Dienstag, 29. August 2017

Mit dem Zug nach Paris - oder wie meine Gäste unseren Bus vermissten

Eine Erinnerung an eine Reise im vergangenen Jahr holt mich gerade ein, weil ich heute eine Anfrage von Kunden hatte, die gern mit dem Zug nach Paris reisen wollten.
Ich gebe zu, als eiserner Verfechter von Rund- und Städtereisen mit dem Reisebus kann ich nicht anders als kurz vorschlagen, ob denn nicht eventuell eine Busreise....
Doch da fällt man mir schon ins Wort.
"Nach Paris? Mit dem Bus? Um Gottes Willen!!!!" Ich müsste, um den Ton des Entsetzens richtig wiederzugeben, noch einige Ausrufezeichen mehr setzen.
Sicher Busreisen - der Fahrer macht das schon.
Das trifft mein Busreiseleiterherz nun ganz gewaltig, aber ich muß es akzeptieren, Geschmäcker sind verschieden. Und dennoch: Für mich ist der Bus DAS Gefährt schlechthin, wenn es um Besichtigungstouren geht.
Auf jeden Fall aber kam von meinen Kunden postwendend das Gegenargument für die Bahn: "Da kann man mal aufstehen und rumlaufen".
Wie oft habe ich das schon gehört??? Und es stimmt natürlich. Wenn man das dann wirklich macht, ist es in Ordnung. 
Im Reisebus fesseln wir übrigens auch nicht unsere Leute an den Sitzen. Während der regelmässigen Pausen unterwegs dürfen die sogar auch aussteigen und sich die Beine vertreten.

An dieser Stelle also meine Geschichte über eine Kleingruppentour mit der Bahn nach Paris.
Es war im letzten Jahr. All meine Reisen ausverkauft, bis auf die Paris-Tour. Sie schwächelte ein wenig, und ich wollte meine Gäste nicht mit einer Absage enttäuschen, rechnete kurz durch und kam zu dem Schluß, mit meiner 13-er Gang mit dem Zug nach Paris zu fahren.
Ab Dortmund haben wir doch nun diese wunderbare Verbindung mit dem Thalys. In 4 1/2 Stunden am "Gare du Nord". Eine fantastische Vorstellung astreiner Hochgeschwindigkeit. Man wird quasi ruck zuck nach Paris gebeamt.
Wir trafen uns also am  Hauptbahnhof, unser Gepäck im Anschlag, denn um den Transport mussten wir uns natürlich selbst kümmern. Alles in die Gepäckablage geastet, ich hatte nur einen etwas überdimensionalen Rucksack und tat mich damit schon schwer, den oben in die Gepäckablage zu bugsieren. 
Die Gepäckablagen am Ende der Zugabteile nutzen, so ganz unbewacht, das möchte ich dann doch lieber nicht.
Wir kommen pünktlich am Pariser Nordbahnhof an. Meinen Schock über den Preis für einen Kaffee an Bord des Zuges habe ich eigentlich noch nicht verwunden und trauere noch ein wenig dem viel besser schmeckenden und nur einen Bruchteil davon kostenden Kaffee in unserem Reisebus nach.
Übrigens ist die ganze Zeit während der Fahrt niemand aufgestanden, um mal ein wenig rumzulaufen, was man ja in der Bahn so wunderbar kann. Außer dem obligatorischen Gang zur Toilette sah ich keinerlei Bewegung.
Eine aufregende Métrostation Nähe Palais Royal
Jetzt geht es ab in die Métro. Sie ist bekanntermaßen DAS Transportmittel in Paris. Etwa alle 500 m eine Station, man kommt überall hin, zum günstigen Preis - wenn man ein 10-er "Carnet" oder ein "Paris-Visite-Ticket" hat.
Die Station im Nordbahnhof hat sogar eine Rolltreppe. "Quel confort!" Wir schweben in den Untergrund und warten auf den nächsten Zug. Der ist leider total voll, und ich rate meinen Gästen dringend ab, noch schnell die letzte Quetsch-Ecke in der Métro zu ergattern, da oftmals diese Enge von Dieben inszeniert sein kann, die den Neuankömmling (und leider nicht nur den) dann gleich um einige wertvolle Dinge erleichtern.
Irgendwann kommt auch ein Zug, der entspannt viel Platz für uns "wilde 13" hat, und los geht´s.
Selbstverständlich kommt man vom Nordbahnhof nicht nonstop direkt zu unserem Hotel - zu den wenigsten Hotels, muß dazu gesagt werden, es sei denn, man bucht halt direkt am Nordbahnhof ein.
Unser Hotel, mein geliebtes "Magellan" in einem ruhigen Wohnbezirk, erreicht man mit zweimal Umsteigen.
Und nun macht sich auch schon ein wenig Gegrummel Luft: Die Pariser Métro ist beileibe nichts für Menschen mit Gepäck. Es ist nicht einfach, einen Koffer durch diese Schranken zu schieben. Schlimmer noch die Stationen, an denen man durch so eine Art Klapptüren muß. Die gehen dann entweder hinter mir direkt wieder zu und lassen meinen Koffer dahinter, oder aber mich, wenn ich meinen Koffer vor mir her schiebe.
Es ist alles sehr schwer zu beschreiben, und ich kann noch nicht einmal empfehlen, es selbst auszuprobieren, um es zu begreifen.
Wir klettern Treppen rauf und runter, denn die Wege im Untergrund sind manchmal endlos. Wer einen Koffer mit Rollen hat, hat´s gut, sollte man meinen. Aber nur so lange, bis die nächste Treppe kommt. Und wir erleben viele davon.
Meine Leute sind schon fix und fertig, und der erste fragt, ob uns nicht Marek mit seinem Bus hier irgendwo auflesen kann, aber der ist ja nunmal weit weg in Paderborn. Wir müssen jetzt da durch und nehmen gleich nochmal die nächste Treppe, bevor wir wieder umsteigen.
In Schweiß gebadet am Hotel angekommen, nehme ich nach dem Einchecken mal die Uhrzeit: 
Ich habe von meiner Wohnung aus 7 Stunden gebraucht! 
Mit unserem Bus hätte es vielleicht noch eine Stunde länger gedauert, aber man wäre entspannt angekommen, ohne Gepäckschlepperei, ohne endlose Treppen und Gänge unter Tage.
Und mit einem leckeren Kaffee und einem kleinen Piccolöchen macht man sich richtig gute Laune auf ein paar schöne, erlebnisreiche Tage in Paris - oder sonstwo in Europa.
L´Arc de Triomphe
Und ich weiß schon, jetzt werden womöglich die Stimmen laut, man könnte das alles schneller haben, wenn man fliegt.
Ganz genau, eine sehr gute Idee, die ich auch schon ausprobiert habe. Ich fasse mal rasch zusammen:
1/2 Stunde Fahrt zum Dortmunder Hauptbahnhof, 50 Minuten mit dem RE nach Düsseldorf zum Flughafen, 1 1/2 Stunden vor dem Abflug einchecken. Sicherheitshalber, damit auch nichts schief geht, ist man mal 2-2,5 Stunden vorher am Flughafen. Dann fliegt man, zugegebenermaßen, recht kurz und findet sich wieder im nicht sehr übersichtlichen Flughafen "Charles de Gaulle", sucht den Ausgang und vor allem die Bushaltestelle der Air-France-Busse, die einen dann in die Innenstadt fahren. Wenn das alles ohne Verzögerungen geht, ist man in einer guten Stunde am Air-Terminal am Invalidendom. Dann geht es in die Métro, und ich spare mir jetzt die Szenerie mit dem Gepäck etc.
Eventuell noch ein- oder zweimal umsteigen, und das Hotel ist erreicht.
Ich denke, auch hier kann ich 6,5 bis 7 Stunden ansetzen. Ein wahrer Gewinn!!!
Und so geht es einem mit vielen Zielen in Europa.
Gerade kürzlich bekam ich noch einen Bericht von einer Freundin, die eine Cornwall-Rundreise mit Studiosus bei mir gebucht hatte. Die Anreise erfolgte per Flug nach London.
Ihr Bericht (die Reise an sich war sehr schön) sprach mir, was die Anreise anbetrifft, voll aus dem Herzen, denn sie war natürlich mit Anreise zum Flughafen, einchecken, Sicherheitsschleuse, warten, fliegen, auf Gepäck warten, auf die anderen Teilnehmer warten und dann noch bis Salisbury fahren, fast endlos unterwegs. In nicht viel mehr Zeit schaffen wir das mit unserem Reisebus, ganz bequem, schnell mal von Calais durch den Tunnel nach Folkestone (35 Minuten), immer hübsch bewirtet und versorgt unterwegs. Wieder das schon erwähnte Piccolöchen auf dem Tischchen vor mir und mit Beine vertreten während der kleinen Pausen.
Als meine Freundin dann diese Rechnung während der Rundreise bei einigen Mitreisenden präsentiert, erntet sie das blanke Entsetzen!
"Mit dem Bus nach Cornwall? - Nein, das kommt für uns gar nicht in Frage."
Es wäre jetzt einmal interessant zu wissen, wie die so erschüttert reagierenden Passagiere denn eigentlich die Rundreise vor Ort durchgeführt haben.
Wurden sie von Studiosus durch die Lande gebeamt oder saßen sie gar am Ende ab und bis London Airport in einem Reisebus? 
In einem Reisebus, der sie an den Sitz fesselt und nicht mehr raus lässt?
Dreimal "sorry" für diese böse Schlußbemerkung, sagt Euer Verfechter von Bussen und Reisen - Euer Freund der Busreise-Weisen....
Maskottchen Björn-Ole entspannt am Schloß Läckö



 





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