Mittwoch, 28. Februar 2018

Ein Wein mit Bedeutung aus England

Wie jeden Tag fragt Facebook mich, was ich gerade mache. Facebook ist sehr aufmerksam und interessiert sich dafĂŒr, was ich tue. 😀
Na gut, dann schreib ich‘s mal - fĂŒr Facebook. Nein, fĂŒr alle. 

Ich köpfe gerade unseren seit 8 Monaten gehĂŒteten „Claret“. 

Das ist ein Rotwein. Ich habe ihn mitgebracht von meinem Gartenbesuch in Highgrove, dem privaten Anwesen von Prinz Charles in der wundervollen Region „Cotswolds“ (passende Reise ĂŒber den Link).
Als ich dort im Shop war und den Wein entdeckte, blitzten sofort ein paar Passagen aus diversen Romanen in meinem Gehirn auf: Die Geschichten um die Sippe des Earl of Grantham und seiner Dienerschaft in „Downton Abbey“, oder die Liebesverwirrungen in „Belgravia“.
Dort wurde immer wenn eine Festlichkeit war, man Eindruck machen oder Jungvolk in die Gesellschaft einfĂŒhren wollte, eine Flasche vom besten „Claret“ geöffnet.
Nun kenne ich mich nicht wirklich gut mit Weinen aus, sondern gehöre schlicht zu jener Gattung, die mit schnalzender Zunge das Urteil „LECKER“ oder „NÖ“ abgibt, ohne dem edlen oder schlechten Jahrgang besondere Aufmerksam oder ein fachmĂ€nnisch vernichtendes Urteil zukommen zu lassen. 
Ich habe letzten Sommer in Highgrove nur gedacht „Wow! Trauben aus ökologischem Anbau, und dann noch von diesem Anwesen!“
ZusÀtzlich gekrönt mit dem Wappen des Thronfolgers! Kann gar nicht schlecht sein.
Ist er auch nicht, wie ich eben festgestellt habe.
Die Flasche wurde an einem schnöden Mittwoch Abend geköpft , weil es etwas zu feiern gibt, ĂŒber das ich spĂ€ter noch berichten werde.

Ein paar leckere KĂ€sesorten dazu, Baguette, und fertig ist eines meiner Lieblingsgerichte. Nun mĂŒsste man sich nur noch gedanklich in einen lauen Sommerabend am Ufer der Loire versetzen, und die AtmosphĂ€re wĂ€re perfekt.

Da gibt es nur drei Schwierigkeiten:
1. Bei den derzeitigen Minustemperaturen gelingt es mir einfach nicht, mir lauschige Abende vorzustellen.
2. Ich kann mir mich momentan aufgrund unserer Hauptbuchungszeit nirgendwo anders vorstellen als im ReisebĂŒro in Hörde.
3. Die Loire wĂŒrde sich noch mehr krĂŒmmen als ohnehin schon und wahrscheinlich aus ihrem Bett springen, wenn sie hört, daß ich einen „Claret“ an ihren Ufern öffne. 

Ein „Claret“ ist nĂ€mlich ein Bordeaux-Wein, und vielleicht noch nicht einmal so ein besonderer, wie ich gerade eben googeln musste.
Es entzieht sich meiner Kenntnis (sorry, Olaf Jacobsen, der Fachmann bist Du).
Auf jeden Fall haben die EnglĂ€nder seinen französischen Namen „Clairet“ anglisiert und bezeichnen damit einfach einen Wein aus der Region um Bordeaux, die ihnen vor Jahrhunderten einmal gehört hat.
Aber ich will jetzt gar nicht irgendwelche Verluste bejammern, das Gebiet ist halt futsch und heute französisch.
Die Franzosen bezeichnen mit „Clairet“ einen traditionell eher hellen Rotwein (merke auf: claire/e = hell).

Nun sitze ich hier also bei Wein und KĂ€se und rufe mir die Highgrove-Erinnerungen hervor. „Indeed, yes, a very fine wine. And so organic“.
Ich schmecke das gesunde Land des ewigen Thronfolgers und habe Visionen von den schönen Cotswolds-Landschaften. 
Uups! Da katapultiert mich das Etikett der Flasche wieder zurĂŒck, denn der edle Tropfen ist ja „made France“. 
Aber immerhin, die AbfĂŒllstation „Chateau de Lagarde“ lĂ€sst meine Fantasie wieder aufleben.

Zeit, meine schottische Brieffreundin anzurufen. Ich rufe sie immer an, wenn ich ein Glas Wein in der Hand habe. Und zu meiner eigenen Beruhigung sei erwĂ€hnt, daß ich sie gar nicht so oft anrufe.








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