Sonntag, 25. März 2018

So leicht wird man zum Bahn-Fan

Nach Paris mit dem Zug vor einigen Jahren habe ich noch etwas umständlich in Erinnerung, was aber vor allem an der Kofferschlepperei lag und an den wirklich sehr umständlichen Wegen mit so gut wie keinen Rolltreppen in der Métro.
Meine Leutchen sehnten sich schon sehr bald nach unserem Reisebus zurück.

Es geht aber auch in richtig schön, schnell und angenehm, was mein Trip nach London beweist.
Hier habe ich an Anreisemöglichkeiten wahrhaftig alles durch: 
1. Reisebus 
Das bedeutet eine Reisedauer von 10 Stunden insgesamt, aber mit entspannter Pause im Tunnel oder auf der Fähre, nicht zu vergssen das eigentliche „MUST“, der Blick auf die weißen Klippen von Dover. Ausstieg direkt am Hotel, wunderbar! Einen Kaffee oder Piccolo in der Hand an Bord eines komfortablen Busses, und die Vorfreude steigt.

2.  Mit dem eigenen PKW. Das ist auch nicht wesentlich schneller, ein möglicherweise per Losverfahren ausgesuchter Mitreisender muß fahren, und das links und durch den Londoner Stadtverkehr. Dazu kommen horrende Parkgebühren. Nicht zu vergessen die Umweltzonenbedingungen in der Innenstadt.

3. Per Flug. Hier kommen ab NRW ca. 7 Stunden inkl. Warterei auf das Gepäck und immer mindestens eine Stunde Gurkerei per U-Bahn in die Innenstadt, wenn man nicht gerade am City-Airport landet und sein Hotel in den Docklands hat. Wohl dem, der hier mit Rucksack anreist, was mir dann doch immer ein bisschen zu wenig ist. Nun ja, es schleppt ja auch nicht jeder zwanghaft seinen eigenen Monsterföhn auf allen Reisen mit.

Jetzt kommt 4. noch die Zuganreise hinzu.
Empfehlenswert zunächst einmal für alle Flugängstlichen. Und für alle Bahnfans sowieso.
Der erste Thalys geht um 5:19 h ab Dortmund nach Brüssel. Ja, das ist eine unchristliche Zeit, aber mit allen anderen Verkehrsmitteln geht es doch auch nicht später los.
In 3 Stunden und 15 Minuten ist man dann in Brüssel, steigt um in den Eurostar, und dann wird es richtig schnell.
Der Thalys könnte auch noch einen drauflegen, wird aber durch die vielen Halte-Bahnhöfe zwischen Dortmund und Aachen an seiner Topgeschwindigkeit gehindert. Es ist hart, aber ich muss es einfach akzeptieren, daß nicht nur Dortmunder Interesse am Reisen mit der Bahn haben. 

Sehr gespannt bin ich, wie und wo die Zollkontrollen nach England stattfinden. Eine gute Stunde Umsteigezeit in Brüssel habe ich einkalkuliert, und das war genau richtig, denn hier wird das Gepäck durchleuchtet und kontrolliert wie am Flughafen.
Auf leisen Sohlen wandele ich durch den Kontroll-und Durchleuchtkäfig. Ja, denn ich muss auch die Schuhe ausziehen.
Warum nur habe ich Boots mit meterlangen Schnürsenkeln statt Reißverschlußstiefeln gewählt?
Das Beste allerdings ist dann die Begründung der Kontrollbeamtin, die meinen Mann mit Schuhen durchschleust: „Die sehen teuer aus!“ 
Was ist das denn bitte für eine Logik? Und vor allem möchte ich betonen, daß meine Boots zwar vielleicht nicht die saubersten sind, aber auch nicht gerade billig. Nun ja, ich stehe bei einem männlichen Kontrolleur an, der hat einfach keine Blick für Qualität.
Rasch noch zur Toilette, die mir bereits knallbunt ankündigte, daß es hier nach Großbritannien geht. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich bei Lisbeth meine Kaffee lasse oder bei Shakespeare. Oder ist er es am Ende gar nicht? Egal, hinter ihm steht eh die Behindertentoilette.

In 1 Stunde und 50 Minuten ist dann London St. Pancras erreicht. Der Eurostar dreht richtig auf, wird in Calais auch nicht auf Waggons für den Kanaltunnel verladen so wir PKWs und Busse, sondern rauscht ungehindert durch seine eigene Röhre auf die Insel.
Gerade noch erkenne ich die in den letzten Jahren verstärkt entstandenen Zäune bei Calais, mit denen man sich vor den vielen Flüchtlingsschüben abzuschotten versucht. Dann werde ich unter dem Meer quasi ins Königreich geschossen.

Wer mag und nicht erpicht ist, in Nullkommanix am Hotel zu sein, stattet dann dem berühmten Bahnsteig 9 3/4 im direkt angrenzenden Bahnhof King‘s Cross noch einen kurzen Besuch ab.
Das ist nicht das Harry-Potter-Gleis, sondern die Halle von St. Pancras, ein Meisterwerk der Architektur viktorianischer Zeit.
Ich weiß wirklich nicht, warum ich mir gerade jetzt eine Zeitschrift im Buchhandel über Queen Victoria und ihre Zeit kaufe, aber wahrscheinlich wirkt der Bahnhofsbaustil intuitiv, verstärkt noch durch das Schiff, die Queen Victoria, die ich morgen kennenlernen werde.

Idealerweise bucht man sein Hotel dann in der Nähe des Bahnhofs und kommt somit auf eine Gesamtreisezeit von 7,5 Stunden von Haustür zu Haustür, inklusive einer kleinen abwechslungsreichen Umstiegspause in Brüssel. Hier gibt es überall Rolltreppen, so daß das mit den Koffern auch nicht das Schlimmste ist.

Es ist eine wirklich empfehlenswerte Anreise, und besonders versüßt und verkürzt durch mitreisende Freunde, mit denen die Zeit quatschender- und lachenderweise wie im Fluge vergeht.

London per Zug - und wer weiß, was mir sonst noch so alles einfällt, wo man auch  mit einem interessanten Zug hinfahren kann, das werde ich auf jeden Fall in 2019 als Gruppenreise anbieten.
Wenn Ihr Lust aufs „Zügeln“ habt, dann lasst es mich wissen.

 









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