Mittwoch, 28. Februar 2018

Ein Wein mit Bedeutung aus England

Wie jeden Tag fragt Facebook mich, was ich gerade mache. Facebook ist sehr aufmerksam und interessiert sich dafür, was ich tue. 😀
Na gut, dann schreib ich‘s mal - für Facebook. Nein, für alle. 

Ich köpfe gerade unseren seit 8 Monaten gehüteten „Claret“. 

Das ist ein Rotwein. Ich habe ihn mitgebracht von meinem Gartenbesuch in Highgrove, dem privaten Anwesen von Prinz Charles in der wundervollen Region „Cotswolds“ (passende Reise über den Link).
Als ich dort im Shop war und den Wein entdeckte, blitzten sofort ein paar Passagen aus diversen Romanen in meinem Gehirn auf: Die Geschichten um die Sippe des Earl of Grantham und seiner Dienerschaft in „Downton Abbey“, oder die Liebesverwirrungen in „Belgravia“.
Dort wurde immer wenn eine Festlichkeit war, man Eindruck machen oder Jungvolk in die Gesellschaft einführen wollte, eine Flasche vom besten „Claret“ geöffnet.
Nun kenne ich mich nicht wirklich gut mit Weinen aus, sondern gehöre schlicht zu jener Gattung, die mit schnalzender Zunge das Urteil „LECKER“ oder „NÖ“ abgibt, ohne dem edlen oder schlechten Jahrgang besondere Aufmerksam oder ein fachmännisch vernichtendes Urteil zukommen zu lassen. 
Ich habe letzten Sommer in Highgrove nur gedacht „Wow! Trauben aus ökologischem Anbau, und dann noch von diesem Anwesen!“
Zusätzlich gekrönt mit dem Wappen des Thronfolgers! Kann gar nicht schlecht sein.
Ist er auch nicht, wie ich eben festgestellt habe.
Die Flasche wurde an einem schnöden Mittwoch Abend geköpft , weil es etwas zu feiern gibt, über das ich später noch berichten werde.

Ein paar leckere Käsesorten dazu, Baguette, und fertig ist eines meiner Lieblingsgerichte. Nun müsste man sich nur noch gedanklich in einen lauen Sommerabend am Ufer der Loire versetzen, und die Atmosphäre wäre perfekt.

Da gibt es nur drei Schwierigkeiten:
1. Bei den derzeitigen Minustemperaturen gelingt es mir einfach nicht, mir lauschige Abende vorzustellen.
2. Ich kann mir mich momentan aufgrund unserer Hauptbuchungszeit nirgendwo anders vorstellen als im Reisebüro in Hörde.
3. Die Loire würde sich noch mehr krümmen als ohnehin schon und wahrscheinlich aus ihrem Bett springen, wenn sie hört, daß ich einen „Claret“ an ihren Ufern öffne. 

Ein „Claret“ ist nämlich ein Bordeaux-Wein, und vielleicht noch nicht einmal so ein besonderer, wie ich gerade eben googeln musste.
Es entzieht sich meiner Kenntnis (sorry, Olaf Jacobsen, der Fachmann bist Du).
Auf jeden Fall haben die Engländer seinen französischen Namen „Clairet“ anglisiert und bezeichnen damit einfach einen Wein aus der Region um Bordeaux, die ihnen vor Jahrhunderten einmal gehört hat.
Aber ich will jetzt gar nicht irgendwelche Verluste bejammern, das Gebiet ist halt futsch und heute französisch.
Die Franzosen bezeichnen mit „Clairet“ einen traditionell eher hellen Rotwein (merke auf: claire/e = hell).

Nun sitze ich hier also bei Wein und Käse und rufe mir die Highgrove-Erinnerungen hervor. „Indeed, yes, a very fine wine. And so organic“.
Ich schmecke das gesunde Land des ewigen Thronfolgers und habe Visionen von den schönen Cotswolds-Landschaften. 
Uups! Da katapultiert mich das Etikett der Flasche wieder zurück, denn der edle Tropfen ist ja „made France“. 
Aber immerhin, die Abfüllstation „Chateau de Lagarde“ lässt meine Fantasie wieder aufleben.

Zeit, meine schottische Brieffreundin anzurufen. Ich rufe sie immer an, wenn ich ein Glas Wein in der Hand habe. Und zu meiner eigenen Beruhigung sei erwähnt, daß ich sie gar nicht so oft anrufe.








Freitag, 23. Februar 2018

Ski Heil in Lenzerheide, oder „Ah, er liegt am Boden“

Es ist nicht so, daß mir nichts Neues mehr einfällt und ich  nur noch in alten Kamellen krame. Aber zum einen beginnt erst im März wieder unsere „Reiserei“, zum anderen hat man ja mal so Phasen, in denen man sich an alte Geschichten  erinnert. 
Bei der Durchsicht einiger Fotoalben sind mir dann eben solche wieder eingefallen.

Wie sehr habe ich es geliebt, als Jugendliche mit meinem Patenonkel, meiner Tante und meinem Cousin in den Skiurlaub zu fahren. Unser Urlaubsort war immer Lenzerheide im Kanton Graubünden in der Schweiz.
„Unser“ Häuschen hatte den Namen Arve und stand oberhalb des Ortes mit Blick auf das Rothorn hinter und den Piz Scalottas vor uns.
Zwei Berge, die wir im Laufe mehrerer Urlaube irgendwann alle mal mutig erzwangen, sprich auf Brettern herunter gewedelt sind.
Wobei man nicht bei allen von uns vieren von Wedel-Profis reden kann.
Jeder fängt mal klein an und beginnt seine ersten Gehversuche auf Skiern in einer Skischule. Ich durfte das Privileg genießen, daß mein Onkel uns einen Privatlehrer organisiert hatte. 
Sein Name war Josef, dialektmäßig genau wie der Kabarettist Emil Steinberger und optisch ein bisschen vertrocknet, allein wahrscheinlich schon wegen seiner ständig der grellen Wintersonne ausgesetzten Haut, die dann irgendwann wie braunes Leder aussieht. In meinen Erinnerungen sehen eigentlich Skilehrer immer so aus.
Josef führte uns zunächst auf den Idiotenhügel Dieschen. Für mich, ich erinnere mich genau, anfangs ein Hügel mit Todesgefahrenpotential!
Da steht man dann oben auf dem zu bezwingenden Berg, schaut in die Landschaft und denkt: „Tolle Gegend! Hier muß ich erst noch einmal in Ruhe die Aussicht genießen, ehe ich mich in den Abgrund stürze.“

Lenzerheide hat wirklich eine schöne Umgebung. Es liegt in Graubünden, einem der 1-A-Wintersportgebiete der Schweiz. Die rätoromanische Schweiz, in der man eine Sprache spricht, die kaum jemand versteht. Selbst von Tal zu Tal gibt es Unterschiede, so daß sich die Bewohner nicht unbedingt in lebhafte, fruchtbare Gespräche mit denen gleich hinter dem nächsten Berg stürzen können, aber dem Schweizer an sich sagt man auch nicht wirklich viel Redseligkeit nach.
Apropos hinter dem Berg. Da liegt dann Arosa, möglicherweise ein noch bekannterer Wintersportort. 

Über Lenzerheide gab es mal ein Lied von Vico Torriani. Du meine Güte, wer kennt den denn heute noch? 
Ich sollte das verdrängen, zeigt es mir doch nur auf, daß die Zeit meiner frischen, sportlichen Jugend in den Schweizer Winterurlauben schon sehr lange her ist.
Egal, der sang jedenfalls den überaus anspruchsvollen Text „Auf der Heid, auf der Heid, auf der Lenzerheid, da hat es so herrlich, so herrlich geschneit“.
Und geschneit hat es dort tatsächlich noch jeden Winter, und sogar noch in den Osterferien, auch wenn die manchmal schon in den April hineingingen. Darauf war Verlass.
Solche finanziell-gefährlichen Ideen wie sie Reiseveranstalter heute haben und die Gäste mit einer Geld-zurück-Garantie auf die Berge locken, falls der Skirlaub mangels Schnee ins Wasser fällt (uups, eher ins grüne Gras), das hätte man  damals gefahrlos wagen können. Winter war halt Schnee, basta!
Wir übten also an den Hängen des Dieschen, und mein Cousin und ich hatten ziemlich schnell den Bogen raus, wurden schneller, wagemutiger und machten perfekte Schwünge und Wedelversuche, während besonders mein Onkel sich meistens in den Tiefschnee schmiss.
Es gibt halt Leute, die machen gern mal den Adler. 
Und unser Lehrer Josef schaufelte ihn immer wieder aus den Tiefen heraus. Sein für unsere Ohren schon vertrauter Satz „Ei, wo isch denn des Papppiliiii? Aaah, es liegt am Boooden“ klingt mir noch heute lustig in den Ohren.

Wir aßen mit Freuden Salsiz, eine super leckere Salami, Bündnerfleisch und Raclette. Ein Restaurant in Lenzerheide lockte mit dem seltsamen Angebot "Raclette discrétion", und wir wussten nicht, was das bedeuten soll. Gesehen, gebucht und ausprobiert.
Dreimal Raclette bitte und einmal Gizzi. Gizzi ist in der Schweiz ein Osterlamm. Onkels Osterlamm muß sehr schlecht genährt gewesen sein, denn er fand eigentlich nur Knochen auf seinem Teller, war entsprechend enttäuscht und noch hungrig.
Und wir bekamen unseren Teller Raclette, und zwar einen winzigen, von dem auch wirklich niemand satt werden konnte. Ehe jedoch die Wut hochkochen konnte, kam ein zweiter kleiner Teller mit Raclette, und ein dritter, ein vierter und so weiter.
Es war dann so viel, daß wir es gar nicht mehr schaffen konnten und schon kurz vorm "ich-kann-nicht-mehr-papp-sagen" waren.
Mein Onkel hingegen hungerte vor sich hin und zeigte sich hocherfreut, als meine Tante ihn bat, ihr doch bei den üppigen Raclettemengen ein wenig zu helfen.
Bei seinem ersten Bissen hättet Ihr mal den Kellner erleben müssen! "Daaaas geht aberrr nicht!" kam er angelaufen.
Und genau jetzt hättet Ihr dann auch mal meinen Onkel erleben müssen. Schon hungrig in Wallung gekommen ob des knochigen Gizzis lief er jetzt zu Hochtouren auf und beschwerte sich.

Ein wenig gedemütigt mussten wir dann alle die Erklärung hinnehmen, was denn "Raclette discrétion" bedeutet: Ganz diskret wird einem immer wieder und so lange ein Tellerchen gereicht, bis man platzt und Stop! schreit. Über die Mengen, die man bis dahin vertilgt hat, schweigt das Restaurant dann "diskret".
Peinlich, peinlich, daß sich mein Onkel, allerdings unwissend, zwei Essen zum Preis von einem erschleichen wollte. Aber so ist es als Tourist, wenn man die örtlichen Gepflogenheiten nicht kennt. Heute bin ich viel schlauer - oder denke das zumindest.

Wir hatten noch viele schöne Pistenerlebnisse, wie die dramatische Fahrt mit dem Ankerlift auf den Piz Scalottas. Ankerlifte waren immer schon mein Albtraum, zumindest, wenn man ihn sich selber unter den Popo schieben musste.
Ich war es gewohnt, daß ein "Liftboy" einem das Teil angibt und man sich nur noch festhalten musste. Irgendwann einmal war Mittagspause, aber mein Cousin und ich wollten dennoch auf den Berg fahren. Ganz die große Cousine, plante ich, für uns beide den herannahenden Anker zu ergreifen - das kann doch nicht so schwer sein! Wir stellten uns in Position, der Anker kam, ich griff zu, schwang mir meine Seite unter den Hintern....... und mein Cousin hing mit ausgestreckten Armen an der anderen Seite. Ein Bild, das man nicht beschreiben kann.
Ich forderte ihn auf, loszulassen, aber er wollte nicht. Er riskierte, meterlange Arme zu kriegen während der langen Auffahrt. Ich nahm ihm die Skistöcke ab und packte ihn hinten an der Skihose, um ihm Halt zu geben. Am ersten Steilhang fiel ihm dann ein, daß er doch loslassen wollte, der Verrückte! 
Nun bekam er von mir den Befehl, gefälligst durchzuhalten bis zur Mittelstation auf 1.700 m.
Es ist alles gut gegangen, und zur Belohnung habe ich ihm dann an unserem Chalet geholfen, aus Holz eine kleine Seilbahn zu bauen. Dabei habe ich mir mit dem Hackebeil beinahe den halben Zeigefinger abgehackt. 
Mein Cousin jedenfalls war bald wieder obenauf, was sich auch dadurch bemerkbar machte, daß er mit seinen 10 Jahren ganz locker an den Kassenhäuschen der Liftstationen vorbei marschierte, mit dem Hinweis, er sei doch erst 5 und zur Gratsifahrt berechtigt.
"Daaas glaubscht ja wohl selber nicht", sagte der Kassenmann, ließ ihn aber passieren.
Ich hingegen hatte mir zum Sport gemacht, auf irgend einen großen Mann weiter hinter mir zu zeigen mit den Worten "Mein Vater dahinten bezahlt". 
Ach, die lieben Schweizer sind ein nettes Volk. Sie haben mich zumindest immer glauben lassen, daß sie mir geglaubt haben. 
Skilifte sind für Kinder und Jugendliche, die mit ein bisschen Taschengeld von Oma durch die Hänge flitzen wollen, besonders in der Schweiz auch echt teuer. 

Ich vermisse diese tollen Jahre ein wenig und laufe heute nicht mehr Ski. Wahrscheinlich würde ich mir die Knochen brechen, oder der Skilehrer würde auch bei mir ständig rufen: "Aaaah, sie liegt am Boooden!"


Mittwoch, 14. Februar 2018

Spanien-Marokko-Rundreise - Der Fahrer kennt sich aus

Über Reisen schnattern tue ich nunmehr seit sieben Jahren, doch fallen mir manchmal auch wieder Reisen ein, die lange, lange davor stattgefunden haben und auf denen auch Erzählenswertes passiert ist.

Eine meiner ersten Rundreisen, die ich als echte Reiseleiterin begleitet habe und nicht nur als Bus-Stewardess, oder wie mein Mann heute immer sagt "Saftschubse", ging bis nach Marokko.
Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, was für Touren damals in den 80-er Jahren mit dem Bus gemacht wurden.
Ich meine, es waren 13 Tage insgesamt, und die führten über die Costa del Azahar (eher unbekannt, nicht wahr?), Alicante und Gibraltar bis nach Algeciras, von wo aus nach Marokko übergesetzt wurde. Das Ganze dann nach ein paar Tagen wieder genauso zurück.
So gut wie jede Nacht gab es einen Ortswechsel, sonst kommt man einfach nicht weiter. Das ist heute für meine eigenen Rundreisen kaum mehr denkbar. Es wird doch vielmehr Wert auf gemächliches, ausgeruhtes und entspannendes "rund reisen" gelegt.

Ich jobbte damals für TRD Reisen in Dortmund.
Dieses ist das einzige Foto, daß ich von dieser Reise noch habe. Entstanden bei einem Zwangsstopp in der Sierra Nevada, doch dazu später mehr.

Als man mich fragte, ob ich für 13 Tage nach Spanien und Marokko fahren könnte, wurde mir ganz Angst und Bange. Bis zur Costa Brava nach Lloret de Mar hatte ich es mehrfach schon als Urlauberin geschafft, doch alles was danach Richtung Süden kam, war für mich eine neue, fremde Welt.
Ich mag an dieser Stelle daran erinnern, daß ich zu dem Zeitpunkt gerade einmal 21 Jahre auf dem Buckel hatte!
Mit den beruhigenden Worten "Kein Problem, der Fahrer kennt sich aus" bekam ich dann den Reiseablauf und nahm den abenteuerlichen Auftrag an.
Marokko! Was für eine tolle Aussicht auf eine komplett andere Welt!

Am Abreisetag am Dortmunder Hauptbahnhof verkündete mir der Busfahrer dann, daß man ihm den Fahrauftrag mit den Worten "Die Reiseleiterin kennt sich aus" übermittelt hat.
Wir waren beide also mehr als beruhigt und zuversichtlich!
Auf in den Kampf also. "Wir schaffen das!" Ein Satz, den ich schon weit vor Angela Merkel bedeutungsvoll geäußert habe.

Unser Gefährt war damals ein Reisebus der Firma Neoplan, Modell Spaceliner. Was daran "spacig" war, kann ich nicht mehr sagen. Das Wort "space" kann sowohl "Weltraum" als auch "Raum" oder "Platz" bedeuten. Hatte man darin mehr Platz als üblich? Fühlte man sich transportiert wie durch den Weltraum? Ich weiß es nicht mehr.
Was ich allerdings noch weiß ist, daß alle Fahrer die Firma Neoplan mit dem Spitznamen "Nervenplan" belegt hatten, da man anscheinend Nerven wie Drahtseile haben mußte, um ohne Pannen eine Reise absolvieren zu können.

Schon die ersten beiden Tage bis an die spanische Küste waren spannend. Wird die Kaffeemaschine 13 Tage reibungslos ihre Dienste tun? Wird kein Sitz kaputt gehen, sich nicht mehr nach hinten verstellen lassen oder sonst was? Wird die Klimaanlage standhalten?
Schon vorher wetteten die Kollegen, daß wir dort nicht ankämen, ohne zwischendurch irgend etwas reparieren zu müssen. 
Mein Busfahrer hatte allerdings den Ehrgeiz, das Gefährt ohne Reparaturstopps nach Spanien, Marokko und wieder nach Hause zu bringen.
Was am Ende auch gelungen war. Ob der Bus tatsächlich so eine Art Montagsauto mit Macken war, kann ich heute gar nicht mehr beurteilen. Man hört ja auch einfach auf das Geplapper der Kollegen. Vielleicht waren sie auch nur neidisch auf die Tour.

Eine renommierte Firma wie TRD Reisen spielt schon nicht mit dem Wohl ihrer Kunden, aber für mich war halt das ganze Gerede sehr nervenzerfetzend.

Bereits am zweiten Tag, kurz vor der spanischen Grenze, stellten wir übrigens fest, daß unser Vorrat an Bockwürstchen an Bord überhaupt nicht ausreichen würde. Kein Problem, uns kommen ja die Busse vom wöchentlichen Spanienpendel entgegen. Die werden wir heftig anblinken und ihnen ihren Vorrat abkaufen. Gesagt, getan. Die Busse wurden gesichtet, angehupt und angeblinkt. Die Fahrer gingen dermaßen in die Eisen, weil sie dachten "Ha! Da isser" Kaputt. Haben wir uns doch gedacht!"
Als wir dann lässig mit dem lapidaren Wunsch herüber kamen, nur mal eben ein paar Bockwürstchen bunkern zu wollen, war das Erstaunen wirklich groß.

Neidisch kann man nun wahrhaftig nicht auf eine Tour durch ein Land sein, von dem man gerade einmal einen Streifen von 200 Kilometern kennt.

Wir beide gaben uns redlich Mühe. Ich hatte mich weltmeisterlich vorbereitet und spanische Geschichte, Highlights, Land und Leute im Gehirn gespeichert.
Die Gäste waren zufrieden.

Die Reise ging zunächst bis zur Costa del Azahar. Die liegt grob geschildert zwischen Ebrodelta und Valencia. Urlaubsorte dort sind Benicàssim oder Penìscola. Letzterer ein witziger Name, den man korrekt auf der zweiten Silbe betonen sollte, damit er nicht zu merkwürdig anmutet.

Weiter ging es Richtung Andalusien, über Alicante und Guadix, durch die Sierra Nevada nach Granada.
Es war, wie sagte man damals, "affenheiß", der Kilometer zu viele, und mein Busfahrer erlegte sich und uns nach einer Wahnsinnsstrecke eine Zwangspause in der Sierra Nevada auf.
Egal, ob es an der Stelle nun irgend etwas zu sehen gab oder nicht, ein Halt musste sein. Die Masse an Kilometern machte allen echt zu schaffen.
Welch ein Glücksfall, daß wir direkt in einem Gebiet waren, das aufgrund seiner Höhlenwohnungen bekannt ist. Damals waren die Bewohner tatsächlich so aufgeschlossen, daß sie den Touristen gern ihre Unterkünfte zeigten. Das war sehr spannend, und ich frage mich, ob das heute immer noch so ist, oder ob man am Ende nur gegen Eintrittsgeld in eine Art Museumshöhle eintreten darf.

In Granada angekommen, war alles wieder schön, wir hatten Energie getankt, legten den spanischen Song "Granada" auf als in der Ferne die fantastische Alhambra zu sehen war.
Das ist Spanien! Eine traumhafte Aussicht auf eine weltberühmte Stadt! Die Musik tat ihr übriges zur stimmungsvollen Einreise. Gäste happy - wir happy!
Übernachtet haben wir direkt oben an der Alhambra. Wer davon tatsächlich noch nichts gehört hat, es ist ein maurischer Palast, fantastisch gelegen und mit wundervollen Räumen, Gärten und Springbrunnen ausgestattet. Man fühlt sich dort wie in 1001 Nacht.
Jeder Andalusienurlauber sollte einmal dorthin fahren.

Hier hätten wir bleiben wollen, doch hatte die Reise ja noch den Zusatz "Marokko" im Titel.
Über Malaga, einen Schlenker zum mondänen Yachthafen von Marbella und einem kurzen Stop in Großbritannien, ging es weiter zur Hafenstadt Algeciras.
Großbritannien? Na klar, Gibraltar liegt doch an der Südspitze der iberischen Halbinsel. Britisches Überseegebiet. Nachdem wir dort kurz den Affen auf dem Felsen die Pfote geschüttelt hatten, erreichten wir unser Schiff, das uns nach Afrika bringen sollte.
Das klang für mich auch wieder so exotisch. Ich war noch nie in Afrika, und in der Tat, Marokko ist nun einmal auf dem afrikanischen Kontinent. So nah an Europa, aber dennoch: Ich fuhr nach Afrika!

Über die Straße von Gibraltar erreichten wir Tanger, die Hafenstadt im Norden Marokkos. 
Es gibt eine hübsche Legende zu dieser Stadt: Der griechische Gott des Meeres, Poseidon, hatte einen Sohn namens Antaios. Dieser hat Tanger gegründet. 
Du meine Güte, die alten Griechen waren aber auch überall zum Städte gründen unterwegs! 
Antaois hat das wahrscheinlich mit Links gemacht, denn er soll übermäßige Kräfte besessen haben. Ein Riese, der nach heutigem Maß locker über 28 m groß gewesen sein soll. Damit hätte er Hochhäuser bauen können, beließ es jedoch erstmal bei einer Kleinstadt. Um seine Kräfte zu erhalten, verspeiste er gern mal einen Löwen.

Noch interessanter wird es dann mit dem Erscheinen von Herkules, der an dieser Stelle die Erde spaltete und damit quasi der Gründer der Meerenge von Gibraltar war. Jetzt vermischen sich an dieser Stelle der Atlantik und das Mittelmeer. Somit können sich die heutigen Kreuzfahrtreedereien nachträglich fein beim griechischen Helden bedanken, daß sie ihre Routen vom Atlantik direkt ins Mittelmeer führen können. Ich hoffe, es ist ihnen bewusst.

In Tanger und auch bei einem Ausflug nach Tétouan, wandelte ich wie durch eine andere Welt. Begleitet von einem marokkanischen Reiseführer - Gott sei Dank - wurden wir davor bewahrt, uns in der Enge der Altstadt und der Kasbah zu verirren. 
Marokkanische Reiseführer sind anders. Zumindest unser war es. Wir erfuhren nicht viel von Marokko oder den Städten, die wir besuchten, wurden aber umso besser über Bazare und Teppichmanufakturen aufgeklärt.
Wir nannten ihn "Hubschi", weil er uns alles mögliche als "hubschig", sollte heißen "hübsch" anpries, und alles sollte nur 10 Mark kosten.
Wir erstanden brav etliche Lederkamele, die wir auf unserer Rückreise jeder an seiner Busfensterscheibe so drapierten, daß es von außen aussah als wären wir ein Kamel-Express.

Unsere Gedanken kreisten um die Idee, vor Ankunft in Dortmund die Presse zu informieren, was für eine komische Busgruppe dort ankommen würde. Es sah schon sehr witzig aus.
Im Zuge von erneuten Massen an Rückreisekilometern ging jedoch dieser Gedanke verloren.

Es war eine mordsmäßig anstrengende, aber tolle Tour. Ein Team aus Busfahrer, "der sich (nicht) auskannte "und Reiseleiterin, "die sich (nicht) auskannte", hatte über 13 Tage fest zusammen gehalten, um sowohl Bus als auch Gäste sicher und voll mit Impressionen wieder nach Hause zu bringen.
Soviel notwendiger Zusammenhalt führte dann übrigens zu meiner ersten Ehe. Ein Fahrer-/Reiseleiterteam war geboren und hat das dann gleich mal standesamtlich festlegen lassen.

Lang, lang ist´s her....



©️ Gabi Quiatek











Prinz Harry heiratet

Leider darf ich hier für meinen Artikel kein Foto von Prinz Harry veröffentlichen. Ich habe auch gar keins. Woher denn auch? Trotz einer enormen Zahl von London-Besuchen ist er mir noch nie vor die Linse gehüpft. Daher gibt es an dieser Stelle ein Bild vom Tower of London mit einem Schaf davor. 
Das soll auch überhaupt keine Anspielung sein, nach dem Motto "Harry, das Schaf, kommt unter die Haube und damit quasi in Gefangenschaft auf Lebenszeit".
Es ist einfach ein schönes Bild und prangt hier einfach so, als Aufhänger für diesen Bericht.
Am 19.5.2018 ist es endlich soweit: Prinz Harry von England heiratet eine Bürgerliche. Eine Schauspielerin. Im 21. Jahrhundert und vor allem nach sehr viel Veränderungen in den Liebes- und Heiratstraditionen im britischen Königshaus haut das nun niemanden mehr vom Sockel. Es ist ja schon normal, daß man sich eine Liebesheirat gönnen darf und nicht irgendwie von oben herab verpflichtet wird.
Prinz Harry hätte man auch wirklich nicht zugetraut, daß er sich eine noch verfügbare Prinzessin aus irgend einem anderen Königshaus hätte aufdrängen lassen.

Am 19.5.2018 wird London also wieder einmal im Organisationsstreß sein, bzw. bereits Wochen davor, denn hier geht es ja nicht nur darum, wer mit wem beim Feiern am Tisch sitzt.

Ich kann allerdings nur hoffen, daß, wenn wir vier Tage später dort ankommen, um unter anderem die berühmte Chelsea-Flower-Show zu besuchen, das ganze Spektakel wieder aufgeräumt ist und wir ohne Hürden alles besichtigen dürfen was wir möchten.

Die Blumenshau "Chelsea Flower Show" findet einmal im Jahr im Veteranenheim "Chelsea Royal Hospital" statt, und die Frage ist, ob wir dort nach der Hochzeit noch mit dem Blumenschmuck des Brautpaares beglückt werden und ihn bestaunen können.
Das wäre doch mal eine sinnvolle Verwendung der sicherlich hochkarätig aufgefahrenen Pflanzenwelt für die Hochzeit.
Andererseits wäre es auch eine gute Idee gewesen, die Hochzeit nach der Blumenschau auszurichten. und nicht vorher. Sämtliche Pflanzen hätten verwendet werden können, um die Westminster Abtei auszuschmücken. Aber mich fragt ja keiner!

Man hätte Meghan Markle ein schönes "Strüßchen" aus einem der Schaukästen zusammenbasteln können. Frei nach dem Motto: Nichts wegschmeißen, sondern wieder verwenden.
So habe ich es auch seinerzeit bei der Führung durch den Garten von Highgrove, Charles´ privates Anwesen, gelernt. Unser Garten-Guide berichtete mehrfach, daß ihr Boss alles was im Garten verrottet, nicht unbedingt wegschmeißt, sondern einer anderen Verwendung zuführt.
So standen wir zum Beispiel auf einer Beetumrandung aus einem Pflanzenschnipselgemisch, das vorher mutmaßlich eine schöne Gartenpflanze war.
Genauso könnte es in London doch auch gehen. Man hat wahrscheinlich den praktisch denkenden Bräutigamvater nicht gefragt.

Just in diesem Moment hat es mich gelüstet, einmal zu googlen, ob die Welt sich bereits darüber auslässt, was die Hochzeit kosten wird. Dann hätte ich gern mal eine Ersparnisaufstellung mittels wiederverwendeter Blumen der Chelsea-Flower-Show präsentiert. Natürlich weiß ich nicht, was auch immer das bringen mag - auf jeden Fall eine Menge Spaß beim Schreiben.
Und eben in diesem Moment fällt mir auf, daß die Hochzeit ja in Windsor stattfindet und gar nicht in der Westminster Abtei. Das ist doch mal was Neues.
Ausgelassen und fröhlich soll die Feier sein, und das geht dann wahrscheinlich eher in Windsor als in der Westminster Abtei und dem Buckingham Palace.

Wie beruhigend mag es für die Briten sein, daß sich Steuerzahler und Königsfamilie die immensen Kosten teilen werden: Die Steuergelder sollen für die Sicherheitsvorkehrungen herhalten, und die Windsors spendieren persönlich das Essen, die Party und die Deko.
Na, dann geht´s ja.

Ich bin gespannt und werde nach Möglichkeit wieder einmal die Sache am Fernseher verfolgen und mir mein ganz persönliches Event daraus machen.

Der 19.5. ist ein Samstag. Samstags arbeite ich in meinem Reisebüro auf Termin, also dürfte bereits jetzt klar sein, daß ich an exakt diesem Tag keinen Termin vergeben kann, denn ich habe ein Date mit dem Brautpaar und der ganzen Welt.

Auf das Brautpaar! CHEERS!





©️ Gabi Quiatek

Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...