Montag, 28. Dezember 2015

Silvester in Karpacz: Was für eine Feier!

33 nette Leute haben wir nach Polen begleitet. Unsere Silvesterreise ging dieses Mal ins Riesengebirge, nach Karpacz.
   
Karpacz ist ein wirklich heimeliger Ort in Schlesien. Minus 4-6 Grad in diesem Winter, und wir hatten die Hoffnung auf Schnee, die sich am Neujahrsmorgen dann wirklich noch erfüllt hat.
Ich glaube, die Spannung war bei allen ziemlich groß, wie in Polen Silvester gefeiert wird. Waren wir doch alle der Meinung, die Silvesterreise in 2014 zum Fleesensee wäre nicht zu toppen. 
Wir wurden eines Besseren belehrt.
Auch wenn ich jetzt sprachlich vielleicht daneben greife, es gibt einen passenden Satz, der wirklich alles auf den Punkt bringt: "Scheiß die Wand an, können die feiern, die Polen!!!"
Der erste Eindruck des Hotels Golebiewski war gigantisch und ein wenig unüberschaubar. 
   
Hotel Golebiewski im Dämmerlicht
                     
Eingangshalle im Golebiewski
   
Ein Riesenaquarium war am Eingang zu sehen.

Rund 880 Zimmer, mit einer Maximalauslastung von 2500 Personen in Bestzeiten und am Silvesterabend mit über 1700 Feiernden, das war schon eine Hausnummer, die uns ein wenig Angst einflösste. Angst, hier irgendwie in der Masse unterzugehen und vielleicht sein eigenes Wort nicht zu verstehen, nicht zuletzt, weil ja nun alles auf Polnisch entertaint wurde.
Aber weit gefehlt. Diese Silvesternacht werden wir nicht zu schnell vergessen.

Wir hatten uns alle ganz gut rausgeputzt, aber kein Vergleich zu den Polen, bzw. vor allem den Polinnen. Hier gab es Kleider zu bestaunen, mit viel Glamour, Glitter und Gold. 
Und über allem stand die Frage, wie das Personal es in einem Saal gefüllt mit sicher 1000 Personen (es gab noch weitere Säle mit Feiernden) es schaffen würde, das wirklich mehr-, nein, vielgängige Menü zu servieren. Die Liste an Speisen, die ich noch vorher im Bus vorgelesen hatte, klang wie ein kaum zu bewältigendes Unterfangen, und niemand konnte sich vorstellen, daß sogar noch nach Mitternacht ein komplettes Menü gereicht wurde, das die bei uns bekannte Mitternachtssuppe nicht nur in den Schatten stellen, sondern geradezu im Stockdunklen verschwinden lassen würde.
                                         
Der Saal war höchst elegant geschmückt, alle Damen bekamen bei der Ankunft eine rote Rose. 
                              
Die Tische waren schon ausgestattet mit Platten voll von Leckereien als Appetitanreger. Softgetränke inklusive, Wein stand auch schon da und pro Tisch 4 Flaschen Wodka. 
Mit diesem waren wir noch nicht so sehr vertraut, und wir dachten auch nicht, daß wir die Flaschen komplett leeren würden, aber das leckere Getränk erwies sich als äußerst nützlich zwischen den vielen Gängen mit leckerem Essen.
Man versteht, sobald der Magen so voll ist, daß man nicht mehr daran glaubt, auch nur noch einen einzigen weiteren Bissen runter zu bekommen, wozu Wodka gut ist.
Er lässt einen ein Silvester-Galamenü im wahrsten Sinnes des Wortes überleben.
                                
Menü auf polnisch, aber für uns auch auf deutsch übersetzt. Es ist schön, daß viele das mitgenommen haben, weil sonst zu Hause kaum jemand glauben kann, was es alles gab.
                                
Noch bevor dann die Suppe serviert wurde, fiel uns auf, daß die Tanzfläche voll war. Mit Männern und Frauen, und zwar proppevoll! Ja, in der Tat, auch Männer. Ein Anblick, den man bei uns ja nicht unbedingt grundsätzlich auf einer Feier gewohnt ist. Unsere Männer, Ausnahmen natürlich immer gegeben, haben ja oft doch enorme Hüft-, Knie- oder sonst was für Beschwerden, die ihnen schon allein das Erreichen der Tanzfläche nahezu unmöglich machen.
Nicht so die Polen. Ein Toast auf diese tanzfreudigen Männer!
                                   
Irgendwann nach Wachtelbrüstchen, Garnelencrostinis und Thunfischtartar hielt es einige von ins Frauen einfach auch nicht mehr am Tisch, ind wir enterten die Tanzfläche. Von unserem Reiseleiter erfohr ich am Tag danach, daß es die Polen eigentlich nicht kennen, daß Frauen allein auf der Tanzfläche abzappeln. Aber wir konnten uns der Atmosphäre nicht entziehen.
Und dann fand sich für die eine oder andere von uns tatsächlich doch auch noch ein polnischer Tanzpartner, während unsere Männer tiefgreifende Gespräche am Tisch führten. Oder nein, um ehrlich zu sein, glaube ich, sie saßen da einfach nur so rum.
                                   
Tja, dies hier ist einfach mein geschwollenes Bein nach dem tanzen, wobei eigentlich nur die Füsse schmerzten. Aber ich habe mein Bein fotografiert, einfach als Aufhänger für diese Story:
Nachdem ich meinem Mann meine abgekämpften, schmerzenden Füsse auf die Knie gelegt hatte, kam einer unserer Fahrgäste und verrenkte mir meine armen Stelzen, um mir anscheinend die Füsse zu küssen. Das ist ja prinzipiell mal eine nette Geste, aber ich denke, ganz ohne Wodka wäre das nicht  passiert.
Am Nachbartisch sah das ein polnischer Gast ind fand das anscheinend so lustig, daß er uns eine Flasche Sekt spendierte. Da war ich schon verwundert ind peinlich berührt, schließlich kannte er uns gar nicht.
Als wir dann aner die Flasche einmal genauer inspizierten, stellte sich heraus, daß es ein extrem teurer Champagner war.
                                              
Eine echte Flasche Dom Perignon auf meine Füsse!! Darf ich mich jetzt geschmeichelt fühlen? Auf jeden Fall profitierten 12 Gäste am Tisch von diese Spende. 
Und hier dann zum Schluß noch der Hinweis, da. 1000 Zloty 250 Euro entsprechen.
Kein weitere Kommentar - Ein Toast auf die polnische Gastfreundschaft.












Freitag, 25. Dezember 2015

Cream tea und Geistliches aus Lavenham

An dem winzig kleinen Lavenham sollte man wirklich nicht vorbeifahren. 
Im dritten Anlauf haben wir die Altstadt endlich bestaunt, und das bei strahlend blauem Himmel bei angenehmen 15 Grad. Wobei ich vielleicht noch einmal erwähnen sollte, daß gerade Dezember ist, genau gesagt der 23.12.2015.
Direkt bei unserem Parkplatz laufen wir schon in dieses historische Gebäude. Rings um den Marktplatz gibt es noch viele ähnliche. 
Ich habe schon viele krumme und schiefe Häuser gesehen, aber hier übertrifft die Dichte an solchen 'Sehen-so-aus-als-fallen-sie-gleich-um-Häusern' besonders hoch.
Das Auto davor rettet uns dann doch wieder aus dem Mittelalter in die Neuzeit, um uns gleich wieder zurückzukatapultieren, denn es überkommt uns der unüberwindbare Drang, einen Teesalon in einem uralten Fachwerkhaus anzusteuern. Es locken leckere Scones aus dem 21. Jahrhundert in der Atmosphäre des 13. Jahrhunderts (besser als umgekehrt).
Neben Kuchen und Sandwiches kann man eigentlich auch fast alles was hier herumsteht käuflich erwerben.
Nach einem kalorienreichen Hochgenuß nehmen wir noch schnell ein Sonnenbad auf den Gartenmöbeln draußen vor dem Teesalon.
Vielleicht sollte ich noch einmal erwähnen, daß es Winter ist, genau gesagt der 23.12.2015.

Ein Fotostop an der St.-Peter-and-St.-Paul-Kirche am Ortsausgang weitet sich dann doch aus zu einer kleinen Kirchenbesichtigung, dank unserer beiden noch nicht so kirchenkundigen Mitreisenden, denen wir etwas bieten wollen.
Und es finden sich doch noch einige sehenswerte Details im Kirchenschiff. Wie in einigen gotischen Kirchen gibt es auch hier noch einen Lettner, der den Altarraum vom normalen Volk abtrennt.
Und auf den Bänken liegen selbst gestickte Sitz- oder besser Kniekissen, mit Motiven aus der Region.
Die Sonne scheint strahlend hell durch die Kirchenfenster und taucht den Raum in sommerlich warmes Licht, macht ihn selbst sogar angenehm warm, was ja für derartige Kirchen ungewöhnlich ist, vor allem zu dieser Jahreszeit.
Ich sollte vielleicht noch einmal erwähnen, daß es Dezember ist, genau gesagt der 23.12.2015.
Fröhliche Weihnacht(en)!









Weihnachten bricht aus - oder: Ein Rentier an der Kasse

Merry Christmas überall!
Wirklich überall!!
Wir erleben die Vorweihnachtsstimmung in England. Da sind Hotelrezeptionisten in albernen Schneemannpullovern (Mr. Darcy aus 'Bridget Jones' lässt grüßen), Verkäuferinnen mit Engelsflügeln, Supermarktangestellte in einer Art Strampelanzug für Erwachsene als Nikolauskostüm und viele andere Kuriositäten.
Und da! Ein Rentier an der Kasse bei Tesco!
            
Ein mit Würde getragenes Geweih, würde ich mal sagen. 
Und die Selbstbedienungskassen, die eigentlich mit 'self-scan' angekündigt werden, heißen in der Weihnachtszeit 'Elf-scan'. Elfen helfen im Supermarkt, sehr schön.
Die Mitarbeiter der Supermarktkette Tesco haben rote T-Shirts bekommen, die auf dem Rücken die Aufschrift tragen: 'Need help? - Let us know, let us know, let us know', in Anlehnung an den Text im Weihnachtslied 'let it snow, let it snow, let it snow'.
Selbstverständlich scheinen über das rote Shirt hinaus sämtliche Eigenkreationen an weihnachtlicher Körperdekoration erlaubt.
Nun ja, diese Mütze hier ist ja schon Standard, sogar bei uns längst anzutreffen, wenn vielleicht auch eher in privater Runde auf dem Weihnachtsmarkt, aber ich kann ja nicht wild herumfotografierend jeden in einem lustigen Pullover auf die Linse nehmen....
Aber hier ist jemand, der ließ sich freiwillig ablichten. War ja auch zu schön, der wandelnde Weihnachtsbaum.
Und was findet sich in den Ladentheken zu dieser Zeit? Truthähne über Truthähne!
Als Beispiel hier ein 40£-Exemplar. Ich kann es als Vegetarierin kaum mit ansehen. 
Schon der Fasan, den mein Mann eines Abends im Restaurant bestellt hat, tat mir leid. Der lief bestimmt am Morgen noch auf unserem Ferienhausgrundstück herum, hübsch bunt.
Ach ja, apropos bunt und Dekoration.
Selbst die Schranken im Parkhaus in Colchester haben Weihnachtsstimmung und sind festlich dekoriert. Wo hat man das schon gesehen?
                            
Merry Christmas.







Freitag, 18. Dezember 2015

Ich will genau so ein Haus

Ja, o. k., zugegeben, wir sind schon wieder hier. Es musste wieder mal England, Wakes Hall, sein. Vielleicht seid ihr schon genervt, aber es ist so schön hier. Meine damalige Ladennachbarin fuhr übrigens jahrelang immer nach Kellenhusen in das selbe Haus, also da sind dreimal Wakes Hall gar nichts gegen. 
Obwohl, meine Auszubildende bekommt schon Zweifel, ob wir jetzt alt werden. 
In dieser Vorweihnachtszeit genießen wir gerade einen halb sonnigen Himmel bei 14°. Das ist doch einfach unglaublich. Aber wir haben einen Weihnachtsbaum, der das deutliche Anzeichen dafür ist, dass wir wirklich bald Weihnachten haben und es eigentlich kalt sein sollte. Das war eine große Überraschung in der Nacht, als wir ankamen. Alles auf dem Anwesen war dunkel, die anderen Gäste in den anderen Losges schliefen schon, nur unser Häuschen war hell erleuchtet. Das kam vom Weihnachtsbaum, den die Hausmeisterin uns bereitgestellt hatte.
Vor lauter Arbeit und Gruppentouren hatten wir schon lange keinen Weihnachtsbaum mehr zu Hause, deswegen war das hier besonders schön. 
Es ist zwar Marke 'Klappschirm', aber er ist doch irgendwie schön. 
Und mein Hund fühlt sich auch wohl, hat sofort wieder ihren Platz erobert. Und das ist schließlich auch ein Grund, warum wir für die alte Lady wieder an die selbe Stelle fahren. 
Ich möchte gerne auch genau so ein Haus haben, in genau so einer schönen Umgebung. Wir haben schon überlegt, auf was man alles locker verzichten kann, um mit zwei Zimmern hier auszukommen. 
Das wird ein Traum bleiben.
Frohe Weihnachten an alle. 

Sonntag, 13. Dezember 2015

York im Advent - Impressionen meiner Lieblingsstadt

Allgegenwärtig: York Minster, die größte gotische Kathedrale nördlich der Alpen.
Schöne Geschäfte in schmucken Häusern überall.
Altes Gemäuer im Tudor Stil, manchmal krumm und schief.
So schief, daß man sie manchmal stützen muß. Tourist als Denkmalschützer.
Aber auch Häuser aus etwas jüngerer Zeit sind zu finden. Hier das Bürgermeisteramt.
Leckere Hauptspeisen in den unterschiedlichsten Restaurants.. .
und verlockende Nachspeisen.
Rudi ist auch da.
Und eine von 30 Eisskulpturen, die in der Stadt verteilt zu finden waren.








Advent am Bodensee

Ihr lieben Leute, es gibt ja manchmal deutsche Ziele, die fehlen einem in der Sammlung.
Bei mir war das der Bodensee.
Wie gut, daß die Quiatek-Adventstouren meistens zu einem deutschen Ziel gehen.
In Friedrichshafen-Schnetzenhausen fand ich mit dem Ringhotel Krone eine wunderbare Unterkunft. 
4-Sterne-superieur sind wahrlich gerechtfertigt. Grosse Zimmer, ja, wie jeder mittlerweile weiß, ist das kein Kriterium für mehr Sterne, und ja, jeder weiß, ich mag lieber kleine Zimmer, aber das ganze Drum herum war auch mehr als angenehm, die Küche sehr schmackhaft, das Frühstücksbuffet sehr reichhaltig. Der Wellnessbereich verdient auf jeden einen sehr viel längeren Aufenthalt als wir ihn hatten.
Das gesamt Personal war überaus freundlich und nett, und irgendwann im Sommer oder Herbst werden wir auch noch einmal wiederkommen.
Ausblick aus einem Zimmer. Ok, die Alpen im Hintergrund muß man sich etwas dazu denken, sie kommen hier auf dem Foto nicht richtig raus, aber sie sind wirklich da.

Mein Favorit, und ich denke, alle Reiseteilnehmer stimmen mir hier zu, war Lindau. Die historische Altstadt, auf einer Insel im Bodensee, verbunden mit dem Festland durch eine Brücke, war der Schauplatz der romantischen Hafenweihnacht. Es fehlte tatsächlich nur ein bisschen Schnee zur perfekten Adventsidylle.
Hier ein Blick über den See.

Und noch ein außergewöhnlicher Weihnachtsbaum.







Sankta Lucia Festival of lights

Ein Highlight bei einem Adventstrip nach York sind die vielen Veranstaltungen in der Kathedrale.
Während unseres Aufenthaltes war es die Lucia-Lichterprozession. 
Wir waren noch soeben rechtzeitig unserem Dinner-Pub entkommen, um auf den letzten Drücker Plätze in der Kathedrale zu ergattern. Das lag aber nicht daran, daß uns die für diesen Spuk-Pub versprochenen Geister in Schockstarre versetzt hätten (Prostituierte, Würger und andere unheimliche Gestalten waren im Internet angekündigt worden), wir haben einfach zu langsam gegessen.
Das als gut angepriesene Essen war auch wirklich lecker. Jeder war zufrieden, und wieder einmal konnten wir mit dem Vorurteil aufräumen, die Engländer könnten nicht kochen.
Die Kathedrale war voll bis auf den letzten Platz. Zu gern hätte ich übrigens einmal herausgefunden, wieviele Menschen dort hineinpassen, aber ich habe nichts gefunden.
Am Eingang stand jedenfalls schon der Chor mit den Kerzen bereit.
Die Kathedrale war noch hell, und sobald das Licht ausgeschaltet wurde, verzauberten uns die Fackeln sofort.
Der Chor schritt in aller Langsamkeit (Lucia musste immerhin fünf große Kerzen in einem Kranz auf ihrem Kopf sicher bis zum Altar bringen) durch das endlos lange Kirchenschiff und sang mit wirklich wunderbaren Stimmen das 'Santa Lucia'. Ich kannte das irgendwie nur als italienisches Volkslied - bislang.
Diese Version war überaus getragen und machte Gänsehaut. Und nicht nur das, ich war nicht die einzige, die ein paar Tränen verdrückt hat. Es war einfach wundervoll!!
Das Lied, wie auch die folgenden, waren auf schwedisch. Die Anglo-Skandinavische Gesellschaft in York fördert die Verbindung dieser Region mit den Skandinaviern. Eine friedliche Sache heute, im Gegensatz zum 9. Jahrhundert, als die Wikinger den Norden Englands plündernd und mordend heimsuchten. In York gibt es noch viele Dinge, die an die Wikingerherrschaft erinnern.
Nach einem kurzen, anschließenden Gottesdienst wurde der Abend mit dem gemeinsam gesungenen 'Herbei, oh ihr Gläub'gen' beendet, schwedisch und/oder englisch gesungen.
Ich hab' den deutschen Text geschmettert und fühlte mich danach mit festlicher Stimmung bis oben hin angefüllt!
Das herrliche Münster, angestrahlt in dunkler Nacht. Ein wunderbares Abschlußbild.
Bei Tag sieht sie übrigens so aus:
Ich liebe dieses Gebäude! Mein Favorit neben den Kathedralen von Salisbury und Exeter.
Das York Münster ist übrigens eine der sehr wenigen kirchlichen Gebäude der Welt, die eine eigene Polizeitruppe haben. 





Freitag, 16. Oktober 2015

Roussillon - ein Traum in Ocker

Ich ziehe mal den 6. Tag unserer Provence-Rundreise vor, denn hier in Roussillon
habe ich ein ruhiges, sonniges Plätzchen zum Schreiben gefunden. Ocker überall! Es stimmt, man kann das nicht mit Worten beschreiben, man muss hier sein und sehen, oder es malen. Rot, rostfarben, braun, gelb, orange und was weiss ich noch für Farbtöne.
Die schlappen 2,50 Eintritt sind es mehr als wert, direkt durch die Ockersteinbrüche zu wandern. Jetzt in der Nachsaison herrscht eine himmlische Ruhe.
Ich habe als erstes den Fingertest gemacht und ein bisschen rostige Farbe angenommen. Der Ocker soll keine Schadstoffe enthalten, so dass sich die Menschen damals auch damit schminken konnten. Damals, als hier noch Ocker abgebaut wurde. Das ist längst vorbei. Ich sehe, dass die Farbe sehr intensiv ist und nur sehr schwer wieder abgeht. Irgendwie denke ich an Indianer auf dem Kriegspfad. Meine Farbe am Finger eignet sich hervorragend als furchteinflössende Gesichtsbemalung. 
Witzig ist, als ich die Farbe wieder abwischen will, dass mit jedem Wisch die Farbe eine andere wird. "Getankt" hatte ich einen dunklen rostigen Ton, und nach zweimaligem Abwischen hatte ich einen gelben Farbton im Taschentuch. Das muss mir dann doch mal ein Chemiker erklären, denn da geht bestimmt etwas logisches an der Luft vor, aber ich staune nur.
Der Ort selbst ist niedlich klein mit den so sehr geliebten verwinkelten Gässchen. Jedes Haus hat einen anderen Ockeranstrich, und alles wirkt warm. Das tut auch sehr gut, hat uns doch heute wohl der Mistral erwischt, der wirklich sehr kalte Wind von Norden. Dafür war, wie es sich gehört wenn der Mistral bläst, der Himmel stahlblau. 14 Grad im Schatten, in der Sonne theoretisch mehr, aber der Wind eben.... ich friere trotz Strick-und Windjacke. Aber hier in Roussillon ist es doch wieder besser.
In einem winzigen Café mit Aussichtsterrasse nehme ich einen Kaffee und eine Cola. 
Hier mein Ausblick, wenn auch gegen die Sonne:
Roussillon ist schon ein absolutes Muss auf einer Provencereise.



Freitag, 2. Oktober 2015

AIDA - das goldene Klo, unsere Kabine und Abfahrt

Und so sieht sie aus, unsere Balkonkabine, sicherheitshalber mal vor unserer Belagerung fotografiert, damit es noch schön ordentlich aussieht.

Sie ist wirklich angenehm eingerichtet und hat.... einen Balkon, klar. 15 Minuten Auszeit, bevor es zur 'Alle-Decks-abklappernden-Extremschiffsbesichtigung' geht.
Ich freue mich schon auf das Tuten des Schiffshorns, was einem Schiffsfan immer Gänsehaut bereitet, vor allem, wenn auch andere Schiffe im Hafen liegen und sich tutenderweise gegenseitig voneinander verabschieden. Ach..., mein Herz klopft....!
Aber erst einmal sollten wir was essen. Vorgenommen haben wir uns, um alle Restaurants kennenzulernen und unseren Kunden genau berichten zu können, daß wir in jedem Restaurant nur ganz wenig vom Buffet picken, uns dort maximal 20 Minuten aufhalten und dann das nächste testen.
Und wir wählen als erstes die Lokalität, wo nicht so viele Leute Schlange stehen. Es wird das Marktrestaurant. Danach das Bella Donna für den zweiten Gang. 
In beiden Restaurants gibt es allerdings dasselbe. Das hatte ich anders in Erinnerung. 
Zurück auf der Kabine merkt man uns das frühe Aufstehen an. 
15:00 h Seenotrettung. Pflichtübung für alle Kreuzfahrer. 




AIDAblu hat einen Blumenladen an Bord. Ich muß gestehen, daß ich mich immer noch frage, ob solch ein Laden auf einem Schiff tatsächlich so frequentiert wird, daß er sich rentiert. Ich glaube, wenn mein Mann mir an Bord Blumen kaufen würde, ich wüsste nicht genau, ob ich das toll finden sollte. Ich freue mich zu Hause über Blumen, aber im Urlaub hat es noch nie welche gegeben. Ich hatte auch noch nie einen Gedanken daran verschwendet, daß das schön sein könnte, denn ich halte das für rausgeschmissenes Geld. Man könnte dafür lieber einen schönen Cocktail trinken. Aber wie alles auf der Welt ist das Geschmackssache, doch wer weiß, wenn er dann doch damit ankäme..... dann ist es doch vielleicht einfach nur romantisch und man ist hin und weg.
Übrigens habe ich selbst in dem Laden schon etwas gekauft, auf AIDAsol während meiner Kanarentour, 3 Weihnachtszwerge aus Keramik mit langer roter Mütze und passende Servietten dazu. Die liegen nun genau wie die anderen 50 Sorten aus ganz Europa in meinem Geschirrschrank und genießen auch das Privileg, nicht benutzt werden zu dürfen. Wäre doch schade, wenn man die einfach so mit Bratensauce ruiniert!

Aber ich schweife ab, denn eigentlich geht es gar nicht um den Blumenladen, sondern um etwas Interessantes dort um die Ecke.
Laut meiner Freundin Brigitte gibt es dort ein goldenes Klo, aber sie weiß nicht genau, ob es immer noch so ist. Es wird ja schon nicht das Gold abgekratzt worden sein, und auch wenn dann und wann Touristen so einiges gebrauchen können (Handtücher, Shampoofläschchen, Bademäntel), ein Klo kriegt man nun nicht so einfach abtransportiert.
Scherz beiseite, wir sehen nach, ob es noch dort ist.

Es ist noch dort! Tadaaaa!
Ich muß einfach an dieser Stelle erwähnen, daß sich schon Jahre das Gerücht hält, daß ein ehemaliger Kollege von mir, Busfahrer bei... (habt Ihr gedacht, ich verrate es!?) mal einen Hosenbügler aus dem Hotelfenster abgeseilt hat. Also sowas kommt vor.... :-) Der wäre dann auch so ein Kandidat für ein AIDA-Goldklo zu Hause.

Aber ich schweife schon wieder ab. Apropos "ab", das Ablegemanöver steht bevor. Schnell aufs oberste Deck, denn mein Schiffshorn möchte sich verabschieden.



Die Kathedrale von Palma entschwindet langsam, über unseren Köpfen landen in kurzen Abständen Flieger, die gleich weitere Urlauber auf der Insel ausspucken werden, und zwar genau solche, die genau wissen, daß man hier auch noch im Oktober, und nicht nur Anfang Oktober, schönes Wetter hat und einen tollen Sonnenurlaub genießen kann. Ein Wink für all meine Kunden, die immer wieder fragen, ob es im Oktober nicht schon viel zu kalt ist. Neiiin! Ist es nicht! Wir haben 24 Grad, morgen sollen es 26 werden.
Gleich auf See werde ich kein Netz haben. 
Bis morgen früh. AHOI!
Guten Morgen. Der Wecker schellt um 7:00 h. Das ist natürlich nicht urlaubslike. Aber wir müssen um 8:00 h die Kabine räumen. Wie schön, dass wir eine Balkonkabine haben, denn das bedeutet Frischluft am Morgen. Man kann  schon einen ersten Blick auf die im Hafen liegenden anderen Kreuzfahrtschiffe werfen, sich entspannt an die Balkonbrüstung lehnen und die kurze noch verbleibende Zeit an Bord genießen. Man braucht gar nicht duschen, denn die Purzfrau über uns auf Deck 7 schrubbt den Balkon und schüttet das Wasser über Bord und direkt auf Lina. Das kann ja wohl alles nicht wahr sein! Mein Azubi riecht jetzt nach Putzeimer! Sie ist höchst empört, verständlicherweise, und wir werden uns da wirklich beschweren. 
Ansonsten hatten wir einen sehr netten Abend, zunächst beim indischen Restaurant "East" und dann im Marktrestaurant beim Alpen-Themenabend. Ja, es ist wahr. Ich war indisch essen, und es hat mir geschmeckt. Fisch in Joghurtsauce, ein Gedicht! Die Dips zum Naan-Brot wunderbar! Dagegen war der Alpenabend im Marktrestaurant besonders für Vegetarier nicht so sehr zu empfehlen. Auch im Brauhaus, wo ja Oktoberfest angesagt war, ging es uns zu schnitzelig und haxig zu. 


Die Abendshow 'Samsara' war ganz bezaubernd. Wir haben die Geschichte zwar nicht verstanden, aber Tanz und vor allem die Akrobatik waren professionell und einmalig schön. Der Kostümfundus bei AIDA muss riesig sein.


Um jedoch unseren Intellekt nicht ganz auf Null erscheinen zu lassen, sei hier angemerkt, dass wir doch sehr wohl verstanden haben, dass während der Show ein als Fisch verkleideter Tänzer zappelnd und ohne Wasser auf der Bühne verendet ist. Das war sehr dramatisch und rührend. 
Die Lasershow, so fest wir sie uns auch vorgenommen haben, mussten wir aufgrund extremer Müdigkeit canceln. Und um die allererste Frage vor unserer Abreise zu beantworten: nein, in der Disco waren wir nicht. Und der Disco-Fox Tanzkurs mit Torge ist leider ausgefallen. Hier waren wir versucht....
Nun hatten wir auch ein super Frühstück und erobern gleich Palma-Stadt. 




Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...