Sonntag, 2. Dezember 2018

Von drauß‘ vom Elsass komm‘ ich her

Ich muss Euch sagen, es weihnachtet dort viel mehr.... als sonstwo.
Im Elsass war ich mehrere Male zur Adventszeit, aber dieses Mal hat mich der ganze wunderbare Weihnachtsschmuck förmlich angesprungen, mir die Augen erleuchtet und den Kopf verdreht.
Zugegeben, in den meisten Orten stapeln sich die Besucher, und wenn man seit fast 30 Jahren regelmässig im Jahr zwei Adventsfahrten anbietet, dann hat man irgendwann die Weihnachtsmärkte einfach satt. Doch hier hat mich das dieses Mal nicht wirklich sehr gestört, denn meine Augen waren viel mehr mit nach oben an die Hausfassaden gucken beschäftigt als sich auf das Geschiebe vor mir zu konzentrieren und sich darüber zu ärgern.
Fast  jedes Haus hat festlich geflaggt und alles aufgefahren was die Dekorationskunst hergibt.
Dabei gibt es auffallend viele weiße Plüschteddies und -eisbären. 
Das ist mir schon bei früheren Besuchen aufgefallen, und ich frage mich auch dieses Mal wieder, ob die Elsässer ein besonderes Verhältnis zu Bären haben. Ist doch eigentlich der Storch das tierische Wahrzeichen der Region. 
Auch der ist natürlich überall zu finden, wird allerdings gnadenlos in allen möglichen Läden verkauft, anstatt wie die Bärchen in Ruhe von Fenstern auf die Weihnachtsmärkte herabschauen zu dürfen. 
Derer gibt es in Colmar gleich mehrere, und das war mir heute besonders wichtig, weil ich dringend eine Haarbürste brauchte und voll auf das reichhaltige Sortiment gesetzt hatte.
Wenn ich eines meiner überlebenswichtigsten Utensilien zu Hause vergesse, es dann auch noch Sonntag ist, alle Geschäfte geschlossen haben und man sich auch noch in Frankreich befindet, wo ich mich sowieso immer frage, wie die Bewohner ohne drei Drogeriemärkte, einen Aldi, einen Lidl und mindestens eine Tanke um die Ecke überleben können, dann ist bei mir Weltuntergangsstimmung.
Mit einer Frisur auf dem Kopf, die an eine Stroh-Explosion erinnert, schleiche ich durch Colmar und bin froh, daß mich da keiner kennt.
Na ja, meine 40 Reisegäste schon, aber da muß ich nun durch. Durch muß ich vor allem durch die gut gemeinten Ratschläge, wie „Zur Not könnte ich doch die Klobürste nehmen“.
Hauptsache, man dekoriert mich nicht als Rauschgoldengel an irgend einer Hauswand.

Aus der vorweihnachtlichen Dekorationsidylle werde ich herausgerissen, weil eine meiner Kundinnen beklaut wurde. Ist lange nicht vorgekommen, aber hier in Colmar, in einer engen, vollgestopften Gasse hat es mal wieder jemanden erwischt. Rucksack auf dem Rücken und weg sind die Dokumente!
Ich trage meinen Rucksack auch auf dem Rücken, aber Geld und Ausweise quasi in die Unterwäsche eingewebt, würde ich mich tatsächlich mal freuen, wenn ein Dieb mir eine Wasserflasche und Bonbons klaut und ein paar Taschentücher erbeutet.
Obwohl, um meinen Lippenstift wäre es dann doch schade!
Spaß beiseite, so etwas kann jeden treffen, denn die Tricks der Diebesbanden sind nunmal immer wieder erstaunlich, und man wundert sich, warum man einfach nichts bemerkt hat.
Es wird allmählich dunkel. Jetzt gibt Colmar alles! 
Häuser werden angestrahlt, mit Licht ein Adventskalender auf die Fassasden projiziert, wobei sich tatsächlich Törchen zu öffnen scheinen.
An anderen Gebäuden wiederum scheint es herabzuschneien. Welche Freude bei frühlingshaften Temperaturen von 14 Grad Anfang Dezember!

Ich mag gar nicht an Glühwein denken, aber es ist nunmal Advent und „vin chaud“ gibt es an jedem dritten Stand. Da kann man gar nicht anders als einen kaufen. Der weisse ist mein Hit der Saison. Einfach köstlich, und so ein Extra-Schweissausbruch ist doch auch wurscht, denn meine Haare sind ja eh schon hin.
Ein wenig weinselig trotte ich zurück zum Bus, ergattere unterwegs noch ein halbes Kilo Früchtekuchen, den ich am Abend  ausgeben will, denn es ist Busparty angesagt. 
Am Museum „Unterlinden“ schneit es auch, so gaukeln es mir die Lichtreflexe jedenfalls vor. Meine Gruppe wartet am Treffpunkt. Alle happy und mit einer gehörigen Portion vorweihnachtlicher Stimmung (sowie auch Glühwein) angefüllt.
Morgen ist Vogesenrundfahrt angesagt. Aussichtspunkte einsammeln, Munsterkäse schnüffeln und zum Schluß das große Flammkuchenfuttern.

Freitag, 28. September 2018

Bei Braveheart um die Ecke

An schwer historischer Stätte wohnen konnte ich auf meiner letzten Schottlandreise. Standort war Stirling. 
Der Schotte spricht das unglaublich schön aus, mit einem Fast-„Sch“am Anfang, einem rollenden „R“ in der Mitte und einem leicht geschnalzten „L“ zum Ende hin. 
Klingt kompliziert? Ist es auch. 
Genauso kompliziert wird es, wenn einen der Highlandbewohner fragt, ob man „Fesh“ mag. 
Was meint er denn jetzt? Klar, ich mag eigentlich ganz gern fesche Leute, aber darum geht es gar nicht. Er will wissen, ob ich gern Fisch esse. Ach so, ja, das auch. 
Und nach dieser kleinen Lektion sagen wir dann alle mal zusammen das schöne Wort „WORLD“ (schade, dass es keine Hörprobe geben kann). Einfach das „R“ eine Viertelminute lang rollen, dann klingt es richtig. 

Wie komme ich jetzt aus der Nummer wieder raus und hin zu Braveheart, besser bekamnt als William Wallace? 
Denn um den geht es überall in und um Stirling. 
Glücklicherweise fällt mir gerade ein, daß ich in meinem Post über die Vorankündigung dieser Reise schon ausreichend über ihn berichtet habe.
Also Glück gehabt, das ganze Schlachtengetümmel bleibt in diesem Bericht aus. Ist auch wesentlich schöner, sonst wäre mein ganzes Geschnatter viel zu blutig.
Stirling selbst ist bei allem historisch wertvollen Umland eine sehenswerte Kleinstadt. Natürlich stehen an jeder Ecke irgendwelche „Memorials“ wie in vielen schottischen Städten. Da ist die Statue des Highlanders, der nicht nur in den englisch-schottischen Schlachten, sondern auch in den Weltkriegen gekämpft hat. Da finden sich Gedenksteine für Helden und Könige, aber bitte möglichst schottische, und eine Reiterstatue von König Robert the Bruce, auf der gerade eine Möwe rastet - und wahrscheinlich nicht nur einfach das....
Die Lage der Stadt ist fantastisch, umringt von Bergen mit wundervoller Aussicht vom Burgberg aus, wenn es nicht gerade regenverhangen ist. Doch ich habe Glück, der Himmel ist zwar nicht blau, aber die Fernsicht ganz passabel. Man schaut hinüber bis zum Wallace-Denkmal und kann es gut erkennen. 
Hat man seine Geschichte gelesen, schaut man auch als Nicht-Schotte ein wenig ehrfürchtig über das Tal, hinunter zur legendären Brücke und auf das ehemalige Schlachtfeld.
Es ist einfach diese Mystik der Highlands, die den passenden Rahmen zum ehrfürchtig sein schafft. Man kann gar nicht anders. Wenn ich jetzt noch darüber sinne, was sich die Clanfamilien damals alles angetan haben...... Das, zusammen mit der Berg- und Traumtalkulisse lässt ein Tränchen der Rührung fließen.
Kürzlich habe ich gelesen, daß ein schottischer Veranstalter auch Friedhofstouren als Themenreise anbietet. Schockschwere Not, dachte ich zuerst, aber mit ein wenig Nachdenken finde ich das richtig gut. Auch ich habe eine abendlichen Spaziergang zum Friedhof von Stirling gemacht, der oben auf dem Burgberg  thront und absolut sehenswert ist.
Kaum zu glauben, wie alt einige Gräber sind!
Das älteste ist von 1579 und damit über 400 Jahre alt. In jenem Jahr, und das finde ich aus heutiger Sicht wirklich witzig, erklärt James VI, König von Schottland, daß er nun, da 11 Jahre alt, nicht mehr minderjährig ist und ab sofort in eigenem Namen regieren wird.
Ich mag mir gar nicht ausmalen, wenn meine 11-jährige Nichte sich jetzt für volljährig erklären und Deutschland regieren würde. Und dabei sind Mädchen den Jungs doch üblicherweise entwicklungstechnisch sogar noch ein wenig voraus. Und dennoch ist der Gedanke, ich müsste ihr am Ende gar huldigen, schon grotesk.
Aber wir sind ja Gott sei Dank 400 Jahre weit weg von sowas.

Ich merke, ich verschnattere mich in diesem Bericht schon wieder ganz heftig. Dabei wollte ich doch noch rasch über ein paar Schönheiten Stirlings plaudern, und das sind die Häuser selbst.
Schottlands Gebäude strotzen nur so vor Granit - naturbelassen, von Blumen umrankt oder weiß getüncht. Letzteres führt dann tatsächlich dazu, daß das „Weiße Haus“ in Stirling steht.  
Last, but not least, sind es oft auch Legenden und Geister, die einer Stadt Besonderes einhauchen. Die Burg von Stirling kann selbstverständlich mit einem ordentlich spukenden Geist aufwarten, und am ehemaligen Almosenhaus steht in einer Nische des Turms die Statue des Wohltäters John Cowane, die in der Silvesternacht nicht still stehen kann, heruntersteigt und tanzt. 
In Stirling ist also alles perfekt. Nationalheld ganz in der Nähe, tolle Häuser, ein geschichtsträchtiger Fluß mit alter Brücke, Legenden und Geister, alle passend zu Stelle.
Aye. Ja, so sagt der Schotte „ja“, das ist schon eine Reise wert.

Und deswegen geht es auch nächstes Jahr im August wieder hin.












Mein „Pen“ ist weg!

Ein „Pen“ ist das englische Wort für Stift. Und der ist jetzt weg. Nun hat man ja in einem Büro ganz sicher viele Stifte und findet schnell Ersatz. Aber um einen solchen Stift geht es gar nicht. 
Meiner Auszubildenden, also meinem Stift, so hiess das ja ganz altmodisch mal, gaben wir den Spitznamen „Pen“. 
Ich hoffe, man kann dem Wortspiel folgen. 
Und dieser „Pen“ ist jetzt weg - geht studieren, was ganz sicher eine gute Zukunft bedeutet, aber ich bin doch ein wenig traurig. 
Nun sind wir erstmal nur noch zu zweit im Reisebüro, statt zu dritt.  

5 Jahre war sie bei mir, eins vor und eins nach der Ausbildung. Ich durfte ihr ganz viel beibringen, was unglaublich viel Freude gemacht hat, und wir haben gleichermassen viel erlebt und auch Spass gehabt.
In 5 Jahren ist viel passiert. Glücklicherweise hauptsächlich Gutes. 
Wir haben Airlines kommen und pleite gehen sehen, so manche Neuerungen und Verordnungen verflucht und tolle Reisen ausgearbeitet. 
Meine kommende Gruppenreise in die englischen Cotswolds ist von ihr ausgearbeitet worden und wird Ende Oktober von mir mit Leben gefüllt. 

Ich wünsche ihr alles erdenklich Gute für die Zukunft und freue mich darauf, wenn der Stundenplan es erlaubt und die Semesterferien langweilig werden sollten, in ihr noch ab und zu eine Aushilfe zu haben. 

Willkommen heisse ich dann schon bald eine neue Auszubildende, für die sich vielleicht ein anderer schöner Spitzname finden wird. 
Der „Pen“ ist vergeben, denn „Pen“ bleibt „Pen“.

Liebe Lina - toi toi toi an der Uni. 

Samstag, 15. September 2018

Verwirrt-fasziniert-erschüttert: Mein Tag in Belfast

Mein Tag in Belfast beginnt mit einer Rundfahrt durch alle Teile der Stadt. Stadtführer Rainer beginnt sehr geschickt mit der  Geschichte
der „Troubles“, um die traurigen Kapitel abgehakt zu haben, bevor wir uns am Nachmittag dann mit schöneren Themen beschäftigen dürfen,
wie der Queens Universität, der Burg, dem Botanischen Garten und dem Titanic-Museum. Nun gut, das Kapitel ist auch traurig, aber das
Museum ist toll.
Ich war bereits zweimal in Belfast, aber es ist nicht viel hängen geblieben, außer den Eindrücken von der „Peace Wall“, der Friedensmauer.
Die verwirrte mich schon damals, und ich wusste was da auf mich zukommt, aber wenn man wieder einmal davor steht, dann kann man
einfach nicht begreifen, was da in den Köpfen der Menschen vorgegangen ist und noch vorgeht. Ich darf dazu einen Gedanken auf die Mauer kritzeln. 
Du meine Güte, ich habe mich noch nie auf einem Bauwerk verewigt.
Ich bin erschüttert, daß es wieder einmal die Religion ist, die aus manchen Menschen richtig Böses herausholt, oder besser gesagt, was
Menschen meinen, das ihre Religion von ihnen will.
Da müssen Katholiken vor Protestanten geschützt werden und umgekehrt. Das muß man erstmal sacken lassen. Ich muß mich vor meinem Nachbarn schützen, weil der katholisch ist und ich nicht - oder eben umgekehrt.
Da wird auf einer grünen Wiese ein Mensch erschossen, weil er vielleicht mit einem anderen Ritual seine Messe feiert als der nebenan.
Jemand kommt ihm zu Hilfe und wird dann auch erschossen! Wie kommt man denn nur an einen solchen Punkt in seinem Leben, daß man so handeln kann? Ich kann das alles nicht verstehen!
Kinder müssen geschützt zur Schule geleitet werden und man fühlt sich sicherer mit Mauer als ohne???
All diese Geschichten, die in ihrer drastischen Härte aber mittlerweile vorbei sind, kommen mir in den Sinn während ich diese Mauer ansehe.
Und noch weiter verwirrt mich, wenn unser Stadtführer sehr oft  darauf hinweist, ob wir gerade ein katholisches oder protestantisches Viertel durchfahren.
Die linke Seite so, die rechte so. Beim etwa fünften Wechsel verliere ich die  Orientierung. Wenn ich jetzt auf Wohnungssuche wäre, wüsste ich nicht, wohin mit mir.
In aller Verwirrung bin ich dennoch fasziniert, aber erschüttert-fasziniert, und kann den Blick gar nicht abwenden von den Häusern hinter den Mauern und Gittern. Meine Gedanken fahren Achterbahn. Was denken denn diese Leute in den Häusern? Haben die echt Angst vor dem „anderen“ Nachbarn, der auch gerade einfach ganz friedlich vor seinem Fernseher hockt? Kann doch nicht wahr sein!?

Nun wird es wirklich Zeit, sich etwas Schönerem zu widmen.
Belfast ist in meinen Augen, obwohl es nicht riesig ist, sehr weitläufig. Die sehenswerten Dinge stehen nicht alle um die Ecke, schön aneinander aufgereiht, sondern in alle Himmelsrichtungen versprengt.
Das Uni-Viertel im Süden, die Burg ganz im Norden, das Parlament im Osten.
Ein richtig schöner Wohlfühlort ist die Burg hoch über der Stadt.
Stimmungshebend steht passenderweise gerade ein Dudelsackspieler am Eingang. Ich fürchte jedoch, der war nicht wegen uns dort, sondern für ein Brautpaar. Es gibt aus diesem Anlaß auch noch jede Menge Kleider zu bestaunen, Hüte und „Fascinators“ - das sind diese kleinen Deckelchen oder gedreht-gezwirbelte Wunderwerke auf dem Damenhaupt, die eben nur andeutungsweise ein Hut sein sollen.
11 Katzen sollen im Schloßpark verteilt dekoriert sein, damit es auch in Zukunft für die Besitzer (Besucher auch?) Glück regnet.
Apropos Regen. Der ist heute so gut wie ausgeblieben, obwohl er uns versprochen wurde. Das irische Wetter hält halt auch nicht immer was es verspricht. Zum Glück! Aber da haben wir ja schon die Lösung. Die Katzen im Schloßpark müssen es gewesen sein. Es wirkt also doch auch für Besucher.
„Let´s paint everything green“ ist eigentlich das Motto am St. Patrick´s Day, dem Nationalfeiertag in Irland im März. Am Rathaus in Belfast scheint man das jeden Abend umzusetzen. Es glüht herrlich grün und überrascht uns angenehm schon beim ersten Abendspaziergang.
Auf der Stadtrundfahrt dann sehen wir uns das Ganze von innen an. Mit einem hilfreichen Tipp der erfahrenen Fotografin Margret gelingt mir eine schöne Aufnahme der Kuppel aus perfekter Position.
Die Belfaster Leistungen und Errungenschaften prangen auf Glasmalerei an einem der Fenster. Von der Landwirtschaft über Kunst und Musik bis hin zum Schiffbau ist alles verewigt.
Und was fällt einem ein, wenn man an Schiffbau in Belfast denkt? Das Bild oben verrät es doch schon: TITANIC. Der unsinkbare Luxusliner, der
1912 einem Eisberg zum Opfer gefallen ist, wurde hier erschaffen. Ein Museum dazu ist eine, wenn nicht sogar DIE Attraktion der Stadt. Ein Mitmach-Tempel, äußerlich im Gewand eines Eisbergs, verspricht und hält Erlebnis hautnah. In einer Art Gondel schwebt man durch die Werfthalle und beobachtet die harte Arbeit der Werksleute. Da erzählt einer, daß 54 Wochenstunden ihn beim Hämmern am Ende taub vom elend lauten Umfeld haben werden lassen.
Bemerkenswert ist die Kleidung der augenscheinlichen Befehls- und Auftraggeber: Man delegiert mitten zwischen dem arbeitenden Volk im Anzug mit Hut.
Die Kabinen von der ersten bis zur dritten Klasse kann man ansehen, und ich stelle fest, die zweite Klasse war besser als auf mancher heutigen Fähre.
Die Queens-Universität liegt mitten im Zentrum und hat Anschluß an den botanischen Garten. Was für ein Studentenleben! An dieser Stelle muß auch ich einmal, wie unser Stadtführer, darauf hinweisen, daß mit der „Queen“ die Königin Victoria gemeint ist, und der hat man in Belfast wirklich an jeder Ecke etwas gewidmet: Straßen, Brücken, Statuen, Stadtviertel u.v.m. und das, obwohl ihr Besuch in Belfast gerade einmal drei Stunden gedauert hat. Wir sind übrigens schon einen ganzen Tag da, und was passiert? Natürlich nichts. Wer setzt denn einmal einer deutschen Reisegruppe, die sich redlich müht, hier alles abzuhaken was anzusehen ist, ein Denkmal?
Wir belohnen uns schließlich selbst mit Fish&Chips bei „Fish City“. Fast stilecht wird zwar nicht in Zeitungspapier eingerollt, aber zumindest auf dem neuesten Tagesblatt kredenzt. Erbspüree, Tartarsauce und, wie in Britannien üblich, handgeschnittene Pommes. 
Es war ein sehr schöner Tag, auch wenn der Name des Bieres zum Abendessen etwas anderes vermuten lässt.















Mittwoch, 15. August 2018

Lass mal was Schönes machen....

Nachdem ich in den letzten Wochen viel gemeckert habe, vor allem über Fluggesellschaften, will ich jetzt mal das verbale Kriegsbeil begraben und mich etwas sehr Schönem, Fantastischen, Erlebnisreichen, überaus Positivem widmen:
ICH FAHRE NACH SCHOTTLAND! Endlich wieder. Am 12.9. geht es los, und ich nehme auch gleich noch ein bisschen Nordirland mit ins Programm, weil es ja einfach so nah da liegt, eben kurz mal über die irische See vom schottischen Westen nach Belfast.
So ein Wetterchen wünsche ich mir natürlich für meine Gäste, wohlwissend, daß es natürlich alle Wetter in Schottland geben kann. Meine Brieffreundin aus Fife schreibt mir entnervt, daß Schottland sogar 25 Grad in diesem Sommer hatte und sie dafür einfach nicht gemacht ist. Ich bin nicht für diese fast 40 Grad gemacht, die wir hier lange hatten, daher bin ich froh, im hohen Norden mal bei guter Luft wieder durchpusten zu können. 
Ab August fängt dort die Heide an zu blühen, das ist ein wunderbares Bild.

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft nebenbei auf Youtube ein Vido über die Geschichte der Highland-Clans, erzählt von Sean Connery. Ich liebe seine Stimme, und vor lauter Focus auf diese sonore Stimme muß ich immer wieder die Szenen zurückspielen, weil ich sonst nicht den ganzen Inhalt mitbekomme, den er erzählt.
Es ist auch als durch die Uni gestählte Anglistin für mich nicht so einfach, alles zu verstehen, denn natürlich legt Connery seinen ganzen schottsichen Akzent in den Bericht. Da rollt das "R", das "L" ist ein bisschen ausgeprägter ausgesprochen, ein "I" klingt eher wie "E", und das "S" zischt gewaltig.
"Firrrrscht" heißt es da, statt "First", und die Stadt, in der auch wir in Schottland mehrere Tage wohnen werden, heißt "Schtirrling". 

Eine Stadt, tief und fest mit der schottischen Geschichte verbunden, habe ich da also als Standort ausgewählt. In der Schlacht bei Stirling Bridge brachten die Schotten den Engländern eine vernichtende Niederlage bei, und das in Unterzahl. Das ist ein wenig über 700 Jahre her. Die Engländer dachten damals doch tatsächlich, die Highlander würden anständig warten, bis sie alle über die Brücke geritten und ordentlich zur Schlacht aufgestellt waren.
Weit gefehlt. William Wallace, der für mich natürlich aussieht wie Mel Gibson, der ihn im Film gespielt hat, griff einfach an, und die Engländer konnten so schnell nicht wieder über die schmale Brücke zurück. Was macht man, wenn man die Wahl hat, erstochen zu werden oder im Fluß zu ertrinken?
Aber ich will mich nicht in der Historie verzetteln. Es würde zuviel Leid und Tragik dabei herauskommen, denn wie jeder weiß, gaben die Engländer keine Ruhe und starteten immer und immer wieder Versuche, Schottland zu erobern.  Der möglicherweise extrem wütende englische König Edward I hatte sich nach der verlorenen Schlacht damas wohl gedacht "Wenn man nicht alles selbstr macht".... und ließ sich, krank wie er war, sogar auf einer Trage nach Norden bringen, um weitere Schlachten anzuführen. Man stelle sich das einmal vor. Kann man das als tapfer bezeichnen oder ist es einfach nur komisch?
Aber ich wollte mich ja nicht verzetteln und tue es doch schon wieder. Ich will mich ja freuen, denn es wird so viel Schönes zu sehen sein über 10 Tage.
Drei Nächte in Belfast, dazu schreibe ich noch separat, und vier Nächte in Stirling. Dabei möchte ich meine Gäste mit einem Ausflug an meinen Lieblingssee, Loch Tay, begeistern. Und wenn wir schon einmal dort sind, natürlich die Aberfeldy Whiskydistille besichtigen.
Ich erinnere mich noch, daß der damalige Erklär-Fachmann mir noch sagte, ich solle statt Aberfeldy lieber den ebenfalls hauseigenen Dewar´s kaufen, das wäre ein "Lady-Whisky". Als seltene Gelegenheitstrinkerin (uups!) kann ich bis heute nicht feststellen, warum ich Dewar´s trinken soll und mein Mann Aberfeldy.
Dieses Foto vom Loch Tay ist im Winter entstanden. Schnee wünsche ich mir also im September nicht, aber er hat tatsächlich auch seinen Reiz.

Dieses Mal werden wir nicht in den ganz hohen Norden kommen, dafür wird die Reise mit mehreren Nächten an einer Stelle auf jeden Fall entspannter. 
Wir besuchen Glasgow und fahren durch den Trossachs Nationalpark bis nach Inveraray. Dort steht das Stammschloß des Campbell-Clans, und über den weiß ich jetzt auch fast alles. 
Daher muß natürlich das Schloß auch besichtigt werden. Davon abgesehen ist auch der kleine Ort sehr nett. 
Also dann, lasst uns mal loszotteln - äh, loszuckeln. Es sind übrigens gerade wieder 2 Plätze frei geworden.








Mittwoch, 8. August 2018

Von Flugverspätungen und kaputten Koffern


Heute bin ich einfach genervt, oder korrekterweise muß ich sagen: Schon wieder genervt.
Für mich genervt und für meine Kunden gleich mit. Dabei lege ich Wert darauf, daß ich nicht VON meinen Kunden genervt bin (die sind alle lieb), sondern es nervt mich so einiges, was Fluggesellschaften ihnen vor den wohlverdienten Urlaubswochen manchmal antun.
Dabei gilt es nicht, auf eine bestimmte Gesellschaft zu schimpfen, sondern vielmehr einen Rundumschlag auszuteilen, denn in puncto Service tun sie sich manchmal einfach alle nichts.

Heute kommt eine Familie zu mir, um zu melden, daß sie erst einen Tag später in den Urlaub fliegen konnten. Sie saßen bereits gemütlich in der Condor (soweit man bei der Touristenklasse auf der Kurzstrecke von gemütlich reden kann), die nahm schon die erste Kurve in Düsseldorf und war quasi abflugbereit, als der Pilot dann doch umdrehte, weil angeblich die Klimaanlage defekt war.

Das kann vorkommen, und niemand möchte unkomfortabel, schwitzend und mit Luftmangel fliegen. Jeder Urlauber sollte Verständnis dafür haben, daß hier für Abhilfe gesorgt werden soll und muß.

Anstatt die Gäste jedoch dann auch nochmal an die Luft zu lassen, schmorten sie über fast 2 Stunden in diesem Flieger und sahen Techniker durch die Kabine kommen und gehen.
Eine Information, was los ist und was man gerade zu tun gedenkt, gab es nicht.
Das kenne ich nur selber allzu gut. Entweder weiß das Kabinenpersonal wirklich nicht was los ist, oder aber es ist eine besondere Taktik, die Gäste im Unwissen zu lassen. Aber wir sind ja hier nicht in einer Samstag-Abend-Familien-Quiz-Show mit heiterem Abflug-Raten.

Vor vielen Jahren hatte ich das selbst erlebt: In einer LTU sitzend auf Mallorca wartete ich auf den Start für den Rückflug nach Hause. Draußen tobte ein heftiger Sturm. So heftig, daß diese rot-weißen Hütchen alle durch die Gegend flogen und schließlich sogar solche Eisengitter, die man als Absperrung hier und da aufstellt, umfielen.
Es war natürlich eindeutig, daß wir aufgrund des Sturms nicht starten konnten. Man ließ uns in der Maschine warten, was alles noch verständlich war, brachte uns aber gegen Durst oder einfach zum Stillen der Langeweile auch nichts zu trinken.
Auf meine Frage an die Stewardess, warum wir nicht starten konnten (Vorsicht Falle!), antwortete diese, daß sie das auch nicht wüsste.
Ich sagte daraufhin: "Na ja, an dem Sturm da draußen wird es ja wohl nicht liegen?"

Mich hat das damals schon aufgeregt, daß offensichtliche Dinge einfach ignoriert werden, frei nach dem Motto: Der Kunde muß das einfach nicht wissen. Der kann doof bleiben.

Genau so ist man anscheinend jetzt auch mit meinen Kunden und all ihren Mitreisenden verfahren.
Kein Service während der Warterei und kein Wort der Erklärung. Ich bin der Meinung, daß man vieles besser akzeptiert, wenn man wenigstens vernünftig aufgeklärt wird. Ansonsten schürt solch ein Verhalten nur Groll und Ungeduld.
Schließlich stellte sich heraus, daß man an dem besagten Tage überhaupt nicht mehr starten konnte, entließ die Menschenmenge aus dem Flieger und verbrachte sie in ein Flughafenhotel.
Neuer Versuch am nächsten Tag.
Der Flieger wurde wieder vom Gepäck befreit, und das Verladepersonal muß anscheinend eine solche Wut darauf gehabt haben, daß es sich dermaßen an einigen Koffern ausgetobt hat, daß es große Schäden zur Folge hatte und einem Koffer meiner Kunden sogar gänzlich das Leben aushauchte.

Wie kann es jemand schaffen, auch beim Herauszerren eines Gepäckstückes einen solchen Riss zu verursachen? Ein anderer Koffer hatte ehemals 4 Rollen und nach der Aktion gar keine mehr.
Wie geht denn sowas?

Jetzt sitzen sie hier bei mir, um den Gepäckschaden zu melden und die Verspätung anzuzeigen. Letzeres  ist zwar für die Urlaubsfreuden nicht schön gewesen, lässt sich aber wahrscheinlich problemloser lösen als die Sache mit dem kaputten Koffer.

Clevere Kunden, wie ich sie nun mal habe, haben alles am Flughafen dokumentieren lassen und sogar von Condor eine Referenznummer bekommen.
Ich rufe bei der dort genannten Firma an, um den Schaden zur Regulierung anzustoßen, die Dame findet meine Gäste anhand der Referenznummer auch sofort, ist aber der Meinung, es wäre heute zu spät, den Schaden zu melden. Man hat sieben Tage Zeit dazu.
Man merke auf, daß der Schaden am 27.7, am Abreisetag entstanden ist. Dann hat die Familie erstmal 2 Wochen Urlaub gemacht und ist sofort danach zum Melden gekommen.
Wo ist denn da bitte die verpasste Frist? 
Man ist jedoch der Meinung, das hätte dann im Urlaub online geschehen können.
Dazu muß ich anmerken, daß meine Kunden zu denjenigen gehören, die tatsächlich ihre Zeit am Strand verbringen, ohne online zu sein. Sie sitzen nicht abends mit dem Handy beim Cocktail, um online ihren Gepäckschaden zu melden, sondern entspannen.

Kein Problem jedoch, versichert man mir. Ich müsse mir bei der Condor nur eine neue Autorisierungsnummer besorgen, dann läuft das auch noch nach der verpassten Frist.

Und jetzt geht es erstmal richtig los: Ich rufe eine dieser allseits unbeliebten Servicetelefonnummern an, die über meine Flatrate nicht inklusive sind.

Ein Mitarbeiter der Condor findet anhand der Referenznummer meine Kunden nicht.
Ich buchstabiere gefühlte acht Mal die Buchungsnummer und den Namen der Gäste. Die Referenznumer beginnt mit DUS (das steht für den Flug ab Düsseldorf) und geht weiter mit DE (das ist das Kürzel für die Condor).
Jeder, der schon mal ab Düsseldorf geflogen ist, kennt sicher das Kürzel DUS. Dem Mitarbeiter der Airline muß ich das mehrfach buchstabieren. Ich frage ihn, ob er weiß, daß die Flugnummern seines Brötchengebers alle mit DE beginnen, denn ich bin schon relativ ungehalten.
Er stellt mich mehrere Male in die Warteschleife, weil er irgendwo anders nachhört.
Überflüssig, das ganze Theater hier mit Worten zu beschreiben.
Ich hatte mir vorgenommen, nicht aufzugeben, doch blieb mir nichts anderes übrig, als nach etwa 45 Minuten aufzulegen, denn ich kam nicht weiter. Wie ein Automat wiederholte er immerzu, daß er die Buchung der Gäste nicht finden könnte.

Jetzt frage ich in die Runde, was ich mich Woche für Woche mehrfach im stillen Kämmerlein frage: Wie kann ich meinen Gästen helfen und guten Service bieten, wenn die Fluggesellschaften das nicht zulassen?
Das verhagelt mir manchmal die Laune, aber sowas von....

Ich versuche das Ganze über das Internet auf der Airline-Seite. Unter "Kontakt" finde ich jede Menge Rufnummern, aber man darf dreimal raten, bei welcher Abteilung keine dabei steht.....
Natürlich beim Kundendienst. Da steht nur eine Emailadresse, und die schreibe ich vor lauter Verzweiflung an, in dem Wissen, daß meine Kunden und ich jetzt wahrscheinlich wochenlang warten, bis eine Antwort kommt.

Sehr bitter hatte ich nämlich kürzlich schon wieder einmal die Erfahrung gemacht, daß hier auch nicht nach Dringlichkeit bearbeitet wird.
Für genau die hier erwähnten Kunden wollte ich gern einen Online-Check-in am Vortag machen, aber die Seite funktionierte nicht ordnungsgemäß. Nachdem ich Stunden mit Versuchen verbracht habe und ebenfalls aufgab, weil ich sonst meine Arbeit, mit der ich - beiläufig gesagt- eigentlich auch mal Geld verdienen möchte, gar nicht mehr geschafft hätte.
Nachdem die Gäste schon drei Tage unterwegs waren, kam eine Email-Antwort mit einer Entschuldigung, daß ich so lange warten musste.

Ein Entschuldigungsschreiben kam übrigens auch kürzlich von Eurowings, weil dort der Flugplan schon seit Monaten eigentlich nur noch Makulatur ist.
Ständige Änderungen, Flugstreichungen und -verlegungen waren an der Tagesordnung.
Und die Überbringer der bösen Botschaft sind dann immer wir Reisebüros, die aber nichts anderes tun können, als sich zusammen mit den Kunden aufregen und heulen.

Da wird eine fünfköpfige Familie mal eben informiert, daß ihr Flug nach Porto nun einen Tag früher geht. Das Ferienhaus ist aber einen Tag früher nicht frei, also müssen wir ein Hotelzimmer buchen. Die Mehrkosten dafür sind der Airline natürlich egal, ebenso auch, daß die Gäste ihren Mietwagen einen Tag mehr bezahlen müssen.
"Verbundene Reiseleistungen" heißt das von der EU neu kreierte Wort seit Anfang Juli.
Ein neuer Begriff für etwas, das aber nicht neu ist. Man  will nur jetzt, daß der Kunde noch viel deutlicher weiß, daß er beim Zusammenbauen verschiedener Leistungen aus verschiedenen Quellen überhaupt keine Rechte hat, wenn irgendwo was schief geht.

Aber zurück zum Entschuldigungsschreiben der Eurowings. Das ist wahrscheinlich entstanden, weil sich einige Reisebüros zusammen getan und der Eurowings angedroht haben, für jede weitere Bearbeitung der von Eurowings durcheinander gebrachten Buchungen ab sofort eine Rechnung von € 50,- an die Airline zu stellen. Guter Gedanke, aber wer glaubt denn wirklich, daß die Eurowings-Macher die auch tatsächlich bezahlen?....

Es ist so wahr: Wir machen in puncto Abwicklung schon so viele Dinge, die eigentlich immer die Fluggesellschaften selbst gemacht haben, und das zumeist ohne Aufpreis, weil wir unseren Kunden gegenüber sehr serviceorientiert sind.
Wir checken sie online ein, bekommen von der Airline nichts dafür. Wir sollen vorab für deren Essen an Bord werben und das vorher den Gästen zum Buchen anbieten.
Mache ich nicht. Aus Prinzip.
Da sitze ich unter Umständen nochmal eine halbe Stunde zur Speisenbesprechung mit meinem Kunden hier, die Airline kassiert eine meines Erachtens ungerechtfertigte Summe dafür, und ich mache das für deren Kasse einfach gratis?
Kommt mir nicht in die Tüte. Da motiviere ich lieber meine Gäste, sich einen Snack mitzunehmen, und alle stimmen mir hier zu.

Der Gipfel der Unverschämtheit ist für mich die TUIfly, die seit einiger Zeit € 5,- pro Person und Strecke verlangt, wenn man nicht online eingecheckt hat.
Aber man lässt sich natürlich nicht gern mit dem Billigflieger Ryanair vergleichen, der noch viel mehr dafür nimmt! Nein, TUIfly ist natürlich viel, viel besser. Dreimal heftig gelacht!

Ich habe letztens tatsächlich vergessen, Gäste dort vorab einzuchecken und habe aus lauter schlechtem Gewissen € 15,- nachträglich auf meine Kappe genommen. Dazu habe ich wirklich alles andere als Lust. Ich kann auch nicht immer an ALLES denken. 

Ich bin genervt und hoffe, das Wort SERVICE wird bald einmal wieder das sein, was Airlines darunter früher verstanden haben.

In diesem Sinne: Schöne Ferien!

Und ein P.S.: 
Bei allem Frust, den ich hier schiebe, vergesst nicht, daß ich sehr gern Urlaub buche und mein Team und ich auch nach wie vor alles für unsere Kunden geben.
Aber manchmal muß man sich Luft machen.









Donnerstag, 12. Juli 2018

Total Tolles Tallinn

Mein Favorit im Baltikum ist und bleibt Tallinn.
2005 hatte ich das auf meiner ersten Tour durch die baltischen Staaten so für mich entschieden, und 13 Jahre später sehe ich es immer noch genauso.
Kommt man von Helsinki aus über die Ostsee (die Esten bezeichnen sie übrigens als Westsee), ist der erste Anblick von Tallinn schon sehr reizvoll, sieht man doch eine wunderbare Silhouette aus Stadtmauer, Türmen und der Alexander-Newski-Kathedrale auf dem Stadthügel.
Als Fan von mittelalterlichen Bauten komme ich hier voll auf meine Kosten. Zunächst einmal ein Tipp für alle Kreuzfahrer: Die Altstadt lässt sich sehr bequem in wenigen hundert Metern vom Hafen aus zu Fuß erreichen. Natürlich gibt ein geführter Stadtrundgang mit Erklärungen immer was her, weil man einen geschichtlichen Überblick und Infos über die Sehenswürdigkeiten bekommt. Wer jedoch gern allein unterwegs ist und sich selbst etwas anliest oder einfach nur schlendern will, der kann das ganz einfach tun und wird sicherlich sein Schiff nicht verpassen, weil er sich verirrt und die Stadt zu groß ist.
Tallinn ist überschaubar, und Orientierungsschwache wandern einfach auf den Berg zur orthodoxen Kathedrale und verschaffen sich einen Überblick über die Stadt. Den Blick Richtung Ostsee wenden und schon ist der Weg zurück angepeilt und schnell gefunden.
Oben auf dem Berg lohnen zwei Blicke in zwei unterschiedliche Kirchen: Die russisch-orthodoxe und die Domkirche. 
Größer könnte der Unterschied nicht sein. Der gotische Dom, mit ein bisschen Barockausstattung erweitert, besitzt eine schöne Orgel und eine Menge Grabplatten mit Wappen deutsch-baltischer Adelsfamilien. Dazu interessante Familienlogen aus Holz. So hoch, daß man als kleiner Mensch darin sitzend nicht wirklich viel vom Gottesdienst sehen, sondern einfach nur zuhören kann. Dafür friert man im Winter aber nicht so sehr, denn diese Logen stehen ein wenig erhöht und haben auch einen Holzfußboden. Was hätte ich bei den Weihnachtskonzerten meines Orchesters darum gegeben, in einer solchen Holzloge zu sitzen, denn regelmäßig sind mir da die Hände abgefroren! Ich gebe allerdings zu, daß es aber doch ein wenig blöd ausgesehen hätte, mit der Gitarre so verschanzt hinter Holzwänden....
Die russisch-orthodoxe Kathedrale lässt mit ihrer prunkvollen, überladenen Ausstattung die Domkirche nüchtern erscheinen. Überall schimmert es golden, durchsetzt mit kräftigem Blau.
Ein Gottesdienst findet gerade statt, und einen solchen habe ich noch nirgendwo miterlebt. Für meine Ohren geht es hier sehr ungewöhnlich zu und lässt sich schlecht in Worte fassen. Zumal ich natürlich die Worte des Geistlichen auch nicht verstehe. Sie sind auf jeden Fall so monoton, irgendwie anklagend-bedrohlich, und trotzdem kann ich mich gar nicht abwenden und warte lange ab, ob sich seine Stimme nicht irgendwann doch einmal verändert, im Tonfall nach oben oder unten geht. Aber nein. Es bleibt monoton. Das muß man auch erstmal können!
„Sind die Esten katholisch, protestantisch oder orthodox“, fragen meine Gäste die Stadtführerin. Diese meint schmunzelnd, daß sie eher alle Heiden sind. Es sind tatsächlich einige mystische Bräuche, an denen man hier traditionell festhält.  
Hexentanz in der Walpurgisnacht wird gefeiert und zum Johannisfest verschwinden die Mädchen im Wald, um Wildblumen zu pflücken, die in dieser Nacht magische Kräfte besitzen und die Liebe des Lebens heraufbeschwören sollen. 
Dazu muß man sie unter das Kopfkissen legen, dann erscheint einem der Traummann im Schlaf. Bleibt zu hoffen, daß er sich bis dahin nicht die Füße verbrannt hat, denn bei den Jungs gilt die Mutprobe, barfuß über ein Feuer zu springen.

Auf dem Tallinner Domberg geht es an diesem Montag beschaulich-ruhig zu. Obwohl einige Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen, sind wenig Menschen mit uns hier oben. Gut gewählt scheint also der Nachmittag zur Besichtigung. 
Hier oben wohnt dann auch der estnische Präsident und einige Botschafter. Der niederländische hat dann gleich mal ein orangenes Fahrrad in seinem Garten abgestellt. Wie passend!
Unten in der Stadt wird man vollends vom Mittelalter eingeholt, denn auch Restaurants und Tavernen reiten auf dieser Welle. Das Servicepersonal steht in Magd- oder Knechtkleidung vor der Tür mit Handkarren, bietet gebrannte (mittelalterliche) Mandeln an und lockt die Touristen. Dann läuft da noch einer mit einer Pestmaske vorbei! Im Schlepptau einen Gefangenen. 
Es ist aber gar nicht übel, sich hier zu einem Essen anwerben zu lassen, denn die Atmosphäre ist für meine Begriffe gut gezaubert.
Es ist nur alles nicht sehr preiswert in Tallinn, und man merkt, daß man sich hier schon lange am Nachbarn Finnland orientiert. Ohnehin erinnern viele Dinge an  Estlands skandinavische Nachbarn, einmal abgesehen von der mittelalterlichen Atmosphäre, die z.B. Helsinki als wesentlich spätere Stadtgründung überhaupt nicht aufweisen kann. 
Im Kontrast zum mittelalterlichen Erbe scheint Tallinn alles in Allem auf der Überholspur zu sein. Das erkennt man zum einen an der erstklassigen Digitalisierung. Jeder Este hat das Recht auf einen kostenfreien Internetanschluß. Zum anderen an den neuen Bauten außerhalb der Stadt. Hier eine modern designte Glas-Stahlkonstruktion, dort der Umbau einer alten Fabrik, der man mehrere Glasetagen aufgesetzt hat, mit dem Penthouse des Architekten als krönenden Abschluß.

Die Hotellerie ist vielfältig, und es gibt für jeden das Passende, wenn auch eher weniger zum Schnäppchenpreis. 
Unser Hotel „Palace Tallinn“ ist eine erstklassige Wahl. Selten gebe ich im Internet ein Feedback, aber hier hat mich eine Email des Hotels dazu ermuntert, denn man wollte von mir wissen, ob man mit den erbrachten Leistungen das Land Estland gut repräsentiert hat.
Das haben sie - bestens!

Die Zimmer sind sehr modern ausgestattet und haben tolle Bäder. Per Tablet kann man sich über viele Annehmlichkeiten informieren.
Das Personal ist klasse! Freundlich, kompetent und hilfsbereit. Das Frühstück ist wie selten gesehen. Es gibt sogar Rippchen zum Frühstück. Muß man natürlich nicht haben und ist für mich als Vegetarier uninteressant, aber dennoch als Besonderheit erwähnenswert. 
Man braucht tatsächlich bis zum Abend nichts mehr essen. Vielleicht sogar bis zum nächsten Morgen.

Last, but not least ist die Lage fantastisch, denn man springt nur über die Straße und rennt schon vor die Stadtmauer.
Mit einem Lächeln erinnere ich mich an die Gesichter meiner Kunden, als wir am Hotel vorfahren. Ein grauer Bunker, dunkel von außen und mit dem Charme eines sowjetischen Einheitsstils. Na, das kann ja was werden, wird sich mancher gedacht haben.
Doch dann kam die Wende beim Betreten des Gebäudes! 

Ein letzter Ausflug noch ins Mittelalter und absolutes Muß, wenn man hier ist: Die Ratsapotheke am Marktplatz, auf dem es sich übrigens auch sehr hübsch in einem Café sitzen lässt.
Sie verfügt über ein kleines Museum im Nebenraum, und da wird einem ganz schaurig zumute. Da werden mittelalterliche Heilmittel präsentiert, von denen ich denke, daß wenn einen die Pest nicht dahingerafft hat, haben es diese Mittelchen dann bestimmt geschafft.
Eingelegter Igel zum Beispiel oder eine eingelegte Hand! 
Wozu sollte das denn gut sein? Wer hat sich denn dazu hinreißen lassen, das Innere einer Hand auszulutschen, um irgend eine Krankheit zu heilen?
Ich möchte es mir nicht vorstellen, beende diesen Bericht und vermute, nun den einen oder anderen mit Bildern im Kopf zurückzulassen.














Donnerstag, 17. Mai 2018

In England ist grad´ richtig was los

Was man im Moment alles aus England vermeldet bekommt, ist schon sehr abwechslungsreich und interessant.
Und weil Blogbeiträge bekanntermaßen mit Bildern unterlegt sind, damit man auch genügend Aufmerksamkeit bekommt, müsste ich hier einige royale Schnappschüsse einbauen. Kann ich aber nicht, weil ich niemanden von denen kenne, der mir ein Fotoalbum zur Verfügung stellen würde.
Selbstverständlich werde ich mich hüten, auch nur irgend ein Foto der Queen, des neuen königlichen Geburts-Porzellans oder ähnliche offizielle Bilder von fremden Quellen zu fischen, daher muß ich mal wieder selbst tätig werden und meine Hände zu einem malerischen Kunstwerk motivieren.

Und das kommt dabei raus:
Bestimmt hat auch der letzte nicht sonderlich am britischen Königshaus Interessierte mitbekommen, daß es wieder royalen Nachwuchs gibt. 
Der Kleine reiht sich in die Thronfolge an fünfter Stelle ein.
Während Kate in den Wehen liegt, so schreiben einige Magazine, gehen die Queen und Kate‘s Schwester Pippa doch tatsächlich ihrem ganz normalen Alltag nach! Das ist ja unglaublich. Pippa im Fitness-Studio und die Queen beim Ausritt durch den Park von Schloß Windsor. Und das bitte schön mit 92!
Unsereins plagt sich mit Bandscheibenvorfällen schon ab 50 herum, und Elizabeth galoppiert durch den Park.
Glücklicherweise leben wir im Handyzeitalter, so daß man auch der Pflicht nachkommen kann, die Königin als allererstes über  die Geburt zu informieren.

Nun ist er also da: Prinz Louis Arthur Charles.
Sofort wird extra eine spezielle Geburtsporzellanserie auf den Markt geworfen, und ich muß sagen: Niedlich haben sie das gemacht, ein Babylöwe ist drauf, mit Krone, und ein süßes Baby-Einhorn.
Als Empfängerin dem Buckingham-Newsletters bekomme ich natürlich sofort Nachricht über das Erscheinen dieser Sonderauflage. 
Ich wurde übrigens extra angeschrieben, ob man mir auch weiterhin diesen Newsletter schicken darf, wo ich doch aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung dafür erst mein Einverständnis geben muß. 
Da ist der Palast sehr ordnungsgemäß vorgegangen und mir um einiges voraus, denn ich habe das auf meiner Internetseite glatt verpasst , wofür ich -vielen Dank an ein mir unbekanntes Büro - eine Abmahnung bekommen habe.
Allerdings bekommen meine Leser und auch Kunden meines Reisebüros gar keine Newsletter per Mail, aber egal.

Zurück nach England.
Das Porzellan ist niedlich und erfreut mich sehr, vor allem nach der Geschirrserie anlässlich der Hochzeit von Prinz Harry, auf dem die Initialen H&M (Harry&Meghan) prangen. Das finde ich ein bisschen gewöhnungsbedürftig, könnten meine Kaffeegäste vielleicht denken, ich hätte ein Werbepräsent eines bekannten Modekaufhauses bekommen.

Bei Prince William und Kate (offiziell: Catherine) hat man die Initialen in der Reihenfolge „CW“ gewählt und damit aus Gründen des besseren Wirkens die Bedeutungsreihenfolge verändert. 

Und jetzt ist also Prince Louis da, dem ich in der Aussprache sofort ein scharfes „S“ angehängt habe, ehe ich gelernt habe, daß man ihn auch in England französisch ausspricht und demnach das „S“ am Ende unausgesprochen lässt.
Das finde ich nicht schön, denn nun hat der kleine George einen „Brother Loui“, was mich immer an „Modern Talking“ erinnern wird. 
Ich kann dann auch nur hoffen, daß in ferner Zukunft an der Reihenfolge der Thronfolger nichts geändert wird und jeder, der vorgesehen ist, auch dran kommt, denn sonst würde ich noch erleben, daß ein „King Loui“ auf dem englischen Thron sitzt. Der lebt in meiner Erinnerung aber prinzipiell im Dschungel und ist orange.

Nun widme ich mich also am Samstag der königlichen Hochzeit, bevor ich zum Friseur gehe. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Einen Life-Stream wird es im Internet hoffentlich geben, denn ganz nebenbei sind ein paar Reisen im Büro einzubuchen, so daß ich nicht fernsehen kann.

Wird dann der Blumenschmuck in der kommenden Woche auf der Chelsea Flower Show zu bewundern sein? Eine solche Weiterverwertung wäre sicher ganz im ökologischen Sinne von Prince Charles.
Wir werden sehen. 







Donnerstag, 19. April 2018

Ein schönes Schiff - Erwartungen erfüllt

Hatte ich überhaupt Erwartungen, als ich mich zur Besichtigung der MSC Magnifica angemeldet habe?
Na klar, hat man immer, auch wenn man sie nicht unbedingt in Worte kleiden kann und einem irgendwas vorschwebt, wie es da wohl aussehen könnte. Meine Erwartungen waren gefärbt von den Bewertungen, bei denen das Essen nicht immer gut abgeschnitten hat und von der Zögerlichkeit mancher Kreuzfahrtinteressenten, die ein Sprachproblem befürchten, weil MSC eine internationale Reederei ist, bei der die Bordsprache nicht ausschließlich Deutsch ist.
Ich freue mich wirklich, all denen, die einen längeren Leseatem haben, meine Einschätzung kundzutun, aber für alle anderen vorweg mein Fazit:
Ja, MSC fahren geht absolut klar. Kommt vorbei, ich buche Euch weg.

Nach den ersten 15 Minuten Spaziergang über das Schiff fällt sofort auf: Hier ist alles unwahrscheinlich sauber und gepflegt. Unser Schiffsguide erklärt, daß das ja auch so sein soll. Stimmt natürlich, aber es klappt auch nicht immer und überall. Auf diesem Schiff schon.
Und es gibt enorm viel an Chrom und Messing zu polieren. In der Tat sieht man auch immer irgendwo jemanden, der am Geländer angewachsen scheint und wienert.
Das Schiff ist auch erst im achten Kreuzfahrtjahr, also noch ein Jungtier und daher auch noch so frisch.

Auf den ersten Blick scheint es endlos lang zu sein. Es hat eine ähnliche Passagierkapazität wie einige AIDA-Schiffe, kommt mir aber noch viel länger vor. Glücklicherweise weiß Wikipedia alles und bestätigt meine Vermutung. 2500 Passagiere etwa können sich bei 293 m um 40 m mehr austoben als 2600 Menschen z. B. auf AIDAsol.
Und jetzt kommen wieder diejenigen ins Spiel, denen das ja viel zu viele Leute sind, und deswegen bevorzugen sie kleinere Schiffe.
Jedem das Seine. Die vielen Menschen verteilen sich aber auf eine Menge Deckfläche, Restaurants und Freizeitbereiche.

Mein erster Eindruck ist jedenfalls, daß die Magnifica in ihrem weißen Kleid sehr beeindruckt und im Innern eleganter ist als ich dachte.
Was dachte ich denn? Das weiß ich eigentlich auch nicht, aber irgendwie lässiger, bunter, ja sogar moderner.
Aber sie strahlt unaufdringliche Eleganz aus. Manche Bereiche, Lounges und Räumchen können durchaus mithalten mit der von mir vor einiger Zeit beschrieben Queen Victoria von Cunard.
Die „Tiger-Bar“ finde ich unglaublich genial gestaltet, die „Amethyst-Lounge“ hat eine Hinguckerfarbe und das „Royal Theater“ strahlt in seinem Grün enorm viel Hoffnung auf professionelle Unterhaltung aus.


Nun gut, die Bibliothek der Victoria hat einen Buchbestand, der an die Dortmunder Uni heranreicht, die Magnifica beherbergt vielleicht nur 50 Stück Lesestoff. Doch habe ich tatsächlich ein solches Bildungsbedürfnis im Urlaub? Entscheidet selbst.

Die Kabinen sind wirklich schön. Meine Kollegen sprechen von Platzangst in den Innenkabinen, was ich für Unsinn halte. Wie groß soll sie denn sein? Vor allem bei den wirklich akzeptablen Preisen? Muß ich darin tanzen oder eine private Veranstaltung machen? Muß ich nicht.
Andere Reedereien bieten im Schnitt auch nicht mehr Platz. Letztens auf besagter Victoria erst hautnah erlebt.
Es ist alles da, was man braucht, und das Design ist hübsch und angenehm. Geschickt gesetzte Spiegel erweitern den Horizont, allerdings nicht den geistigen, sondern den räumlichen. Obwohl, wenn ich es recht überlege, kann das meinen persönlichen geistigen Horizont doch insofern erweitern, als daß mir deutlich bewusst wird, wo die Zuviel-Kilos sitzen, und mir den Lerneffekt verschaffen, daß Kreuzfahrten dick machen können.
In den Balkonkabinen habe ich mehr Platz. Es gibt dazu noch ein Sofa. Da kann man dann mal sitzen!!! Was ich dann da sitzenderweise mache, außer den angefutterten Kalorien die Ruhe zum Ausbreiten zu gönnen, muß auch noch geklärt werden. 
Ich glaube, auf meiner letzten Tour mit AIDAsol saß ich kein einziges Mal dort, sondern war an Deck oder an Land.
Doch auch hier hat jeder andere Bedürfnisse, und das ist auch gut so. Ich kann ja mehr ausgeben und großzügiger wohnen.
Das (für mich) Schöne am MSC-Konzept ist, daß ich wählen kann, wieviel Komfort, Raum, Privatsphäre, Essen, Trinken und Wohlergehen ich haben möchte.
Bella-preiswerte Kabinen, Fantastica-auch-noch-günstige Kabinen in besserer Lage, Aurea-All-Inclusive oder Yachtclub-noch-mehr-all-inclusive mit Suiten, Privatdeck und Butler. Der steht dann stundenlang vor meiner Kabinentür und liest mir jeden Wunsch von den Augen ab (Butler! Mach, daß sich das gute Essen nicht auf die Hüften legt).  

Hier hat man also quasi ein Schiff im Schiff. Etwa 140 Mann im kleinen Schiff auf Deck 16, hoch über dem großen 2000-Leute-Schiff.
Heißt im Prinzip: Ich wohne im Vorort, in meiner kleinen Gemeinde, und kann aber mal einen Ausflug in die Großstadt machen, um ins Kino, Theater oder Buffetrestaurant zu gehen.

Und damit bin ich beim Essen angelangt.
Wir werden ins A-la-carte-Restaurant geladen, wo man aus einer Speisekarte auswählen und sich bedienen lassen kann. Und wenn einem der Hauptgang schmeckt, darf man ihn sogar nochmal bestellen. Wenn das nichts ist für große Esser!?
Nebenbei bemerkt wirft mir auch hier ein Kellner die Serviette auf den Schoß. Gibtˋs also nicht nur auf Queen Victoria.

Ein Highlight ist für mich, daß es im A-la-carte-Restaurant auch noch ein kleines Buffet gibt, an dem sich der Selbstabholer versorgen kann.
Das würde Euch auch gefallen. Man kann aktiv oder faul sein. Wunderbar!

Alles, was ich probiere, schmeckt mir sehr gut, die Auswahl ist für die Mittagszeit mehr als gut, der freundliche Kellner stellt sich mit Namen vor.
Den habe ich nun nicht behalten. Er war zu lang und klang asiatisch.
Was soll ich sagen? Natürlich arbeiten auch bei dieser Reederei im Service- und Gastrobereich hauptsächlich, möglicherweise sogar ausnahmslos, Asiaten. Diese freundlichen Menschen scheinen die seetauglichsten zu sein. Und wahrscheinlich preiswerter zu beschäftigen als Europäer.

Damit komme ich zu den Sprachen an Bord.
Das Personal spricht und versteht vornehmlich Englisch. Doch der deutsche Gast, der im Schnitt mit 21% an Bord der MSC-Schiffe vertreten ist, findet an der Rezeption 24 Stunden lang jemanden, den er auf Deutsch ausfragen kann.
Speisekarten sind auch auf Deutsch, Durchsagen in mehreren Sprachen, unter anderem Deutsch.
Du meine Güte, da wartet man halt mal etwas ab, bis die für uns verständliche Durchsage erschallt, daß das Schiff jetzt ablegt. Außerdem, wer hätte das gedacht, merkt man es ganz automatisch.

Auf manchen Bewertungsportalen ist die Rede von ständigen Durchsagen in tausend Sprachen. Das ist total übertrieben, denn es wird hier wahrlich nicht alles angekündigt, wie in manchem Ferienclub, wo mich der Animateur zwischendurch immer wieder mal beschallt, daß jetzt Volleyball gespielt wird oder der Batik-Kurs beginnt.

Ich kann auch nicht anders als darauf hinweisen, daß auf den mit Bordsprache Deutsch beworbenen TUIcruises-Schiffen oder AIDAs besonders im Gastrobereich dieselben Nationen beschäftigt sind wie oben genannt. Und die müssen auch nicht vor der Vertragsunterzeichnung ihr Deutsch-Diplom ablegen.
Selbe Situation also. Alle sind bemüht, auch die Deutschsprachigen zu verstehen und lernen und verstehen selbstverständlich die essentiellen Dinge, wenn ich eine Gabel, ein Messer oder einen Teller brauche. Auch Weiß- oder Rotwein versteht man auf Deutsch und lernt ganz gern dazu, denn dafür ist man ja mit verschiedenen Nationen unterwegs und weltoffen.

Ich finde auf der Magnifica viele ruhige Ecken, wo ich es mir gemütlich machen kann, vorzugsweise an Deck in der Mittelmeersonne, wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, daß diese auch im Nordland recht schön leuchten kann.



Und wenn ich richtig viel Volk um mich herum haben möchte, dann gehe ich aufs Pooldeck, und das vorzugsweise auf einer Mittelmeerreise an einem Seetag auf einer Tour in den Sommerferien. 
Dann tummeln sich die Familien mit Kindern an Deck. Familien sind grundsätzlich gut aufgehoben bei dieser Reederei. Die Ermäßigungen für Kids und Teens sind sehr gut. Selbst die sich schon so erwachsen fühlenden, da fast volljährigen 17-jährigen müssen es sich gefallen lassen, als Kinder durchzugehen, sehr zur Freude ihrer den Spaß bezahlenden Eltern.

Last, but not least, räume ich noch mit dem Kritikpunkt auf, daß bei MSC nur auf Plastik serviert wird.
Im Restaurant gibt es normales Porzellan, im Buffetrestaurant in der Tat unkaputtbares Geschirr, das ein bisschen so ist wie mein Campinggeschirr.
Man merkt erst beim Anfassen, daß es kein Porzellan ist.
Das Buffetrestaurant hat direkten Anschluß an den Poolbereich. Ich darf auch draußen essen, und wenn ich mir vorstelle, daß hier Glas oder Porzellan zu Bruch geht, dann ist das Geschrei aber groß, wenn einer in die Scherben latscht.

Fazit für alle, die bis hierhin durchgehalten haben und auch diese Art von Reisen lieben:
Schaut Euch bei uns im Reisebüro einfach mal die Routen dieser Reederei an. Es ist was für Euch dabei, da bin ich sicher.
Und das Riesenschiff von MSC sehe ich mir in Hamburg beizeiten auch nochmal an. Wer Interesse hat, darf gern mitkommen.

Ahoi, Ihr Lieben.

P. S.: Trotz reichhaltigem Mittagessen musste ich nachmittags noch einen Abstecher ins Buffetrestaurant machen. Aus puren Forschungszwecken natürlich. Schließlich gab es auf der Cunard-Victoria hier einen unfassbaren Unterschied zum Bedienrestaurant. In erster Linie bei der Kleiderordnung der Passagiere, die hier auf Teufel komm raus den legeren Stil überinterpretiert und in den Abgrund zelebriert haben.
Daher habe ich mich auf der Magnifica noch für ein Stück Pizza geopfert.
Auch das hat geschmeckt, und das schnelle Abscannen der Menschen, die hier essen gehen, hat ergeben, daß hier alles im grünen Wohlfühlbereich läuft.



Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...