Sehr zum Leidwesen der örtlichen Gastronomie, die dadurch vielfach kaputt geht, wie schade.
Bei Reisezielen, in denen die Infrastruktur nicht so ist, daß man Restaurants in der Umgebung hat, bietet sich All Inclusive sinnvoll an, aber alle anderen, die ein tolles Umfeld haben, springen auf den gleichen Zug auf.

Menorca nannten wir die "Pampers-Insel", weil sie überaus begehrt bei Familien mit kleinen Kindern war und enorm viele Appartmentanlagen hatte, in denen sich die Familien selbst verpflegten.
Heute hat die Mehrheit dieser Anlagen auf All Inclusive umgesattelt.
Auf Mallorca, besonders am berühmt-berüchtigten Ballermann, waren doch die meisten Gäste so lange feiern, daß sie noch nicht einmal das Frühstück mitbekamen. Es wurde Halbpension gebucht und davon meist nur das Abendessen in Anspruch genommen. 
Auch hier wird heute viel All Inclusive gebucht. Der Sinn erschließt sich mir nicht, wenn man doch eigentlich gern ausgehen und feiern möchte.
Selbst im  beliebten Thailand, wo man wirklich überall gut und günstig essen gehen kann, wird heute nach All Inclusive gefragt.

Die Welt dreht sich in Windeseile, die Kunden entdecken das Internet für sich und begeben sich selbst auf die Online-Reisesuche. Und buchen Ziele, die nicht zu ihnen passen, landen an Flughäfen, wo sie gar nicht hin wollen und buchen Ferienhäuser, die es gar nicht gibt.
Berühmt berüchtigt ist der Fluggast, der sich nach KEF einbuchte, weil er meinte, das wäre das griechische Kefalonia. In Wirklichkeit ist es Keflavik in Island!
Wir reden uns den Mund fusselig, daß die Pauschalreise von alltours oder TUI bei uns nicht mehr kostet als im Internet. Beratung und Hilfestellung gibt´s sogar gratis dazu. Ok, bei uns kann man nicht in der Nacht um 1:35 h buchen. Aber muß man das???
 
Man vertraut den Bewertungen von Menschen, die jeden Unsinn ins Netz stellen, bucht kein Hotel mehr, daß nur 65 Prozent Weiterempfehlungsrate hat, obwohl dies doch immerhin eine ordentliche Mehrheit ist.

Doch erfreulich viele junge Menschen wenden sich bei der Urlaubssuche an uns Reisebüros. Gerade die, von denen man glaubt, sie seien die Generation, denen das Handy an der Backe angewachsen ist, haben keine Lust, bei der Reisesuche im Internet Tage zu verbringen, um dann total verwirrt doch nicht weiter zu kommen.
Ihnen ist die freie Zeit mit Freunden und Familie wichtiger, und so vertrauen sie uns ihre Urlaubsplanung an. Natürlich gefällt mir diese Entwicklung sehr, und ich mag es, junge Leute zu beraten.
Im Gegensatz zu den 90er Jahren möchten anscheinend alle Urlaubssuchenden auf keinen Fall ein Hotel mit weniger als 4-Sternen, so daß ich der Welt vorschlage, ihre sämtlichen 3-Sterne-Hotels abzureißen.

Alles in Allem ist man jedoch gelassener geworden was die Weltsicherheitslage anbetrifft.
Gab es in den 90er Jahren irgendwo in der Türkei ein kleines Erdbeben, stornierten sofort alle. Gab es gar einen Anschlag irgendwo, wurde sofort auf ein anderes Reiseziel umgebucht.
Gab es kriegerische Auseinandersetzungen 1000 km von der Türkei entfernt, flog man nicht mehr in die Türkei, wo doch der Krisenherd "Balkan" auch nicht weiter von uns entfernt war und wir demnach besser alle hätten auswandern müssen.
Aber Angst regierte die Entscheidungen enorm, und wahrscheinlich konnte ich mich damals auch selbst nicht davon ausnehmen.
Heute weiß man, es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Selbst in der eigenen Stadt nicht.
Also wird munter die Welt erkundet, außergewöhnlicher als in den 90ern und wesentlich gelassener.
Wer will sich auch das Reisen verbieten oder vermiesen lassen?
Der Urlaub ist und bleibt eben eine der schönsten Zeiten des Jahres.

 



Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...