Sonntag, 28. Januar 2018

Robbie hat Geburtstag - Whisky und lecker essen

Es gibt Hotels, die liebe ich einfach. Das Ringhotel Paulsen in Zeven gehört mittlerweile dazu.
Diese nette Inhaberfamilie, das außerordentlich gute, freundliche Personal, die Wohlfühlatmosphäre und ganz besonders das fantastische Essen.
Es wird hier nahezu alles aus der Region gezaubert, wobei ich immer wieder fasziniert bin, wohin die verwandtschaftlichen Arme von Besitzer Ralph Paulsen so überall hinreichen.
Alle möglichen Familienmitglieder, Freunde und Bekannte produzieren etwas, von dem man über kurz oder lang süchtig wird.

Da gibt es den Bruder, der Butter herstellt. Ein Hoch auf ihn. Die Kühe, die er dafür anzapft, müssen überaus glücklich sein. 
Lass‘ mich schnell nochmal eins von den leckeren Klötzchen auf das selbst gebackene Brot packen. Heute pfeif‘ ich auf die Kalorien!
Dann erzählt uns Herr Paulsen von Jochen Kunkel und seiner Fischräucherei, und davon, daß der in einem speziellen Verfahren beim Räuchern die Fische immer wieder nass spritzt, oder was auch immer.

Ich muß mich entschuldigen, denn die Erklärung dieser Methode habe ich schon wieder vergessen, aber sie soll einzigartig sein. Wie dem auch sei, ebenfalls einen Toast auf den Räucher-Jochen, denn er hat mich sogar zum Matjesfan werden lassen. Das ist ein Fisch, mit dem man mich bislang hätte jagen können.
Auf der uns dargebotenen „Fischplatte Klein-Meckelsen“ liegen dann noch spezielle Heringsorten aus Holland, weil Herr Paulsen auf eine, meinem Gedächtnis ebenfalls entfallene Art und Weise in irgend einer besonderen Beziehung zu holländischen Fischweibern steht. 
Daß ein Hering, dem man, so soll es Brauch sein in Holland, noch seine Bauchspeicheldrüse gelassen hat, viel leckerer schmeckt, konnte bei diesem Abendessen eindeutig bewiesen werden. Meine Bilder im Kopf verdränge ich jetzt mal. Der tolle Geschmack lässt sie verblassen.

Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß wir im nächsten  Jahr im Juni mit einer kleinen Reisegruppe zu den Matjeswochen wieder hierher fahren werden. Vormerkungen nehme ich ab sofort gern entgegen.

Doch alle Klein-Meckelsen-Fische werden von einem Essen vom Thron gestürzt, das uns beim sogenannten „Burns Supper“ gereicht wird. 

Hierzu eine kleine Vorgeschichte:

Am 25. Januar hat Robert Burns Geburtstag. Schön, werdet Ihr jetzt denken. Schön für diesen Robert. Und wer soll das sein?
Fragt das bloß keinen Schotten! Er wird verständnislos mit den Augen rollen, soll es doch schließlich weltweit mehr Robert-Burns-Statuen geben als von allen anderen nicht-kirchlichen Berühmtheiten. 
Oder aber der Schotte fühlt sich sofort berufen, voller Nationalstolz dem unwissenden Übersee-Menschen (in britischen Augen kommen wir aus „overseas“) zu erklären, von welchem Helden hier die Rede ist. Er ist der Nationalheld des Landes nördlich des Hadrianswalls, ein Dichterfürst, der unter anderem für das Lied „Auld lang syne“ verantwortlich ist.
Ich denke, das kennt ein jeder auch in Deutschland.

Burns war ein Zeitgenosse unseres Goethes, aber wer von uns weiß denn Goethes Geburtstag auswendig, geschweige denn, feiert diesen?
Es ist allerdings von nahezu jedem Schotten anzunehmen, daß er sofort weiß, daß Robbie am 25. Januar geboren wurde. Und zwar in Alloway in den Lowlands.
Vielerorts begeht man seinen Ehrentag schon seit Jahrhunderten mit immer derselben Zeremonie, dem „Burns Supper“.
Auch wenn das Wort „Supper“ nach einer einfachen Suppe klingt, so bezeichnet es eigentlich im englischsprachigen Raum die Hauptmahlzeit am Abend oder auch einen kleinen Snack am späten Abend.
Aber was ist dann ein „Dinner“? 
Auch ein Abendessen, allerdings meist eine gesellschaftlich größere Angelegenheit im Gegensatz zum doch eher informellen „Supper“.
Mag sein, daß sogar in der Mittel- bis Arbeiterklasse eher „gesuppert“ wird und in den höheren Schichten „diniert“.
Zu Robbies Geburtstag jedenfalls gibt es „Supper“, und das ist dann wirklich richtig viel. 

Im Ringhotel Paulsen fährt man dafür gleich sechs Gänge auf und zu jedem Gang den korrespondierenden Whisky. Wer den nicht mag, meldet sich einfach und nimmt stattdessen ein anderes Getränk.
Jedoch bringt einen der Whiskyfachmann Olaf Jacobsen sehr einfühlsam und mit großem Know-How dazu, sich mit einem bestimmten Whisky auf den nachfolgenden Gang vorzubereiten. Alle Sinne, vor allem Nase und Gaumen werden auf vollen Empfang getrimmt, um bestimmte Beinoten wie Zitrus, Eichenfass oder Torf zu entdecken. Wobei meine Nase einzig den Torf herausriecht, denn der ist auch noch bei dickem Schnupfen nicht schwer zu erkennen. Ich komme mir vor als säße ich in einem alten Cottage im einsamen Connemara am Kaminfeuer. Connemara ist in Irland, aber genau von da habe ich noch den Geruch von Torffeuern in Erinnerung.

Die Reise geht von schwerem Whisky bis hin zum leichten, milden bei der Nachspeise. Die übrigens ein „Trifle“ und unabdingbarer Bestandteil eines Burns-Supper ist. Hier amüsiert mich die Worterklärung in Wikipedia, die es als englische Nachspeise tituliert. 
Lasst das mal keinen Schotten hören, dann haben wir aber den Salat! Im weiteren belehrt mich Wikipedia über den Wortursprung aus dem französischen „Trufe“, was „Nichtigkeit“ oder „Kleinigkeit“ bedeutet. Hier bin ich froh, daß meine Waage nicht sprechen kann, denn sie würde mich eines besseren belehren.
Nach einer exzellenten Fischsuppe, dem typisch schottischen „Cullen Skink“, kommt es zum Höhepunkt des Abends, dem traditionellen „Haggis-Anschnitt“. Oder sollte ich besser sagen „Haggisblase platzen lassen“?
Unser Schottland-Whisky-Burns-Reiseleiter Olaf beherrscht die Zeremonie perfekt und trägt auch erhaben Burns‘ Ode „Address to the Haggis“ vor. 
Das „honest sonsie face“, das „alte Fettgesicht“ wird beschworen mit gezücktem Messer aus der Socke seines schottischen Kilts.
Es ist ein herrliches Spektakel! Fettig ist es übrigens mitnichten. Meine Gäste, die auf unseren Schottlandreisen schon einmal Haggis probiert haben, bestätigen, daß sie noch kein besseres als bei Paulsen gegessen haben.
Was für ein Kompliment! Der Qualität meiner Schottlandreisen tut das aber sicherlich keinen Abbruch, daß nun gerade hier in Zeven das Essen noch besser war als am Originalschauplatz.

Zur Ehrenrettung der schottischen Küche sei deutlich angemerkt, daß es hier tatsächlich sehr gute Qualität gibt und die Restaurants dort jede Menge Gutes auf den Teller zaubern. Die ewig Vorurteilenden sollten mit ihrem „da kann man doch nicht essen“ endlich einmal zum Schweigen gebracht werden. Kommt mit und probiert selbst!


Musik gibt es natürlich auch, und wie sollte es anders sein - der Dudelsack gehört dazu. MacPiet beherrscht aber auch Folksongs auf der Gitarre perfekt, hat an diesem Abend ein sehr begeisterungsfähiges Publikum, das ihn bis weit nach Mitternacht in Anspruch nimmt.
Bei dieser Gelegenheit kann ich auch eine besondere Nahaufnahme machen, und ich schwöre bei allem was mir heilig ist, daß ich nur das Knie mit der „Bodhrán“ knipsen wollte, doch wenn ich mir das Bild jetzt etwas genauer betrachte und vor allem vergrößere......

..... dann könnte man eventuell auf die Idee kommen, was der Schotte unterm Rock trägt. Das Knie gehört übrigens nicht MacPiet, sondern Olaf Jacobsen. Oh là là!

Einer der besten Unterhaltungsabende seit langem geht zu Ende, das nette Paulsen-Personal verabschiedet sich von uns per Handschlag, und wir versprechen, wiederzukommen.
Und genau das machen wir auch im nächsten Jahr, wenn wir wieder Geburtstag feiern, und zwar vom 25.-27.1.2019.
All denjenigen, die ich in diesem Jahr nicht motivieren konnte mitzufahren, weil sie entweder keinen Whisky trinken oder meinten, sie könnten doch nicht soviel essen, denen sei gesagt, daß sie etwas ganz Besonderes verpasst haben.
Wir haben ein tolles Wochenende geboten, von dem alle Teilnehmer schwärmen. Wir haben jeden einzelnen Gang genossen und zelebriert. Wer partout keinen Whisky mag, der lässt es halt und trinkt etwas anderes.
Allein der ganze Rahmen, Olaf Jacobsens Geschichten  und der Traum von den schönen schottischen Landschaften waren jeden einzelnen Euro wert. 
Dieser Traum kann übrigens noch in diesem Jahr wahr werden, denn wir haben für den 12.-21.9.18 noch ein paar Plätze auf unserer Rundreise „Schottland/Nordirland“ frei.

Und nächstes Jahr, nicht vergessen, merkt Euch jetzt schon wieder vor: Kulinarisches Wochenende - das besondere Erlebnis.

See you, my dears!


©️ Gabi Quiatek

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