Sonntag, 19. November 2017

Reise in die Hallo-Galerie

Die Überschrift dieses Posts beinhaltet absichtlich das Wort "Reise", denn immerhin heißt mein Blog ja "Reisegeschnatter". Und irgendwie war es auch eine Reise, die ich da letzten Mittwoch unternommen habe: Eine Reise in die Hallo-Galerie.
Wo die ist? Prinzipiell wahrscheinlich in jeder deutschen Stadt, hier jedoch geht es um die Thier-Galerie in Dortmund.
Ich habe kein passendes Foto, und da es um Shopping geht: SCHUHE!
Es hat mich mal wieder dort hingezogen, nach langer Zeit, obwohl ich mich dort ständig verlaufe bei dieser merkwürdigen abgerundeten Dreiecksform. Aber darum geht es nicht.
Ich laufe so versonnen vor mich hin, will nichts Besonderes, einfach nur shoppen. Shoppen, das heißt für uns Frauen nicht unbedingt "kaufen", sondern in erster Linie mal "anfassen,gucken,schön finden, überlegen wofür man es braucht, herausfinden, daß man es nicht braucht" und so weiter.
In mich gekehrt, da ich ja für so etwas keine Verkäuferin brauche, bin ich meinem Umfeld entrückt und bekomme kaum etwas mit.
Da plötzlich überfällt mich schallend ein "Haaaallò"! Irgendwo aus dem Hinterhalt, hinter einem Ständer mit Klamotten. Eine Verkäuferin grüßt. Nun ja, das ist ja nicht schlecht, werdet Ihr sagen, immerhin ist es angenehm, nachdem man doch Deutschland immer als Servicewüste bezeichnet hat. Oder tut man es gar immer noch?
Ganz bewusst habe ich das Wort "Haaaallò!" mit drei "A´s" geschrieben und einem "accent grave" auf dem "O", um die besondere Art und Weise dieser Begrüßungsformel zu beschreiben. Das "H" hört man kaum, das "A" lang gestreckt und das "O" dann extrem kurz. Insgesamt dann hört sich das Ganze auch noch ziemlich nasal an.
So, nun hat hoffentlich jeder eine Vorstellung davon. Dann kann es jetzt mit der eigentlichen Geschichte weiter gehen.
Ich antworte mit einem kurzen "Guten Tag", wohl wissend, daß ich selbst die meisten meiner Kunden auch mit "Hallo" im Reisebüro begrüße, aber meine, das gute alte "Guten Tag" verdient endlich wieder mehr Beachtung.

Am T-Shirt-Tisch erwischt mich eine zweite Verkäuferin. "Haaaallò!" Ok, "Guten Tag".
Und noch eine, die gerade aus dem Lager kommt. "Haaaallò!". Ich sag´nichts mehr.

Auf zum nächsten Laden, ein Schuhgeschäft. Mein Gesicht steckt gerade halb im unteren Regal bei den Winterstiefeln, da überfällt mich eine Verkäuferin von hinten: "Haaaallò!" Ich weiß gar nicht, ob sie überhaupt mich meint.
Ich merke, sie sagt nur "Haaaallò!", will mir gar nichts aufdrängen, schon gar nicht ihren Service, aber man hat sie halt geschult, "Haaaallò!" zu sagen. Jedem Kunden, der reinkommt. 
Aber es klingt wie ein Tonband, so wie eine automatische Ansage. Sobald eine bestimmte Stelle im Geschäft überschritten wird, geht sie an: "Haaaallò!" Immer in demselben Tonfall.

Was soll ich sagen? Egal, wohin ich auch gehe, ob Schuhgeschäft, Jeans-Shop oder Buchhandlung. Überall dieselbe Tonlage. Überall immer "Haaaallò!" Nicht ein einziges Mal "Guten Tag".
Wenigstens in der Buchhandlung hätte ich das erwartet (warum auch immer....).

Es wird Abend, und ich bin immer noch auf meiner Shopping-Reise. Auch bei fortgeschrittener Tageszeit ändert sich die Begrüßungsformel nicht. "Haaaallò!" - egal wo oder wann man einen Laden betritt.
Ich vermute, es gibt eine allgemeine Thier-Galerie-Vorschrift, inklusive einer Schulung, an der alle Verkäufer teilnehmen und wie bei einer Chorprobe die Hallo-Version proben.

Ich bin fern davon, mich hier über Freundlichkeit zu beschweren. Sie ist schön, aber antrainiert und irgendwie nicht überzeugend. 
Nun ja, was erwarte ich auch? Eine Einladung zum Kaffee nach der Begüßungsformel?
Ein aufmunterndes Gespräch zum Thema "Kampf den Rückenschmerzen"? 
Nein, ich habe einfach nur darauf gehofft, jemanden zu finden, der noch andere Begrüßungswörter kennt als "Haaaallò!"

In diesem Sinne: "Guten Abend!"

Freitag, 10. November 2017

So war Reisen in den 90ern - Ein bisschen Wehmut

Heute hätte ich im Reisebüro am liebsten einen Wutanfall bekommen, als sich mal wieder die Flugpreise im Minutentakt änderten, als die Gäste wieder einmal etwas extra zahlen mussten, weil TUIfly nur 15 kg Gepäck erlaubt oder als ich keine logische Erklärung dafür hatte, warum man für einen Sitzplatz vorne im Flieger bei gleicher Beinfreiheit mehr zahlen soll als weiter hinten. 
Und als ich schließlich am liebsten einen der Reisekataloge an die Wand geklatscht hätte, weil die Preise darin mit den aktuellen Preisen mal wieder nicht übereinstimmten, da  kamen plötzlich die Erinnerungen an die Zeit vor über 25 Jahren.
Viele, die meine Berichte lesen, werden damals vielleicht noch in die Windeln gemacht haben und von all den Dingen nichts verstehen, aber viele wiederum werden sich auch erinnern und bestimmt genauso wehmütig werden wie ich.

In den 90ern gab es eine Fluggesellschaft mit schönen roten Flugzeugen. Darauf stand fett geschrieben: LTU.
Es war unsere Charterfluggesellschaft Nr. 1. Heimatflughafen Düsseldorf. Die Mehrheit meiner Kunden brach völlig zusammen, wenn ich Ihnen eine Pauschalreise anbot, bei welcher der Flug nicht mit LTU war. Ja, da haben sich Szenen im Reisebüro abgespielt!
Man hatte Mühe, die Gäste von Germania, Aero Lloyd, Air Europa oder Hapag Lloyd zu überzeugen.
Condor ging ja noch, ist ja schließlich auch heute noch Lufthansa-Tochter, also vom Mutterhaus aus schon solide und vertrauenswürdig.
Aber LTU, das war unsere NRW-Welt. Urlaub fing mit LTU in Düsseldorf an. Man stieg ein, bekam nach dem Start einen Sekt spendiert, es gab ein richtiges Frühstück oder ein richtiges Mittagessen. Kaffee und Getränke mehrmals während der Reise. Für Kinder gab es Malbücher inklusive Stiften und auch mal ein aufblasbares Flugzeug. Eine gute Idee, denn schließlich schwammen die dann im Mittelmeer für die LTU Werbung.
Mein allererster Flug, nach Recife in Brasilien, ging mit LTU, und man bekam ständig Essen und Getränke, eine Schlafmaske für den Nachtflug und witzige Pantoffeln für die Gemütlichkeit.
Kissen und Decken - na klar. Auch das war vorrätig.
Auf vielen Fernstrecken durfte man zwei Gepäckstücke à 32 kg mitnehmen, das Bodenpersonal war so kulant und ließ zwei Koffer zusammen wiegen. Hatte der eine mehr, der andere weniger, war es absolut in Ordnung. Heute habe ich schon Menschen am Flughafen mit offenen Koffern gesehen, die ihre Klamotten umpacken mussten, damit beide Koffer nicht über 20 kg bzw. 15 kg haben.
Das ist alles etwas kleinkariert.
Bei Übergepäck wurden ziemlich viele Augen zugedrückt, und man wurde freundlich gefragt, wo man denn wohl sitzen möchte: Fenster, Gang, Mitte. Familien und Paare, wenn sie nicht gerade kurz vor Toresschluß am Schalter ankamen, hatten keine Sorge, zusammensitzen zu können.
Heute platzieren die Fluggesellschaften die Gäste knallhart getrennt wenn sie nicht schon vorher, am besten natürlich gegen Aufpreis, Plätze reserviert oder online eingecheckt haben.

Gebucht wurde damals bei Veranstaltern wie Transair, Tjaereborg, Touropa, Sharnow, Hummel, Air Marin, Fischer Reisen oder Jet Reisen.
Gibt´s alle so nicht mehr. Nun gut, das passiert in jeder Branche. Firmen kommen und gehen.
Aber es waren tolle Reiseveranstalter, bei denen kompetente Menschen saßen, die ihre Programme haargenau kannten.
Wie sehr vermisse ich das rollende "R" in der Stimme der netten Jahn-Reisen-Mitarbeiter aus München: "Jahn Rrrrreisen, grrrrüß Gott". 
Transair, das war für mich eines der besten Preis-/Leistungsverhältnisse der schillernden Urlaubswelt. 
Bei Jet Reisen gab es tolle Fernreisen, Air Marin hatte ein mega USA-Programm, wo eigentlich alles an Kombinationen möglich war.

Kataloge gab es zweimal im Jahr. Wir wurden quasi zugeschüttet mit Tonnen von Papier. Ja, das ist nicht umweltfreundlich, aber die Nachfrage an gedrucktem Material war auch überirdisch, denn es gab kein Internet mit Bildmaterial.
Wenn im Dezember die Sommerkataloge kamen, konnten wir die Massen gar nicht so schnell auspacken wie unsere Kunden sie haben wollten.
Man hatte verlässliche Preislisten, die stabil waren, ob ich früher oder später buchte. Die einzige Gefahr, die lauerte, war, daß das Wunschhotel ausgebucht war.

Die Kunden kamen mit Katalogen ins Büro, die mit Spickzettelchen übersäht waren. Für den Fall, daß ein Hotel ausgebucht war, gab es gleich den Alternativwunsch Nr. 2,3 oder 4.

Dann merkten die Veranstalter, daß sie oftmals zu viele Kapazitäten eingekauft hatten, die man nicht los wurde, und so erfand man "LAST MINUTE".  Der Kunde wurde regelrecht darauf getrimmt, erhoffte er sich doch von nun an immer und für jedes Wunschhotel einen billigeren Preis.
Abwarten, ob das Hotel nicht noch günstiger wurde, war an der Tagesordnung. Ein nicht sehr einfaches Los für den Reiseverkäufer, zumal ein Last-Minute-Schnäppchen natürlich große Flexibilität vom Urlaubshungrigen verlangte - was bei weitem auf die wenigsten zutraf.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir Angebot um Angebot vorstellten, der Preis dem Kunden nicht gefiel und er daraufhin fragte: "Und wenn Sie nochmal bei Last Minute gucken?"
Als wäre das ein extra Veranstalter für Schnäppchen. Das englische Wort, das lediglich "auf die letzte Minute" bedeutete, wurde nicht so ganz richtig interpretiert.
Heute schulen die Reiseveranstalter die Kunden wieder um, oder versuchen es zumindest, denn wer spät bucht, tut seinem Portmonnaie meistens richtig weh.

In den 90ern blieb man noch 3 oder 4 Wochen im Urlaub. Das brachte echte Erholung. Bis heute hat sich die durchschnittliche Urlaubszeit der Menschen auf 8-12 Tage heruntergeschraubt, erwiesenermaßen zu kurz, um tatsächlich Entspannung zu spüren.

Wir sortierten und verglichen Preise, damit der Gast auch den günstigsten Anbieter bekam. Das ist auch heute noch so, doch arbeiten wir längst mit Preisvergleichssystemen, sogenannten Buchungsmaschinen im Internet.

Internet, das gab es auch nicht. Wie man gebucht hat? TELEFON!!! Der Klassiker: Anrufen, Plätze abfragen, nicht frei, auflegen. In dem Moment fiel dem Gast eine Alternative ein. Anrufen, Plätze abfragen, ja, geht, auflegen, mit dem Kunden durchsprechen, er will, ok, wieder anrufen, jetzt Platz leider weg, auflegen, Alternativen anhören und das Ganze von vorn.
Das ist heute natürlich viel einfacher. Wenn nur die Preise sich nicht im Minutentakt nach oben schrauben würden und man den Eindruck gewinnt, die machen das extra.

Irgendwann bekam ich das erste BTX-Gerät (Bildschirmtext). Ein komischer Kasten, so eine Art Telefon-/Bildschirm-Mix, ein beigefarbener Klotz mit Minibildschirm und Hörer oben drauf, auf dem man sich erst umständlich in eine eigentlich noch unheimliche Welt einwählen musste. Es piepste, wenn man eine Verbindung hatte.
Ich erinnere mich noch genau, daß ein Aufrufen des Internets mit enormen Kosten verbunden sein konnte. Flatrates kannte man nicht.
Somit hatte ich natürlich entsprechende Panik beim ersten Herstellen einer Leitung und dachte wahrscheinlich, daß meine Telefonrechnung mich gleich in die Pleite reiten würde, wenn ich nur einmal zu lange die BTX-Verbindung halten würde.
Der Bildschirm war sehr klein und schwarz-weiß. Heute, auf eine Lesebrille angewiesen, würde ich überhaupt nichts mehr darauf erkennen.
Nach der Kundenberatung wurde dann dieser Kasten in Nullkommanix wieder abgeschaltet. Man weiß ja nie, wie die Kosten explodieren, wenn man sich nicht sofort wieder abkabelt.

Dann war der Traumurlaub gebucht und die Reiseunterlagen kamen ins Büro. Manchmal gab es einen Reiseführer dazu, zumindest aber ein kleines Infoheft mit Tips zu Ausflügen vor Ort, einer kleinen Übersichtskarte des Urlaubslandes, sowie wichtige Hinweise über Wochenmärkte, Essen, Trinken, etc.
Flugtickets gab es noch so richtig zum anfassen und rausreißen durch das Bodenpersonal. 
Im heutigen Onlinezeitalter braucht man allerdings wirklich keine Coupons mehr als Abrechnungsmittel. 
Nur wollen uns einige Reiseveranstalter weismachen, der Kunde wünsche das so. Schliesslich hätte das eine Umfrage eindeutig ergeben. 
Nun, meine Kunden hat man hier nicht gefragt und die von vielen Kollegen, wo man auch hin hört, auch nicht. 
Wo sitzen also all die Fans solcher nichtssagenden billigen Zettel?
Die Reiseunterlagen sind langweilig und einfältig geworden. Man reist mit einem DIN-A-4-Blatt, bei dem nicht soviel Reisefieber aufkommt wie bei den damaligen bunten Heften oder Dokumentenmappen. Von Kofferanhängern gar nicht zu reden. Gibt´s so gut wie nicht mehr.

Der Vorteil, kein Flugticket mehr zum Herausreißen zu haben, ist jedoch der, daß bei Verlust ein solches Dokument heute einfach nochmal ausgedruckt werden kann.
Ich erinnere mich noch an verzweifelte Kunden, denen ihr Flugticket aus unerklärlichen Gründen hinter die Wohnzimmerschrankwand gefallen war, womit sich eigentlich die Teilnahme an der Flugreise erledigt hatte, es sei denn, man forderte ein neues Ticket an und zahlte eine Gebühr dafür.
Flugticket weg brachte einen in echte Not.

Im Hotel angekommen, freute man sich auf Sonne, Strand und Meer ..... und Frühstück oder Halbpension.
All inclusive gab es nicht, und ich hätte mir niemals träumen lassen, daß das einmal ein solcher Renner würde, an dem niemand vorbei kommt. Ob man es nun gut findet oder nicht - Europa und auch etliche Länder der restlichen Welt schwimmen auf der Welle, die Gäste rundum zu verpflegen. 
Ein Konzept, das gedacht war, um dem Gast einen festen Reisepreis zu bieten und ihn seine Nebenkosten besser einschätzen zu lassen, hat sich dazu entwickelt, daß viele Gäste ihre Hotelanlage nicht mehr verlassen, um einmal ein örtliches Restaurant zu besuchen und einheimisch zu essen.
Sehr zum Leidwesen der örtlichen Gastronomie, die dadurch vielfach kaputt geht, wie schade.
Bei Reisezielen, in denen die Infrastruktur nicht so ist, daß man Restaurants in der Umgebung hat, bietet sich All Inclusive sinnvoll an, aber alle anderen, die ein tolles Umfeld haben, springen auf den gleichen Zug auf.

Menorca nannten wir die "Pampers-Insel", weil sie überaus begehrt bei Familien mit kleinen Kindern war und enorm viele Appartmentanlagen hatte, in denen sich die Familien selbst verpflegten.
Heute hat die Mehrheit dieser Anlagen auf All Inclusive umgesattelt.
Auf Mallorca, besonders am berühmt-berüchtigten Ballermann, waren doch die meisten Gäste so lange feiern, daß sie noch nicht einmal das Frühstück mitbekamen. Es wurde Halbpension gebucht und davon meist nur das Abendessen in Anspruch genommen. 
Auch hier wird heute viel All Inclusive gebucht. Der Sinn erschließt sich mir nicht, wenn man doch eigentlich gern ausgehen und feiern möchte.
Selbst im  beliebten Thailand, wo man wirklich überall gut und günstig essen gehen kann, wird heute nach All Inclusive gefragt.

Die Welt dreht sich in Windeseile, die Kunden entdecken das Internet für sich und begeben sich selbst auf die Online-Reisesuche. Und buchen Ziele, die nicht zu ihnen passen, landen an Flughäfen, wo sie gar nicht hin wollen und buchen Ferienhäuser, die es gar nicht gibt.
Berühmt berüchtigt ist der Fluggast, der sich nach KEF einbuchte, weil er meinte, das wäre das griechische Kefalonia. In Wirklichkeit ist es Keflavik in Island!
Wir reden uns den Mund fusselig, daß die Pauschalreise von alltours oder TUI bei uns nicht mehr kostet als im Internet. Beratung und Hilfestellung gibt´s sogar gratis dazu. Ok, bei uns kann man nicht in der Nacht um 1:35 h buchen. Aber muß man das???
 
Man vertraut den Bewertungen von Menschen, die jeden Unsinn ins Netz stellen, bucht kein Hotel mehr, daß nur 65 Prozent Weiterempfehlungsrate hat, obwohl dies doch immerhin eine ordentliche Mehrheit ist.

Doch erfreulich viele junge Menschen wenden sich bei der Urlaubssuche an uns Reisebüros. Gerade die, von denen man glaubt, sie seien die Generation, denen das Handy an der Backe angewachsen ist, haben keine Lust, bei der Reisesuche im Internet Tage zu verbringen, um dann total verwirrt doch nicht weiter zu kommen.
Ihnen ist die freie Zeit mit Freunden und Familie wichtiger, und so vertrauen sie uns ihre Urlaubsplanung an. Natürlich gefällt mir diese Entwicklung sehr, und ich mag es, junge Leute zu beraten.
Im Gegensatz zu den 90er Jahren möchten anscheinend alle Urlaubssuchenden auf keinen Fall ein Hotel mit weniger als 4-Sternen, so daß ich der Welt vorschlage, ihre sämtlichen 3-Sterne-Hotels abzureißen.

Alles in Allem ist man jedoch gelassener geworden was die Weltsicherheitslage anbetrifft.
Gab es in den 90er Jahren irgendwo in der Türkei ein kleines Erdbeben, stornierten sofort alle. Gab es gar einen Anschlag irgendwo, wurde sofort auf ein anderes Reiseziel umgebucht.
Gab es kriegerische Auseinandersetzungen 1000 km von der Türkei entfernt, flog man nicht mehr in die Türkei, wo doch der Krisenherd "Balkan" auch nicht weiter von uns entfernt war und wir demnach besser alle hätten auswandern müssen.
Aber Angst regierte die Entscheidungen enorm, und wahrscheinlich konnte ich mich damals auch selbst nicht davon ausnehmen.
Heute weiß man, es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Selbst in der eigenen Stadt nicht.
Also wird munter die Welt erkundet, außergewöhnlicher als in den 90ern und wesentlich gelassener.
Wer will sich auch das Reisen verbieten oder vermiesen lassen?
Der Urlaub ist und bleibt eben eine der schönsten Zeiten des Jahres.

 



Mittwoch, 1. November 2017

Feiertag in Frankreich - inklusive verhungern

Nîmes! Provence! Ich bin dort. Angekommen mit der rasant schnellen TGV-Verbindung ab Paris.

Ein schönes Aparthotel in zentraler Lage, eine kleine Rundfahrt mit dem „petit train“, unterwegs abgesprungen bei der Arena, weil der Zugführer an jeder Ecke jemanden kannte, den er begrüssen musste und mir das dann alles zu lange dauerte. Schliesslich kenne ich Nîmes, war mehrfach dort.
Und meine Mitarbeiterin musste halt mit abspringen. Den Rest der Rundfahrt erkläre ich ihr selbst - vielleicht. 

Meine Idee: Jetzt schon was essen gehen, um mir dann noch die Kalorien abzulaufen und nicht mit zu schwerem Bauch ins Bett zu gehen. Nach dem Essen dann noch schnell in den Supermarkt, was zum Frühstück kaufen, denn ich habe ein Appartment mit kleiner Küche und könnte noch im Schlafanzug frühstücken! Was für schöne Pläne!

Am Maison Carrée fangen wir an, ein passendes Lokal auszugucken. Ein schönes Café ist voller Menschen, sie sitzen alle draußen, es hat ja schließlich noch angenehme 
20 Grad.
Aber es gibt nur Waffeln und Crêpes, mir jedoch steht der Sinn nach „salade chêvre chaud“. Der muss bei jeder Frankreichreise mindestens einmal sein. Salat mit warmem Ziegenkäse und Toast. Am schönsten ist er für mich wenn er noch mit diesen schmalen Böhnchen garniert ist, die so lang sind, dass sie vom Teller herunter hängen. 
Je mehr ich daran denke, desto kompromissloser in puncto Essensauswahl werde ich. 
Aber kein anderes Lokal als das Waffelcafé hat geöffnet. Die Stadt ist wie ausgestorben.

Es ist Feiertag, Allerheiligen, auch in Frankreich. Die Geschäfte sind zu, das ist klar. 
Aber an Feiertagen geht man doch aus essen, und in Frankreich mehr noch als bei uns!!!
Stimmt, aber doch nicht um 17 Uhr!!!
Das Restaurant des Hotels „Royal“ sieht geöffnet aus, also die Karte  studiert und für ok befunden, den Salat habe ich schon abgeschrieben, was zu Gunsten von Tapas nicht ganz so schwer fällt.
Völlig entrüstet ist die Kellnerin als ich nach „manger“ (essen) frage. Essen? Jetzt? Mais NON!  Erst um 18 Uhr!  Willkommen in Frankreich. Als ob mir das neu wäre. 
Ich kann froh sein, dass es nicht ab 20 Uhr ist. 

Dann gibt es halt einen Aperitif, um noch eine Stunde zu überbrücken. Meine Gedanken kreisen um einen herrlichen „Kir“, den ich mal in Saint Malo hatte, dargeboten mit einer recht üppigen Platte voller leckerer Snacks. Damit würde man  sich bis zum Abendessen retten können. 
Doch nichts dergleichen in diesem Café. Schnödes schmales Glas mit viel zu wenig Cassis für meinen Geschmack. 

Es dämmert langsam, der römische Tempel wird angestrahlt, Atmosphäre beginnt sich zu entwickeln. 
Es ist 17:50 h. Auf zum auserwählten Lokal. 

Ist das nicht schön? So eine lauschige Stimmung. Heizstrahler unter den Schirmen, tolle Beleuchtung, und wir um Punkt 18 Uhr mit Magen auf halb acht am Tisch. 
„Essen? Mais NON! Erst ab 19 Uhr!“ Geöffnet ist zwar, aber    die Küche noch nicht. 
Also wieder was trinken. Es fühlt sich an wie Sommer, ich bin im Süden, die spanische Grenze ist nicht weit, und es steht Sangria auf der Karte. 

„Madame, zwei Gläser?“ Mais NON! Bitte schön, sehen wir aus als wollten wir zwei Gläser? Es ist Hunger zu überbrücken, also her mit dem ganzen Liter, auch wenn es eine der falschen Entscheidungen meines Lebens werden könnte nach einem Tag ohne Mittagessen und lediglich fünf Gummibärchen im Magen. 
Der Countdown läuft. Um 17:30 h werfe ich schon mal einen Blick auf die Karte. War da nicht vorhin mehr drauf? Oder anderes? Alles sehr fleischlastig für einen Vegetarier und einen „Einzig-bei-Burger-werde-ich-schwach-Vegetarier. 
Doch schliesslich fällt die Entscheidung zugunsten eines Camembert-Fondues und eines French Burgers. 

Die Gefahr des Hungertodes ist gebannt. Noch ein bisschen Brot mit Aioli, ein Schälchen Gambas, und die Welt ist wieder schön. 
Sogar Gürkchen gibt es dazu! Ein heimisches Gefühl wie in unserem  Reisebus kommt auf, wo zu keinem Imbiss Gürkchen fehlen dürfen. Ohne die obligatorischen Gürkchen keine echte Quiatek-Reise!!!
Die Auswirkungen der Sangria spüle ich mit einem Liter Mineralwasser weg, und kurz vorm Platzen geht es zurück zum Hotel. 
Den Einkauf fürs Frühstück kann man wohl um kurz vor 21 Uhr an einem Feiertag vergessen. Doch auf die französischen Supermärkte ist Verlass. Carrefour lässt mich nicht im Stich, das Frühstück ist gerettet. Ob des üppigen Abendessens besinne ich mich auf gesunden Joghurt mit Müsli und beende diesen Abend glückselig und mit einem letzten Foto einer leuchtenden provenzalischen Stadt. 






Paris - ohne Reisebus - ohne Chauffeur

Ich mach’s nochmal! Nach Paris mit dem Zug, obwohl ich mittlerweile weiß, wieviel umständlicher das ist im Vergleich zu unseren bequemen Busreisen mit Chauffeur, aussteigen direkt am Hotel, kein grossses Koffergeschleppe durch die Métro-Untergründe und  mit gemütlicher Atmosphäre an Bord. 
Die Verbindung ab Dortmund mit dem Thalys ist natürlich zeitlich kaum zu toppen, das ist ein Vorteil. 
In knapp 5 Stunden ist man am Nordbahnhof. 

Bequem ist es auch, und die Beinfreiheit gut. Ich habe mir die erste Klasse gegönnt, wobei „gönnen“ es in diesem Falle nicht ganz trifft, denn die erste Klasse hatte zu meinem Buchungszeitpunkt kaum einen höheren Preis als die zweite.  
Man sollte also bei der Suche wirklich auch die Preise zwischen erster und zweiter Klasse genau vergleichen.

Ein Zugbegleiter (ein äusserst smarter noch dazu) bietet Kaffee und Croissants an, und ich würde ihm alles abkaufen, habe aber im Moment weder Durst noch Hunger. Er sagt, er kommt kurz vor Brüssel nochmal vorbei. Hoffentlich sind wir bald in Brüssel und hoffentlich habe ich dann Durst!
Als ich dann mein Portemonnaie zücken will, ereilt mich die freudige Botschaft, dass ein gewisses Maß an Verpflegung in der ersten Klasse gratis ist. 
Eine angenehme Überraschung, kenne ich doch ansonsten die leicht astronomischen Preise für Snacks und nicht wirklich guten Kaffee in unseren DB-Zügen. 

Die Zeit vergeht wie um Fluge, ich zocke die ganze Zeit so ein verdammtes „Klötzchenspiel“ am Handy, eines mit Suchtpotential. 
Eigentlich wollte ich schlafen nach einer schlechten Nacht vor der Reise. 

In Brüssel offeriert der Zugbegleiter nochmal Mineralwasser oder Saft. 
Gern, merci beaucoup. 
Die Durchsage, dass wir bald in Paris sind, erfolgt mit überaus  charmantem französischen Akzent in der deutschen und englischen Version: „Ladiiies and Schäntlemän — meine Damend un Erren.“
Dann ist das Ziel erreicht. 

Und jetzt beginnt es ungemütlich zu werden. 
Per überfülltem Linienbus und Sucherei nach der Bushaltestelle für die richtige Linie, per Métro, mit x-mal umsteigen (auch überfüllt) und dann auch noch mit Gepäck zu Fuß weiter zum Hotel.
Die Pariser Métro ist preisverdächtig in puncto „Wie mache ich es Reisenden mit Gepäck besonders schwer?“ Gar nicht zu denken an Menschen mit Handicap. 
Treppe rauf, Treppe runter, Gepäck vor mir von der Klapptür einklemmen lassen oder lieber hinter mir? 
Jemanden zur Befreiung um Hilfe rufen?
Es nervt. Aber ich habe es so gewollt, und ausserdem ist dies kein lässiger Urlaub, sondern ein Informationstrip, auf der ich meiner Mitarbeiterin ein Stück Frankreich zeigen will. 
Da eignet sich halt auch keine organisierte Busreise. 
Also: Augen zu, Koffer schleppen und durch!



Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...